Gesundheitsfragen in der Privaten Krankenversicherung – der Crux kann im Detail liegen.

Wie auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung werden in der Privaten Krankenversicherung umfangreiche Gesundheitsfragen gestellt. Dies ist sinnvoll und liegt auf jeden Fall im Interesse der versicherten Gemeinschaft. Würden nämlich viele (chronisch) „kranke“ Personen in den Tarif der Versicherungsgesellschaft wechseln, so würde es erhebliche Beitragssprünge geben. Vielleicht kann man es als unsozial bezeichnen (bei den gesetzlichen Krankenversicherungen gibt es bekanntlich keine Gesundheitsfragen), aber im Sinne des Versichertenkollektivs ist es sehr wichtig. Man könnte meinen, die Gesundheitsfragen unterscheiden sich nicht wirklich in der PKV. Dem ist nicht wirklich so.

Egal, wie Deine Gesundheitsangaben in der PKV ausfallen – wichtig ist, dass Du vorher eine Risikovoranfrage bei einem versierten Versicherungsmakler machst. Dies können durchaus auch wir sein ;-). Weitere Informationen zu der Thematik findest Du auch unter „Risikovoranfrage in der Privaten Krankenversicherung – sehr wichtig vor der Antragsstellung!“. Es gibt wirklich keinen Grund, weshalb Du auf direktem Wege einen Antrag zur Privaten Krankenversicherung stellen solltest. Im schlimmsten Fall verbaust Du Dir bei einer Ablehnung oder einem nicht gewünschten Ergebnis eine bessere Ausgangsposition für andere Gesellschaften in der PKV. In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es auch umfangreiche Gesundheitsfragen, aber hier sind die Abfragezeiträume etwas mehr angeglichen, während sich diese in der Privaten Krankenversicherung doch größer unterscheiden.


Die Gesundheitsfragten in der Privaten Krankenversicherung

Sehen wir uns mal die exakten Gesundheitsfragen einiger Anbieter an, die entweder qualitativ hochwertig sind oder einfach eine gewisse Größe besitzen:

1. Gesundheitsfragen bei der Barmenia Privaten Krankenversicherung

Einige Gesundheitsfragen der Barmenia Krankenvoll etwas genauer unter die Lupe genommen:

„5. Werden regelmäßig Arzneimittel eingenommen?“

Dies ist eine klare Verbesserung gegenüber anderen Antragsfragen in der PKV. Die Barmenia frägt nach derzeitiger regelmäßiger Einnahme von Arzneimittel, nicht in die Vergangenheit zurückliegend (oftmals drei Jahre). Aber bitte beachten – wenn Du in den letzten Jahren Medikamente eingenommen hattest, dann warst Du deswegen wohl auch beim Arzt und musst dies angeben. Achte bitte also sauber auf die Fragestellung.

„7. Haben in den letzten 3 Jahren ambulante Untersuchungen, Beratungen oder Behandlungen durch Ärzte, Heilpraktier oder sonstige Therapeuten stattgefunden oder bestanden Krankheiten, Behinderungen oder Beschwerden, die nicht behandelt worden sind“?

Anders wie in der Berufsunfähigkeitsversicherung werden bei vielen Krankenversicherern ambulante Behandlungen (= zum Arzt hingehen und wieder nach Hause) nur rückwirkend nach drei Jahren gefragt. Dies ist ein merklicher Vorteil. Wichtig ist hierbei aber auch der letzte Satz. Du musst auch Krankheiten, Behinderungen und Beschwerden angeben, weswegen Du NICHT beim Arzt gewesen bist. Klingt auf den ersten Blick dramatisch, aber eigentlich ist diese Frage nachvollziehbar.
Es wird weniger auf die Erkältung von vor 2,5 Jahren gezielt, weswegen Du zwei Tassen Tee mit Honig getrunken hast. Es ist für diese Leute gedacht, die schon seit Monaten Rückenbeschwerden oder psychische Probleme haben und aufgrund der massiv besseren Behandlungsmöglichkeit (Stichwort GKV vs. PKV) noch schnell wechseln möchten. Es geht also in die Richtung „ein brennendes Haus kann man nicht mehr versichern.“ Diese Antragsfrage von der Barmenia und anderen Gesellschaften ist also durchaus sinnvoll.

„9. Wurde in den letzten 10 Jahren eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt oder angeraten“

Dies ist eine kleine Besonderheit der Barmenia, da diese als eine der wenigen Gesellschaften 10 Jahre nach Psyche frägt. Dies haben andere Gesellschaften mit einem begrenzten Zeitraum von 5 Jahren besser gelöst. Aber drehen wir den Spieß um – für das Versichertenkollektiv kann dies wiederum positiv sein.

Die Fragen der Barmenia PKV Versicherung im Zahnbereich sind sauber gestellt:

„Erfolgt zur Zeit zahnärztliche oder kieferorthopädische Behandlung oder ist sie angeraten oder beabsichtigt“

und

„Fehlen Zähne – außer Weisheitszähne – im natürlichen Gebiss, die nicht ersetzt sind?

Dies sehen wir als eine lobhafte Fragestellung an. Aktuelle und angeratene Behandlungen müssen angegeben werden, ebenso fehlende Zähne. Das sind jeweils Fragen, welche der normale Verbraucher einfach beantworten kann. Hast Du Zweifel, dann kontaktiere bitte trotzdem Deinen Zahnarzt.


2. Die Antragsfragen der Alten Oldenburger

Die Alte Oldenburger nimmt man medial vielleicht gar nicht so richtig war. Dies ist aber schade, da dies ein sehr feiner Krankenversicherer ist. Von den Kennzahlen wahrscheinlich einer der besten am Markt. Zudem macht man auch keine „Ferkelein“ mit Strukturvertrieben oder ähnlichen Geschäftsmodellen. Seit Jahren gibt es auch bei der Alten Oldenburger weit unterdurchschnittliche Beitragssteigerungen. Ganz ein feiner Laden.

Die Frage nach der Medikamenteneinnahme sind bei der Alten Oldenburger auf drei Jahre gestreckt

3. Nehmen oder nahmen Sie in den letzten 3 Jahren regelmäßig Medikamente, Drogen oder Betäubungsmittel?

Wie wir oben feststellen durften, ist dies bei der Barmenia nur auf die Gegenwart bezogen. Die regelmäßige Einnahme von Drogen oder Betäubungsmittel sind natürlich eine klare Ablehnung in der Privaten Krankenversicherung, falls Du Dich gerade fragst, wie hier wohl das Votum ausfallen würde.

Wie auch bei vielen weiteren Anbietern, wird die Psyche auch 10 Jahre bei der Alten Oldenburger abgefragt:

„Wurden in den letzten 10 Jahren psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlungen angeraten, vorgenommen oder haben Suchterkrankungen vorgelegen?“

Interessant ist zudem die Antragsfrage, ob Du in den letzten 3 Jahren länger als 10 Tage zusammenhängend krankgeschrieben gewesen bist:

„Bestanden in den letzten 3 Jahren Arbeitsunfähigkeiten von zusammenhängend mehr als 10 Kalendertagen?“

Grundsätzlich ist diese Frage im Antrag der AO aber kein größeres Hindernis besser gesagt, bei den anderen Gesellschaften steckt diese Fragestellung ja auch etwas näher in den Gesundheitsfragen. Eine Krankschreibung hat nämlich immer einen Arztbesuch zur Folge und dieser ist natürlich bei jeder PKV Gesellschaft angabepflichtig.


3. Die Gesundheitsfragen der Signal Iduna / Deutscher Ring

Die Signal Iduna hat die Krankensparte des Deutschen Ring praktisch „geschluckt“, deshalb gibt es zwischen beiden Unternehmen keine unterschiedliche Gesundheitsprüfung. Die Gesundheitsfragen sind somit identisch. Beide Gesellschaften existieren aber noch und bieten auch unterschiedliche Tarife an, die auch zu den Guten in der Privaten Krankenversicherung gehören.

Die Frage 2 nach der Brille ist schon mal interessant…

„Wird eine Brille oder werden Kontaktlinsen getragen oder benötigt bzw. wurde(n) diese verordnet?“

Bei der Barmenia musst Du generell angeben, wenn Du eine Fehlsichtigkeit hast. Dies kann schon ab einem Dioptrinwert von - 0,25 sein.  Eigentlich ist dies nahezu perfekt, aber angabepflichtig. Sauberer hat es die Signal Iduna gelöst, denn diese fragt direkt in ihrem Antrag, ob eine Brille oder Kontaktlinsen benötigt werden. Wird diese Frage mit ja beantwortet, gibt es einen minimalen Risikozuschlag.

Dafür sollte auf die Frage 7 näher geachtet werden mit „Ambulante Operationen“:

„Erfolgten in den letzten 5 Jahren Krankenhaus-, Kur-, Reha- oder Sanatoriumsaufenthalte bzw. ambulante Operationen oder wurden diese angeraten bzw. sind diese vorgesehen?“

Bei den allermeisten Gesellschaften werden ambulante OPs maximal drei Jahre abgefragt. War es nur ein kleiner und harmloser Eingriff, dann dürfte dies kein Problem sein. Aber bei einer größeren und komplizierten Sache kann dies zu vielen Rückfragen bzw. einer noch detaillierteren Aufbereitung der Gesundheitshistorie führen.

Die Frage nach psychologischen Behandlungen ist beim Deutschen Ring / Signal Iduna ebenfalls auf 10 Jahre ausgedehnt:

„Werden oder wurden in den letzten 10 Jahren psychologische/psychiatrische Behandlungen/Beratungen (einschließlich probatorischer Sitzungen) oder Behandlungen/ Beratungen wegen Suchterkrankungen durchgeführt, angeraten oder sind diese vorgesehen?“

Wie Du auch siehst, sind die Gesundheitsfragen rund um den Zahnstatus auf jeden Fall umfangreicher als z.B. bei der Barmenia. Schau es Dir bitte im Detail an.


4. Die Antragsfragen der Allianz Privaten Krankenversicherung

Es gibt durchaus Stimmen am Maklermarkt, die sagen: „Wir versichern gerne Interessenten & Kunden bei der Allianz, da wir stark davon ausgehen können, dass es diese Gesellschaft in 50 Jahren noch gibt“. So kann man es auch durchaus sehen, wenngleich dieser eher ein relativ kleiner Positivpunkt in einer Auflistung von unserer Seite wäre.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist die Fragestellung der Allianz bei der Psyche mit:

„5. Werden oder wurden Sie in den letzten 5 Jahren wegen psychischer Beschwerden / Erkrankungen ….behandelt, beraten oder untersucht“?

Bekanntlich fragen die obigen Gesellschaften zehn Jahre nach. Bei der Allianz Privaten Krankenversicherung beträgt der Abfragezeitraum hingegen überschaubare 5 Jahre.

Interessant – im Vergleich ist auch die Antragsfrage:

„4. Werden oder wurden Sie in den letzten 3 Jahren von einem Arzt, Heilpraktiker oder einen anderen Therapeuten in den folgenden Bereichen behandelt, beraten oder untersucht? Bestehen oder bestanden bei Ihnen in den letzten 3 Jahren Krankheiten (auch wenn Sie nicht behandelt wurden), Unfallfolgen oder Beschwerden in den folgenden Bereichen?

Auch informativ ist, dass es viele weitere Unterpunkte gibt, welche explizit nochmals abgefragt werden. Bei nahezu jeder anderen Privaten Krankenversicherung wird nur eine Antragsfrage oder Unterpunkt gestellt. Grundsätzlich spricht dies jetzt nicht gegen die Allianz, aber wir finden es interessant. Vielleicht denkt dann ein Antragssteller noch etwas genauer nach, wenn er nicht eh schon mit seiner Krankenakte seine Gesundheitshistorie aufarbeitet?

Nach ambulanten Operationen wird auch bei der Allianz fünf Jahre gefragt:

„5. Haben in den letzten 5 Jahren Krankenhaus-/Rehabilitatons-/Kuraufenthalte oder ambulante Operationen stattgefunden“?

Ähnlich geregelt wie bei der Signal Iduna Private Krankenversicherung.


5. Die Inter Krankenversicherung mit ihren Gesundheitsfragen:

Die Inter war früher so etwas wie eine graue Maus, aber in den letzten Jahren verbessern sich bei der Inter viele Dinge zum positiven. So kann die Inter für mache durchaus eine Alternative in der Privaten Krankenversicherung sein. Die Gesundheitsfragen sind auch ganz ok.

Sehen wir uns eine zahnärztliche Fragestellung aber nochmal etwas genauer an:

12.d. Wird derzeit oder wurde innerhalb der letzten 2 Jahre eine parodontale Erkrankung festgestellt und/oder behandelt?“

Hier werden also auch rückwirkend Erkrankungen bzw. Behandlungen abgefragt. Dies hat z.B. die erste Variante mit der Barmenia etwas sauberer gelöst. Ebenso die Fragestellung:

12.a.Wie viele Zähne wurden ersetzt, überkront, sind mit Inlays bzw. Onlays und/oder einem – von Ihnen selbst herausnehmbaren – Zahnersatz versorgt?“

Das ist schon etwas alles etwas umfangreicher als bei anderen Gesellschaften. Im Sinne des Versichertenkollektivs kann es aber wiederum Sinn machen. Du musst hierbei also immer zwei Seiten einer Medaille sehen! Die Ja-Antwort und somit Angabe ist grundsätzlich kein Drama, es wird anschließend von Dir nur Fleißarbeit gefordert mit der sauberen Aufarbeitung Deines Zahnstatuses. Dein Zahnarzt wird aber i.d.R. fleißig mithelfen. Immerhin wärst Du bald ein Privatpatient, wo er seinen Aufwand endlich besser honoriert bekommen würde als bei einem Patienten, welcher in der GKV versichert ist.


6. Alles auf einen Blick – ein Antrag & Gesundheitsfragebogen für 22 Private Krankenversicherer

Über unseren spezialisierten Dienstleister „KVWerk“ könnten wir einen sogenannten „Einheitsantrag“ nutzen. Dies bedeutet, dass ein Antrag für derzeit (Stand 2019) 22 Gesellschaften gültig ist. Dies aber nur am Rande, wir favorisieren weiterhin den direkten Antrag von der einzelnen Gesellschaft. Der Einheitsantrag hat aber eine ganz andere Funktion für diesen Homepagebeitrag:

Alle Abfragezeiträume der verschiedenen PKV Gesellschaften auf einen Blick:

In der Klammer unterhalb der Fragestellung findest Du die Besonderheit der einzelnen Gesellschaft. Somit kannst Du auf den ersten Blick (ok, auf den zweiten…) erkennen, welche Gesellschaft bei Dir jetzt sofort rausfliegen kann, da dies eine No-Go Diagnose ist. Du und auch wir müssen nicht erst sämtliche verschiedene Antragsfragen miteinander durchgehen, sondern haben eine saubere Übersicht.
Bitte beachte aber: Es ist kein Freifahrtsschein für einige Gesellschaften. Eine Ja-Angabe ist oftmals auch kein Drama. Suche bitte nicht zwanghaft nach Möglichkeiten, UNBEDINGT in die PKV zu kommen. Lote es auch erst einmal aus, ob für Dich die Private Krankenversicherung überhaupt in Frage kommt. Dies beschreiben wir im Artikel „GKV oder PKV – was ist die bessere Wahl für mich?“ sehr umfangreich mit den Vor- und Nachteilen von beiden Systemen. Beschäftige dich auch mit den Beitragssteigerungen in der PKV, wobei diese nüchtern betrachtet geringer ausfallen als in der GKV. 

Mit diesem Einheitsfragebogen stellen wir übrigens auch unsere Risikovoranfrage bei den favorisierten Gesellschaften. Somit musst Du zur Risikovoranfrage nicht unzählige Formulare bei den einzelnen Gesellschaften ausfüllen. Einmal eine saubere und gewissenhafte Aufbereitung der Gesundheitshistorie genügt also.
 


Fazit zu den Gesundheitsfragen in der Privaten Krankenversicherung:

Wie Du siehst, unterscheiden sich diese teilweise schon erheblich, selbst bei nur fünf vorgestellten Gesellschaften. In Anbetracht der Tatsache, dass die Annahmequote in der PKV jetzt relativ harsch ist, sollte man sich die verschiedenen Gesundheitsfragen schon näher ansehen. Im Zweifel solltest Du aber auch mit einem Ärztlichen Attest arbeiten, welches den einzelnen Arztbesuch etwas besser beschreibt. Bitte suche aber Deine PKV NIE rein nach den Gesundheitsfragen aus, ebenso wenig wie wenn Du NUR auf den derzeitigen Beitrag achtest. Die Versicherungsbedingungen und die Stabilität der Gesellschaft sind eindeutig ein wichtigeres Gut, denn immerhin ist die Private Krankenversicherung i.d.R. eine Entscheidung für das gesamte weitere Leben. Ob die PKV generell für dich in Frage kommt, klären wir unter dem Punkt "GKV oder PKV – was ist die bessere Wahl für mich?". Ebenso wird der Punkt "Beitragssteigerungen in der PKV" von uns näher beschrieben und ob es sich darum um einen Mythos oder eine mit Fakten hinterlegten Behauptung handelt. 
Sollte es aufgrund Deines Gesundheitszustandes nicht mit dem Eintritt in die Private Krankenversicherung klappen, so musst Du sicherlich den Kopf auch nicht in den Sand stecken. Über 90 % der Bundesbürger sind in der GKV und zudem kann man über Krankenzusatzversicherungen auch einen Mehrwert verschaffen. Die Zahnzusatzversicherung hat hierbei ja wenig mit dem Kreuzbandriss oder einem Bandscheibenvorfall zu tun.