Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Besonders wenn Du jung bist und für Deine Berufsunfähigkeitsversicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit mal eine Nachversicherungsoption bei bestimmten oder unbestimmten Ereignissen nutzen möchtest, gilt durchaus, den Blick in die Vertragsbedingungen der jeweiligen Gesellschaft zu richten. Es ist nämlich ein kleiner, aber feiner Unterschied, ob die Versicherungsgesellschaft bei der Nachversicherungsoption auf eine Gesundheitsprüfung oder auf eine Risikoprüfung verzichtet. Dies kann darüber entscheiden, ob Du ggf. die Nachversicherungsoption überhaupt ausführen kannst und auch zu welchem Beitrag.



Wenn Du aber jetzt Mitte vierzig bist oder auch zu Beginn eine BU-Versicherung über eine Höhe von 2.500 Euro bei einem Anbieter abgeschlossen hast, dann sind die folgenden Ausführungen für Dich nicht weiter von größerer Bedeutung. Wenn Du aber während des Studiums, als Azubi oder auch als Schüler schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchtest, dann ist der feine Unterschied zwischen Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung in der BU eventuell sehr wichtig für Dich. Oder auch natürlich bei der Variante mit der Aufteilung auf zwei Gesellschaften (z.B. 2*1.000 Euro), um später im Berufsleben bei einer „Karriere“ relativ schnell auf eine bedarfsgerechte Absicherung zu kommen.

Vorweg aber noch kurz zur Bedeutung der Nachversicherungsgarantie

I.d.R. ist bei den meisten Gesellschaften bei 2.500 Euro Schluss mit der Nachversicherungsgarantie. Hast Du also zu Beginn schon 2.500 Euro an monatlicher BU Rente abgeschlossen, kommst Du gar nicht mehr in „Zugzwang“ diese zu nutzen. Eine weitere Absicherung bei steigendem Bedarf (=Gehaltssteigerungen) kann nur noch über die Beitragsdynamik dargestellt werden (grob gesagt, Ausnahmen gibt es am Markt). Deshalb ist es oft sinnvoll für Akademiker und Gutverdiener, dass man die BU-Absicherung auf zwei Anbieter ala 2*1.250 Euro statt einmal 2.500 Euro aufteilt. Ebenso aus dem Grund, da über 2.500 Euro i.d.R. eine ärztliche Untersuchung mit relativ gemeinen Gesundheitsfragen stattfindet. Hast Du also zweimal 1.250 Euro abgesichert, so steht Dir bei bestimmten Ereignissen oftmals eine Nachversicherungsoption zu (pauschal gerne 500 Euro pro Monat). Ebenso, wenn Du als Azubi, Schüler oder zu Beginn Deiner beruflichen Tätigkeit zuerst 1.000 Euro mtl. abgesichert hast, aber nach der erfolgreichen Lehre, Abschluss oder weiteren Gründen Deine Absicherung fernab der Beitragsdynamik erhöhen möchtest. Hier kommt dann immer die Nachversicherungsgarantie ins Spiel.

Für diese sehr wichtige, aber oftmals nicht bekannte Thematik haben wir auch einen eigenen Artikel parat mit "Aufteilung auf zwei Gesellschaften in der Berufsunfähigkeitsversicherung?". 

Unterschied Gesundheitsprüfung vs. Risikoprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Das tolle an einer Nachversicherungsoption ist die Tatsache, dass Du Deinen Gesundheitszustand „eingefroren“ hast. Inzwischen neu dazugekommene Vorerkrankungen, Arztbesuche oder Beschwerden werden bei einer Nachversicherung nicht abgefragt. Das ist eine tolle Sache und somit solltest Du auch so früh wie möglich Dich mit der Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigten. Je jünger Du bist, desto weniger „zwickt“ es mal hier, mal da. Dass bei der Erhöhung der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nach Deinem neuen Gesundheitszustand gefragt wird, haben quasi alle Gesellschaften und Vertragsbedingungen (zumindest die neueren Generationen) gleich. Aber wie unterscheidet man denn jetzt die Gesundheitsprüfung von einer erneuten Risikoprüfung?
Ganz einfach:

Kann die Nachversicherung ohne erneute Risikoprüfung erfolgen, dann verzichtet der Versicherer auf eine Nachfrage in folgenden Bereichen:

  • Beruf
  • Hobbys / Freizeitaktivitäten
  • Rauchverhalten
  • Körpergröße & Gewicht  (=BMI)
  • Geplante bzw. aktuelle Auslandsaufenthalte

So ist jetzt der kleine, aber feine Unterschied sauber erklärt. Im schlimmsten anzunehmen Fall kann es dazu führen, dass Du Deine BU gar nicht mehr erhöhen kannst, wenn der Versicherer Deinen Beruf gar nicht mehr anbietet / versichert. Klar, jetzt etwas weit hergeholt, aber Minenseetaucher oder Stuntmen wollte doch jeder von uns schon mal werden? Oder Du derzeit von deiner Firma in China entsendet werden und dort tobt gerade Corona Version 3.0.? Nun aber zurück in die Wirklichkeit.

Das Berufsleben läuft nicht immer synchron – darum achte auf erneute Risikoprüfung!

Vielleicht liegt Dein Studium gerade in der besten Berufsklasse, oder Du fühlst Dich später einem eher körperbetonten Beruf hingezogen? Dann kann es teurer werden. Ebenso, wenn Du während der Ausbildung im Büro arbeitest, aber später Krankenschwester Dein Traumberuf ist? Verzichtet die Gesellschaft auf eine erneute Risikoprüfung, dann musst Du bei der Nachversicherungsgarantie den Beruf gar nicht mehr angeben. Du bleibst für immer in Deiner Berufsgruppe. Bei immer mehr Versicherer gibt es zudem eine Besserstellungsoption, welche man aber sehr im Detail prüfen sollte. 

Neue Hobbys & Freizeitverhalten könnten zum Problem werden!

Ein nicht zu unterschätzender Grund ist auch die Tatsache, dass Du keine Fragen zu neuen Hobbys beantworten musst. Mancher Versicherer bekommt schon eine Schnappatmung, wenn Du höher als 2.500 Meter in den Bergen wanderst, Karate zum Ausgleich brauchst oder das Tauchen in der wundersamen Unterwasserwelt für Dich entdeckt hast. Dies musst Du melden und wenn es blöd läuft, kann es für Deine Erhöhung ausgeschlossen werden. Wenn Du bei 1.000 Euro Absicherung beginnst, kann es für die nächsten 1.500 Euro (=2.500 Euro Gesamt) schon bedeuten, dass Dein Hobby künftig nicht mehr versichert ist.

Neue Freunde des Qualmens & Übergewichts haben schlechtere Karten bei der Nachversicherung

Seit wenigen Jahren unterscheiden manche Versicherer mittlerweile zwischen Nichtraucher vs. Raucher, was für Freunde des Glimmstängels eine Beitragserhöhung von ca. zehn Prozent zur Folge hat. Warst Du bei Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung überzeugter Nichtraucher und nun bei der Nachversicherungsgarantie das Gegenteil, ändert sich deshalb der Beitrag zum Negativen. Ebenso, wenn Du plötzlich in Sachen Körpergröße & Gewicht nicht mehr in das Raster passt. Vielleicht wiegst Du nun zu wenig für die Versicherung oder auch zu viel? Vielleicht bist Du auch schwer erkrankt und kannst gar nichts für Dein Übergewicht? Ohne erneute Gesundheitsprüfung bedeutet das dann, dass Dich der Versicherer nach Deinem aktuellen Gewicht fragen darf. Kann er machen, muss er nicht. Aber es wäre besser vertraglich geregelt, dass er dies nicht machen darf.

Geplante und aktuelle Auslandsaufenthalte könnten Kritisch werden 

Es ist in der heutigen Zeit nicht mehr selten, das man im Ausland arbeitet. Vielleicht wird man von seinem Arbeitgeber entsendet, man studiert im Ausland oder geht aufgrund der besseren Perspektive in die USA, nach Asien oder Honolulu. Alles nicht so abwägig. Aber manche Versicherer sehen die Themen kritisch und bei manchen Ländern gibt es auch Auflagen vom Rückversicherer, dass man Dich dann nicht normal versichern kann. Somit möchtest Du zwar erhöhen, kannst aber nicht. Ein Neuabschluss bei einer anderen Gesellschaft geht genauso wenig und nun stehst Du - trotz erhöhten Bedarf - mit einer geringeren Absicherungssumme da. Nicht toll....


Welche guten Versicherer verzichten denn auf eine erneute Risikoprüfung?

Vorab sollte natürlich gesagt werden, dass der Verzicht auf eine erneute Risikoprüfung nur ein Punkt von vielen sein sollte in den Vertragsbedingungen. Über allem steht natürlich die vernünftige Annahme. Lieber nimmt man einen Versicherer ohne erneute Gesundheitsprüfung und mit normaler Annahme, als eine Gesellschaft ohne erneute Risikoprüfung und den Ausschluss der Wirbelsäule. Wenn aber so gut wie alle übrigen Parameter so gut wie identisch sind, dann kann die oben genannte Frage in der Überschrift das Zünglein an der Waage sein.

Die LV 1871 verzichtet auf eine erneute Risikoprüfung laut den Bedingungen:

Mehr Infos - auch zum Tarifupdate 2020 - findest Du unter "Die LV 1871 überarbeitet / erweitert ihre Golden Berufsunfähigkeitsversicherung". Für uns bleibt die LV 1871 auf jeden Fall unter den Top Drei Anbietern am Markt. In manchen Konstellationen vielleicht sogar die beste Variante. 

So hat es die Alte Leipziger in Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung definiert:

Leider hat die Alte Leipziger in einigen Punkte etwas nachgelassen - bei der Beruflichen Besserstellungsklausel kann man unter Umständen eine erneute Risikoprüfung verlangen. Die Alte Leipziger hat seit 2017 leider als gefühlt einzige Gesellschaft somit Ihre Bedingungen immer etwas verschlechtert. Kein schöner Weg. Die Thematik Prüfung des Beitrages nach einem Berufswechsel können andere Gesellschaften besser bzw. haben es auber in Ihren AVB´s beschrieben (LV 1871, Bayerische, etc...)

Man mag es nicht meinen, aber auch die große Allianz hat es sauber definiert.

Dafür ist die Nachversicherung auf insgesamt 1.000 Euro maximiert:

Wie auch schon bei der Alten Leipziger behält sich die Allianz bei dem Berufswechselrecht ebenfalls vor, eine erneute Risikoprüfung stattfinden zu lassen. Dies ist insbesondere für Schüler in der Berufsunfähigkeitsversicherung leider keine erfreuliche Nachricht. Generell ist "Die Nachversicherungsgarantie der Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung" aber ausbaufähig, wie man im verlinkten Beitrag nachlesen kann. 

Zudem hat als vernünftiger BU-Versicherer in unseren Augen die Continentale noch geschafft, die Risikoprüfung aufzunehmen:

Die Bayerische hörte auf Versicherungsmakler und verzichtet nun auf eine Risikoprüfung in der Nachversicherungsgarantie

Die Basler hat es seit Ihrem Update 01 /2021 auch sauber gelöst bei der Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung

Im Artikel "Update der Basler Berufsunfähigkeitsversicherung zum 01 / 2021" haben wir die zahlreichen Neuerungen der Basler beschrieben, darunter der wichtige Punkt mit dem Verzicht auf die Risikoprüfung. Somit spielt für Schüler die Basler nun auch eine Rolle in der wichtigen Absicherung in Jungen Jahren. 
War wir dem Schweizer Versicherer groß anrechnen müssen = die Verbesserungen der Bedingungen gelten auch rückwirkend ab dem Vertragswerk 2018. Das ist eher sehr selten bis die Ausnahme. So gelten Tarifliche Verbesserungen oftmals nur für Neukunden, der Bestandskude bleibt (wie so oft) auf der Strecke. Löblich & Applaus von unserer Seite. 

Es gibt noch wenige weitere Versicherer, die es sauber geregelt haben, aber diese spielen in unserem Praxisalltrag eine eher untergeordnete Rolle. Sei es von den sonst eher unattraktiven Vertragsbedingungen, einer nicht fähigen Risikoprüfung oder einfach unserem Votum, dass wir deren BU-Versicherung nicht mal unserem ärgsten Feind anbieten würden (wobei…wenn wir länger nachdenken…).


Welche sonst glorreichen Versicherer verzichten NUR auf eine Gesundheitsprüfung?

Liebe folgende Gesellschaften, wir schätzen Euch zwar sehr, aber nehmt bitte diese Zeilen zum Anlass und verbessert Eure Berufsunfähigkeitsversicherung um diesen wichtigen Punkt!

Der sonst sehr geschätzte Volkswohl Bund definiert es so in seinen Bedingungen:

Auch die HDI Versicherung beharrt derzeit auf einer erneuten Gesundheitsprüfung.

Im Detail hat es die HDI aber etwas besser gelöst, denn in den Bedingungen steht eindeutig drin, dass nicht nach gefährlichen Sportarten gefragt wird:

Mit dem Tarifupdate im Herbst 2019 gab es aber den kleinen, aber feinen Zusatz mit:

Das Problem bleibt aber, dass der neue Beruf abgefragt wird. Der Student der Humanmedizin wird relativ günstig beim HDI eingestuft. Erfolgt aber später eine operative Tätigkeit, so steigt der Beitrag bei der gezogenen Nachversicherungsgarantie sehr stark an. Kundenfreundlicher ist es also, wenn auch nicht nach dem neuen Beruf gefragt wird. 

Die Nürnberger als großer BU-Player am Markt geht leider auch nicht vorbildlich damit um:

Ganz extrem hat es aber die Swiss Life formuliert, aber lest selber:

Die Dialog spielt eigentlich keinerlei Rolle in unserer Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung, folgende Vertragsbedingungen sind aber nur ein kleiner Grund dafür:

Die große AXA Versicherung verzichtet in der Nachversicherungsgarantie ebenfalls nur auf eine erneute Gesundheitsprüfung

Das ist insbesondere Schade, da die AXA eine der besten und fairsten Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt. Nix mit "Hatten Sie die letzten Fünf Jahre Beschwerden....", sondern "Waren Sie in den letzten fünf Jahren in ärztlicher Behandlung wg..."

Das Feld an Gesellschaften ohne erneuter Gesundheitsprüfung ließe sich noch sehr lang weiterführen, denn dies ist leider derzeit eher noch die Regel als die Ausnahme. Aber der Markt rotiert zum Positiven.


Fazit zu Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Der Teufel steckt im Detail und kann je nach persönlicher Lebenssituation für Dich künftig schon sehr wichtig sein. Je jünger man ist und je geringer die abgeschlossene Rente zu Beginn, je wichtiger kann dieser feine Unterschied für Dich sein. Wenngleich dies natürlich nur ein Punkt von mehreren in der Berufsunfähigkeitsversicherung sein sollte.

Diese Thematik ist auch bei der Beruflichen Besserstellungsoption wichtig. Generell bieten dies noch nicht sehr viele Gesellschaften an - wenn aber die Möglichkeit bestehen würde, sollte eindeutig auf eine erneute Risikoprüfung verzichtet werden. Aber evtl. ist dies mal ein ganz eigener Artikel auf unserer Homepage.