Ist eine Starter / Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Viele Versicherungsgesellschaften bieten für „Junge“ Leute sogenannte Starterpolicen in der Berufsunfähigkeitsversicherung an. Marketingtechnisch ist das eine gute Geschichte, in unseren Augen überwiegen aber eher die Nachteile. In einer bestimmten Konstellation empfehlen wir aber Einsteigertarife in der Berufsunfähigkeitsversicherung. 

Besonders Schüler (bzw. deren Eltern) undStudenten fragen bei uns immer wieder nach, ob für sie denn sogenannte Starter & Einsteigertarife nicht die bessere Wahl wären. Man hätte ein Angebot erhalten oder man hat sich auch selber informiert auf der Homepage der jeweiligen Gesellschaft. Unsere Antwort lautet langfristig eigentlich immer:

Langfristig sind Startertarife teurer als normale Varianten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Zudem gibt es – je nach Gesellschaft – enorme Fallstricke zu beachten, die man als normal versicherte Person nach einigen Jahren zumeist wieder vergessen hat. Wir möchten Dir jetzt einfach mal einige Beispiele aus der Praxis nennen.

1. Golden BU vs. Starter Tarif von der LV 1871 Berufsunfähigkeitsversicherung

Die LV 1871 ist derzeit (!) einer unserer Favoriten für Schüler, Studenten und allgemein Junge Leute. Die Versicherungsbedingungen sind sehr gut (siehe auch unser Blogartikel „Die LV 1871 überarbeitet / erweitert ihre Golden Berufsunfähigkeitsversicherung“), die Nachversicherungsgarantien marktführend, ebenso die Risikoprüfung, welche für uns bekanntlich so wichtig wie die Luft zum Atmen ist (ok, fast…). Ein toller Versicherer, dieser Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit.

Sehen wir uns aber mal das Beispiel eines 16-jährigen Schüler an, welcher auf der gymnasialen Oberstufe verweilt. Absicherungswunsch 1.500 Euro, Laufzeit bis 67 Jahre. Weitere Bausteine wie die Leistungsdynamik, AU-Klausel oder auch die einmalige Lebenslange Rente  lassen wir außen vor.

Der monatliche Beitrag wäre hierbei bei 53,50 Euro netto

Der LV 1871 muss man auf jeden Fall zu Gute halten, dass diese eine der fairsten Einsteigertarife am Markt hat und es keine exorbitanten Steigerungen gibt. Im Startertarif sieht es so aus:

Die ersten 10 Jahre gibt es einen ermäßigten Beitrag in Höhe von 44 Euro statt 53,50 Euro. Dieser schwenkt aber im 10. Versicherungsjahr um auf 57,90 Euro. Schmeißt Du den Taschenrechner an, dann wirst Du bemerken, dass Du über die Laufzeit in dem Startertarif der LV 1871 schlechter fällst.

Der große Nachteil des Startertarifs von der LV 1871 – es ist in dieser Phase keine Beitragsdynamik möglich:

Diese startet erst ab dem 11. Lebensjahr. Für uns ist die Beitragsdynamik extrem wichtig, da diese die Inflation / Kaufkraftverlust ausgleicht.

In den Vertragsbedingungen wird es nochmals näher erläutert in der Golden BU Start:

Dies ist sicherlich ein Punkt, den viele nicht wissen dürften. Wir lehnen uns sogar so weit aus dem Fenster, dass dies viele Versicherungsvermittler ebenso nicht auf dem Schirm haben ;-).
Bis auf dieses Manko hat die LV 1871 Golden BU aber sicherlich eine der besten Starter / Einsteigertarife am Markt. Es muss keine Nachmeldung bei diversen Ereignissen erfolgen.

Mehr Infos:


2. Die größere Mogelpackung bietet die HDI im Tarif „Ego Young“ als Startertarif an!

Jetzt wird´s ein bisschen komplizierter. Die HDI bietet an sich einen sehr guten und normalen Tarif in der Berufsunfähigkeitsversicherung mit dem Namen „Top“ an. Da gibt es wenig zu Meckern. Man müsste meinen, dass auch die Einsteigervariante mehr oder minder sauber geregelt wurde. Da müssen wir jetzt aber den Finger in die Wunde legen.

Eine normale Musterberechnung für den normalen Top Tarif sparen wir uns jetzt und schauen uns direkt die Einsteigervariante an mit denselben Parametern.

Die Versicherungsdauert des Ego Young Tarif ist begrenzt:

Das bedeutet, dass die Absicherung nach 15 Jahren (in diesem Fall) abläuft. Wirst Du in dieser Zeit aber berufsunfähig, gibt es die Leistung bis zur Leistungsdauer von 67 Jahre.

Dir steht jedoch ein Umtauschrecht in den nächsten 10 Jahren zu, wie folgender Ausschnitt zeigt:

Es gibt aber weitere Stolperfallen, auf welche Du achten musst. Die HDI bietet Dir den Wechsel vom Tarif Young in die Top Variante zwar schon ohne Gesundheitsprüfung, aber folgende Parameter könnten geprüft werden:

  • Etwaige gefährliche Hobbys / Freizeitaktivitäten
  • Die aktuelle Berufliche Tätigkeit
  • Rauchverhalten
  • Körpergröße & Gewicht

Da man nicht explizit darauf verzichtet, wäre alles auf jeden Fall möglich. 2020 haben wir auch einen übernommenen Young Vertrag (Stichwort Bestandsübertragung auf uns) aktiviert und sahen es direkt in der Praxis mit folgender Fragestellung:

Deine aktuelle berufliche Tätigkeit wird also geprüft. Bist Du dann Arzt, Ingenieur oder in einer ähnlich attraktiven Berufsgruppe, dann ist dies eher kein Problem. Aber was ist, wenn Du einen Beruf ausübst, der in den Augen der Versicherung extrem gefährlich ist? Zudem stufen die Gesellschaften ja auch ehr unterschiedlich ein. Was ist, wenn die HDI derzeit eine Krankenschwester, den Dachdecker oder auch einen Chirurgen extrem teuer einstuft? Normalerweise sollte man sich die Berufsgruppe in jungen Jahren in der Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Vertragsabschluss ja sichern! Man sollte nie schlechter fallen können, nur besser. Mit diesem Prinzip des Einsteiger / Startertarifes vom HDI passiert genau das Gegenteil.

Aus diesem Grund siehst Du, weshalb die Variante der LV 1871 noch relativ sauber formuliert wurde.

Vorsicht: Die Umtauschfrist muss selbstständig aktiviert werden beim Tarif Young vom HDI!

Die HDI Variante sehen wir als gefährlich an. Vor allem auch noch aus dem Beweggrund, dass vielleicht die Frist des Umtauschs vergessen wird. Klar, Du wirst angeschrieben, aber ehrlich gesagt – blickst Du immer in allen Anschreiben der Versicherungen durch?
Man schließt vielleicht als Elternteil mit guten Gewissen die Berufsunfähigkeitsversicherung ab und nachdem das Kind den Vertrag später mal in einigen Jahren selber übernommen hat, kümmert sich niemand mehr darum. Dann wird die Frist zum Umtausch vergessen und so steht man schon ohne einen Schutz in der Berufsunfähigkeitsversicherung da. Aus gesundheitlichen Gründen geht auch nichts mehr und schon ist er da, der Salat…

Von daher gilt unser Tenor natürlich = bei einer Antragsstellung in einer normalen Tarifvariante gibt es solche Fallstricke und Stolpersteine gar nicht. Die HDI ist in dieser Hinsicht somit eher auch ein klares Negativbeispiel. Sehr schade, da die normale Berufsunfähigkeitsversicherung wie auch die Schüler Variante eine der besten am Markt darstellt.

Tiefergehende Infos:


3. Start Tarif der Allianz  – keine Mogelpackung, aber rechnerisch langfristig viel teurer!

Die Allianz ist wahrscheinlich der Anbieter in der Berufsunfähigkeitsversicherung, welche wir am häufigsten sehen mit einer Start / Einsteiger Variante. Da könnte man ggf. noch ein Auge zudrücken (auch wenn´s mathematisch Blödsinn ist), aber zwei Punkte sind i.d.R. immer unsauber gelöst:

  • Die Absicherungssumme ist viel zu gering und bewegt sich oftmals nur im dreistelligen Bereich
  • Es gibt eine Kopplung mit einer Altersvorsorge / Rentenversicherung

Beides sind Indizes dafür, dass die Beratung vorher bei einer hiesigen (regionalen) Bank vonstattenging, Alternativ bei einem eher fachlich nicht so versierten Versicherungsvertreter (es gibt definitiv aber natürlich auch gute!!). Aber auch der eine oder andere sonstige Vermittler fällt uns hier negativ auf. Das soll jetzt kein Bashing sein, aber wem helfen 700 Euro Berufsunfähigkeitsrente, außer dem Staat (wir nennen diese Rentenhöhe liebevoll „Hartz 4 Verhinderungspolice“). Klar, kann der Vermittler argumentieren, dass Nachversicherungsgarantien gezogen werden können, aber die Praxis sieht leider anders aus. Versicherungen sind langweilig und es wird schon nichts passieren. Nachversicherungsoptionen werden schnell wieder vergessen…

Nun gut – stellt man die StartPolice sauber auf für unseren 16-jährigen Interessenten, welcher 1.500 Euro absichern möchte, sieht´s bei der Allianz so aus:

Zu Beginn ist der Beitrag optisch relativ günstig, steigt aber jedes Jahr an.
Wir können uns sehr gut vorstellen, dass mancher Vermittler Verkäufer mit dem sehr günstigen Tarif um die Ecke kommt, wenn man in einer gewissen Konkurrenzsituation wäre. Alles schon erlebt. Da wird die Gegenseite madig gemacht und dass einige Produkt bessergestellt. Schade, dass es immer wieder solche Vorgehensweisen gibt.

Auch die StartPolice der Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung lässt keine Beitragsdynamik zu!

Wie die oben genannte LV 1871 in der Golden BU Start geht die große Allianz denselben Weg. Es gibt in der Startphase keine Beitragsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Sehr unschön. Es ist zudem umso ärgerlicher, dass die Beitragsdynamik der Allianz derzeit auch schon mit 55 Jahren endet – die LV 1871 geht bis zum Ende durch. Läuft es blöd, hast Du also in Deiner Berufsunfähigkeitsversicherung der Allianz dank der StartPolice über 20 Jahre keine Möglichkeit einer Dynamik zur Steigerung der abgesicherten Rente. Zudem sind die Optionen zur Erhöhung im Moment auch auf 1.000 Euro gedeckelt, wie man unserem Artikel „Die Nachversicherungsgarantie der Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung“ entnehmen kann.

Wie hoch wäre der Beitrag, wenn man sich jetzt schon normal versichern würde bei der Allianz?

Dieser würde bei knapp 60 Euro liegen und bleibt konstant (Überschüsse beachten)

Rechnet man sich dies über all die Jahre durch, kommt man auf jeden Fall günstiger davon. Zudem wäre ab dem ersten Versicherungsjahr die mehr als wichtige Beitragsdynamik auch schon möglich. Dies ist – wie wir jetzt erfahren haben – in der StartPolice der Allianz leider nicht der Fall.

Tiefergehende Infos:

  • Allgemeine Vertragsbedingungen Musterangebot Startpolice Berufsunfähigkeitsversicherung Allianz

Eine Gesellschaft am Markt fällt zudem derzeit mehr als negativ auf im Startertarif….

….Manche sagen, es sei der größte Strukturvertrieb des Landes…
Hier gibt es auch einen Startertarif. Die Beiträge bleiben identisch, aber die abgesicherte monatliche Rentenhöhe sinkt dann auf um ca. die Hälfte. Der versicherte Kunde merkt davon natürlich nichts, da vielen dies gar nicht bewusst war. Und schon ist der da der Salat. Waren zu Beginn die Absicherungssummen schon zu gering, sind´s diese erst nochmals zu Recht…
Namen möchten wir mal keine nennen, denn mit Abmahnungen ist man hier durchaus kulant…. Leider gibt es immer noch Vertriebe und Versicherungsunternehmen, welche die Branche in diesem Fall zurecht in ein schlechtes Licht rücken.


Aufpassen – der Bestand des Versicherungsunternehmens wird ungesünder!

Kommen wir aber auf einen Punkt zu sprechen, welcher Dir sicherlich nicht ganz geläufig ist, welcher aber zur Sprache kommen sollte bei den Einsteigertarifen in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Eine Starterpolice wird naturgemäß vor allem in jungen Jahren abgeschlossen. Deshalb ist es umso wahrscheinlicher, dass die versicherte Person aufgrund seines höheren Ausbildungsgrades, einer leitenden Funktion oder eines Berufswechsels eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung anstrebt, da sie durch ihr neues Berufsfeld erhebliche Beiträge sparen wird. Bei sehr guten Gesellschaften gibt es zwar mittlerweile ein Überprüfungsrecht ohne erneute Risikoprüfung, aber dies ist zum einen eher noch die Ausnahme, zum anderen oftmals an gewisse Fristen gebunden („sechs Monate nach Berufseinstieg“) oder es wird schlichtweg vergessen.

Späterer Wechsel von Einsteiger / Startertarifen wirkt sich negativ aufs Kollektiv aus!

Vorausgesetzt ist natürlich, dass der Gesundheitszustand immer noch einen Neuabschluss zulässt. Wird der KFZ Mechaniker aber vielleicht Maurer, Dachdecker oder nimmt einen anderen, im Auge des BU Versicherer gefährlichen Job an, so bleibt die bisher versicherte Person natürlich in seiner Versicherung, da er hier günstiger eingestuft wird. Ebenso wird man es vor allem bei Schülern beobachten können. Übt man später mal einen Beruf aus mit vermeintlich geringem Risiko, wird die versicherte Person früher oder später darauf stolpern, dass man im Marktvergleich eigentlich zu viel zahlt – ganz salopp ausgedrückt.
Übrig bleiben die versicherten Kunden, welche einen gefährlichen Job ausüben oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wechseln können. Damit bleibt ein eher negatives Kollektiv übrig. Von daher wünschen wir uns eigentlich eher, dass die verschiedenen Gesellschaften die Starter & Einsteigertarife nicht wirklich promoten.

Das ist insgesamt die größte Gefahr, welche Dir zu Beginn vielleicht gar nicht so bewusst ist. Die gesünderen Personen werden das Versichertenkollektiv verlassen und es bleiben nur noch Personen mit kleinen Zipperlein oder „gefährlicheren“ Berufen. Die erhöhten Beiträge sollten dies eigentlich später ausgleichen, aber unter diesen Voraussetzungen kann durchaus massiv der Schuss nach hinten losgehen und an der Preisschraube gedreht werden. Im Moment muss man ja nur den Nettobeitrag zahlen, welcher aber bis zum Bruttopreis steigen kann – z.B. wenn die Leistungsfälle zunehmen (natürlich sei gesagt, das theoretisch auch der Bruttopreis steigen könnte, wenn nicht auf Paragraph 163 verzichtet wird) und die Beitragseinnahmen nicht mehr genügen.


Bei wem ein Starter / Einsteigertarif aber definitiv Sinn macht in der Berufsunfähigkeitsversicherung!

Es gibt aber wenige Konstellationen, wo wir einen Startertarif definitiv empfehlen in der Berufsunfähigkeitsversicherung, Der Grund ist so banal wie einfach:

Bevor Du Abstriche in der abgesicherten Rentenhöhe oder Endalter machst, nutze bitte einen Einsteigertarif!

Uns ist völlig klar, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung keine günstige Absicherung darstellt. Da kommt Monat für Monat schon ein erheblicher Betrag zusammen. Sollte es zu Beginn also nicht möglich sein, die vollen Beiträge zu bezahlen (z.B. als Student oder als Elternteil), dann sollten definitiv keine Kompromisse bzgl. Endalter, abgesicherter Rentenhöhe oder etwaiger, für einen persönlich sinnvoller Zusatzbausteine gemacht werden. Spätestens im Berufsleben kann man die dann etwas erhöhten Beiträge sauber entrichten.

Achte bitte nochmals genauer darauf, bei welcher Gesellschaft und zu welchen Bedingungen Du die Einsteigervariante wählst. Bei manchen können wir gerade noch ein Auge zudrücken, andere vergünstigte Tarife würden wir zu Beginn nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Darum prüfen, wer sich ewig bindet. Gerne mit uns….Einen Anbieter mit einer relativ sauberen Variante haben wir Dir ja schon genannt. 

Wahrscheinlich ist es selbstklärend, aber der wichtigste Punkt zu Beginn bleibt natürlich: Die saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie. Du musst erst einmal abklären, wer Dich zu welchen Konditionen annehmen würde mithilfe einer anonymen Risikovoranfrage. Gerne über uns :-). 


Fazit zu den Start Tarifen in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Dir muss eines klar sein – langfristig sind die Einsteigertarife teurer als die Normalen Varianten. Zudem lauern – je nach Anbieter – verschieden schwere Stolpersteine, welche man als Laie vielleicht gar nicht überblicken kann.
Sollte es aus finanziellen Gründen im Moment aber nicht anders gehen, so empfehlen wir schon eine Startervariante, denn Abstriche bei den wichtigsten Parametern in der Berufsunfähigkeitsversicherung sollten definitiv nicht gemacht werden.