Berufsunfähigkeit Kombination mit Altersvorsorge?

Nicht nur wir raten von einer Kombination aus Berufsunfähigkeitsversicherung und Altersvorsorge ab, auch Verbraucherschützer warnen davor. Leider vertreiben besonders Drei- und Vier Buchstabenvertriebe immer wieder gerne eine solche Kombination. Der Interessent wird hier vor allem mit dem „Steuervorteil“ bei der Basisrente geködert. Wenn es um das Steuersparen geht, schaltet regelmäßig der Kopf von uns Bundesbürger aus. 

Lassen Sie uns erklären, was dagegen spricht, aber auch kurz, was dafür spricht.

Legen Sie Ihre Hauptpriorität erst auf die Absicherung der Arbeitskraft.

Berufsunfähigkeitsversicherung Einzeln oder Kombi?

Wenn Sie kein Geld mehr verdienen, können Sie auch nicht mehr sparen! Die Altersvorsorge sowie die Absicherung der Arbeitskraft sind zwei verschiedene Bausteine. An erster Stelle sollte in jungen Jahren definitiv die Absicherung der Arbeitskraft stehen. Was hilft denn die schönste Altersvorsorge, wenn Sie die Beiträge nicht mehr zahlen können? Wir sehen immer wieder Berufsunfähigkeitsversicherungen (mit und ohne Kopplung an einer Altersvorsorge) mit einer Rentenhöhe von ca. 500 Euro monatlich, aber Altersvorsorgeverträge mit vielleicht 300 Euro monatlichen Beitrag. Nehmen wir an, Sie werden berufsunfähig und bekommen somit 500 Euro monatliche Rente. Mit diesem geringen Betrag ist ein normales Leben (denken Sie an die Kosten) schon nicht mehr möglich, wie sollte dann erst eine vernünftige Altersvorsoge funktionieren?

Darum sollte der erste Plan auf jeden Fall eine vernünftig Absicherung der eigenen Arbeitskraft sein. D.h. 70-80 % des Nettogehaltes absichern, eine Renten- wie Leistungsdynamik einbauen und die Laufzeit idealerweise bis zum 67. Lebensjahr vereinbaren. Erst dann sollten Sie über die Altersvorsorge nachdenken! Wenn Sie kein Geld mehr verdienen, können Sie auch nichts mehr sparen!

Für eine Kombination spricht, dass Sie nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und somit quasi auch keine Altersvorsorge aufbauen. Übernimmt das Versicherungsunternehmen nun die Beitragszahlung, so haben Sie hier wenigstens einen kleinen Baustein.
Wichtiger in vielen Fällen ist aber unbedingt eine AUSREICHENDE Absicherungshöhe gepaart mit einer garantierten Rentensteigerung von zwei bis (besser) drei Prozent. Können Sie nicht mehr arbeiten, so müssen Sie Ihre private Altersvorsorge stark erhöhen. Dies klappt nur mit einer passenden monatlichen Berufsunfähigkeitsrente, welche sich jedes Jahr steigert. Sonst sind Sie ein Fall für die Grundsicherung (=Sozialhilfe).

Der beste BU-Anbieter ist nicht gleich der beste Altersvorsorgeanbieter

Ein qualitativ guter und günstiger BU-Anbieter hat nicht automatisch die besten Altersvorsorgeprodukte. Versicherung A glänzt vielleicht durch sehr gute Vertragsbedingungen bei der BU, hat aber Schwächen bei der Altersvorsorge. Suchen Sie sich jeweils die beste individuelle Lösung für Sie!

Es gibt quasi schon zwei, drei Anbieter, die sowohl in der Berufsunfähigkeitsversicherung wie auch in der Altersvorsorge in der ersten Liga spielen.
Unsere Praxis in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist aber schlichtweg etwas anders gestrickt. Haben Sie in den letzten Jahren einige Erkrankungen und somit Arztbesuche gehabt, so sollten Sie vor Ihrem Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt Ihre Krankenakte einholen. Mit der anschließenden Risikovoranfrage und dem Votum der einzelnen Versicherer würde sich oft eine Konstellation ergeben, wo das Kombimodell des Versicherungsunternehmens uns „Kopfzerbrechen“ bereiten würde. Sind Sie jedoch kerngesund und haben die freie Auswahl, so können Sie natürlich eine Gesellschaft auswählen, die in beiden Bereichen in der ersten Liga spielt.

Bleiben Sie auch im späten Berufsleben flexibel

Denken Sie an später: Sie sind Mitte 50 und ihre Chancen auf Berufsunfähigkeit sind eher gering. Sie haben zudem schon idealerweise ein kleines Vermögen aufgebaut, die gröbsten Kosten des Lebens haben Sie hinter sich gebracht (Erziehung der Kinder, eigene Immobilie) und stehen gut im Leben. Den monatlichen Beitrag für eine BU sehen Sie als nicht mehr sinnvoll an und möchten diese kündigen. Bei einem reinen BU-Vertrag ist dies ohne Probleme monatlich (bei dieser Zahlweise) möglich. Bei einem Kombiprodukt aus Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit sind Sie leider nicht so flexibel. Möchten Sie den BU-Vertrag kündigen, so löst sich auch der Altersvorsorgevertrag auf. Genau das wäre in diesem Alter ungünstig, denn die meiste Rendite schafft ein Altersvorsorgevertrag vor allem in den letzten Jahren. Bleiben Sie also im Alter flexibel!

Passen Sie ihrem Schutz den Lebensumständen an

Reduziert sich durch die Unwägbarkeiten des Lebens ihr monatliches Einkommen (Arbeitslosigkeit, Elternzeit, Jobwechsel, Fortbildung, etc.) und Sie können das Kombiprodukt monatlich nicht mehr bedienen, so verlieren Sie auch Ihre Absicherung gegen die Berufsunfähigkeit. Bei einer Teilung der Verträge können Sie ganz einfach den Vertrag zur Altersvorsorge beitragsfrei stellen und wieder aktivieren, wenn sich Ihre persönliche Situation wieder verbessert hat (wenn Sie hierbei einen qualitativ guten Anbieter mit optimalen Vertragsbedingungen ausgewählt haben – denn nicht alle Gesellschaften bieten in der Rentenversicherung dann wieder die vereinbarten Rechnungsgrundlagen an).

Vorsicht bei Kopplung von BU und Rürup - kritisch hinterfragen!

Es sind zwar bei der staatlich geförderten Altersvorsorge die BU Beiträge ganz oder teilweise steuerabzugsfähig, die BU-Rente muss dann aber versteuert werden. Sie müssen deshalb eine deutlich höhere BU-Rente absichern, um im schlimmsten Fall den gleichen Beitrag zur Verfügung zu haben. Die Basisrente (=Rürup) sehen wir insgesamt eher kritisch. Sie mag in sehr wenigen Fällen passen - erklären wir aber den Interessenten die Vor- und Nachteile dieses Altersvorsorgebereiches, so wird sich i.d.R. immer dagegen entschieden. Leider bekommen viele Interessenten von diversen Vertrieben nicht einen neutralen Überblick über diese Thematik gestellt.

Die staatliche Rüruprente ist oft mit vielen Einschränkungen verbunden, sehr unflexibel und passt sich selten Ihrer persönlichen Lebenssituation an (z.B. keine Kapitalentnahme für eine spätere Immobilie, nicht vererbbar an nicht eheliche Lebenspartner = häufig weniger sinnvoll für Unverheiratete, etc.).

Besonders bei Mitgliedern von Versorgungswerken (Rechtsanwälte, Ärzte, etc.) spricht gegen eine Kombination von Altersvorsorge mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung die Konzentration der Altersvorsorge in eine EINZIGE Altersvorsorgeschicht (die Altersvorsorge ist in drei Schichten aufgeteilt). Schicht Eins zeichnet sich vor allem durch Unflexibilität aus. Diese Renten sind auch später i.d.R. komplett zu versteuern. Der Königsweg ist eigentlich, wenn man die Altersvorsorge über die drei Schichten verteilt um somit eine sinnvolle Streuung der verschiedenen Altersvorsorgeschichten zu bekommen.

Kommen wir kurz zu den Vorteilen der Kombi aus der Basisrente mit BU:

  • Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge (im Leistungsfall wird natürlich Ihre Berufsunfähigkeitsrente dann aber auch besteuert!)
  • Bei wenigen Anbietern ist der reine BU-Beitrag infolge höherer Überschussverrechnung minimal günstiger.
  • Bei einer Berufsunfähigkeit werden die Beiträge für die Altersvorsorge beitragsfrei vom Versicherungsunternehmen weitergezahlt. Haben Sie hier noch eine garantierte Leistungsdynamik im Leistungsfall für den Altersvorsorgevertrag eingeschlossen, so wächst Ihre Altersvorsorge automatisch mit (im Fall der BU müssen Sie ja mehr für Ihren persönlichen Aufbau der Altersvorsorge investieren, da Sie nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen). 

Da jeder Fall individuell ist, können wir hier eigentlich keine pauschale Empfehlung abgeben. Die Lebensumstände und künftige Planungen müssen hierbei exakt betrachtet werden.

Bleiben Sie also kritisch, wenn Ihnen bei einem Kombivertrag aus Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Altersvorsorge nur die Vorteile erklärt werden! Lassen Sie sich beide Seiten der Medaille aufzeigen.