Netto (Zahl) vs. Bruttobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine häufig gestellte Frage. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es einen Zahlbeitrag (auch genannt Nettobeitrag) und einen maximalen Beitrag (Bruttobeitrag). Diverse Vermittler, unwissende Portale und so manche “Fachzeitschrift” hacken sehr stark auf dieser Thematik rum, in diesem Artikel möchten wir Dir aber erklären, dass dies nicht entscheidend ist in unserer Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

1. Wie entstand eigentlich der Netto- und Bruttobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

[Vorweg sei eines gesagt (die Frage kommt ab und zu) = die Netto vs. Bruttobetrachtung in der Berufsunfähigkeitsversicherung hat nichts mit der Steuer (wie bei einer Sachversicherung) zu tun. In dieser Sparte erhebt der Staat keine Steuern auf die Beiträge].

Die Kalkulationsgrundlage der Deutschen Versicherer bemisst einen Bruttobeitrag für die BU, welcher nach Abzug der Überschüsse aber auf den Nettobeitrag sinkt.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Produkt mit einer sehr langen Laufzeit. Beginnt man schon als Schüler mit einer BU, so sind Laufzeiten von 50 Jahren und mehr keine Seltenheit. Die Gesellschaft muss hier die Beiträge nachhaltig berechnen und natürlich Ereignisse wie erwartete Leistungsfälle einplanen. Letztendlich dürften die Ausgaben für Leistungsfälle, Verwaltungskosten oder auch durch die Anlagepolitik der Kundengelder, die Einnahmen der zu erwarteten Prämien nicht übersteigen. 

Sollte die Kalkulation nicht aufgehen, kann der Nettobeitrag erhöht werden.

Wir zeigen Dir zwei Beispiele, wie unterschiedlich die Differenz zwischen dem Netto vs. dem Bruttobeitrag sein kann.

Student der Humanmedizin mit 20 Jahren, 1.000 Euro Absicherung bis 67 Jahre:

GesellschaftNettobeitragBruttobeitragDifferenz in EuroDifferenz prozentual
Canada Life33,29 €33,29 €0 €0 %
Allianz34,68 €42,81 €8,13 €23,4 %
Alte Leipziger33,69 €43,20 €9,51 €28,2 %
Hannoversche50,99 €65,79 €14,80 €29,0 %
Basler28,52 €38,02 €9,50 €33,3 %
HDI30,63 €40,85 €10,22 €33,3 %
Nürnberger28,43 €41,81 €13,38 €47,1 %
Volkswohl Bund30,26 €45,16 €14,90 €49,2 %
LV 187132,19 €48,78 €16,59 €51,5 %
Condor42,02 €64,15 €22,13 €52,7 %
Swiss Life35,15 €54,92 €19,77 €56,2 %
Generali51,37 €82,86 €31,49 €61,3 %
Bayerische30,56 €49,69 €19,13 €62,6 %
Continentale36,13 €60,21 €24,08 €66,7 %

Entwicklungsingenieur mit 30 Jahren, 2.500 Euro Absicherung bis 67 Jahre

GesellschaftNettobeitragBruttobeitragDifferenz in EuroDifferenz prozentual
Canada Life83,11 €83,11 €0 €0 %
Allianz108,48 €133,92 €25,44 €23,5 %
Alte Leipziger103,06 €132,13 €29,07 €28,2 %
Hannoversche78,06 €100,72 €22,66 €29,0 %
Basler88,74 €118,32 €29,58 €33,3 %
HDI92,37 €123,15 €30,78 €33,3 %
Nürnberger89,24 €131,23 €41,99 €47,0 %
Volkswohl Bund83,33 €124,38 €41,05 €49,3 %
LV 187183,75 €126,90 €43,15 €51,5 %
Condor124,27 €189,72 €65,45 €52,7 %
Swiss Life90,18 €140,91 €50,73 €56,3 %
Generali88,31 €142,43 €54,12 €61,3 %
Bayerische75,54 €123,20 €47,66 €63,1 %
Continentale95,07 €158,45 €63,38 €66,7 %

Zerspanungsmechaniker mit 35 Jahren, 2.000 Euro Absicherung bis 67 Jahre

GesellschaftNettobeitragBruttobeitragDifferenz in EuroDifferenz prozentual
Canada Life124,12€124,12 €0 €0 %
Allianz428,70 €529,26 €100,56 €23,5 %
Alte Leipziger152,48 €195,49 €43,01 €28,2 %
Hannoversche162,26 €209,37 €47,11 €29,0 %
Basler186,38 €248,51 €62,13 €33,3 %
HDI157,27 €209,70 €52,43 €33,3 %
Nürnberger236,31 €347,52 €111,21 €47,1 %
Volkswohl Bund201,42 €300,62 €99,20 €49,3 %
LV 1871164,14 €248,70 €84,56 €51,5 %
Condor199,83 €305,08 €105,25 €52,7 %
Swiss Life140,42 €219,41 €78,99 €56,3 %
Bayerische163,77 €266,30 €102,53 €62,6 %
Continentale150,69 €251,15 €100,46 €66,7 %
Generali161,45 €278,36 €116,91 €72,4 %

In einem Antrag und den damit verbundenen Vorvertraglichen Vertragsbedingungen (welche wir Dir im Digitalen Versicherungsmanager simplr hinterlegen) sieht es folgendermaßen aus:

Darstellung Zahl / Nettobeitrag vs. Bruttobeitrag von der Bayerischen:

Die LV 1871 weist es in ihrer Golden BU folgendermaßen aus:

Direkt darunter folgt auch eine nähere Erläuterung:

Kann man auf den ersten Blick schon mal zusammenzucken. Aber bitte lies diesen Beitrag bis zum Ende und tauche in die große Welt von Zahlbeiträgen, Maximalbeitrag und den Unterschied zwischen Netto und Brutto ein.


2. Wie entstehen eigentlich Überschüsse in der Berufsunfähigkeitsversicherung für den Nettobeitrag?

Hier gibt es drei große Eckpfeiler, wovon aber der größte an Bedeutung gewinnt. Diesen möchten wir zu Beginn nennen.

A: Risikoverlauf & zu günstige Prämien in der BU

Eine Versicherungsgesellschaft und deren vielbeschäftigte Mathematiker nehmen eine gewisse Anzahl an Leistungsfällen während der Vertragslaufzeit an. Diese werden früher oder später jedes Versicherungsunternehmen treffen und das ist auch gut so, denn dafür gibt es die tolle Idee einer Versichertengemeinschaft (man sichert ein exorbitantes Risiko ab, welches eine alleinige Person nicht tragen könnte).
Blöd ist nur, wenn mehr Personen als gedacht berufsunfähig werden laut Kalkulation.

Eine zu lasche Annahme bewirkt mehr Leistungsfälle als im Durchschnittskollektiv

Nimmt man sprichwörtlich “Halbtote” noch in die Versichertengemeinschaft auf, schädigt man diese. Nehmen Versicherer also Personen auf, welche eigentlich nicht mehr versicherbar sind, kann und wird dies nach hinten losgehen. Deshalb ist es uns durchaus suspekt, wenn eine Gesellschaft sehr einfach annehmen würde.
Eine von uns gerne eingesetzte Sonderaktionen in der Berufsunfähigkeitsversicherung könnte (!) nach hinten losgehen. Hier muss man aber im Detail stark unterscheiden. Es gibt gute Aktionen für bestimmte Zielgruppen (hier sei vor allem die LV 1871 gemeint mit durchdachten und gruppenspezifischen Möglichkeiten) aber auch weniger erfolgreiche.
Somit sind umfangreiche Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung vielleicht nicht immer schlecht. Auf den ersten Blick gehen zwar immer alle in die Richtung “Je weniger man angeben muss, desto besser”, aber vielleicht ist dies für das Versichertenkollektiv gar nicht mal so gut.

Flächendeckend günstige Prämien könnten auch ein Brandbeschleuniger für Beitragserhöhungen sein

Wenn Du auf Check24 gehst und bei sämtlichen Berufsgruppen immer derselbe Versicherer als günstigste Gesellschaft angezeigt wird, dann muss etwas faul sein. Niemand kann überall der günstigste sein. Der Durchschnitt des Versichertenkollektivs dürfte überall gleich sein, da ist es nicht möglich, dass man sehr günstig daherkommt.
Sind Beiträge zu günstig kalkuliert, kann dies stark nach hinten losgehen. Das sah man Ende 2017 mit der WWK (siehe “Schöne Bescherung – die WWK erhöht massiv den Nettobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung & Risikolebensversicherung”). Da wurde der Nettobeitrag einfach mal um ca. 40 Prozent erhöht, da man vorher viel zu billig war. Zudem munkelt man durchaus, dass man mit der Biometriesparte (also auch BU) die Altersvorsorgesparte etwas unterstützen möchte. Dies aber nur am Rande... wobei... das sollte schon beachtet werden. Mit der Biometriesparte stützen hinter vorgehaltener Hand manche den Bereich der konventionellen Altersvorsorge (deshalb "fliehen" derzeit auch so viele Anbieter in den heiligen Gral der Berufsunfähigkeitsversicherung....). 

Von daher achte bitte nicht immer nur auf Listenpreise und hör auf unsere Empfehlung, auch wenn diese vielleicht im Monat sieben Euro teurer ist als der günstigste gute Anbieter, welcher ebenfalls ein “Sehr gut” im Finanztest bekam (ok, dass bekamen gefühlt 90 % der Anbieter…). Hier sei z.B. auch der Volkswohl Bund genannt - nicht immer ganz vorne, sondern oftmals im oberen Drittel. Dafür dürfte alles nachhaltig kalkuliert sein und es gab seit 50 Jahren und somit noch nie eine Erhöhung des Nettobeitrages.

In diesem Kontext sei zudem noch z.B. kurz die Bayerische genannt, welche für viele Berufsgruppen attraktive Beiträge besitzt. Fast schon zu günstig, diese gleichen die aber aus durch eine restriktive Annahmepolitik mit einem gefühlten “Die nehmen nur schöne Risiken an”. Wie Du siehst, ist aber alles nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick meine würde. 

Alles in allem dreht sich aber alles um die selbe Sache = genügen die Einnahmen (z.B. durch zu geringe Prämien) für die Ausgaben (überdurchschnittliche Leistungsfälle) nicht, führt dies zwangsläufig zu einer Anpassung des Nettobeitrages in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

PS: Eine globale Pandemie kann theoretisch aber natürlich auch noch jeden so guten Versicherer treffen. Corona wird jetzt keinen größeren Einfluss haben, aber niemand wusste zu Beginn, welche Langzeitschäden hier in einer großen Anzahl evtl. auftreten konnten.

B: Verwaltungskosten 

Die Gesamtkosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung beinhalten auch Verwaltungskosten. Sollten diese aus dem Ruder laufen, kann dies zu Anpassungen im Versicherungsbestand führen. Halten wir für eher unwahrscheinlich, aber mei - ausschließen kann man nie etwas im Leben. Wobei das Thema Verwaltungskosten im Laufe der Jahre aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung nach unserer Einschätzung etwas in den Hintergrund gerät.

C: Kapitalanlagen & Zinsrisiko

Das Geld der Versicherten wird während der Laufzeit angelegt. Aufgrund der Regularien von ganz oben müssen diese aber vermeintlich sehr sicher angelegt werden = vor allem in Zinspapiere, welche derzeit bekanntlich wenig Rendite abwerfen. Werfen die Anlagen weniger ab als geplant, kann dies negative Auswirkungen auf die Überschüsse und somit auf die Beitragsstabilität in der Berufsunfähigkeitsversicherung haben.
Besonders Alttarife vor etlichen Jahren/ Jahrzenten sind noch mit einem relativ hohen Zins berechnet worden. Ab 01.01.2022 sinkt dieser auf 0,25 Prozent und mit so einer Zahl dürfte das Risiko irgendwann sehr begrenzt nach unten sein. Wir rechnen zwar nicht mit stark steigenden Zinsen, viel mehr dürften diese aber auch nicht mehr fallen (wohin denn?).

Festzuhalten gilt als Fazit = Wirtschaftet man schlecht mit seiner Anlage, kann dies auch ein Risiko für den Nettobeitrag darstellen. 

Die LV 1871 (welche traditionell einen recht hohen Bruttobeitrag besitzt) beschreibt dies so:

Insgesamt gesehen kommt es bei der Bewertung des Überschussniveaus nicht auf deren Höhe, sondern auf deren Stabilität an. Diese wird aber nicht durch einen geringeren Spielraum für Überschusssenkungen, sondern durch eine nachhaltige Prämien- und Produktentwicklung in der BU und wirtschaftliche Solidität des Gesamtunternehmens gewährleistet.

Diese drei Hauptfaktoren sind dafür zuständig, wenn der Nettobeitrag steigt in der Berufsunfähigkeitsversicherung.


Bonus = Überschüsse gibt es nicht nur VOR dem Leistungsfall, sondern auch IM Leistungsfall

Die Sofortverrechnung der Überschüsse zum Nettobeitrag ist die gängige Form der laufenden Beitragszahlung. Aber was passiert eigentlich mit den Überschüssen im Leistungsfall?

Diese werden an die versicherte Person im Zuge einer nicht garantierten Rentensteigerung Jahr für Jahr weitergegeben.
Wirst Du berufsunfähig und hast derzeit 2.000 Euro abgesichert, erhöht sich bei einer Überschussbeteiligung von einem Prozent die Rente im nächsten Jahr auf 2.020 Euro. 

Im Jahr 2021 lagen die Überschüsse der Versicherer auf folgendem Niveau:

GesellschaftÜberschüsse 2020Überschüsse 2021
LV 18711,9 %1,9 %
Volkswohl Bund1,5 %1,35 %
Bayerische1,6 %1,6 %
Basler1,25 %1,1 %
Stuttgarter1,1 %0,8%
Signal Iduna1,26 %1,22 %
AXA2,0 %1,7 %
Allianz1,9 %1,7 %
Barmenia1,6 %1,1 %
Continentale1,4 %1,2 %
Generali (vorher Aachen Münchener)0,6 %0,4 %
HDI1,7 %1,7 %
Alte Leipziger1,53 %1,53 %
Condor1,2 %1,35 %
Canada Life0,0 %0,0 %

Mehr Informationen findest Du übrigens im Artikel “Fallende Überschüsse im Leistungsfall Berufsunfähigkeitsversicherung 2021”.
Die Überschüsse im Leistungsfall sind einer der kleinen Parameter, die ein Versicherer still und heimlich drehen kann, denn außer Personen im Leistungsfall dürfte sich kein normaler Verbraucher dafür großartig interessieren bzw. Veränderungen mitbekommen. Umso mehr finden wir aber Veränderungen hier erwähnenswert. Manche Versicher stechen absolut negativ hervor (Generali mit einer Kürzung auf 0,4 Prozent!), manche wiederum sehr positiv, angeführt von der LV 1871 und auch einigen anderen, sehr guten Marktteilnehmern wie der HDI, Bayerische oder auch der Nürnberger.

Dich betrifft das Thema der Sofortverrechnung, Überschüsse und somit auch den Spread zwischen Netto und Brutto indirekt auch im Fall der Fälle - der eingetretenen Berufsunfähigkeit. 


3. Kleines Geheimnis = der Bruttobeitrag kann (meistens) auch erhöht werden!

Viele unwissende Vermittler und Portale am Markt sagen, dass man unbedingt den Bruttobeitrag im Blick haben sollte. Es vergessen aber alle, dass so gut wie jedes Unternehmen auch über den Bruttobeitrag erhöhen kann, falls die Kalkulation komplett aus dem Ruder läuft. 

Das sieht z.B. beim HDI Berufsunfähigkeitsversicherung in den Vertragsbedingungen so aus:

Das ganze macht der Paragraph 163 möglich. Früher gab es einige Versicherer, welche auf diesen verzichteten. Als prominentestes Beispiel sei hier die Alte Leipziger genannt, welche sich vor einigen Jahren noch damit rühmte, dass es keine Erhöhungen über den Bruttobeitrag geben kann.
Dies gab man aber auf, um günstigere Prämien anbieten zu können. Richtig gelesen. Der Grund ist folgender = die “Erstversicherer” sichern ja (einen Teil) ihrer Leistungsfälle über einen sogenannten “Rückversicherer” ab. Gewisse Risiken kann man als Erstversicherer selber tragen, manche gibt man ab. So z.B. wenn die Kalkulation aus dem Ruder läuft. Das Streichen des Verzichtes auf den Paragraph 163 und somit der Erhöhung des Bruttobeitrages kostet vielleicht ca. 3-4 Prozent der Prämie. Diese Einsparung gibt man an den Versicherten weiter und somit erscheint man in diversen Vergleichsportalen wiederum weiter vorne. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Versicherer und Tarife, welche auf eine theoretische Erhöhung über den Bruttobeitrag verzichten würden. Diese sind u.a.:

  • Die Bayerische im Tarif Prestige (nicht im normalen Komfort). Hier sieht man recht schön, wie sich die Bayerische dieses Unterfangen bezahlen lässt.
  • Die Universa im Tarif Exklusiv
  • Swiss Life in allen Varianten (auch Klinikrente, Metallrente, BU Flex)
  • Dialog (wobei es hier vor einigen Jahren schon eine Anpassung des Nettobeitrages gab)
  • Allianz Versicherung in allen gängigen BU-Tarifen
  • Zurich Versicherung

Für uns ist der Verzicht auf die Erhöhung des Bruttobeitrages in unserer Beratung ein sogenanntes “Non-Event”. Es spielt bei der Auswahl der passenden BU in unseren Augen keine Rolle. Wir wehren uns aber nicht dagegen, wenn einem Interessenten von uns dies sehr wichtig ist. Man schließt dann aber so gut wie alle vernünftigen BU-Versicherer in unserer Auswahl aus. Von der obigen Liste würden wir eigentlich nur zwei, maximal drei Versicherer auswählen, wenn wir jetzt die freie Auswahl hätten. 

Man sollte somit immer das Gesamtpaket beachten und nicht nur auf den Verzicht des Paragraphen 163 in den Vertragsbedingungen.

Denn was wäre eigentlich die logische Konsequenz, wenn die Einnahmen nicht mehr für die Ausgaben genügen? Wie in jedem Unternehmen (uns eingeschlossen) müsste man den Laden schlichtweg zusperren (= Insolvenz).
Da habe ich doch lieber die Möglichkeit, dass meine Beiträge erhöht werden, anstatt dass evtl. mein Versicherungsschutz flöten geht (klar, es gibt Auffanggesellschaften wie Protektor von der BaFin, aber ob diese standhalten bei einer großen Pandemie bzw. deren Fachkenntnisse ausreichen oder einer Pleite eines große Marktteilnehmers). Denk mal dran, wenn Du aufgrund einer schweren Krebserkrankung kurz vor dem Leistungsfall bist. Wie egal wäre Dir dann eine Erhöhung des Nettobeitrages bzw. sogar ein Überschreiten des Bruttobeitrages? Herzlich egal… Aber es wäre grundsätzlich besser, wenn der Versicherer die Zügel weiterhin in der Hand hält. Warum dies so ist, klären wir im nächsten Punkt...

Eine geringere Differenz kann sogar negativ sein, sollte ein flächendeckendes Ereignis wie eine Pandemie kommen

Nehmen wir einfach an, der Interessent hat drei Anbieter zur Auswahl, die vom Nettobeitrag völlig identisch sind, ebenso die gesundheitliche Annahme nach erfolgter anonymen Risikovoranfrage sowie die Vertragsbedingungen sind gleich. 

Bei allen Anbietern liegt der Nettobeitrag bei 60 Euro. Bei Anbieter 1 liegt der Bruttobeitrag bei 80 Euro, bei Anbieter 2 bei 100 Euro und Anbieter 3 schlägt gar mit 120 Euro zu Buche. Jetzt kommt so etwas wie Corona 2 und somit ein einschneidendes Erlebnis für die Versicherer bzgl. Leistungsfälle. Da die Versicherer über ein identisches Versichertenkollektiv verfügen, steigen die Leistungsfälle auch in der selben Masse an und der Nettobeitrag müsste auf 85 Euro steigen.
Bei Versicherer 1 übersteigt dies jetzt den Bruttobeitrag und nun handelt nicht mehr der Versicherer, sondern die BaFin (richtig gelesen, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen). Dass diese große Kenntnis besitzt, sah man nicht zuletzt im Wirecardskandal. Jetzt sollen die auch noch für Leistungsfälle in der BU und deren Kalkulation zuständig sein. Eine Behörde, die dezent gesagt eher als nicht immer kompetent wahrgenommen wird. 

Was wir damit sagen möchten = das Risiko einer Erhöhung der Beiträge betrifft bei identischen Rahmenbedingungen alle Anbieter völlig identisch. Es ist dann aber besser, wenn man nach einem Großereignis “Herr im eigenen Hause” bleibt.
Die langfristigen Stellschrauben fernab einer möglichen großen Pandemie werden woanders gedreht, wie wir in diesem Artikel kennenlernen. 

Wir halten somit die Aussage von Finanztip (welches sonst ab und zu schon sinnvolle Beiträge liefert)

Wollen Versicherer Kunden anlocken, setzen sie niedrige Zahlbeiträge bei hohen Bruttobeiträgen an – denn kaum einer schaut auf den Bruttobeitrag. Eine große Spanne zwischen den Beiträgen birgt aber ein Risiko für deutliche Beitragserhöhungen in der Zukunft. Akzeptiere deshalb im Zweifel einen etwas höheren Nettobeitrag, wenn dafür der Bruttobeitrag deutlich niedriger ist.

Quelle: www.finanztip.de/berufsunfaehigkeitsversicherung/bu-kosten/

für -dezent gesagt- etwas gewagt. Möchte man an neue Kunden kommen, lassen sich gute Versicherer ganz andere Sachen einfallen.

Die Bayerische äußert sich zur Thema des Netto vs. Bruttobeitrag bzw. den Überschüssen wie folgt:

“Berechnung Tarifbeitrag (auch genannt Bruttobeitrag): Die für die Kalkulation des Beitrags und der Deckungsrückstellung verwendeten Rechnungsgrundlagen sind die sog. Rechnungsgrundlagen 1. Ordnung. Der Gesetzgeber fordert eine vorsichtige Kalkulation, damit auch noch in späteren Jahren die Erfüllbarkeit der Verträge gewährleistet ist. Aus diesem Grund enthalten die Rechnungsgrundlagen auch Sicherheitszuschläge. So wird z.B. bei der Kalkulation eine Invalidentafel verwendet, die mehr BU-Fälle vorsieht, als tatsächlich erwartet wird. 

Überschüsse: jährlich wird der Erfolg des Versicherungsunternehmens nach Gewinnquellen (Zins-, Kosten- und Risikogewinn) analysiert. So wird bei der BU z.B. geprüft, wie viele Leistungsfälle tatsächlich eingetreten sind. Diese beobachteten Leistungsfälle werden in Bezug gesetzt zu den für die Beitragskalkulation angenommenen Leistungsfälle und daraus werden dann die sog. Ausscheidewahrscheinlichkeiten 2. Ordnung abgeleitet. Diese spiegeln also den Unternehmensergebnis wider und werden für die Festsetzung der Überschüsse herangezogen. 

Fakt ist: wir haben den Nettobeitrag noch nie erhöht”

Klingt für uns definitiv plausibel und praxisorientiert.


4. Wie oft kam eine Erhöhung des Nettobeitrages in den letzten Jahren schon vor?

Eigentlich sehr selten. Seit 2011 sind uns folgende Erhöhungen des Nettobeitrages bekannt.

  • 2016 und 2018 die WWK (siehe obige Verlinkung) mit 20 bzw. 40 Prozent Erhöhungen des Zahlbeitrages in der Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Die Generali erhöhte Mitte 2018 um knapp 10 Prozent viele Verträge
  • Die Universa erhöhte ebenfalls um 10 Prozent
  • Ebenso die Hanse Merkur um 2015 oder 2016
  • Ganz neu reihte sich 2021 die VGH (kleiner, norddeutscher Versicherer der Sparkassen) ein, welche den Nettobeitrag für manche Kunden um 25 % erhöhten

Wir denken aber, dass dies nur eine Momentaufnahme darstellt. Nachdem die Altersvorsorgethematik aufgrund der niedrigen Zinsen immer schwieriger wird, suchen manche Versicherer ihr Glück nun in der biometrischen Absicherung, obwohl kein ausreichendes Kollektiv und Erfahrung in dieser wichtigen Sparte vorhanden sind. Zu Beginn werden die versicherten Personen ja nicht gleich berufsunfähig, sondern erst Jahre / Jahrzehnte später. In den ersten Jahren machen sich Neuabschlüsse in den Geschäftsbüchern positiv bemerkbar, aber die tickende Zeitbombe kommt erst viel später (oder auch mal früher). 

Der Preiswettbewerb insbesondere von “schönen Risiken / Berufen” nimmt eine groteske Form an. Manche Berufsgruppen werden immer günstiger. Man verteilt immer mehr Leistungsverbesserungen in den Vertragsbedingungen (z.B. Leistung bei Schwerer Krankheit, AU Klausel, etc.), was zum einen zwar positiv ist für den versicherten Kunden, aber irgendwie muss ja alles bezahlt werden. Der Preiskampf wird sehr intensiv geführt. 

Sprechen wir uns in einigen Jahren wieder, dürfte die obige Liste sicherlich zweistellig sein. Eine Erhöhung der Nettobeiträge dürften bei manchen Versicherern wirklich nur eine Frage der Zeit sein - wir schließen hier auch gerne Wetten ab….

Neues Qualitätsmerkmal = stabile Beiträge

Dem gegenüber gibt es aber Unternehmen, welche seit Gründung der BU-Sparten den Beitrag noch nie (!) im Bestand angehoben haben. Aber darauf kommen wir in einem eigenen Unterpunkt nochmal separat dazu.

Die Canada Life bietet keinen Spread an = der Nettobeitrag ist gleich der Bruttobeitrag

Ist die Canada Life in der Berufsunfähigkeitsversicherung wie auch in anderen Biometrischen Versicherungen jetzt die Eierlegende Wollmilchsau? Mitnichten. Wir beurteilen jetzt nicht die Vertragsbedingungen, dass wäre nun eine andere Baustelle. Schauen wir uns aber mal genauer an, warum es keine Differenz zwischen Netto vs. Bruttobeitrag gibt. Leider gehen manche Vermittler und natürlich der Versicherer selbst mit dieser Tatsache stark auf Kundenfang. 

Die Canada Life wird nicht von der BaFin überwacht, sondern von der Aufsicht in Irland

Hier sind die Versicherungstarife anders kalkuliert und man kennt so etwas wie Überschüsse und Verrechnung von diesen nicht. Auf den ersten Blick gibt es für immer stabile Beiträge und man entzieht sich dem Kapitalmarktrisiko, einer globalen Pandemie oder einem anderen Ereignis, welches eigentlich auf den Beitrag Auswirkungen haben sollte.
Aber selbstverständlich haben irische Versicherer das Recht, das Kollektiv zu sanieren. Leistungen zu senken oder auch Prämien zu erhöhen. Im Kleingedruckten ist dies beschrieben.
Bei der Wahl nach der passenden Berufsunfähigkeitsversicherung kann vielleicht die Canada Life ggf. in wenigen Ausnahmefällen (z.B. wenn der Versicherer als einziger eine Normale Annahme in Aussicht stellt) eine passende Wahl sein, aber bitte nie, nie, nie aufgrund des nicht vorhandenen Netto vs. Bruttobeitrags. Das wäre reine Bauernfängerei.

PS: Zudem gibt es bei der Canada Life selbstredend auch keine Überschüsse im Leistungsfall, welche ausbezahlt werden können. Diese betragen (siehe obiger Absatz) schon mal bis zu zwei Prozent jedes Jahr. Bei der Canada Life muss für eine Erhöhung der BU-Rente im Leistungsfall also unbedingt eine garantierte Rentensteigerung eingebaut werden, diese ist im Moment nur mit drei Prozent möglich.


5. Künftig ein Qualitätsmerkmal = Stabile Nettobeiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wir sind uns relativ sicher, dass ein konstanter Zahl- wie Nettobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung bald ein absolutes Qualitätsmerkmal wird.
Was früher (zurecht) der Verzicht auf die Abstrakte Verweisung (=dass Du in keinen anderen Beruf verwiesen werden kannst) oder den Prognosezeitraum von sechs Monaten statt drei Jahren darstellt, wird künftig auch die Beitragsstabilität sein.

Ein BU-Vertrag läuft über mehrere Jahrzehnte = Beitragsstabilität ist daher wichtig

Immer mehr Interessenten dürfte bewusst werden, dass eine BU-Versicherer über Jahrzehnte läuft. Erhöht die KFZ-Versicherung exorbitant, dann wechselt man im nächsten Jahr einfach mit ein paar Klicks. In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Thematik etwas komplizierter. Zum einen steigen mit erhöhtem Eintrittsalter die Beiträge an, zum anderen dürften die Zipperlein zunehmen. Bei einem Wechsel werden natürlich weiterhin umfangreiche Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung gestellt da kann eine Diagnose schon dafür sorgen, dass Du keinen neuen Schutz bekommst. 

Die Absicherung der Arbeitskraft sollte also eine Entscheidung bis zum Rentenalter sein und von daher mehr als gut durchdacht sein. Ein optisch günstiger Preis zu Beginn kann täuschen. Leg bitte lieber Wert auf die Beitragsstabilität und vor allem natürlich auf die jeweiligen Vertragsbedingungen, denn diese begleiten Dich etliche Jahrzehnte.

Immer mehr Versicherer werben mit stabilen Beiträgen seit Jahrzehnten

Wie sagte uns vor einigen Jahren eine hochrangige Person der LV 1871 bei einem Bierchen:

“Für uns wäre eine Anhebung des Nettobeitrag praktisch ein Todesstoß und wir wären weg vom Markt. Wir sind ein reiner Maklerversicherer ohne Außendienst - würden wir unsere Makler verprellen, können wir zusperren. Die Beitragsstabilität ist unser größtes Gut, ebenso müssen wir als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit keine Gewinne an Aktionäre oder eine Muttergesellschaft im Ausland abführen”. 

Der Volkswohl Bund betont die langjährige Beitragsstabilität wie folgt im Angebot:

Auch die Continentale Versicherung wirbt damit, den Nettobeitrag noch nie angepasst zu haben.

Die Nürnberger aus der gleichnamigen mittelfränkischen Hauptstadt wirbt auch direkt damit, dass die Prämien seit 29 Jahren stabil sind.

Bei einigen Gesellschaften dürfte es zu einem wahren Markenkern werden, dass die Beiträge über Jahrzehnte konstant gehalten wurden. Möchte man das so einfach hergeben? Der Volkswohl Bund ist hierbei ein gutes Beispiel. Ein sehr guter BU-Versicherer mit einer der besten Leistungsfallbearbeitungen seit Jahrzehnten, aber in der Wahrnehmung eher ein kleines Mauerblümchen und somit kein “Lautsprecher” der Branche. Aber auch der Volkswohl Bund besitzt keinen eigenen Außendienst, ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und wirkt ab und zu behäbig, obwohl es bei dem Versicherer sehr menschelt. Klar, es gibt Marktteilnehmer, welche in einer gewissen Konstellation sicherlich mal einen Tick günstiger sind. Aber das kann auch nur eine Momentaufnahme sein.


6. Ärgere Dich nicht über Einschränkungen der technischen Ausgestaltung = es hilft zu stabilen Nettobeiträgen

Die Versicherer besitzen verschiedene Möglichkeiten zur Technischen Ausgestaltung in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Ab und an gibt es aber Einschränkungen, welche auf den ersten Blick negativ wirken für den Interessenten. Sieht man sich das gesamte Versichertenkollektiv aber an, dreht sich evtl. die Meinung. Es ist gar nicht dumm, wenn man gewisse Beschränkungen einbaut. Zwei davon sehen wir uns jetzt etwas genauer an.

Der Volkswohl Bund hantiert seit Jahren so, die Alte Leipziger hat dies 2020 eingeführt. Bis zu einer gewissen Höhe (i.d.R. 2.500 Euro) fließt die Beitragsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung ganz normal durch, danach folgt aber der Stop. Dies sieht beim Volkswohl Bund so aus:

Sieht erst einmal negativ aus, denn Gehaltssteigerungen und die Inflation werden die 2.500 Euro von der Kaufkraft mal geringer werden lassen. Bei der Alten Leipziger das selbe Spiel.

Aber erhöht sich Dein Gehalt, dann erhöht sich auch die Begrenzung der Beitragsdynamik. Reichst Du dem Volkswohl Bund oder der Alten Leipziger Nachweise der finanziellen Angemessenheit ein, erhöht sich die Obergrenze und wird anschließend auch neu im Versicherungsschein dokumentiert. Bsp.: Alte Leipziger:

In diesem Fall wäre eine Beitragsdynamik bis 45.000 Euro p.a. oder umgerechnet 3.750 Euro monatlich möglich. 

Warum machen die beiden Versicherer dies aber so?

Das Ratinghaus Franke & Bornberg bzw. deren Tochter “Mapreport” hat dies mal sauber beschrieben: 

Als weiteren destabilisierenden Faktor berücksichtigt das BU-Stabilitätsrating hohe Dynamiksätze ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung. Diese bewirken eine unkalkulierbare Risikoerhöhung für das Versichertenkollektiv. Immerhin drei Versicherer sind nach den Erhebungen bereit, zehn Prozent Dynamik ungeprüft in die Bücher zu nehmen. „Negative Selektionseffekte sind hier vorprogrammiert, was einige Versicherer in der Vergangenheit bereits schmerzhaft, beispielsweise bei selbständigen Handwerkern, erlebt haben“, so Klages. Dabei ist eindeutig belegt: Sobald sich die versicherte BU-Rente dem bisherigen Nettoeinkommen des Versicherten nähert oder gar übersteigt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Leistungsantrags um das mehrfache gegenüber der üblichen Antragszahlen.

Übersteigt die BU-Rente die finanzielle Angemessenheit massiv, so nehmen auch die Leistungsfälle überproportional zu. Es ist zwar für Dich im Einzelfall etwas mehr Arbeit, grundsätzlich darfst Du Dich aber auch freuen, in einem sauberen Kollektiv zu sein, welches keine überproportionalen Leistungsfälle im Bestand besitzen (werden). Ärgere Dich also nicht darüber… Zudem läuft bei beiden Versicherern die Beitragsdynamik sehr lange, wo andere Anbieter mit 55 Jahren eine Begrenzung (Allianz, Basler, Bayerische, etc.) einbauen.

B: Eine gedeckelte Beitragsdynamik von drei Prozent ist auch nicht immer negativ

Die LV 1871 ist hierbei so ein Beispiel. Diese bietet für Schüler, Studenten und Arbeitnehmer in gewissen Konstellationen nur eine Beitragsdynamik von drei Prozent an. Dies klingt erst einmal negativ, aber wie auch schon unter dem ersten Beispiel mit der Obergrenze der Beitragsdynamik dachte sich die LV 1871 hier etwas dabei. 

Möchte man mehr als 50 % des Bruttogehaltes absichern, lässt man nur drei Prozent zu in der BU.

Dies dient auch wieder als Puffer dafür, dass die BU-Rentenhöhe das eigentliche Einkommen nicht übersteigt. 

Ebenso gibt es bei der LV 1871 in der Beitragsdynamik bei sämtlichen Sonderaktionen einen Deckel von drei Prozent. Das meinten wir mit der Aussage, dass es intelligente vereinfachte Gesundheitsfragen und deren technische Ausgestaltung gibt, aber auch pauschal “gefährliche” Gesundheitsfragen. Die LV 1871 denkt hier eher sehr viel nach und macht vieles gut, auch bei den beiden Aktionen:

Man verbindet hier zielgruppenspezifische Gesundheitsfragen, welche nicht für jeden gelten und nimmt diverse Begrenzungen vor wie eine maximale Absicherungshöhe oder eine begrenzte Beitragsdynamik. Das ist durchaus intelligent gemacht, um die Zahlbeiträge stabil zu halten.


7. Gibt es weitere Formen der Überschussverwendung außerhalb des Sofortrabatt?

Ja, bei manchen BU-Versicherern gibt es hier weitere Möglichkeiten. Dieses Feld ist aber nicht einheitlich und grundsätzlich spielt dies in der Praxis auch keine Rolle. In der Realität hat sich die sofortige Überschussverwendung und somit der Sofortrabatt durchgesetzt, obwohl wir die Fondsansammlung oder auch die Bonusrente eigentlich nicht für dumm halten. Der Vollständigkeithalber möchten wir Dir aber zwei weitere Arten erklären.

A: Verzinsliche / Fondsansammlung anstatt der Überschussverwendung

Im Moment zahlst Du den Bruttobeitrag abzüglich der Überschüsse. Man kann die Überschüsse aber auch anlegen. Die verzinsliche Ansammlung (=in Zinspapieren) lassen wir mal außen vor, die Thematik mit den niedrigen Zinsen dürfte Dir bekannt sein. Beim Volkswohl Bund hast Du z.B. folgende Auswahlmöglichkeiten. 

  • Sofortrabatt
  • Verzinsliche Ansammlung
  • Fondsansammlung
  • Bonusrente (darauf kommen wir später nochmals)

Bei einer Fondsansammlung wandern die Überschüsse in Investmentfonds (können natürlich auch ETF´s oder Nachhaltige Fonds sein - Du hast die freie Auswahl, wie auch folgende Graphik des Volkswohl Bund zeigt:

Beträgt der Bruttobeitrag 100 Euro und der Nettobeitrag 70 Euro, fließen also 30 Euro in die freie Auswahl und dienen Deiner Altersvorsorge.
Psychologisch ist dies bei einer theoretischen Reduzierung der Überschüsse gar nicht so dumm - Du merkst es quasi gar nicht, da Dir weiterhin 100 Euro monatlich abgebucht werden. Aber das nur am Rande. Würde der Nettobeitrag bis auf den Bruttobeitrag steigen, wird dann aber logischerweise nichts mehr angespart. 

Grundsätzlich sind wir bekanntlich eher Freunde davon, die Berufsunfähigkeitsversicherung von der Altersvorsorge zu trennen, aber hier sehen wir eine Zwitterlösung, die noch einen Clou zu verbergen hat.
Die Auszahlung des angesparten Kapitals ist später bei Eintritt steuerfrei (!). Anders wie bei einer normalen (fondsgebundenen) Rentenversicherung oder auch Aktienfonds / ETF´s erhebt der Staat hier keine Steuern, da es sich um eine Risikoabsicherung handelt. 

Klingt eigentlich grundsätzlich nicht schlecht, bieten aber nicht viele Gesellschaften an.

B: Bonusrente anstatt der Überschussverwendung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die zweite große Auswahlmöglichkeit wäre die sogenannte Bonusrente in der BU. Auch hier musst Du den Bruttobeitrag bezahlen, aber anstatt wie bei der ersten Möglichkeit mit der Anlage in diverse Fonds, bekommst Du hier eine nicht garantierte Rente im Leistungsfall oben drauf. 

Bei der Nürnberger Versicherung am Beispiel eines Controller mit 2.000 Euro normaler Absicherung sieht es dann so aus mit einer gewünschten Bonusrente bei der BU4Future Comfort:

Neben einer garantierten Rente von 2.000 Euro im Leistungsfall kommen hier jetzt noch 1.120 Euro oben drauf, so dass wir bei 3.120 Euro landen. 

Die Bonusrente obendrauf kann aber angepasst werden, sollten die Überschüsse in der Berufsunfähigkeitsversicherung fallen. Dies steht auch so in den Vertragsbedingungen:

Natürlich erhöht sich dann auch etwas der Beitrag, sollten die Überschüsse angepasst werden und man möchte weiterhin eine erhöhte BU-Rente der Gesellschaft bekommen. Auf die finanzielle Angemessenheitsanrechnung dürfte dies bei den meisten Gesellschaften keine Auswirkung haben, da es sich nicht um eine garantierte Rente handelt. Aber bei der ärztlichen Untersuchung gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Kommt man beim Volkswohl Bund über die eigenen Grenzen, so wird eine Arztbericht erforderlich, obwohl die feste Grundrente darunter liegt. 

Die Form einer Bonusrente ist auch eher ein seltenes Phänomen.


8. Fazit zur Diskussion des Netto vs. Bruttobeitrags in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Du hast uns sicherlich mittlerweile als praxisorientiert im Zusammenhang mit der Berufsunfähigkeitsversicherung kennengelernt. In die Praxis geht auch unser Blick bei der Diskussion, ob eine geringe Differenz zwischen dem Netto vs. Bruttobeitrag wichtig ist. Nein, für uns nicht. Wir blicken lieber in den Maschinenraum der Gesellschaften und der Tarifgestaltung, nicht auf die nackten Zahlen, die meistens völlig nichtssagend sind. Das Feld überlassen wir anderen Vermittlern, Portalen und vermeintlich helfenden Ratgebern. Aber es ist wohl der Zeitgeist, dass man auf vermeintlich komplizierte Fragen eine sehr einfache Antwort geben kann. Dies ist auch bei der Diskussion der Zahl- wie auch der Bruttobeiträge der Fall - eine einfache Antwort kann es hier nicht geben.