Berufsunfähigkeit

Warum eine gedeckelte BU-Beitragsdynamik sinnvoll sein kann!

Man meint es kaum, aber Beitragsdynamik ist nicht gleich Beitragsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Unterschiede sind teilweise enorm obwohl man auf den ersten Blick meinen könnte “Der Beitrag steigt um XY Prozent, aber auch die Leistung”.

Begrenzte Beitragsdynamik Berufsunfähigkeitsversicherung

Dem ist aber nicht so. Manche Beitragsdynamiken enden mit 55 Jahren, andere wiederum mit 4.500 Euro oder vielleicht sind zu Beginn auch nur drei Prozent möglich. Im Beitrag “Beitragsdynamik Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?” gehen wir in die Tiefen und erklären auch den Unterschied der Anbieter. Zwei davon stechen auf den ersten Blick negativ hervor mit der Alten Leipziger und dem Volkswohl Bund. Eigentlich zwei sehr gute Anbieter, aber beide sehen ein Ende der Beitragsdynamik bei 2.500 Euro vor, wohingegen andere Gesellschaften bei ihren Hochrechnungen durchlaufen.

Im obig verlinkten Artikel erklären wir ausführlich, dass sich die Beitragsdynamik wunderbar dafür eignet, den Kaufkraftverlust & Inflation auszugleichen, aber nicht Deine berufliche Karriere mitsteuern können - dafür hast Du zusätzlich die Nachversicherungsgarantien.
Unser Tipp in der Beitragsdynamik ist ja generell erst einmal so hoch wie möglich - hier liegt die Grenze i.d.R. bei fünf Prozent. Mittlerweile kann man bei fast allen Gesellschaften auch beliebig oft widersprechen, auch wenn wir diese vermeintliche Flexibilität nicht immer gut finden, da man vielleicht “bequem” wird und pauschal abgelehnt, obwohl der Absicherungsbedarf durchaus vorhanden ist.

Bei der Alten Leipziger & Volkswohl Bund endet auf den ersten Blick die Beitragsdynamik bei 2.500 Euro

Sehen wir uns einen 30-jährigen Maschinenbauingenieur an, welcher mit 2.000 Euro beginnt und fünf Prozent Beitragsdynamik vereinbart hat. 

Beim Volkswohl Bund sieht man es direkt bei der theoretischen Hochrechnung im Antrag:

Man beginnt mit einer Absicherung von 2.000 Euro, aber schon im sechsten Jahr gibt es den Cut bei 2.500 Euro. Da schaut man natürlich erst einmal blöd. Eigentlich sollte die eigene BU doch mit der Inflation mithalten, denn die 2.500 Euro sind in einigen Jahren und Jahrzehnten bzgl. Kaufkraft erheblich geringer. 

Aber selbst die bekannte Alte Leipziger hantiert so im Hintertürchen. Hier läuft zwar die Beitragsdynamik auf den ersten Blick durch mit:

Aber das ist natürlich nur so auf den ersten Blick. In den Vertragsbedingungen der Alten Leipziger steht nämlich folgendes:

Die Dynamik muss also in einem angemessenen Verhältnis zum Gehalt stehen. Wenn die BU-Absicherungshöhe nebst weiteren Absicherungen zu hoch ist, wird die Erhöhung gestoppt. Aber bei welchem Wert befindet sich die Obergrenze? 

Bei einem Ingenieur war diese bei 30.000 Euro p.a., was eine monatliche Absicherung von 2.500 Euro entspricht. 

Reicht man schon zu Beginn der Antragsstellung Nachweise des Gehaltes ein, so fixiert die Alte Leipziger im Versicherungsschein die neue Obergrenze. Ohne Nachweise bleibt diese erstmals für alle bei 2.500 Euro. So sieht es bei einem Kunden von uns, mit der maximalen Monatsrente bzgl. Beitragsdynamik mit 45.000 Euro p.a. bzw. 3.750 Euro monatlich aus, welcher bei Antragsstellung schon Nachweise geliefert hat (zeitgleich laufende oder auch beantragte Versicherungen würden natürlich angerechnet werden). 

Bis zum großen Tarifupdate 01 / 2020 hat die Alte Leipziger dies übrigens anders gelöst. Es gab keine Prüfung VOR dem Leistungsfall, sondern erst IM Leistungsfall. Ab einer monatlichen BU-Rente von 3.333 Euro monatlich bzw. 40.000 Euro jährlich im Hause der Alten Leipziger würde eine Kürzung stattfinden, siehe Auszug aus den früheren AVB´s:

Jetzt ist es so, dass im Leistungsfall keine Kürzung erfolgen wird, wenn die bisher angenommene Beitragsdynamik und / oder Nachversicherungsgarantie angemessen war. 

Das ist quasi die selbe Regelung wie beim Volkswohl Bund, nur nicht so direkt beschrieben. 

Beim Volkswohl Bund wird es so beschrieben in den Vertragsedingungen:

 

Nähere Infos gibt es zudem im Artikel “Die Dynamik Formen I & Q der Volkswohl Bund Berufsunfähigkeitsversicherung”. 

Das ist doch jeweils jetzt von Nachteil für mich”, wirst Du Dich jetzt sicherlich fragen. So Pauschal kann man es nicht sagen….

Die Deckelung der Beitragsdynamik in der BU kann durchaus auch in Deinem Sinne sein!

Weißt Du, was in Deinem Sinne ist? Das es der Gesellschaft und dem Versichertenkollektiv gut geht. Das bedeutet somit stabile Zahlbeiträge und i.d.R. auch immer eine saubere Leistungsfallabwicklung (welche beim Volkswohl Bund seit Jahrzehnten famos ist).

Logisch, jeder möchte immer das beste für sich in der BU:

Das wären die besten Bedingungen, die günstigsten Preise, guten Service mit kurzen Wegen und die größte Flexibilität. Aber das geht leider nicht. Man kann nicht überall am besten sein, denn sonst platzt sprichwörtlich mal die Bombe. Entweder in der Leistungsfallbearbeitung, mit steigenden Beiträgen oder auch einfach mit einem wirklich miesen Service. Ist ja nicht so, dass es andere Gesellschaften nicht schon so vorleben. 

Das funktioniert aber wie im wahren Leben auch in der BU-Welt nicht. Jede Gesellschaft kann nicht überall top sein. Die Alte Leipziger und der Volkswohl Bund (andere Gesellschaften haben es ähnlich, haben unserer Ansicht nach aber nicht so den Stand in der BU) gehen in unseren Augen einen relativ intelligenten Weg zum Schutz der Versichertengemeinschaft.

 

Jetzt frage Dich mal, wen die Grenze zur Beitragsdynamik trifft?

Es trifft genau die Personen, wo die BU-Rente die finanzielle Angemessenheitübersteigt. Wo das Einkommen nicht mit halten konnte aus welchen Gründen auch immer. Oder man befindet sich gerade inElternzeit, einer Teilzeitstelle oder vielleicht auch auf einer Weltreise? 
Versicherer haben panische (!) Angst, dass Interessenten zu viel absichern, was gar nicht mehr angemessen ist. Im Leistungsfall gibt es nämlich bei geschätzt 97 % der Versicherer keine Möglichkeit mehr, die Leistung zu kürzen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist bekanntlich eine Summenversicherung (= es wird das ausbezahlt, was abgesichert wurde), keine Schadenversicherung (= welcher Schaden ist eigentlich entstanden). Die Antragstellung ist somit der einzig nennenswerte Zeitpunkt, die finanziellen Verhältnisse des Interessenten zu durchleuchten. 

Sagen wir mal, jemand benötigt eine “Work-Life Balance” und arbeitet nur noch 25h die Woche und verdient 1.500 Euro die Woche. Das genügt der Person und es ist auch in unseren Augen völlig in Ordnung. Jeder Lebensweg ist anders und jeder muss auf seine Art und Weise glücklich werden. Jetzt nehmen wir aber an, als Student wurden schon 2.000 Euro abgeschlossen mit einer Beitragsdynamik von fünf Prozent. Als Beispiel nehmen wir jetzt die Basler Versicherung:

Bei der Basler würde die Beitragsdynamik ganz normal weiterlaufen, obwohl das Gehalt mittlerweile nicht mehr so hoch ist aufgrund der Teilzeit. Die Versicherer haben dann panische Angst davor, dass es durchaus finanziell “attraktiv” zu sein, berufsunfähig zu werden. Immerhin hätte mal ein vielfaches vom aktuellen Gehalt.

Verstehst Du, was wir meinen? Ein Leistungsfall muss aus dem gemeinsamen Topf gezahlt werden, wo alle versicherte Personen einzahlen. Somit “schädigt” man eigentlich das Kollektiv, wenn die finanzielle Angemessenheit dermaßen nicht mehr mit der Realität zusammenpasst mit dem aktuellen Einkommen.

Erhöht sich Dein Einkommen dementsprechend, ist dies kein Problem bei der Alten Leipziger & Volkswohl Bund

Jetzt musst Du Dich fragen: Findest Du diesen Teilaspekt des sauberen Kollektiv wichtiger oder das vielleicht etwas umständliche Prozedere, dass Du dem Versicherer aktuelle Gehaltsnachweise vorlegst, um eine neue Obergrenze im Versicherungsschein zu bekommen. Hast Du erhebliche Gehaltssteigerungen hinter Dir, so musst Du dem Versicherer auch nicht mehr jedes Jahr den aktuellen Gehaltszettel vorweisen. Es gibt eine neue Obergrenze und gut ist.
Klar, es ist etwas umständlicher, aber diesen Mehraufwand von fünf Minuten wird zu schaffen sein. Es sollte durchaus in Deinem Sinne sein, dass manche mitversicherte Personen das Kollektiv nicht schädigen können.

Auch diverse Ratingagenturen werden auf die Begrenzung der Beitragsdynamik aufmerksam

Wir werden jetzt nicht als Propheten ins Land eingehen, wenn wir behaupten, dass die Beitragsstabilität künftig eine noch größere Rolle am Markt spielen wird als was diese jetzt schon tut. Im Moment beobachten wir eine große Stabilität, Ausnahmen wie die enorme Beitragserhöhungen der WWK sowie auch bei der Generali mal ausgenommen. Aber das wird nicht so bleiben. Vergleichsportale fördern dies auch noch - es soll immer alles günstiger werden, die Preise sind vermeintlich der einzig große Indikator beim Vergleich (der Rest ist alles “Grün”). 

Der aktuelle Map-Report (welche immer wieder den Finger in die Wunde zwecks Beitragsstabilität legen) kritisiert ebenso die Thematik mit den Worten “hohe Dynamiksätze ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung .
Genau das ist der Punkt, welchen wir Dir hier näher bringen wollen. Nicht umsonst sind von den sechs als sehr beitragsstabil eingestuften Gesellschaften zwei unserer drei Top Favoriten dabei. Die Dynamik ist nur ein kleines Puzzlestück im gesamten, aber auch nicht ganz unwichtig.
Vorsichtig würden wir sein, wenn fünf Prozent Beitragsdynamik ohne Deckelung bzgl. Absicherungssumme, Endalter und vorheriger Prüfung möglich wären. Da schrillen etwas die Alarmglocken. 

Der Map Report & Zusammen mit dem Ratinghaus Franke & Bornberg hat dies im aktuellen BU-Stabilitätsranking ebenso angemahnt mit 

Als weiteren destabilisierenden Faktor berücksichtigt das BU-Stabilitätsrating hohe Dynamiksätze ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung. Diese bewirken eine unkalkulierbare Risikoerhöhung für das Versichertenkollektiv. Immerhin drei Versicherer sind nach den Erhebungen bereit, zehn Prozent Dynamik ungeprüft in die Bücher zu nehmen. „Negative Selektionseffekte sind hier vorprogrammiert, was einige Versicherer in der Vergangenheit bereits schmerzhaft, beispielsweise bei selbständigen Handwerkern, erlebt haben“, so Klages. Dabei ist eindeutig belegt: Sobald sich die versicherte BU-Rente dem bisherigen Nettoeinkommen des Versicherten nähert oder gar übersteigt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Leistungsantrags um das mehrfache gegenüber der üblichen Antragszahlen.

Quelle: https://www.franke-bornberg.de/fb-news/pressemitteilungen/map-report-918-BU-Stabilitaet-Rating

Es muss also auch immer das “Große & Ganze” betrachtet werden.

Fazit zur Deckelung bei der Alten Leipziger sowie dem Volkswohl Bund

Klingt auf den ersten Blick negativ, kann aber durchaus in Deinem Sinne sein. Etwas Mehrarbeit erfordert es zwar, wenn Du an der Obergrenze angekommen bist, dafür bekommst Du aber ein Puzzlestück mit einer sauberen Kalkulation und (wahrscheinlich) stabilen Beiträgen in der BU.