Aufteilung BU-Rente immer 50/50 bei Auswahl von zwei Anbieter?

Dass wir in vielen Konstellationen zu einer Zwei-Vertragslösung raten, dürfte mittlerweile bekannt sein. Passt nicht zu jeder Person, aber vor allem bei Studenten und noch relativ jungen Akademikern raten wir dazu. Ebenso kann dies für absolute Gutverdiener eine Möglichkeit sein, welche eine ärztliche Untersuchung und das Mitspracherecht des Rückversicherers umgehen möchten. Jetzt kommt ab und zu die Frage auf, ob man die zwei Verträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung in einer unterschiedlichen Höhe abschließen soll oder einfach pauschal 50 / 50?

Die Antwort ist recht klar = I.d.R. empfehlen wir die 50/50 Variante, aber es gibt folgende Ausnahmen aus unserer Praxiserfahrung:


1. Es gibt nur eine Normale Annahme von einem Versicherer

Hier dürfte der Grund so banal wie einfach sein. Nimmt Dich nach der anonymen Risikovoranfrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung nur eine Gesellschaft normal an und die weiteren BU-Versicherer geben Dir bedeutende Ausschlussklauseln wie die der Psyche oder der Wirbelsäule mit auf den Weg, dann sollte idealerweise der Versicherer mit einer sauberen Annahme bevorzugt werden. 

Ein Beispiel eines jungen Ingenieurs  (Projektmanagement):

Bei insgesamt sechs sehr guten Versicherern wurde angefragt mit folgenden Voten:

  • Bayerische = Ablehnung
  • LV 1871 = Normale Annahme
  • Basler = Ablehnung
  • Volkswohl Bund = Ausschlussklausel Pinealiszyste
  • HDI = Ablehnung
  • Allianz = Rückstellung für drei Jahre (nicht ersichtlich)

Hier steht es völlig somit außer Frage, dass die Hauptabsicherung (“so viel wie möglich”) bei der LV 1871 stattfindet. Hier passten auch die weiteren Parameter zur Technischen Ausgestaltung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Der zweite und selbstredend viel kleinere Vertrag kam zum Volkswohl Bund. 

I.d.R. schaffen wir schon immer zwei Annahmen, welche sich auf demselben Niveau befinden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel wie im obigen Beispiel. So machte es hier Sinn, bei der LV 1871 2.500 Euro abzusichern und beim Volkswohl Bund 700 Euro. Mehr war nicht mehr drin aufgrund der finanziellen Angemessenheit. 

Grundsätzlich kann man aber wiederum nichts pauschal sagen, da es in unseren Augen auch wieder auf die Ausschlussklausel ankommt. Der kleine Zeh wäre undramatisch, die Pinealiszyste wollte unser Kunde aber schon versichert haben, weshalb die LV 1871 Berufsunfähigkeitsversicherung die Hauptabsicherungshöhe bekam. 

Dasselbe würde natürlich auch gelten, wenn Du aufgrund eines gefährlichen Hobbys einen erheblichen Zuschlag oder eine Ausschlussklausel bekommst.


2. Die Zahlbeiträge sind enorm unterschiedlich

Besonders bei akademischen Berufen ist dies eher sehr selten, aber bei körperlichen Berufen oder auch bei eventuellen Risikozuschlägen kann es Sinn machen, den mit Abstand günstigeren Versicherer zu bevorzugen. 

Wir sprechen aber nicht davon, wenn 

  • Gesellschaft A 36 Euro kostet und
  • Gesellschaft B 41 Euro

Das sind normale Unterschiede. Aber liegen zwei passende Versicherer vielleicht 40 oder 50 Prozent auseinander, dann können wir es durchaus verstehen, wenn keine exakte 1 /1 Aufteilung erfolgen würde in der BU. 

Anbei geben wir Dir mal das Beispiel eines Abteilungsleiters für jeweils 2.000 Euro bis 67 Jahre, Jahrgang 1986, Höchste Abschluss Betriebswirt. 

Gesellschaft Nettobeitrag Bruttobeitrag
Basler 88,04 Euro 117,38 Euro
Alte Leipziger 90,06 Euro 115,47 Euro
HDI 102,91 Euro 137,22 Euro
Allianz 119,52 Euro 147,55 Euro
Volkswohl Bund 125,08 Euro 186,89 Euro
LV 1871 137,85 Euro 208,86 Euro
Nürnberger 146,86 Euro 215,97 Euro
Condor 153,81 Euro 234,82 Euro

Vor allem, wenn schon einige Zipperlein vorhanden sind, kann auch ein Risikozuschlag die Spreizung der Beiträge noch stärker vorantreiben.


3. Taktieren aufgrund der Nachversicherungsgarantie = große Gehaltssprünge kommen

Ein weiterer Grund kann sein, dass man z.B. nach dem Abschluss des Studiums gleich mit einem sehr hohen Bruttogehalt einsteigt. Als Student ist die maximale Absicherungshöhe in der BU leider begrenzt, wie man an den wichtigsten Anbietern erkennt:

  • Allianz 2.000 Euro
  • Alte Leipziger 2.000 Euro
  • Basler 2.000 Euro
  • Die Bayerische 1.500 Euro
  • HDI 2.000 Euro
  • LV 1871 2.000 Euro
  • Nürnberger 1.500 Euro
  • Volkswohl Bund 2.000 Euro

Teilen wir jetzt auf 2*750 Euro auf (vielleicht auch aus dem Grund, da das Budget als Student eher gering ist) und unser Interessent bekommt aufgrund seines sehr guten Abschlusses in einem gefragten Beruf gleich einen Job mit einem Anfangsgehalt von 90.000 Euro brutto, dürfte dieser schon 4.500 Euro mtl. BU-Rente haben (wenn wir von den 60 % ausgehen, welche finanziell angemessen sind, ausgehend vom Bruttogehalt).

Bei vielen Anbietern am Markt können nach dem Studium & Berufseintritt maximal 500 -1.000 Euro versichert werden oder auch maximal 100 % der bisherigen Absicherungssumme. Nehmen wir als Beispiel die Basler Versicherung:

 

Hier könnte von 750 Euro auf 1.500 Euro verdoppelt werden. Beginnen wir mit 1.000 Euro, wären 2.000 Euro möglich.
Jetzt haben wir eine Kombination mit der HDI -diese lassen bei Berufseinstieg nach dem Studium eine Erhöhung aus dem Stand auf bis zu 2.500 Euro zu.

Unser Interessent könnte also direkt beim Berufseinstieg bei der Basler von 1.000 Euro auf 2.000 Euro gehen und bei der HDI Berufsunfähigkeitsversicherung von 500 Euro auf 2.500 Euro. Zusammen ergibt es direkt eine Absicherung von 4.500 Euro. Hätten wir aufgesplittet auf 2*750 Euro, wären bei unserem Musterbeispiel nur 4.000 Euro an maximaler Absicherungshöhe nach Beendigung des Studiums möglich.

Bitte beachten - es handelt sich nur um ein Musterbeispiel, da jede Situation individuell zu betrachten ist. Aber das maximale Ausschöpfen von Nachversicherungsgarantien kann ein Grund sein, die BU-Rente nicht identisch starten zu lassen

Angemerkt sei noch, dass die Obergrenze der Nachversicherungsgarantie auch betrachtet werden soll. Beim Volkswohl Bund, Basler oder der Nürnberger beträgt diese derzeit 2.500 Euro, bei anderen Gesellschaften wie der Bayerischen, je nach Berufsgruppe bei der LV 1871 (Beachte zudem die Karrieregarantie der LV 1871) oder bei der HDI sind wir schon bei 3.000 Euro angekommen. Auch dies kann ein Grund sein, um unterschiedlich zu taktieren. 
Diese Beträge gehen immer stärker nach oben - beim Erstlingswerk des Artikel war die Grenze bei der Basler und der Nürnberger bei 2.500 Euro, nun sind wir bei der Basler bei 4.000 und bei der Nürnberger bei bis zu 3.000 Euro, nebst Karrieregarantie für Angestellte. 

Diese Variation hängt stark davon ab, welche Gehaltserwartungen in naher Zukunft möglich sind. Pauschale Aussagen sind hier fehl am Platz und müssen individuell in der Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung betrachtet werden.


4. Die Beitragsdynamik (z.B. in einer Sonderaktion) ist bei einer Gesellschaft begrenzt

Ein typisches Beispiel sind hier die beiden beliebten Sonderaktionen vom HDI & LV 1871 in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei der LV 1871 sind derzeit maximal drei Prozent Beitragsdynamik möglich, bei der HDI sind es fünf Prozent. Lässt man die Thematik der Nachversicherungsgarantie mal außen vor, so erhöht sich die Absicherungssumme sowie natürlich der Beitrag bei der HDI langfristig stärker. Manche Interessenten wollen aus diesem Grund ggf. keine identische Aufteilung bei einer Zwei-Vertragslösung.
Kam zumindest schon mal vor bei uns.