Bevor wir jetzt aber ans Eingemachte gehen, blicken wir traditionell ein bisschen auf die Gesellschaft und deren Geschichte, damit wir gemeinsam ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen. Start-up? Alteingesessener Versicherer? Gewachsen durch Übernahmen? Rechtsform?

Zu Beginn folgt der Blick fast 200 Jahre in die Vergangenheit. Im Jahr 1825 wurde in Ulm die “Württembergischen Waaren- und Mobilien- und Brand Assekuranz” gegründet, drei Jahre später in Stuttgarter die “Württembergische Privat-Feuer-Versicherungs-Gesellschaft”. Damals wie heute war der Gedanken “Der einzelne kann den Schaden wie z.B. durch ein großes Feuer nicht ersetzen, also zahlen viele in einen Topf und stehen gemeinsam ein” Der löbliche Grundgedanke einer Versicherung wurde also schon im frühen 19. Jahrhundert in Württemberg gelebt. Bereits 1835 wurde der erste deutsche Lebensversicherer (wie wir ihn heute) kennen in Stuttgart gegründet mit  der“Allgemeinen Renten-Anstalt zu Stuttgart”.
Spricht man über die Württembergische, so muss man auch das Thema Bausparen mit aufnehmen. Denn 1912 wurde die Wüstenrot im gleichen kleinen Örtchen gegründet.
Jetzt springen wir ein bisschen weiter, denn 1991 wurde letztendlich die Württembergische Versicherungsgruppe gegründet. Dies war auch der Anlass, den bekannten Slogan “Die Württembergische - der Fels in der Brandung” zu kreieren. Es gibt auf jeden Fall schlimmere Sprüche.
1999 gab es anschließend die Elefantenhochzeit zwischen der Bausparkasse Wüstenrot mit der Württembergischen, 2005 blickte man nach Baden und erwarb die Mehrheit an der Karlsruher Versicherungsgruppe. Durchaus eine bewegte Geschichte, die Württembergische ist also auch ein (kleiner) Teil Deutscher Wirtschaftsgeschichte.

Mittlerweile ist man aber kein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mehr (so wie ganz zu Beginn), sondern an der Börse gelistet. Du könntest also theoretisch Aktien der Gesellschaft erwerben. Die Mehrheit an der Börse hat aber die gemeinnützige Wüstenrot Stiftung, welche über 66 Prozent am Unternehmen hält.

Was sind die Hauptprodukte der Württembergischen?

Der Konzern aus Schwaben ist ein sogenannter Vollsortimenter. Man spezialisiert sich bewusst nicht, sondern spielt auf verschiedenen Hochzeiten und möchte seinen Kunden alles aus einer Hand anbieten. So gibt es logischerweise die Bereiche:

  • Lebensversicherung (darunter natürlich die Sparte Berufsunfähigkeitsversicherung, aber auch Altersvorsorge Lösungen)
  • Krankenversicherunge (Private Krankenversicherung, wie auch Zusatz / Betriebliche Krankenversicherungen
  • Sämtliche Sachversicherungen für Privat und Gewerbe
  • Somit auch die KFZ-Versicherung
  • Und die bekannte Bausparkasse mit der Wüstenrot

Auf so ein umfangreiches Sortiment können nicht viele Versicherer blicken, insbesondere die eigene Bausparkasse ist natürlich fast schon ein Novum. Kann man alles gut oder auch schlecht finden. Möchte man alles aus einer Hand, bietet die Württembergische somit eine Lösung an. Es gibt aber seit Jahren eher den Trend, dass man in jeder Sparte die für sich individuell passende Lösung sucht. Das ist übrigens auch der Grundgedanke des Versicherungsmaklers, welcher den Markt überblickt und für seine Mandanten die passende Lösung sucht & hoffentlich auch findet.

Über wen bietet die Württembergische ihre Versicherungsprodukte an?

Wir haben es schon leicht angesprochen. Der größte Kanal ist mit weitem Abstand die eigene Ausschließlichkeit, sprich, die eigenen Vertreter. Selbst bei uns im vorderen, Bayerischen Wald am Land tauchen immer wieder Agenturen der Württembergischen auf, obwohl wir vom Ländle durchaus ein paar km entfernt sind. Da ist über Jahrzehnte durchaus eine umfangreiche Struktur gewachsen mit persönlicher Betreuung vor Ort. Es kommt den Agenturen dann natürlich zugute, dass der Versicherer auch Firmen und Gewerbe versichert, hier ist eine Vor-Ort-Betreuung vielleicht vom Gefühl her nochmals ein bisschen wichtiger. Zudem ist (war?) der Bausparer ja das liebste Kind des Deutschen. Die eigene Ausschließlichkeit ist somit mit weitem, weitem Abstand der wichtigste Absatzmarkt.

Erfreulicherweise spielen Strukturvertriebler mit oftmals wenigen Buchstaben, aber markigen Sprüchen, nach unserem Kenntnisstand eine eher geringere Rolle. 

Sämtliche Produkte der Württembergischen können aber auch vom freien Makler / Berater (also auch wir) vermittelt werden. Es ist nicht so wie z.B. bei der HUK-Coburg, Debeka oder Generali, dass diese ausschließlich über die eigenen Vertreter angeboten werden können. Das ist durchaus schon mal positiv.
Mag man diverse Umfangreichen Umfragen, unser eigener Bestand & Gespräche mit Kollegen aber trauen, dann spielt die Württembergischen eine eher untergeordnete Rolle. In der Sachversicherung (also so etwas wie die private Haftpflicht. Unfall, Wohngebäude oder Hausrat) faktisch gar keine, in der Gewerbeversicherung sieht es etwas anders aus (=Präsenter im Maklermarkt). Diese ist ehrlich gesagt aber nicht unser Schwerpunkt. Das sieht in der privaten Krankenversicherung schon anders aus, aber auch hier gibt es nach unserem Kenntnisstand keine größere Durchdringung.
Das müssen wir auch im Lebenbereich, einschließlich der Berufsunfähigkeitsversicherung, feststellen. Ich glaube fast, die Berufsunfähigkeit haben wir noch kein einziges Mal vermittelt, eine Handvoll Aktionen in der Risikolebensversicherung können wir feststellen. Liegt eben in allen Sparten daran, dass Mitbewerber in unseren Augen bessere Produkte anbieten. Aber das muss nicht in Stein gemeißelt sein, denn die Welt wandelt sich…

Deshalb gründete die Württembergische auch die Unternehmenstochter namens “Adam Riese”. Den Namen finden wir übrigens genial, guter Schachzug. Adam Riese ist ein junges Corporate Startup, welches in der Sachversicherung einfache Produkte in hoher Qualität anbieten möchte. Man hat wohl erkannt, dass man in der typischen Sachversicherung mit den bisherigen Produkten weder beim Makler, noch direkt beim Endkunden punkten konnte bzgl. Preis / Leistung. Die neuen Tarife & Entwicklungen der Adam Riese sind vom Preis- / Leistungsverhältnis recht gut, bei den Bedingungen ist teilweise ganz leicht Luft nach oben, wie wir auch im Erfahrungsbericht der Adam Riese Unfallversicherung festgestellt haben.
Wir haben bei uns im Bestand ja auch einige recht digitale Kunden, welche am liebsten viel selber machen. Können Sie ja auch, dafür gibt es unsere Kundencloud & App simplr. Hier folgt immer wieder mal ein Abschluss eines Produktes von Adam Riese. Oder wir bekommen eine Bestandsübertragung rein, wo eine Haftpflicht direkt bei Adam Riese abgeschlossen wurde, man diese aber gerne von uns betreut und in einer Übersicht hätte. Erfahrungswerte im Schaden & Service fehlen uns aber. Positiv wäre aber, dass die Schadensbearbeitung bei komplizierten Fällen die große Mutter mit der Württembergischen übernimmt.


1. Die Gesundheitsfragen der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Für uns in der Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung spielen die Gesundheitsfragen eine extrem wichtige Rolle. Wie sind diese gestellt? Gibt es Fallstricke und Stolperfallen? Oder gibt man schlichtweg faire Antragsfragen an den Verbraucher weiter? 

So sind die Gesundheitsfragen der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Das erste Feedback von unserer Seite fällt erst einmal positiv auf. Die wichtigste und große Gesundheitsfrage ist erstmals geschlossen mit:

“Sind oder waren Sie in den letzten 5 Jahren bei Ärzten, Heilpraktikern, Physio-, Psychotherapeuten oder sonstigen nichtärztlichen Therapeuten in Beratung, in Behandlung oder zur Untersuchung wegen Krankheit”

Es werden also direkt nur Beratungen, Behandlungen oder Untersuchungen nachgefragt. Bei manchen Versicherern am Markt wird über fünf Jahre ja auch “Störungen, Beschwerden und Missempfindungen” gefragt, weswegen man nicht beim Arzt war. Wie sagte ein Maklerkollege “Ich hab mich vor drei Jahren am Sack gekratzt, war dies dann schon eine Missempfindung?”. Eine saubere Formulierung bei der sehr großen und umfangreichen Gesundheitsfrage ist uns mittlerweile sehr wichtig geworden. Aber nicht nur uns, sondern auch unseren Interessenten, die ja vor allem einen rechtssicheren Vertrag wollen, um später im Leistungsfall keine Angriffsfläche zu bieten. Diesen Teil der Gesundheitsprüfung hat die Württembergischen also gut gelöst. 

Die Abfrage nach Arztbesuchen wegen psychischer Beschwerden ist ebenfalls in dem fünf-Jahres Zeitraum mit drin, hier fragen einige Versicherer ja noch zehn Jahre nach. Auf der anderen Seite - auch das könnte wiederum das Kollektiv schützen. Denn wie wir alle wissen, sind Erkrankungen der Psyche der mit weitem Abstand mittlerweile häufigste Grund für den Leistungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Frage nach Beschwerden beschränkt sich auf drei Monate

Es ist aber durchaus üblich, dass der Versicherer die Frage nach Beschwerden zwar einbaut, aber drastisch verkürzt. So auch bei den Schwaben mit:

Haben Sie derzeit oder hatten Sie in den letzten 3 Monaten Beschwerden in einem der unter 4.1 bis 4.14 genannten Bereiche? (Bitte auch Beschwerden angeben, wegen derer Sie weder beraten, untersucht oder behandelt wurden.)

Das finden wir normal und schützt auch das Versichertenkollektiv. Es gibt sicherlich Personen, die seit einigen Monaten psychische Beschwerden oder ein Rückenleiden haben, aber deswegen noch nicht in ärztlicher Behandlung waren. Die Idee mit “Dann schließe ich mal schnell eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab” ist zwar grundsätzlich verständlich, dass dies aber der Versicherer und die Versichertengemeinschaft nicht für gut heißt, dürfte klar sein. Man muss sich die Risiko- / Antragsprüfung ja so wie einen Türsteher vor einem bekannten Club vorstellen. Dieser mustert auch vorher die Interessenten und sortiert aus. Akute Beschwerden müssten also bei der Württembergischen angegeben werden, dies schützt aber die Gemeinschaft. Daher finden wir diese Frage nicht schlimm und sind hier eher auf Seiten des Versicherers. Ein durchaus bekannter Versicherer verzichtet aber komplett auf die Frage nach Beschwerden, das finden wir wiederum auch interessant

Weniger gut ist die Formulierung zwecks Krankenhaus, Klinik und Co.

Auf den ersten Blick sieht diese wenig dramatisch aus, mit

“Waren Sie in den letzten 10 Jahren in einer Klinik (Krankenhaus, Praxisklinik, REHA-Klinik, Kurklinik, Entwöhnungsklinik), haben Operationen stattgefunden oder sind Klinikaufenthalte oder Operationen in den nächsten 12 Monaten ärztlich empfohlen oder beabsichtigt?”

Uns gefällt die Formulierung mit “Waren Sie in den letzten 10 Jahren….” nicht so recht. Uns fehlt der Begriff “Stationär”. Nicht wenige Ärzte haben mittlerweile ihre Behandlungszimmer in einem Krankenhaus. Also müsste dieser Besuch von vor sieben Jahren angegeben werden. Ebenso, wie wenn Du Dich vor acht Jahren mal für wenige Stunden am Wochenende in der Notaufnahme befandest, da logischerweise der Hausarzt geschlossen hatte. Baut man den Begriff “Stationär” ein, dürfte alles völlig klar sein. Stationär bedeutet nämlich, dass man mindestens eine Nacht geblieben ist. Das könnte verbessert werden.
Marktüblich ist hingegen, dass man auch nach geplanten Operationen in den nächsten 12 Monaten nachfragt.

Bisschen merkwürdig ist die Frage nach dem weiteren Gesundheitszustand mit

 

Ebenso überflüssig ist eigentlich folgende Formulierung:

“Waren Sie innerhalb der letzten 5 Jahre vor Antragstellung wegen ein und derselben Erkrankung, die nicht unter 4.1 bis 4.14 fällt, häufiger als zweimal in Behandlung, Beratung oder Kontrolle (z. B. bei Ärzten, Psychotherapeuten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten. Nicht anzugeben sind grippale Infekte sowie Zahnbehandlungen)?”

Die Angaben des “Gefahrenumstandes” erfolgt doch eh durch die große Frage mit den fünf Jahren. Etwas überflüssig in unseren Augen.
Ebenso recht selten ist die Frage, ob man aus gesundheitlichen Gründen in den letzten zehn Jahren den Beruf gewechselt hat.

Kommt recht selten vor in den Antragsbögen der Versicherung. 

Die offene Frage mit körperliche, geistige oder angeborene Erkrankungen bleibt aber

Die folgende Frage mit:

“Bestehen körperliche oder geistige Schäden/Behinderungen oder eine angeborene Erkrankung (z. B. Taubheit, Blindheit, Schwerhörigkeit, Fehlsichtigkeit von mehr als 8 Dioptrien, weitere Sinnesorgane, Amputationen, Versteifungen, Rückgratverkrümmung, Bandscheibenschäden, Lähmungen)?”

Ist aber normal in unseren Augen, schützt auch das Kollektiv wieder. Damit möchte der Versicherer vor allem degenerative Veränderungen wissen. Das kann auch der Kreuzbandriss von vor 18 Jahren sein. Das Knie ist nie mehr so wie vorher, sondern instabil. Man fällt zwar im Leistungsfall nicht darüber, aber liest man die Frage genau nach, kann man vermuten, dass dies angegeben werden muss. Ebenso, wie wenn man bei einem Unfall einen Arm verlor, aber seit fünf Jahren nicht mehr in Behandlung war. Vor allem darauf zielt die Frage ab, welche man aber fast in jedem anderen Fragebogen der Versicherer ebenso sieht.

Die Gesundheitsprüfung der Württembergischen ist also so ein bisschen solala und ein bisschen umfangreich, aber für uns noch im akzeptablen und normalen Bereich.

Positiv - es gibt keine Abfrage nach abgelehnten Anträgen bei der Württembergischen

Das ist durchaus positiv zu sehen - es gibt keine Nachfrage danach, ob Du schon mal einen Antrag gestellt hast, welcher abgelehnt, zurückgestellt oder zu nicht normalen Bedingungen angenommen wurde. Somit schnappt die Württembergische einen kleinen Trend auf, denn immer mehr Versicherer verzichten auf die Fragestellung, so auch die HDI seit dem Update Anfang 2023. In der Praxis sind abgelehnte Anträge aber für uns nicht das größte Problem in der BU-Beratung. Vorausgehend sind meistens wissende Nerds oder unwissende Verbraucher, die auf eigene Faust eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollten. Animiert durch Vergleichsportale, Finanztest und Co. Hier werden dann handwerkliche Fehler gemacht bei der Zusammenstellung der Gesundheitshistorie und ausbaden dürfen wir und die geschätzten Kollegen, die ebenfalls in der Biometrischen Absicherung daheim sind. Aber nun gut, Fehler passieren. 

Gefährliche Hobbys, Auslandsaufenthalte sowie Rauchverhalten bei der Württembergischen

Die Württembergische nahm auch den Trend auf und fragte nach dem Rauchverhalten in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Dieses ist also beitragsrelevant und macht durchaus etwas aus - der Mehrpreis für Raucher liegt bei über zehn Prozent. Wenn das kein Grund ist, zum Nichtraucher zu werden 🙂.

Die genaue Raucherdefinition wäre wie folgt:

“Sind Sie Nichtraucher (Nichtraucher ist, wer in den vergangenen 12 Monaten vor Antragstellung Nikotin weder durch den Genuss von Zigaretten, Zigarren, Pfeife, Kautabak, Schnupftabak, Wasserpfeife, Shisha, E-Zigarette, E-Zigarre, E-Pfeife noch in anderer Form aktiv zu sich genommen hat und auch beabsichtigt, in Zukunft Nichtraucher zu bleiben.)?”

Etwas amüsant ist die Frage, ob man auch in Zukunft vorhat, Nichtraucher zu bleiben….

Geplante Auslandsaufenthalte werden abgefragt mit

“Beabsichtigen Sie, innerhalb der nächsten 12 Monate länger als 3 Monate in ein außereuropäisches Land zu reisen? Wenn ja, wohin? Wie lange? Veranlassung?”

Das finden wir recht gut gelöst mit der Definition “Außereuropäisches Land”. Oftmals beschränken sich die Versicherer auf die Europäische Union, was zur Folge hat, dass man längere Auslandsaufenthalte in der Schweiz, Großbritannien oder Norwegen angeben müsste. Finden wir gut, dass die Württembergische sich nur auf Länder außerhalb von Europa bezieht. Das schafft etwas Klarheit.

Ebenso Klarheit versucht die Württembergische bei den Fragen nach gefährlichen Hobbys / Freizeitverhalten zu bringen. Es gibt nämlich eine relativ genaue Definition von Hobbys. Beim Bergsteigen ist man sogar über 5.000 Meter angekommen, was eine gewisse Seltenheit darstellt.

Sind Sie besonderen Gefahren im Beruf (z. B. Flugrisiko, Chemikalien, radioaktive Stoffe/ Strahlen, Aufenthalt in Krisengebieten) oder bei Sport und Hobby (z. B. Flugsport aller Art, Motorsport (nur anzugeben bei Teilnahme an Wettkämpfen, Rennen oder Veranstaltungen zur Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit), Bergsport (nur anzugeben bei Bergsteigen über 5.000 m Höhe, Klettern ab Schwierigkeitsgrad 7 UIAA (In- oder Outdoor), Klettersteiggehen ab Schwierigkeitsgrad D, Solo-, Speed-, Höhlen-, Gebäude-, Wettkampf-, Eisklettern oder Freeclimbing sowie Expedition/Erstbegehung), Tauchsport, Reitsport, Kampfsport oder andere Extremsportarten) ausgesetzt? Wenn ja, welche? 

Im Zweifel gilt hier aber in unseren Augen - lieber einen Tick zu viel angeben und dem Versicherer über den potenziellen Gefahrenumstand Bescheid geben, als zu wenig. Saubere Eigenerklärung (keine Fragebögen!) und gut ist.

Gibt es bei der Württembergischen vereinfachte Gesundheitsfragen / Aktionen in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ja, es gibt schon seit etlichen Jahren eine Aktion mit verkürzter Gesundheitsprüfung. Diese war über all die Jahre aber nur sogenannten Bonuskunden möglich. Bonuskunde bedeutet, dass man mind. drei Verträge aus folgenden Sparten bei den Schwaben seit mind. sechs Monate haben musste:

  • KFZ-Versicherung
  • Private Haftpflichtversicherung
  • Unfallversicherung
  • Hausratversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Tierhalterhaftpflichtversicherung (Hund, Pferd)

Hatte man mind. drei Versicherungen, konnte man seit 2022 maximal 1.000 Euro absichern in dieser Aktion. Die Gesundheitsfragen sahen wie folgt aus:

Mehr dazu findest Du auch im Artikel “Aktualisierte Sonderaktion der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung 2022”.
Bei uns kommen zwar sehr viele Interessenten über die vereinfachten Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung, aber diese Aktion hat bisher noch niemand abgeschlossen. Die Mischung aus der Kombination der mindestens drei Sachversicherungen, der nicht soooo vereinfachten Gesundheitsprüfung sowie den maximal 1.000 Euro, schreckte dann doch viele potentielle Interessenten von der Württembergischen ab.

Im Mai 2023 brachte die Württembergische eine weitere Aktion an die Öffentlichkeit

Auf den ersten Blick werden die Eckdaten verbessert, da zum einen bis zu 2.000 Euro abgesichert werden können, auf der anderen Seite müssen keine Sachverträge vorherrschen. Die Gesundheitsfragen sind auch etwas anders:

Eine anonyme Risikovoranfrage wäre hier erlaubt, eine Ja-Antwort ist also kein Grund, warum dieses Sonderkonzept nicht gemacht werden kann. Was aber extrem dämlich geregelt wurde, ist die Tatsache, dass vorhandene Verträge anderer BU-Versicherer angerechnet werden auf die maximalen 2.000 Euro. Es wird also nicht nur die finanzielle Angemessenheit bewertet. Wirklich nicht toll gelöst.

Weitere Fallstricke, Besonderheiten oder auch gute Lösungen, kannst Du unter “Sonderaktion Württembergische Berufsunfähigkeitsversicherung mit weniger Gesundheitsfragennachlesen. Dieses Sonderkonzept läuft nach unserem Kenntnisstand erst einmal unbefristet weiter. Dann bleibt also genügend Zeit, um etwas Feinschliff zu betreiben. Grob geht's ja in die passende Richtung.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung komplett ohne Gesundheitsfragen bietet die Württembergische wie erwartet nicht an.

Ein “Mittäter” ist die Württembergischen aber im Themenbereich der Risikolebensversicherung mit verkürzter Gesundheitsprüfung. Im Zuge einer Immobilienfinanzierung oder der Geburt eines Kindes gibt es stark vereinfachte Gesundheitsfragen für bis zu 400.000 Euro an. Im Finanzierungsbereich schwimmt man hier etwas mit der Masse, aber insbesondere bei Geburt / Adoption eines Kindes kann die Aktion interessant sein, da hier der Markt sehr überschaubar ist (Die Dortmunder sowie die LV 1871 spielen hier eine gute Rolle, letztere aber bis max. 100.000 Euro).

Kann bei der Württembergischen eine anonyme Risikovoranfrage in der Berufsunfähigkeitsversicherung gemacht werden?

Ja, es ist möglich, dass man bei der Württembergische eine anonyme Risikovoranfrage stellt und nicht direkt einen Antrag mit all seinen (theoretisch) negativen Konsequenzen. Solltest Du direkt von einem Vertreter der Württembergische beraten werden, dann sorge bitte dafür, dass bei bestimmten Ja-Antworten (z.B. bei gewissen Vorerkrankungen oder gefährlichen Hobbys) der Antrag nicht direkt eingereicht wird, sondern dies explizit erstmals ohne Namen bei Dir passiert - sprich, eine anonymisierte Vorabanfrage.
Für uns als spezialisierte Versicherungsmakler mit Schwerpunkt Berufsunfähigkeitsversicherung ist dies täglich Brot, immerhin dürften wir mittlerweile weit über 5.000 Voranfragen über die Jahre verschickt haben. Wir sind aber ehrlich mit Dir. Wir können die Qualität der Risikoprüfung / des Underwriting des Versicherers nicht einschätzen, da wir so gut wie keine Voranfragen stellen aus Gründen, die später noch kommen. Normalerweise folgen in diesem Absatz umfangreiche Erfahrungsberichte von uns zur individuellen (oder nicht individuellen) Risikoprüfung der Gesellschaft. Bei der Württembergischen fehlen uns ehrlich gesagt die Erfahrungsberichte. Es geht aber nicht nur uns so, sondern sicherlich auch den Kollegen, die Gesellschaft spielt halt nicht sooo die Rolle. Kann in ein paar Jahren sicherlich anders aussehen, aber das ist der aktuelle und ehrliche Stand. 

“Ich möchte aber trotzdem eine anonyme Risikovoranfrage bei der Württembergische machen - worauf sollte ich achten?””

Solltest Du unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei der Württembergischen abschließen wollen (dies gilt für den normalen Weg wie auch die Sonderaktion), sollte man einiges beachten zur optimalen anonymen Risikovoranfrage. 

  1. Wir arbeiten sehr gerne mit ärztlichen Stellungnahmen / Attesten in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese sollten idealerweise nach dem Schema “WAS war WANN, WARUM, WIE wurde behandelt, wann war WIEDER GUT” aufgebaut sein. Werde Dir bitte bewusst, dass Dein behandelnder Arzt der wichtigste Verbündete ist auf dem Weg zur passenden BU. 
  2. Ebenso solltest Du bei einer Ja-Antwort umfangreiche Eigenerklärung / Erläuterungen in unserem Gesundheitsdaten Beiblatt folgen lassen. Du musst den “Türsteher” (Risikoprüfer) davon überzeugen, dass Du an der coolen Party teilnehmen darfst (= Du kommst in die Versichertengemeinschaft). 
  3. Im Zuge dessen sind wir somit auch keine Freunde von Fragebögen in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese sind uns zu sehr nach dem Schema “Ja / Nein” aufgebaut und lassen oftmals wenig persönliche Erklärungen über den jeweiligen Gefahrenumstand über. Unsere Risikovoranfragen sind eigentlich so gut, da sollte es keine offenen Fragen geben, die nur mit einem Fragebogen beantwortet werden können. Ist aber oftmals die Trotzreaktion überforderter Risikoprüfer (oder es kommt gleich der Hinweis, dass wir einen Antrag stellen sollen). 

Mit unserer Expertise können wir Dir sicherlich helfen, einen sauberen und rechtssicheren Vertrag bei der Württembergischen zu bekommen. Können die Schwaben sein, auf Wunsch überblicken wir aber auch den großen Markt an möglichen Versicherern. 

Unser Service kostet für Dich übrigens keinen Cent, wenn wir Deine Anfrage angenommen haben (Voraussetzung ist also, dass Du unsere Spielregeln zur BU-Beratung angenommen hast). Du zahlst bei uns dieselbe Prämie, wie wenn Du bei einem Versicherungsvertreter vor Ort, Check24 oder direkt bei der Gesellschaft abschließt. Mit uns kaufst Du Dir aber viel Fachwissen ein. So umgehst Du mit den Bierls auch die größten Fehler in der Risikovoranfrage, damit es später auch keine Probleme im Leistungsfall gibt (wobei wir hier eh mit dem BU-Expertenservice bzgl. Leistungsfall kooperieren). 

Ebenso können wir auf eine interne Liste der Württembergischen mit einer Vorabeinschätzung für die einzelnen Risiken zugreifen.

Bei vermeintlich gefährlichen Hobbys folgt das selbe Schema:

Zusätzlich gibt es auch eine Auflistung von Erkrankungen, welche von der Württembergischen normal angenommen werden. Ein kleiner Auszug:

  • Einmalige Bindehautentzündung
  • Darmgrippe
  • Mandelentfernung
  • Muskelfaserriss
  • Nasenbeinfraktur (ohne Folgen verheilt)
  • Pilzerkrankungen
  • Rippenfraktur (folgendes verheilt)
  • Verstauchungen an Gelenken
  • Zahnbehandlungen

Damit bekommt man eine erste Indikation. Oder uns einfach fragen 😉.

Tipp

So kommst Du zur passenden BU-Versicherung bei uns

Folgende Schritte kannst bereits vor dem ersten Kontakt mit uns schon selbständig durchführen:

  1. Risikovoranfragebogen 📑 - Bitte herunterladen und ausfüllen.
  2. Gesundheitsdatenbeiblatt 📑 - Bitte herunterladen und ausfüllen. 
  3. Vorab Datenschutzerklärung 📑 - Bitte herunterladen und unterzeichnen.
  4. Neukundenregistrierung - Registriere Dich in unserem Kundenportal simplr und lade die drei Dokumente aus 1.-3. (& ggf. weitere ärztliche Unterlagen) als PDF hoch. Mehr zur simplr-Registrierung. Bitte keine einzelnen Seiten hochladen und pro Vorgang/Dokument ein PDF mit der korrekten Bezeichnung. Mehr zum Dokumentenupload.
  5. Schick uns bitte eine kurze Info per Mail oder über unser Kontaktformular, wenn Du Schritt 4. erledigt hast. Wir prüfen Deine Unterlagen (i.d.R. innerhalb von 48 h) und melden uns bei Dir.

Wichtige Hinweise:

  • Bitte schicke uns keine Unterlagen per Mail, sondern nur über unser Kundenportal simplr. Hier sind Deine sensiblen Daten zu 100% geschützt.
  • Falls Du größere Zweifel an Deiner "Versicherbarkeit" aufgrund von Vorerkrankungen hast, schreib uns bitte vorher eine kurze Mail oder ruf uns an. Wir können inzwischen sehr gut abschätzen, ob sich die Mühen lohnen.
  • Wir sind auf Deine aktive Mitarbeit angewiesen und erwarten auch ein gewisses Maß an Menschlichkeit. Lies Dir bitte Unsere Spielregeln zur Beratung in der Berufsunfähigkeitsversicherung durch🙏.
  • Eine ausführlichere Beschreibung der Schritte findest Du unter Unser Ansatzweg & Vorgehensweise zur passenden BU-Versicherung.

2. Technische Ausgestaltung der Württembergischen Berufsunfähigkeit (Dynamik / Nachversicherung und Co.)

Zu einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung gehört auch die passende technische Ausgestaltung. Diese entscheidet über die langfristige Flexibilität und die bedarfsgerechte Absicherung. Sehr viele Parameter müssen aber zu Beginn gesetzt werden. Entweder durch verschiedene Bausteine oder allgemein über die Auswahl des Versicherers. Wie flexibel ist die Württembergische bei der Konfiguration für Dich?

2.A.: Beitragsdynamik der Württembergischen

Eines der wichtigsten Features für uns ist die Beitragsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Durch diese erhöht sich jedes Jahr Dein Schutz. Ganz ohne erneute Gesundheitsfragen. Es ist daher extrem ratsam, die Dynamik der Beiträge so hoch wie möglich anzusetzen. Bitte beachte auch, dass die Dynamik vor allem nur dem Inflationsausgleich dient. Ereignisse wie der Einstieg ins Berufsleben oder gehörige Gehaltssprünge federst Du später durch eine Nachversicherung ab. 

Wie regelt die Württembergische die Beitragsdynamik?

In einem kleinen Infofeld im Tarifrechner stehen weitere Details:

Auf den ersten Blick finden wir einige positive Aussagen:

  • Die Beitragsdynamik kann bis zu fünf Prozent betragen. Das ist nicht bei allen Versicherern so, bei der Zurich gehen z.B. nur drei Prozent
  • Der Dynamik kann unbegrenzt widersprochen werden (auch wenn dies keinen Sinn macht)
  • Die letzte Anpassung folgt mit dem 62. Lebensjahr bzw. bis fünf Jahre vor Vertragsende. Das ist auch ein guter Wert, da einige weitere bekannte Versicherer nur bis 55 Jahre erhöhen, wie z.B. die Allianz, Baloise oder Bayerische

Auch bei Schüler und Studenten gibt es keine Einschränkung, diese können somit auch die fünf Prozent auswählen. Grundsätzlich also gut gelöst.

Die positiven Aspekte werden aber zunichte gemacht aufgrund der einkommensbezogenen Obergrenze. Diese erfolgt ab einer monatlichen BU-Rente von 2.000 Euro und darf maximal 80 Prozent des Nettoeinkommen betragen.

Das ist natürlich viel zu wenig bezüglich der finanziellen Angemessenheit. Einen Deckel einzuführen ist grundsätzlich keine so dumme Idee, wie wir auch im Artikel “Warum eine gedeckelte BU-Beitragsdynamik sinnvoll sein kann!” niedergeschrieben haben. Voraussetzung ist aber, dass es eine saubere Angemessenheit der Dynamik gibt. Das ist bei der Württembergischen leider nicht der Fall.

2.B.: Leistungsdynamik der Württembergischen Versicherung

Die Beitragsdynamik erhöht die Leistung VOR einer möglichen Berufsunfähigkeit, die Leistungsdynamik (oder auch genannt “Garantierte Rentensteigerung”) erhöht diese IM Leistungsfall. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Es gibt zwar Überschüsse im Leistungsfall, diese sind aber nicht garantiert und können auch theoretisch auf null fallen. Daher solltest Du damit auf keinen Fall planen. In Zeiten einer hohen Inflation wäre es ja schade, wenn Du z.B. mit einer abgesicherten BU-Rentenhöhe von 2.000 Euro im Leistungsfall stehen bleibst. Das Leben wird teuer. Miete, Lebensmittel, der Alltag, aber auch Hobbys. Mit einer garantierten Rentensteigerung fängt man diese bei der Württembergischen ab. Vorrang bei uns hat aber immer erst die maximale Absicherung, welche der Versicherer (in diesem Fall die Württembergische) zulässt. Danach kann man sich die Leistungsdynamik genauer ansehen.

Bei der Württembergischen gibt es nach unserem Kenntnisstand keine Besonderheiten. Keine Positiven, aber auch keine Negativen. Es sind maximal drei Prozent möglich, auswählbar in vollen Prozentschritten.

2.C.: Die Arbeitsunfähigkeitsklausel der Württembergischen

Mitte der 2010er Jahre nahm die Arbeitsunfähigkeitsklausel Einzug in das Leben der BU-Tarife. Positiver “Übeltäter” war hierbei die Condor, die (so glaubt es der Verfasser des Artikels) schon 2009 eine AU-Klausel eingeführt hat, aber erst etliche Jahre später haben viele andere Gesellschaften diesen Baustein eingebaut. Entweder gegen Mehrbeitrag oder automatisch inkludiert in den Vertragsbedingungen. 

So kann man auch bei der Württembergischen diesen Baustein extra dazubuchen. Der Mehrbeitrag dürfte hierbei zwischen fünf und zehn Prozent liegen. Die Leistungsdauer beträgt 24 Monate (so wie z.B. bei der DEVK oder Dialog). Das liegt in der Mitte. Es gibt Versicherer, welche maximal 18 Monate leisten (wie die Continentale, Hanse Merkur, Generali oder Ergo), aber auch wiederum welche mit 36 Monaten (wie z.B. die Universa). Auf der anderen Seite gibt es große Anbieter wie die Debeka oder WWK, welche bis heute keine AU-Klausel anbietet. 
Gut gelungen: Es muss nicht zeitgleich ein Leistungsantrag auf die Berufsunfähigkeitsversicherung gestellt werden. Es genügt sogar eine viermonatige Krankschreibung mit einer weiteren Prognose von zwei Monaten.

§ 2 Was ist Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen? 

(1) Arbeitsunfähigkeit Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine der beiden folgenden Bedingungen erfüllt ist: 

- Die versicherte Person ist seit mindestens 6 Monaten ununterbrochen arbeitsunfähig. Dies wird ärztlich bescheinigt. Mindestens eine der Bescheinigungen muss von einem Facharzt der entsprechenden Fachrichtung ausgestellt sein. 

- Die versicherte Person ist seit mindestens 4 Monaten ununterbrochen arbeitsunfähig. Dies wird ärztlich bescheinigt. Zusätzlich muss ihr ein Facharzt der entsprechenden Fachrichtung bescheinigen, dass sie voraussichtlich bis zum Ablauf von insgesamt 6 oder mehr Monaten ununterbrochen arbeitsunfähig sein wird. Ärztliche Bescheinigungen dürfen Prognosen 

Mitte 2023 gab und gibt es immer noch Versicherer, wo gleichzeitig ein umfangreicher Leistungsantrag gestellt werden muss. So ist das z.B. bei der Allianz, AXA, Canada Life, Continentale, Generali, Hannoverschen oder auch dem HDI.

2.D.: Die Erhöhungsmöglichkeiten bei der Württembergischen

Extrem merkliche Unterschiede gibt es mittlerweile beim Thema Nachversicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese entscheidet ja darüber, wie bedarfsgerecht später mal Deine Absicherung wäre. Insbesondere für junge Leute und (angehende) Akademiker sollten die verschiedenen Erhöhungsmöglichkeiten eine signifikante Rolle bei der Auswahl der passenden Gesellschaft spielen. 

Den ersten großen Minuspunkt bekommt die Württembergische für die Tatsache, dass man nicht auf eine erneute Risikoprüfung sondern “nur” auf eine Gesundheitsprüfung verzichtet.

Das bedeutet, dass die Württembergische Dich beim Ziehen der Nachversicherung folgendes fragen kann:

  • Aktuelle berufliche Tätigkeit (kann extrem teuer werden)
  • Neue Hobbys / Freizeitaktivitäten seit Vertragsbeginn
  • Rauchverhalten
  • Künftige Auslandsaufenthalte
  • Körpergröße & Gewicht (evtl. fällt dies aber in die Kategorie Gesundheitsprüfung, Klarstellung wäre erwünscht)

Insbesondere bei sehr jungen Personen achten wir eigentlich penibel darauf, dass beim Ziehen der Nachversicherung keine erneute Risikoprüfung fällig wird. Da schießt man sich jetzt bei uns gleich etwas ins Abseits. 

Es gibt noch zwei weitere Negativpunkte:

Zum einen hast Du nur sechs Monate, eine Nachversicherung zu ziehen. Das finden wir für zu wenig. Auch aus eigener, egoistischer Sicht. Wir schicken nämlich an unsere Mandanten und Kunden einmal im Jahr einen Jahrescheck. Wenn wir also Kenntnis erlangt haben, dass vor acht Monaten eine Immobilie finanziert wurde, eignet sich dieser Grund nicht mehr zum Erhöhen. Marktstandard ist mittlerweile überall eigentlich 12 Monate. Zumindest bei den guten Tarifen am Markt.
Ebenso etwas altertümlich ist die Tatsache, dass man nur bis zum 45. Lebensjahr erhöhen kann. Standard liegt auch dort wieder bei 50 Jahren. Nicht so toll gelöst.

Welche Gründe gibt es für eine Nachversicherung bei der Württembergischen?

Das sind die typischen Klassiker, anbei die Aufzählung:

  • Erreichen der Volljährigkeit 
  • Heirat 
  • Geburt oder Adoption eines Kindes 
  • Scheidung oder Aufhebung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft 
  • Tod des Ehepartners oder eingetragenen Lebenspartners 
  • Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nach erfolgreichem Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums. Die versicherte Person muss eine der Ausbildung oder des Studiums entsprechende berufliche Tätigkeit tatsächlich ausüben.
  • Abschluss einer staatlich anerkannten beruflichen Fortbildung oder Qualifikation. Beispiele hierzu sind Meisterbrief, Seite 46 von 68 FL166 – 21745 Seite 18 von 33 Fachhochschulstudium oder Promotion. Die versicherte Person muss eine der Fortbildung entsprechende berufliche Tätigkeit tatsächlich ausüben. 
  • Aufnahme einer selbstständigen hauptberuflichen Tätigkeit 
  • Berufsverbesserung nach § 25 
  • Erhöhung des Einkommens:  
  • Bei Angestellten: Erhöhung des jährlichen Bruttoeinkommens um mindestens 10 % gegenüber dem Vorjahr. Variable Gehaltsbestandteile werden dabei nicht berücksichtigt. 
  • Bei Selbstständigen: Erhöhung des durchschnittlichen Gewinns vor Steuern über die letzten 3 Geschäftsjahre um mindestens 30 % im Vergleich zum Gewinn vor Steuern der 3 davor liegenden Geschäftsjahre. 
  • Erstmaliges Überschreiten der Beitragsbemessungsgrenze in der Deutschen Rentenversicherung. Maßgeblich ist die am Wohnort gültige Beitragsbemessungsgrenze. 
  • Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht als selbständiger Handwerker. 
  • Wegfall oder Reduzierung von Versorgungsansprüchen bei Invalidität aus der betrieblichen Altersversorgung, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: - Der Vertrag wird nicht als Privatvertrag mit eigenen Beiträgen fortgeführt. - Die versicherte Person befindet sich in einem neuen ungekündigten Arbeitsverhältnis oder hat eine selbständige berufliche Tätigkeit aufgenommen, die die Mitgliedschaft in der für den Beruf zuständigen Kammer erfordert. 
  • Baubeginn, Kauf oder Darlehensaufnahme von mindestens 50.000 EUR für eine selbstgenutzte Wohnimmobilie durch die versicherte Person, ihren Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner.

Grundsätzlich sind das so die üblichen Klassiker. Meistens kommen eh nur die drei, vier typischen in Frage. 

Zusätzlich gibt es aber noch die Möglichkeit, die Berufsunfähigkeitsversicherung der Württembergischen auch ohne Grund zu erhöhen, sprich eine ereignislose Erhöhung. Diese ist aber an enge Grenzen gesetzt und kann nur in den ersten drei Jahren der Vertragslaufzeit stattfinden, man darf das 35. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und es darf keine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 14 Tagen in den letzten 12 Monaten gewesen sein. Ebenso darf der Vertrag nicht über eine vereinfachte Gesundheitsprüfung zustande gekommen sein. 

Welche Grenze gibt es bei der Württembergischen zur Nachversicherung?

Bei der Württembergischen kannst Du bis maximal 36.000 Euro im Jahr, was somit eine monatliche BU-Rente erhöhen.

Das klingt erst einmal nicht so negativ, da immer bei nicht wenigen Versicherern die magische Grenze bei 2.500 Euro an maximaler Erhöhung liegt (bei der AXA oderBarmenia ist es noch so). Seit gefühlt zwei Jahrzehnten hat sich das bei einigen jetzt nicht geändert. Bei der Württembergischen gab es zumindest die Erhöhung auf 3.000 Euro im Monat. Aber es gibt einen extrem großen Fallstrick, auf den man aufpassen muss. Über die Laufzeit dürfen maximal 1.000 Euro im Monat erhöht werden, 500 Euro pro Ereignis.

Beginnst Du also als Student bei der Württembergischen mit z.B. 750 Euro (da aktuell das Budget für mehr nicht vorhanden ist und Du Dir erst einmal den Gesundheitszustand sichern möchtest), kannst Du später um maximal 1.000 Euro in zwei Schritten erhöhen. Das ist mit der Lebenswirklichkeit von künftigen Gutverdiener nur schwer unter einen Hut zu bringen.
Da können wir keinen angehenden Arzt,Ingenieur, wissenschaftlichen Mitarbeiter oder weitere Jungakademiker hervorlocken. Man schließt die Berufsunfähigkeitsversicherung ja aus dem Grund ab, dass man später relativ einfach gut sicher erhöhen kann. Der Deckel ist leider zu krass.
Zudem sollte man ja auch immer die Abzüge in der Berufsunfähigkeit beim Leistungsfall im Auge behalten. Kann also sein, dass Du bei der Württembergischen zum Entschluss kommst “Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel”.

Hier gibt es andere Anbieter in unseren Augen, welche eine bessere Lösung anbieten. 

  • Bei der LV 1871 Berufsunfähigkeitsversicherung kann je nach Beruf bis zu 3.700 Euro abgesichert werden, durch die Karrieregarantie verdoppelt sich diese Höhe sogar auf bis zu 7.400 Euro!
  • Die Nürnberger hat ein ähnliches System. Normal bis 3.000 Euro (aber sonst keine der obigen Einschränkungen); Karrieregarantie geht bis 6.000 Euro. 
  • Die Gothaer hat nun ebenso eine Karrieregarantie bis 6.000 Euro eingeführt
  • Die Canada Life schießt den Vogel ab, denn dort gibt es Erhöhungsmöglichkeiten bis 10.000 Euro. Man sollte aber andere Nachteile beachten.
  • DieBaloise geht bis 4.000 Euro an maximaler Erhöhung.
  • Die Bayerische bis 3.000, ebenso die HDI - beide mit keinen besonderen Fallstricken.
  • Bei der Allianz kann man unabhängig von der Anfangshöhe bis zu 1.500 Euro mehr absichern, positiv ausgehebelt wird es bei diversen Ereignissen wie dem Eintritt ins Berufsleben nach dem Studium
  • Die Erhöhungsmöglichkeiten der Alten Leipziger muss man studiert haben, sind aber durchaus flexibel. 
  • Beim Volkswohl Bund gibt es leider noch den Deckel bei 2.500 Euro, bei steigenden Einkommen (auch für Selbstständige) kann aber auf bis zu 4.000 Euro erhöht werden.

Ziehst Du bei der Württembergischen aber eine Nachversicherung, dann wird diese in einem neuen Vertrag dokumentiert.

Das ist nicht so optimal, da die Stückkosten für einen 500 Euro Vertrag höher wären, als wenn der ursprüngliche Vertrag von 2.000 auf 2.500 Euro erhöht würde. 

Die gesamte Thematik der Nachversicherung ist in unseren Augen somit nicht so toll gelöst bei der Württembergischen. Sollte jemand von der Gesellschaft mitlesen, dann wisst Ihr nun aber, was wir kritisieren 🙂.

2.E.: Bei der Württembergischen gibt es auch einen Starter- / Einsteigertarif in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Es ist nicht überraschend, dass die Württembergische auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung einen Einsteiger- / Startertarif anbietet. Schließlich arbeitet die Gesellschaft eng mit eigenen Vertretern im Vertrieb zusammen. In solchen Fällen erweisen sich Startertarife als vorteilhaft, da der Beitrag zu Beginn niedrig erscheint und die Erhöhungen erst einige Jahre später eintreten. Manche behaupten spöttisch, dass Kunden in dieser Hinsicht nicht ausreichend informiert werden. Doch bitte missverstehe uns nicht: Einsteigertarife können in bestimmten Situationen Sinn ergeben. Bei uns kommt das vielleicht einmal im Jahr vor, aber das ist eher die Ausnahme. Langfristig gesehen sind Einsteigertarife jedoch immer teurer. Falls man sich am Anfang eine bedarfsgerechte Berufsunfähigkeitsversicherung nicht leisten kann oder möchte (z.B. als Azubi oder Schüler in der Berufsunfähigkeitsversicherung), halten wir die Einsteigervariante für besser, als Abstriche bei der technischen Ausgestaltung zu machen.

Der Einsteigertarif der Württembergischen im Detail

Bei der Württembergischen ist es so, dass es sich um eine Staffelphase handelt. Der Beitrag im Einsteigertarif steigt also die ersten zehn Jahre konstant an. Das sehen wir jetzt am Beispiel eines Studenten der Humanmedizin.

Zu Beginn liegt der Bruttobeitrag also bei 38,06 Euro, dieser steigt über all die Jahre auf 74,92 Euro. Schade, dass nicht der Nettobeitrag ausgewiesen wird. Was auch hier schade ist - die wichtige Beitragsdynamik wird erst zum Ende der Staffelphase fällig. In diesem Beispiel also ab dem zehnten Jahr. Der Student der Humanmedizin würde also später als Arzt (nehmen wir mal an) bei 1.000 Euro bleiben (vorbehaltlich möglicher Erhöhungsmöglichkeit aufgrund Nachversicherung).

Was aber wiederum gut ist - der Einsteigertarif kann jederzeit umgestellt werden auf die normale Variante. Ab dann würde die Beitragsdynamik wieder gelten bei der Württembergischen.
Grundsätzlich gilt es aber auch noch eines zu sagen - es ist jetzt ein Startertarif mit keinem versteckten Fallstrick. Es gibt nämlich Versicherer mit extrem schlechten Bedingungen. Hier endet z.B. die Startphase zu einem gewissen Zeitpunkt. Hier muss dann der Kunde proaktiv(!) den Tarif umstellen, sonst wird z.B. eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung daraus. Das ist natürlich großer Blödsinn. Bei der Württembergischen gibt es über zehn Jahre konstante Steigerungen und gut ist. Langfristig zwar teurer, aber falls in den ersten Jahren die finanziellen Möglichkeiten überschaubar sind - kann man es so machen. Es lauert zumindest keine böse Falle (nehmen wir die fehlende Dynamik der Beiträge mal außen vor).

2.F.: Gibt es eine berufliche Besserstellung bei der Württembergischen?

Ja, die Württembergische hat eine berufliche Besserstellungsoption in ihren Bedingungen niedergelegt.

Das klingt soweit gut, aber folgende Voraussetzungen gibt es dafür:

  • Sie zahlen laufende Beiträge für den Vertrag. 
  • Die versicherte Person arbeitet mindestens seit 6 Monaten in der neuen Tätigkeit. 
  • Die versicherte Person hat uns den Wechsel sowie weitere erforderliche Angaben zur Tätigkeit in Textform mitgeteilt. 
  • Die Beantragung erfolgt vor dem 30. Geburtstag der versicherten Person. 
  • Der Vertrag besteht mindestens seit einem Jahr. 
  • Die neu ausgeübte Tätigkeit kann nach unseren Annahmerichtlinien im bisherigen Umfang versichert werden. 
  • Es wurden keine Leistungen aus diesem Vertrag beantragt oder erbracht. 
  • Es ist bei der versicherten Person bisher keine Berufsunfähigkeit, sonstige Invalidität oder Pflegebedürftigkeit eingetreten und es wurden auch keine derartigen Leistungen beantragt. 
  • Die versicherte Person bezieht kein Krankengeld aus der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung und ist weder arbeitsunfähig noch schul- oder studierunfähig. 
  • Der Vertrag befindet sich nicht im BU-Retter nach § 18 Absatz (2)

Leider finden wir keinen Hinweis darauf, ob die berufliche Besserstellung einhergehend mit einer erneuten Gesundheitsprüfung wäre. Wenn das so ist, dann ist die Besserstellung ja faktisch nix wert. Aber wir denken, die Württembergische hat diesen Passus einfach vergessen und prüft nicht nach neuen Risiken. Bitte aber vertraglich vereinbaren, so wie bei einigen anderen Versicherern.
Wenn dies der Fall ist, ist es definitiv ein cooles und positives Feature. Denn der Schüler, Azubi oder Student bleibt nicht ewig Schüler, Azubi oder Student. Es ist sehr ratsam, dass man dann besser eingestuft werden könnte.

Grundsätzlich gibt es aber auch bei den Schwaben keine Nachmeldepflicht in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Du kannst die obige Option nutzen, musst diese aber nicht.

2.G.: Gibt es eine Absicherung von schweren Krankheiten bei den Schwaben?

Jein. Direkt nicht, es ist gibt aber eine kleine Krebsklausel. Ein Grund für einen Leistungsfall ist nämlich auch eine Krebserkrankung, welche wie folgt definiert wurde:

So ähnlich bieten es mittlerweile auch andere Gesellschaften an, aber diese geben eine Sofortleistung von 12-18 Monaten. Bei der Württembergischen ist diese unbegrenzt. Klingt auf den ersten Blick gut, nüchtern gesehen ist dies aber ein bisschen Marketing. Befindet man sich in einer Chemotherapie und es wurde mindestens eine Fernmetastase entdeckt, ist die Chance extrem hoch, dass man eh berufsunfähig ist. Zudem natürlich auch, wenn man sich gerade in einer palliativen Therapie befindet.
Positiv zu sehen ist, dass die versicherte Person dann schneller Leistung bekommt und in dieser schwierigen Stunde nicht unnötig bürokratischen Aufwand erledigen muss. Von daher - Daumen leicht nach oben.


3. Die wichtigsten Klauseln der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Die technische Ausgestaltung und somit die Anpassungsmöglichkeiten für die Zukunft waren jetzt nicht die Stärken der Württembergischen, aber wie sieht es jetzt eigentlich in den Vertragsbedingungen aus? Dem berühmten Kleingedruckten? Schwarz auf Weiß? Wo gibt es Schwächen? Wo gibt es Stärken?
Wichtig für Dich zu wissen ist sicherlich die Tatsache, dass man sich als Versicherer wegen einiger Ausführungen in den Vertragsbedingungen nicht mehr feiern lassen sollte. So zum Beispiel der Verzicht auf abstrakte Verweisung. Sprich, Du kannst auf keinen anderen Beruf verwiesen werden, als Deinen aktuellen. Ganz vereinfacht gesagt = vom Ingenieur zum Pförtner. Darauf verzichtet mittlerweile eigentlich jeder Versicherer, nur noch einige “Smart-Tarife” der Unternehmen verzichten darauf. Ebenso ist ein Prognosezeitraum von sechs Monaten mittlerweile normal. Sprich, der Gutachter / Arzt muss Dir “nur” eine Berufsunfähigkeit von voraussichtlich sechs Monaten attestieren. In manchen früheren Vertragswerken finden wir noch 24 bis 36 Monate (im aktuellen Basistarif der CosmosDirekt ist es noch der Fall). Das ist natürlich nichts. Beide Punkte hat die Württembergischen aber sauber gelöst. 

Die Geister scheiden sich derzeit etwas beim Verzicht auf das befristete Anerkenntnis. Manchen ist das wichtig, manchen nicht. Wir sind hier eher neutral.

Die Württembergische beschreibt sogar die Gründe für ein mögliches befristetes Anerkenntnis ganz gut. Es kann ja sein, dass Unterlagen fehlen, um endgültig darüber zu entscheiden, ob Du jetzt ein Leistungsfall bist oder nicht. Für den Versicherer ist die Anerkennung der Berufsunfähigkeit nämlich ein großer Akt. Beim ersten Leistungsantrag ist nämlich die versicherte Person in der Beweislage, um eine Berufsunfähigkeit darzustellen. Wurde die Leistung unbefristet anerkannt, dreht sich der Wind und der Versicherer muss nachweisen, dass die Person nicht mehr berufsunfähig ist. Von daher ist für uns das zeitlich befristete Anerkenntnis ein Vergleichspunkt, welches etwas zu viel Aufmerksamkeit bekommt. 

Es gibt eine Verlängerungsmöglichkeit, wenn die Regelaltersgrenze erhöht wird

Es ist nicht wirklich in Stein gemeißelt, ob junge Personen “nur” bis 67 Jahre arbeiten müssen, sondern länger. Was passiert aber mit dem bisherigen Schutz in der Berufsunfähigkeit? Bei guten Anbietern kann die BU dann auch verlängert werden. So ist es auch bei der Württembergischen, wenngleich die Option nach dem 50. Lebensjahr (derzeit aber marktüblich) entfällt. Zudem dürfen bisher auch keine Leistungen aus dem Vertrag erbracht worden sein.

Was leider nicht so toll gelöst wurde: Es fehlen Informationen dazu, ob dies auch für Kammerberufe wie Anwälte, Architekten, Steuerberater oder Ärzte gilt. Es gibt nicht wenige Versicherer, welche zum einen die Erhöhung der gesetzlichen Rentenversicherung, wie auch die der Versorgungswerke, erwähnen. Das fehlt derzeit bei der Württembergischen. 

Vorsatz im Straßenverkehr ist nicht mitversichert

Bist Du viel mit dem Auto unterwegs, wäre es sicherlich gut, wenn Vorsatz im Straßenverkehr mitversichert wäre. Bei der Württembergischen sind im Straßenverkehr “nur” Ordnungswidrigkeiten sowie fahrlässige und grob fahrlässige Vergehen versichert.

Bei Vorsatz scheiden sich aber die Geister. Die einen Versicherer sagen “Wir wollen vorsätzliches Handeln nicht unterstützen und schließen es deshalb aus”. Andere Gesellschaften interpretieren eher in Richtung “Wo fängt Vorsatz an, wo hört Vorsatz auf?”. Das Smartphone am Steuer gehabt? Ist das Vorsatz, wenn man vor einiger Zeit schon mal einen Punkt in Flensburg dafür bekam? Jahrelang gab es drei Versicherer mit der LV 1871, Alten Leipziger und der Stuttgarter, welche alleine auf weiter Flur bei der Absicherung von Vorsatz im Straßenverkehr waren, mittlerweile haben es aber mehrere Anbieter eingebaut. Die Württembergische gehört nicht dazu. 

Eine Infektionsklausel wäre dabei in der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch das ist ein Punkt, wo sich die Marktteilnehmer etwas uneins sind. Mehrwert oder Marketing? Auf jeden Fall lässt sich extrem gut damit werben, wenn man eine (angebliche) Infektionsklausel hat. Bei den Schwaben aus der Landeshauptstadt des Bundeslandes ist es so beschrieben:

Habe ich bei der Württembergischen weltweiten Versicherungsschutz?

Ja, das ist der Fall. Wobei eine weltweite Geltung in der Berufsunfähigkeitsversicherung keine Besonderheit mehr darstellt. Quasi alle guten Tarife haben mittlerweile einen Versicherungsschutz, falls Du länger oder kürzer ins Ausland gehst und auch dort bleibst. 

So wird es bei der Württembergischen beschrieben:

(2) Gültigkeit Versicherungsschutz 

Sie haben weltweit Versicherungsschutz, sowohl im Beruf als auch in der Freizeit. Sie müssen uns nicht informieren, wenn sich nach Vertragsabschluss bei der versicherten Person gefahrerhebliche Umstände ändern. Dies sind zum Beispiel die berufliche Tätigkeit, Hobbys oder der Raucherstatus. Bitte beachten Sie jedoch die sonstigen Mitwirkungspflichten in den Versicherungsbedingungen, zum Beispiel bei der Nachprüfung. 

Praxisorientierter dürfte aber die Frage sein, wie ein Leistungsfall im Ausland reguliert wird und worauf geachtet werden muss. Die Württembergische beschreibt es so:

Hält sich die versicherte Person im Ausland auf, können wir verlangen, dass die erforderlichen ärztlichen Untersuchungen in Deutschland durchgeführt werden. 

In diesem Fall übernehmen wir
- die Kosten der Untersuchungen.
- die Kosten der Bahnfahrt 2. Klasse beziehungsweise Flugkosten für Flüge in der Economy Klasse falls erforderlich.
- die Übernachtungskosten bis zu einem Betrag von 100 EUR pro Übernachtung, falls erforderlich. 

Auf Untersuchungen in Deutschland können wir verzichten, wenn diese Untersuchungen vor Ort nach den von uns in Deutschland angewendeten Grundsätzen erfolgen.

Interessant ist hierbei vor allem der letzte Satz. Auf eine Rückkehr nach Deutschland kann verzichtet werden, wenn im Ausland die Untersuchung nach den in Deutschland angewandten Grundsätzen durchgeführt werden kann. Das ist somit gut und kundenfreundlich gelöst. Finden wir gut!

Bietet die Württembergische eine Teilzeitklausel an in ihren Bedingungen?

Ja, eigentlich schon. Die Württembergische war sogar nach unserem Kenntnisstand mit der Condor Versicherung die zweite Gesellschaft am deutschen Markt im Jahr 2019. Schnelligkeit ist aber nicht immer gut.

Der Mehrwert ist für uns hier nicht wirklich erkennbar, da die Teilzeitklausel maximal für zwölf Monate gilt. Das geht bei Teilzeittätigkeiten sehr weit an der Wirklichkeit vorbei.
Grundsätzlich bleibt die Frage aber schon, ob eine Teilzeitklausel einen Mehrwert bringt. Das wird sich die nächsten Jahre zeigen. Legt man aber Wert als Kunde auf eine ordentliche Teilzeitklausel, so wird man bei der Württembergischen nicht glücklich. 

Die finanzielle Angemessenheit der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Kommen wir zu einem der Lieblingsthemen bei uns. Die finanzielle Angemessenheit entscheidet nämlich darüber, wie viel Du mal absichern kannst und darfst. Eigentlich sollte sich so ein großer Versicherer wie die Württembergischen etwas trauen. Wie sieht aber die Wahrheit auf dem Platz aus?

Sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist es auch auf den zweiten. Leider ist die Württembergische einer der wenigen Versicherer, die immer noch nach dem Nettoeinkommen die Angemessenheit einstufen. Wir dachten, dies sei mittlerweile passe. Somit hängt die maximale finanzielle Angemessenheit davon ab, ob Du verheiratet bist, Kinder hast und somit auch von der Steuerklasse. Dies ist nicht mehr zeitgemäß. Das zum einen, zum anderen kannst Du aber merklich weniger absichern als bei anderen Versicherern mit der Bruttomethode.

Nehmen wir mal eine 35-jährige Person mit 90.000 Euro Brutto im Jahr, ledig und noch keine Kinder. Von 90.000 Euro brutto bleiben ca. 51.000 Euro Netto übrig.

Nehmen wir also von den 51.629 Euro netto, die 80 Prozent, kannst Du bei der Württembergischen 41.303 Euro an jährlicher BU-Rente absichern. Das sind ungefähr 3.441 Euro monatlich.
Würde man die übliche und banale Rechnung anderer Versicherer nach der Bruttomethode benutzen, mit den 60 Prozent, könnte man bei einem Bruttogehalt von 90.000 Euro anschließend 54.000 Euro absichern, was monatlich 4.500 Euro an abgesicherter Rente darstellt. Bei der Württembergischen kannst Du in diesem Beispiel also über 1.000 Euro weniger absichern, welche zu Deinem Lebensstandard gehören!
Man sollte ja nie vergessen, dass auf die ausbezahlte Rente in der Berufsunfähigkeitsversicherung noch der komplette Krankenversicherungsbeitrag fällig wird (hier erinnern wir uns gerne an den Artikel “Warum Du knapp 20 Prozent mehr absichern musst als gedacht in der Berufsunfähigkeitsversicherung”) sowie man ja auch keinen Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Da gerät man mit dem “Fels in der Brandung” durchaus mal an seine Grenzen. 

Zur Anrechnung des Versorgungswerkes finden wir in den Annahmerichtlinien keine weiteren Informationen. In den Vertragsbedingungen findet man aber den Hinweis, dass Versorgungswerke zu 50 Prozent angerechnet werden. Das ist normal, aber bei eigentlich uns allen bekannten Anbietern erfolgt eine Anrechnung erst ab 36.000-50.000 Euro. Dazu finden wir leider keine näheren Infos. Wenn wirklich ab dem ersten Euro angerechnet wird, dann wäre dies irgendwie wieder ein Zeichen, dass die Württembergische gar nicht wirklich auf die Kammerberufe, Gutverdiener und angehenden Akademiker aus ist. Man hat eine andere Zielgruppe. Ist aber auch ok. 

Die bescheuerte Anrechnung der Beitragsdynamik haben wir oben schon öfters näher erläutert, auch hier kommen wieder die 80 Prozent zur Geltung. 

Ab wann erfolgt bei der Württembergischen eine ärztliche Untersuchung in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Wir dachten schon, dass die Universa ganz alleine auf weiter Flur ist. Aber nein, auch die Württembergische möchte ab einer monatlichen BU-Rente von über 2.000 Euro einen Hausarztbericht bis zum Eintrittsalter von 49 Jahre. Darüber hinaus sogar schon ab einer monatlichen BU-Rente von 1.000 Euro.

Der Trend geht mittlerweile sehr stark dahin, dass direkt 3.000 Euro ohne ärztliche Untersuchung / Zeugnis / Hausarztbericht abgesichert werden können. So agieren sogar kleinere Versicherer wie die LV 1871, Bayerische oder auch eine Baloise. Aber auch große wie die Allianz oder HDI lassen mittlerweile 3.000 Euro mit den normalen Antragsfragen zu (bis zu einem gewissen Alter, meistens so Mitte 40, danach oftmals aber “nur” 500 Euro weniger, nicht 1.000 Euro als maximale Absicherung wie bei den Schwaben). 

Da fragen wir uns schon, wie besorgt man hier jetzt eigentlich bei der Württembergischen ist. Da blieb man jetzt wirklich 20 Jahre auf derselben Stelle stehen. Nicht toll. 

Logisch, wir könnten diese kundenfreundliche Regelung retten, indem wir auf zwei Versicherer aufteilen würden. Z.B. bei der Württembergischen 2.000 Euro und 2.000 Euro bei einer zweiten Gesellschaft. Da würde man die ärztliche Untersuchung umgehen. Aber das ist jetzt nicht der Sinn der Sache, da wir so viel Unflexibilität eigentlich nicht unterstützen möchten (die weiteren Faktoren wie die Nettoanrechnung kommt noch dazu).
Aber vielleicht sind wir auch zu sehr auf "Hohe-BU-Renten" eingeschossen. Da fällt so etwas auf. Wie wir sonst damit umgehen, kannst Du unter “Fälle aus der Praxis – so sichern wir hohe Renten in der Berufsunfähigkeitsversicherung ab!” nachlesen.

Eignet sich die Württembergische für Schüler und Studenten?

In unseren Augen nicht so recht. Alleine die gesamte Ausgestaltung der Nachversicherungsthematik macht das Thema für diese Zielgruppen überflüssig, wenn man sich schlichtweg den gesamten Markt an Versicherer ansieht. Da spielt die Württembergische eine untergeordnete Rolle. 

Eignet sich die Württembergische für Beamte und Selbstständige?

Interessanter hat die Württembergische eine Dienstunfähigkeitsklausel inkludiert in den Vertragsbedingungen. Dies hat nicht jede Gesellschaft. Wobei es beim Versicherer schon wieder ein bisschen logisch erscheint, da man selber eine recht große Ausschließlichkeit besitzt und man seinen eigenen Vertretern die Möglichkeit (auf dem Papier) geben möchte, auch Beamte optimal zu versichern. So schließt man die potenzielle Tür für “Konkurrenten”, welche sagen “Ohne Dienstunfähigkeitsklausel ist Deine Berufsunfähigkeitsversicherung nichts wert”. Das ist fachlich zwar Blödsinn, hält sich aber immer noch. Kann man sich für eine DU-Klausel aber entscheiden, sollte man diese einbauen. 

Bei der Württembergischen gibt es aber einige Fallstricke. So darf die Versicherung nur bis zum 62. Lebensjahr laufen, eine Beitrags- wie Leistungsdynamik ist ausgeschlossen sowie die abgesicherte Mögliche Höhen in der Dienstunfähigkeitsversicherung sind viel zu gering. 

Leistung für Beamte auf Probe sowie Widerruf sind zudem auf 36 Monate begrenzt.

(Angehende) Beamte sollten also einen großen Bogen rund um die Dienstunfähigkeitsversicherung der Württembergische machen. Da eignen sich die Tarife der Bayerischen. Condor, AXA / DBV, Allianz oder ggf. auch der Signal Iduna klar besser. Aber man hat halt für die eigene Ausschließlichkeit eine Lösung gebastelt, welche am freien Maklermarkt nicht den Hauch einer Chance besitzt. 

Selbstständige sind einen Tick besser aufgehoben

Hier sind die Mindestbedingungen sauber geregelt, mit:

Wir verzichten auf die Prüfung der Umorganisation, wenn der Selbstständige bei Eintritt der Berufsunfähigkeit 

  • weniger als 5 Mitarbeiter hat oder 
  • Akademiker ist und in seiner täglichen Arbeitszeit mindestens zu 90 % kaufmännische oder organisatorische Tätigkeiten ausübt

Eine Besonderheit für Ärzte oder sonstige Kammerberufe gibt es nicht.
Aufgrund der sehr geringen finanziellen Angemessenheit dürfte die Württembergische für Selbstständige aber bei weitem nicht die erste Wahl sein.


4. Besondere Bausteine der Württembergischen (Alltagsfähigkeiten, Unfallbaustein, Verzicht Anerkennung)

Beim Erstellen dieses Artikels bietet die Württembergischen besondere Bausteine in ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung an, welche man so in der Art sehr selten bis gar nicht am Markt der gängigen Anbieter wahrnimmt. Grund genug, diese mal genauer anzusehen und sogar einen eigenen Unterpunkt dafür zu schaffen. Dafür nehmen wir mal einen 30-jährigen Projektingenieur her, welcher 2.000 Euro absichern möchte. Es werden insgesamt vier Bausteine angeboten, wobei wir die Arbeitsunfähigkeitsklausel oben schon genauer beschrieben haben.

4. A.:: Unfall-Baustein von der Württembergischen

Hier geht die Württembergische ein bisschen den Weg in Richtung Unfallversicherung. Es erfolgt zwar keine dauerhafte Invaliditätszahlung, aber wurde die Berufsunfähigkeit durch einen Unfall ausgelöst, verdoppelt sich die Rente in der Berufsunfähigkeitsversicherung.  Klingt auf den ersten Blick gut, es sollte aber beachtet werden, dass nur ein sehr geringer Anteil der Leistungsfälle durch einen Unfall ausgelöst wird. 

Unser Projektingenieur hat im obigen Fall 2.000 Euro abgesichert. Würde er nun durch einen Unfall berufsunfähig werden, bekommt er von der Württembergischen anschließend 4.000 Euro ausbezahlt.

Der Eintritt auf Berufsunfähigkeit muss zu mehr als 50 % durch den Unfall verursacht sein. Leider ist die Definition des Unfallbegriffes nicht sehr gut, so wie wir ihn bei guten Gesellschaften in der Unfallversicherung kennen. Geistes- und Bewusstseinsstörungen sind ausgeschlossen (dazu zählt auch Trunkenheit). Unfälle in Folge von Schlaganfällen, epileptischen Anfällen oder Krampfanfälle sind auch nicht versichert. 

Leider gibt es zudem eine große Anrechnung des Bausteins Unfall auf die finanzielle Angemessenheit - bei Antragstellung, Nachversicherung wie auch der Beitragsdynamik. Aus diesem Grund finden wir den Baustein nicht interessant, da man so auch nicht mal ansatzweise auf die erforderliche BU-Rentenhöhe kommt. Man hat zwar eine Verdopplung der BU-Rente bei Unfall, aber auch nur bei Unfall gibt es das Doppelte. Unsere Empfehlung ist, eher neben einer auf sich passende Berufsunfähigkeitsversicherung noch eine separate Unfallversicherung abzuschließen. Je nach Geschmack dann auch mit einer Unfallrente, so würde man diese Thematik sauber absichern bei Wunsch. 

4.B.: Baustein rückwirkende Anerkennung

Sehr selten gesehen ist auch der Baustein einer rückwirkenden Anerkennung. In gängigen Tarifwerken leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung nämlich auch rückwirkend ab dem Datum, wo die Berufsunfähigkeit begann. Es ist nicht selten so, dass man sich Monate, teilweise jahrelang relativ krank in die Arbeit “schleppt”, aber eigentlich schon berufsunfähig war. Oder man vergisst schlichtweg, einen Leistungsantrag zu stellen, da man seit einem Jahr krank ist und andere Sorgen hat. Hier würde sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend leisten. Bei unserem obigen Projektingenieur mit 2.000 Euro mtl. Rente also mit 24.000 Euro. 

Nimmt man den Baustein der rückwirkenden Anerkennung dazu, entfällt diese logischerweise. Dafür spart man Beiträge, die vielleicht ganz grob gesehen bei 10 Prozent des Beitrages liegen. 

Kleiner Pluspunkt = es wird für drei Monate geleistet oder auch für den Zeitraum, wo man die verspätete Meldung nicht zu Verschulden hatte, weil man z.B. im Koma lag.

Wir haben zu diesem Baustein jetzt irgendwie gar keine Meinung und sehen dies als neutral an, mit Hang zu “Wird sich am Markt nicht durchsetzen, im Einzelfall aber doch eine interessante Lösung. Insbesondere, wenn es ein vernünftiges Krankentagegeld gab, welches davor leistet”. 

4.C.: Die Grundfähigkeiten halten Einzug in die Berufsunfähigkeitsversicherung - Stichwort Alltagsfähigkeiten

Ganz charmante Lösung. Die Grundfähigkeitsversicherung erlebt ja derzeit einen großen Zuspruch. Weniger als “Alternative” zur Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern immer mehr als “Was passt eigentlich für meinen persönlichen Lebenswandel besser?”. Die Grundfähigkeitsversicherung hat zwar im Grunde nichts mit der eigenen Arbeitskraft zu tun, aber vielleicht sagt sich der Ingenieur: “Mir ist es wichtig, dass ich eine monatliche Leistung bekomme, falls ich im Rollstuhl sitze - denn dann muss ich mir einen Gärtner leisten können”. 

Die Württembergische kombiniert nun die Grundfähigkeit mit der Berufsunfähigkeit. Mit dem Baustein Alltagsfähigkeiten erhält man trotzdem die monatliche BU-Rente, wenn keine Berufsunfähigkeit vorlag, aber man eine der zehn folgenden Grundfähigkeiten verloren hat. 

  • Bücken und Knien 
  • Gehen 
  • Gebrauch der Arme 
  • Gebrauch der Hände 
  • Heben und Tragen 
  • Hören 
  • Sehen 
  • Sprechen 
  • Stehen 
  • Treppensteigen

Wie man sieht, ist dies keine Light-Version, sondern es werden wirklich umfangreiche Grundfähigkeiten abgesichert mit dem Baustein Alltagsfähigkeiten. 

Wir finden die Idee für gar nicht mal so schlecht und verfolgen interessiert, ob sich diese Kombination auch bei weiteren Anbietern durchsetzt. So rückt die GF immer mehr zur BU und umgekehrt. Bei der Grundfähigkeitsversicherung sehen wir ja auch den Trend, dass mittlerweile immer mehr Versicherer eine Arbeitsunfähigkeitsklausel anbieten und sogar eine Leistung bei Erwerbsunfähigkeit. Beides hat also mitunter direkt etwas mit der eigenen Arbeitskraft zu tun. Der Markt wird komplizierter, aber gleichzeitig auch interessanter. 

Der Baustein Alltagsfähigkeiten ist wie vermutet nicht ganz günstig, nach ersten Recherchen wird ein Mehrbeitrag von 30-40 Prozent fällig. Aber Mehrleistung darf ruhig etwas kosten, von daher ist alles ok.


5. So sind die Beiträge der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch bei der Württembergischen gibt es dasselbe Spiel. Die schönen Risiken werden günstiger, die körperlichen Berufe teurer. Das sieht man wunderbar an der untenstehenden Tabelle von uns. Aber kein Vorwurf an die Schwaben, das ist generell ein großes Problem in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Aus diesem Grund ist es eben auch so wichtig, sich frühzeitig um eine Absicherung zu kümmern. Idealerweise schon mit einer Option auf eine spätere Berufsunfähigkeitsversicherung

Schauen wir uns aber mal die aktuellen Beiträge an:

Student mit 1.000 € Absicherung bis 67 Jahre bei der Württembergischen:

Beruf/ EingruppierungAlterNettobeitragBruttobeitrag
Student Humanmedizin20 Jahre47,59 €65,51 €
Student Wirtschaftsingenieurwesen20 Jahre34,61 €47,49 €
Student Sozialwissenschaft20 Jahre56,20 €77,47 €
Student Rechtswissenschaft20 Jahre34,61 €47,49 €
Student Wirtschaftsinformatik22 Jahre35,97 €49,38 €
Student Psychologie23 Jahre59,62 €82,22 €

Angestellter mit 1.500 € Absicherung bis 67 Jahre bei der Württembergischen:

Beruf/ EingruppierungBürotätigkeitAlterNettobeitragBruttobeitrag
Friseur0 %35 Jahre230,44 €319,47 €
Industriemechaniker30 %35 Jahre112,40 €155,53 €
Entwicklungsingenieur70 %30 Jahre101,88 €140,92 €
Schreiner0 %30 Jahre170,57 €236,32 €
Bürokaufmann100 %35 Jahre128,11 €177,35 €
Mathematiker100 %35 Jahre61,52 €84,86 €
Informatiker90 %30 Jahre61,52 €86,86 €
Bankkaufmann100 %35 Jahre67,18 €92,72 €

Angestellter im öffentlichen Dienst mit 1.000 (mehr geht nicht) € Absicherung bis 65 Jahre (länger geht nicht)

Beruf/ EingruppierungBürotätigkeitAlterNettobeitragBruttobeitrag
Realschullehrer100 %40 Jahre79,94 €110,44 €

Selbstständiger mit 2.500 € Absicherung bis 67 Jahre bei der Württembergischen

Beruf/ EingruppierungBürotätigkeitAlterNettobeitragBruttobeitrag
Allgemeinarzt60 %35 Jahre186,63 €258,21 €
Rechtsanwalt100 %40 Jahre122,32 €169,31 €
Steuerberater100 %30 Jahre101,54 €140,44 €

Berechnungen Stand 06 / 2023

Wie man erkennt, gibt es durchaus eine gewisse Differenz zwischen dem Netto- vs. Bruttobeitrag bei der Württembergischen. Das finden wir aber nicht weiter dramatisch, wie wir umfangreich im verlinkten Artikel niederschreiben. Nach unserem Kenntnisstand hat die Württembergische den Zahlbeitrag (Nettobeitrag) auch noch nie erhöht.
Anders als z.B. bei der Swiss Life, Universa, Zurich oder im Prestige Tarif der Bayerischen, könnte die Württembergische auch über den Bruttobeitrag erhöhen, da diese nicht auf den Paragraph 163 verzichtet. 
Ganz anders agiert die Investment BU der Gothaer, welche keine klassische Kalkulation beinhaltet, sondern eine fondsbasierte. Mit Chancen und Risiken. 

Im Artikel “Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung gehen wir generell ein bisschen auf die Thematik ein, wie sich die Beiträge zusammensetzen.


6. Update & Downloads & Bewertungen zur Württembergischen Berufsunfähigkeit

Updates Württembergische Berufsunfähigkeitsversicherung

Seit Veröffentlichung von diesem Artikel (07 / 2023) gab es keine Updates der Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung (prägnante Veränderungen werden im Artikel eingebaut).

Testergebnisse & Bewertungen über die Württembergische

Die üblichen Verdächtigen sehen die Württembergische Berufsunfähigkeitsversicherung so in ihren Test´s:

HerausgeberBewertungStand/ Ausgabe
Franke & BornbergFFF+ | hervorragend (Note 0,5)06/2020
Morgen & Morgen5 Sterne | ★★★★★ | sehr gut05/2022
Check 24Tarifnote: derzeit nicht vorhanden)05/2023
Stiftung Warentest/ FinanztestSehr Gut (Note 1,2)05/2021

Ganz ehrlich - solche Ratings spielen in unserer Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung keine Rolle. Egal ob jemand fünf Sterne, Eulen, Note sehr gut oder sonst etwas hat. Es gibt mittlerweile eine ganze Industrie an “Ratings”. Manche leben direkt davon. So kann man sich bei einem bekannten Magazin das Siegel einkaufen, kostet dann eben mal schlappe 25.000 Euro. Natürlich besteht Interesse daran, möglichst viele gute Noten zu verteilen, dann können ganz viele Versicherer dies nutzen.
Nicht falsch verstehen - für einen ersten Überblick sind manche (!) Vergleichs Softwareanbieter sehr gut, auch wir nutzen Morgen & Morgen. Aber als Orientierung für den Verbraucher ist dies nicht geeignet, da viel zu pauschal und die “Testkunden” gehen i.d.R. an der Lebenswirklichkeit vorbei. 

Prozess / Leistung oder Annahmequote spielt für uns auch keine Rolle

Für uns sind Kennzahlen wie die Prozess & Leistungsquote Werte, die keine Rolle spielen in der Beratung. Diese Messgrößen sind nach unserer Meinung irrelevant und bieten keinen Mehrwert an. Bei der Leistungsquote stuft die Ratingagentur Morgen & Morgen sogar Versicherer ab, wenn sie zu viele Leistungsfälle anerkennen. Man argumentiert damit, dass jeder Versicherer ungefähr das gleiche Kollektiv besitzt an versicherte Kunden und es somit eigentlich gar nicht sein kann, dass man sehr viele Leistungsfälle mehr anerkennt, als der Durchschnitt. Darunter würde wieder das Kollektiv leiden. Diese Argumentation können wir nachvollziehen. Hier sieht man aber auch mal wieder, die wenig Kennzahlen aussagen.
Ebenso sind Versicherer mit einem guten Neugeschäft abgestraft. Nicht immer wird die Gesundheitshistorie sauber aufbereitet und oftmals etwas verschwiegen (wissentlich oder unwissentlich). Daraus folgt dann gerne mal eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. Besitzt ein Versicherer einen großen Bestand, aber wenig Neugeschäft, halten sich die Falschangaben begrenzt, da diese (vereinfacht gesagt) nach zehn Jahren verjähren.

Ebenso ist die Annahmequote in unseren Augen ein Blödsinn. Eigentlich müsste diese ja bei 100 Prozent liegen, denn vor jedem komplizierten Antrag sollte eine anonyme Vorabanfrage folgen.

Eine Rechtsschutzversicherung finden wir an sich für sehr sinnvoll, aber der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte nicht der Haupttreiber sein für Absicherung, um der Gegenseite auf Augenhöhe zu begegnen. Im Artikel “Rechtsschutzversicherung Berufsunfähigkeitsversicherung” gehen wir die Argumente nochmals etwas genauer durch. Rechtsschutz schadet also nie, es kann im Leben sehr viel passieren, aber bitte nicht nur aus dem Blickwinkel der BU zu sehen.


7. Fazit & Erfahrung zur Württembergischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Irgendwie schade, dass wir zu keinem anderen Fazit kommen. Die Württembergische hätte ein, zwei coole Ideen in ihren Tarif aufgenommen, aber letztendlich kategorisieren wir die Berufsunfähigkeitsversicherung eher so ein mit “Ein Pferd springt nur so hoch, wie es sein muss”. Warum sollte man auch eine / die beste Berufsunfähigkeitsversicherung am Markt bauen, wenn der Hauptvertriebskanal in den eigenen Versicherungsagenturen liegt. Diese verkaufen die wichtige Arbeitskraftabsicherung auch so, egal ob vielleicht eine LV 1871, Alte Leipziger, Baloise, Nürnberger, Bayerische oder Volkswohl Bund nicht wenige Sachen besser gelöst haben. Der Druck ist nicht wirklich vorhanden, da der Absatzkanal der freien Berater eine sehr untergeordnete Rolle bei den Schwaben spielt.

Einige gute Ideen gibt es aber, wie die Option des Einbaus eines Grundfähigkeitenbausteins namens Alltagsfähigkeiten. Auch war man bei der Einführung der Teilzeitklausel einer der ersten (welche aber sehr schlecht gelungen ist). 

Die große Schwäche bleibt schlichtweg für uns, dass für Studenten, (angehende) Akademiker und Gutverdiener die einzelnen Parameter viel zu schlecht gesetzt sind. Das fängt bei der maximalen Absicherung ohne Hausarztbericht an, geht über die recht schlechten Erhöhungsmöglichkeiten bis hin zu wirklich miserablen finanziellen Angemessenheitsberechnungen, welche sogar die Beitragsdynamik einschließt.
Hat man einen recht normalen Beruf, ohne größere Ambitionen / Gehaltssprünge, passt die Württembergische eher. Aber für kommende Gutverdiener nicht wirklich. Im Vergleich zu anderen Anbietern am Markt befindet man sich zusätzlich im eher höheren Preisniveau. Das ist nicht weiter schlimm, aber es gibt dafür halt auch nicht den großen Mehrwert. 

Wir beobachten somit weiterhin die Württembergische von der Seitenlinie, denn grundsätzlich gefällt uns die Firmenhistorie. In die engere Auswahl unserer Top-Anbieter bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist aber noch ein gewisser Weg zu absolvieren.


Pressenachklang zur Württembergischen Berufsunfähigkeit

26.06.2023 / Über das neue Sonderkonzept des Versicherer haben wir bekanntlich auf unserem BU-Blog berichtet. Dies nahm das Fachmagazin Pfefferminzia zum Anlass und schnappte den Artikel auf unter dem Titel "Makler durchleuchtet Württembergische-BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen" und verteilte diesen auf der ganzen Welt auf Ihren Kanälen (ok, bisschen hochgegriffen, aber wurde verteilt 😉). Danke dafür!