Warum Sie Ihre Krankenakte VOR dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen sollten!

Es kann eine Menge schief gehen, wenn Sie berufsunfähig werden. Eine der häufigsten Ablehnungsgründe können Sie NUR bei der Antragsstellung umgehen - nämlich die richtige und korrekte Beantwortung der Gesundheitsfragen beim Versicherungsantrag. Das Versicherungsunternehmen stellt Ihnen hierzu sehr detaillierte Fragen über Ihren Gesundheitszustand, welche Sie korrekt und wahrheitsgemäß beantworten müssen. Eines der größten Risiken sind Sie also selbst, wenn Sie nicht Ihre Gesundheitshistorie gewissenhaft aufarbeiten.

Auch wenn Sie über Ihre Arztbesuche und (vermeintlichen) Diagnosen im Klaren sind, so lauert ein großes Risiko auf Sie: Der Eintrag des Arztes in Ihre Krankenakte. Leider erleben wir es mittlerweile immer häufiger, das Ärzte gerne eine weitere Diagnose niederschreiben, nur um eventuell bei der Krankenversicherung höher abrechnen zu können. Nicht ständig, aber es kommt vor. Auch wenn Sie sich z.B. wegen Unwohlsein für einige Tage krankschreiben lassen, so muss der Arzt der Krankenkasse eine Diagnose präsentieren. Diese reicht bei „Unwohlsein“ oft von „Migräne“ über „Psychische Probleme“ bis „Rückenschmerzen“. Schon werden aus den zwei Tagen Arbeitsunfähigkeit ein Schloss mit Riegel für die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Sehen Sie ein aktuelles Video des ARD Magazin "Plus Minus" zur Thematik der Krankenakte in der Berufsunfähigkeitsversicherung und der falschen Abrechnung bei den Ärzten!


Was ist, wenn ich (unwissentlich) falsche Angaben mache bei der Antragsstellung zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Kommt es dann zum Leistungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung (analog gilt dies aber praktisch für jeden Bereich der biometrischen Absicherung), so prüft der Versicherer zuerst, ob Sie die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt haben, sprich – er prüft Ihre Gesundheitsangaben. Hier fragt das Unternehmen somit bei allen Ärzten an, bei welchen Sie im besagten Abfragezeitraum des Versicherungsantrags (bei ambulanten Behandlungen i.d.R fünf Jahre, bei stationären Behandlungen oft zehn Jahre). Haben Sie also die Gesundheitsfragen nicht korrekt angegeben, so sitzen Sie auf einem Pulverfass. Es spielt hierbei auch keine Rolle, aus welchem Grund Sie berufsunfähig geworden sind. Hatten Sie einen schweren Unfall, aber bei Ihrer Antragstellung haben Sie die Diagnose einer psychischen Behandlung nicht angegeben, so wird der Versicherer mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Vertrag zurücktreten und stellt sich leistungsfrei. Sie haben dann jahrelang Ihre Prämien fristgerecht bezahlt – aber das hätten Sie sich sparen können! Der Versicherer wird die Chance zur Leistungsverweigerung nutzen.

Was ist, wenn ich die genauen Diagnosen nicht mehr kenne?

Generell raten wir zu folgender Vorgehensweíse:

  1. Besorgen Sie sich von allen behandelnden Ärzten im abgefragten Zeitraum Kopien von der Krankenakte.
  2. Finden Sie hier weitere Verweise auf Ärzte, Arztbriefe oder stationäre Aufenthalte, so fragen Sie bitte auch hier an.
  3. Ebenso sinnvoll ist es, sich bei seiner gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung die Krankenakte geben zu lassen.

Haben Sie Diagnosen für sich entdeckt, welche Sie nicht bestätigen können, so setzen Sie sich bitte mit dem Arzt in Verbindung und klären Sie dies unbedingt VOR Antragsstellung.

Wir wissen selber – dies ist mit einem enormen Zeitaufwand verbunden, aber nur so können Sie absolut auf Nummer sicher gehen. Sie können das Problem der vorvertraglichen Anzeigeverletzung nur einmal konsequent beenden – nämlich mit der detaillierten und gewissenhaften Aufarbeitung Ihrer Gesundheitshistorie! Haben wir Ihre Gesundheitsakten erhalten, so starten wir für Sie eine Risikovoranfrage, um herausfinden, welche Versicherungsgesellschaft Sie zu welchen Konditionen absichern würde. Die Annahmequoten bei den jeweiligen Versicherern sind oftmals sehr unterschiedlich und können von einer normalen Annahme in der Berufsunfähigkeitsversicherung, über einen Ausschluss (z.B. Wirbelsäule oder psychische Erkrankungen) bis zu einer kompletten Ablehnung reichen.

Stellt mir mein Arzt ganz einfach die Krankenakte aus für die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ja, der Einblick in die persönliche Krankenakte ist Patientenrecht. Wir und unsere Interessenten erleben es leider in der Praxis ab und an, dass sich der behandelnde Arzt dagegen sperrt und davon spricht, dass ihn die Versicherung erst anschreiben müsse, um die Krankenakte offen zu legen. Dies stimmt definitiv nicht. Der Unterschied ist, dass der behandelnde Mediziner bei einer Anfrage des Versicherungsunternehmens ein Honorar bekommt, bei Herausgabe für den Patienten muss dieser hingegen nur die Kopie- wie Papierkosten tragen (kommt in der Praxis aber selten vor).

Aber hier sind wir wieder am Anfangspunkt – wir wissen ja nicht, welches Versicherungsunternehmen für Sie und Ihre Bedürfnisse optimal passt. Deshalb arbeiten wir hier mit einer Risikovoranfrage (in sämtlichen Bereichen der biometrischen Absicherung, also auch in der privaten Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, schwere Krankheitenversicherung und Risikolebensversicherung).

Im Paragraphen 10 Absatz 2 der Berufsordnung für Ärzte wird deutlich darauf hingewiesen, dass Sie als Patient jederzeit ein Anrecht auf Einsicht Ihrer Krankenakte haben.

Gerne erstellen wir Ihnen ein Musterschreiben für den behandelnden Zeitraum, welches wie folgt aussieht:

Krankenakte Berufsunfähigkeitsversicherung

Noch mehr "Pfeffer" in die Geschichte brachte Mitte Oktober 2016 der Chef der größten deutschen gesetzlichen Krankenversicherung (Techniker Krankenkasse) mit einem Interview mit der F.A.Z

O-Ton:

Aus einem leichten Bluthochdruck wird ein schwerer. Aus einer depressiven Stimmung eine echte Depression, das bringt 1000 Euro mehr im Jahr pro Fall.

und

"Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen."

Die Leidtragenden sind die Interessenten an einer Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. einer Versicherung, bei der Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen. 

Praxisfall mit der Patientenakte im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung

Hier können wir Ihnen jetzt direkt auch einen Fall aus der Praxis schildern. Ein junger Ingenieur meldet sich bei uns und möchte eine passende Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Einholung seiner Krankenakte erledigt er sehr zuverlässig. Beim Studieren der Patientenakte fällt uns eine Diagnose auf, welche er uns gegenüber und dem Risikovoranfragebogen nicht erwähnte. Das leidige Thema Wirbelsäule. Da unser Anfragesteller sonst sehr zuverlässig gewesen ist, wunderte die Nichterwähnung. 

Diagnose Behandlung der Wirbelsäule

"Behandlungsdatum" 21.09.2015 & 10.11.2015 & 29.03.2016 & 10.05.2016

Wirbelsäule Patientenakte Berufsunfähigkeitsversicherung

So fragten wir den Interessenten für die Berufsunfähigkeitsversicherung nach dem Grund dieser Diagnose. Dieser antworte uns folgendermaßen:

Wirbelsäule Klärung Patientenakte Berufsunfähigkeitsversicherung

Es handelte sich also um eine Diagnose, welche vor vielen Jahren bei ihm erstellt wurde. Hatte dies abrechnungstechnische Gründe? Oder ein Fehler im evtl. veralteten System? Wir werden es wohl nie erfahren. Wichtig ist aber, dass unser Interessent seine Patientenakte angefordert hat. Würden wir einen Antrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung stellen und obige Diagnosen nicht erwähnen bzw. klarstellen, so hätte unser Kunde dann im Leistungsfall sogar ein sehr großes Problem.

In diesem Fall zeigte sich der behandelnde Arzt aber kooperativ und sah sein „Missgeschick“ ein und korrigierte die fehlerhafte Diagnose mit folgender Aussage:

Klärung Hausarzt Patientenakte Berufsunfähigkeitsversicherung

Aber nicht immer zeigt sich der Arzt so kooperativ in der Krankenakte!

Interessenten berichtigen uns aber, dass dies nicht immer so einfach von statten geht. So gibt es gerne mal die allseits berühmte Aussage „Die Versicherung soll doch bei uns in der Arztpraxis anfragen, wir stellen dies schon klar“. Nur blöd, dass wir eine Risikovoranfrage in der Berufsunfähigkeitsversicherung / Risikolebensversicherung stellen möchten und somit noch nicht wissen, zu welcher Gesellschaft wir nur ansatzweise tendieren.

Ein Klassiker im negativen Sinne ist aber auch die Aussage, dass der Arzt nun das „Vertrauensverhältnis“ als geschädigt ansieht, da man um Korrektur bat. Denn manche Ärzte machen laut eigener Aussage keine Fehler.

Wie Sie sehen, kann die Reaktion also recht unterschiedlich sein, ein gewisses Feingefühl kann durchaus von Nöten sein. Bleiben Sie aber am Ball – es geht um nichts anderes als um Ihre Existenz bei der intensiven Aufarbeitung Ihrer Patientenakte in der Berufs- wie Risikolebensversicherung!

Sie sehen also, wie wichtig die richtige Vorgehensweise bei einem Antrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung ist. Gerne stehen wir Ihnen hier mit Rat und Tat zur Seite!