Warum es sehr sinnvoll sein kann, die Berufsunfähigkeitsversicherung auf zwei Anbieter aufzuteilen!

In unserer Beratung für bestimmte Berufsgruppen (i.d.R. Akademiker) kommt einer bestimmten Art der technischen Ausgestaltung eine immer größere Bedeutung zu – die Aufteilung auf zwei Gesellschaften zur Absicherung Deiner Arbeitskraft. Da wir bekanntlich immer wiederkehrende Vorgänge gerne einmal sauber niederschreiben, passiert dies auch hier. Weitere tiefergehende Fragen gerne an uns!

Insgesamt gibt es für uns drei sehr wichtige Punkte, warum eine Aufteilung auf zwei (in sehr, sehr wenigen Fällen vielleicht sogar auf drei Gesellschaften) Versicherungsunternehmen eindeutig mehr Vorteile als Nachteile hat. Vorweg gilt aber: Dies gilt vor allem für Akademiker mit ehrgeizigen Berufszielen, welche 60.000 Euro Brutto aufwärts verdienen (werden).

1. Dein Bedarf kann mit einer Gesellschaft zukünftig nicht gedeckt werden, deshalb solltest Du aufteilen!

A: Beispiel als Student bzw. auch die Zeit direkt danach:

Wendet man Trick 17 an, kannst Du insgesamt 2.000 Euro als Student absichern. Kurzer Schwenk: Im Moment bieten drei Gesellschaften (Allianz, Alte Leipziger und der Volkswohl Bund) schon als Student eine Absicherung von insgesamt 2.000 Euro an. Die weiteren Gesellschaften liegen hier i.d.R. bei 1.500 Euro. Es ist aber selten (sei es von der Risikovoranfrage oder der attraktiven Berufseinstufung), dass diese drei Gesellschaften immer passen. Eine passt aber i.d.R. immer. Also macht man zuerst einen BU Vertrag mit 1.000 Euro bei einer Gesellschaft, welche nur bis 1.500 Euro Absicherung geht. Man wartet den Versicherungsschein ab und nimmt einen der obigen drei Anbieter. Dies aber nur am Rande, eigentlich wollten wir jetzt auf etwas anderes hinaus.

Du hast nun 2.000 Euro (oder 1.500 Euro aufgrund finanziell mangelnder Kapazitäten, als Student ist in der Kasse oftmals Ebbe angesagt) abgesichert, fängst aber direkt mit 60.000 Euro Jahresbrutto in Deinem ersten Beruf an. Keine ungewöhnliche Zahl für Ingenieure, Assistenzärzte, Informatiker und viele weitere Berufe mit akademischem Hintergrund. Jetzt möchtest Du direkt im Fall der Berufsunfähigkeit eine angemessene Absicherung durch die Nachversicherungsgarantie erhalten. Die meisten Gesellschaften sehen 60 % des Bruttogehaltes als angemessen an. Das sind bei 60k Brutto also 36.000 Euro im Jahr = 3.000 Euro im Monat.

Die Nachversicherungsgarantien enden recht bald…

Freudestrahlend erinnerst Du Dich, dass Dir Dein Versicherungsmensch etwas von Nachversicherungsgarantien erzählt hatte. Diese möchtest Du nutzen („Beginn einer beruflichen Tätigkeit“). Aber in den Versicherungsbedingungen steht, dass die Obergrenze bei einer Nachversicherungsgarantie bei 2.500 Euro ohne erneute Gesundheits- bzw. Risikoprüfung liegt. Möchtest Du direkt 3.000 Euro absichern, so würde für den übersteigenden Teil eine neue Prüfung fällig. Bist Du weiterhin so gesund wie beim Abschluss? Zudem möchte i.d.R. der Rückversicherer ein Wörtchen mitreden (darauf kommen wir später zurück).

Beispiele der maximalen Obergrenze in der Nachversicherungsgarantie

Maximale Erhöhungsgarantie Alte Leipziger Berufsunfähigkeitsversicherung:

Maximale Erhöhungsgarantie Volkswohl Bund Berufsunfähigkeitsversicherung:

So ist es bei sehr vielen Gesellschaften geregelt – einzig die Bayerische hat sich aus der versicherungstechnischen Abwehrstellung getraut und würde bis 3.000 Euro gehen (dafür kann in der Nachversicherungsgarantie aber keine Beitragsdynamik vereinbart werden...):

Bleiben wir aber mal bei den 2.500 Euro im Monat bzw. 30.000 Euro jährlich.
Dies ist nicht möglich ohne erneute Risikoprüfung bzw. Gesundheitsprüfung. Zwischen beiden Punkten gibt es zudem einen sehr großen Unterschied, wie man im Artikel „Der Teufel steckt im Detail – Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung“ nachlesen kann.

Hättest Du als Student jetzt einfach Deinen Vertrag auf zwei Anbieter aufgeteilt, so wäre eine bedarfsgerechte Erhöhung von 1.000 Euro auf 1.500 Euro (=3.000 Euro insgesamt) ohne Probleme zweimal möglich gewesen bei einem Jahresbruttogehalt von 60.000 Euro.
Auch später hast Du bei weiteren Ereignissen kein Problem, Deine Berufsunfähigkeitsversicherung weiter zu erhöhen. Je Vertrag bis zu 2.500 Euro im Monat (kleine Ausnahme siehe oben). Bei stark steigendem Gehalt kannst Du also ohne Probleme auf bis zu 5.000 Euro Absicherung kommen, ohne dass Du die Tortour der umfangreichen Aufbereitung Deiner Gesundheitshistorie nochmals machen musst.

B: Beispiel, wenn Du schon im Berufsleben angekommen bist.

Nehmen wir an, Du verdienst jetzt 50.000 Euro brutto im Jahr, die maximale Versicherbarkeit liegt dann bei vielen Gesellschaften bei ca. 2.500 Euro im Monat. Wir machen mit Dir zusammen eine Risikovoranfrage in der Berufsunfähigkeitsversicherung, anschließend die Technische Konfiguration und wenig später hältst Du den Versicherungsschein stolz in der Hand.
Da Du aber gut in Deinem Beruf bist, steigt Dein Gehalt stärker als die Beitragsdynamik an. Jetzt möchtest Du gern aufgrund einer Immobilienfinanzierung, Heirat oder dem erhöhten Gehalt eine Nachversicherungsoption ziehen. Kannst aber nicht, da bei 30.000 Euro p.a. Absicherung schlichtweg die Obergrenze erreicht ist. Hättest Du zu Beginn auf 2*1.250 Euro abgesichert, dann könntest Du Deine Absicherung je nach finanzieller Angemessenheit mindestens verdoppeln.

Wir Menschen haben zudem ein Problem, dass wir den Kaufkraftverlust nicht richtig interpretieren können. Klar, eine Absicherung von 2.500 Euro ist DERZEIT eine Menge Schotter. Aber uns fehlt es an Vorstellungskraft, was die Inflation langfristig für uns bedeutet. Kann man natürlich teilweise durch die (hoffentlich hoch) vereinbarte Beitragsdynamik abmildern, aber besonders in gefragten Berufen ist eine hohe Steigerung des Gehaltes sehr wahrscheinlich.

Dies gilt natürlich auch für Personen mit einem Bruttojahresgehalt von 70.000 Euro und mehr – statt 2*1.250 Euro kannst Du natürlich auch einfach 2*1.750 Euro vereinbaren, so dass Du je Anbieter immer noch mind. 750 Euro an Luft besitzt. 

Jetzt folgt aber sicherlich die Frage von Dir, wieso Du einfach bei einer Gesellschaft nicht mehr als 2.500 Euro absichern möchtest? Diese Fragen beantworten wir Dir gerne mit Antwort 2+3.


2. Möchtest Du jetzt schon mehr als 2.500 Euro absichern? Dann wird eine umfangreichere Gesundheitsprüfung fällig!

In der Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgt eine umfangreiche Gesundheitsprüfung (für die exakt genauen = natürlich eine Risikoprüfung). Dies ist auch gut so, denn sonst würde der kollektive Versicherungsschutz unbezahlbar werden. Die üblichen Antragsfragen sind Dir sicherlich bekannt, evtl. hast Du mit unserer Hilfe schon Deine Gesundheitshistorie aufbereitet.
Mehr als die Antragsfragen musst Du nicht beantworten. Außer…. Du möchtest mehr als 2.500 Euro monatlich absichern. Hier erfolgen dann zwei Schritte, die wir als absolut negativ ansehen:

A: Es erfolgt eine ärztliche Untersuchung

Hier wird Dir Blut abgenommen, aktuelle Tests gemacht usw. Auch wenn Du Dich gesund und munter fühlst: Vielleicht kommt etwas an´s Tageslicht, was Du gar nicht auf dem Schirm hattest? Dies könnte dann die schönste Absicherung zu Nichte machen, wenn plötzlich ein Blutwert nicht passt. Möchtest Du dieses Risiko eingehen? Wir würden es nicht machen!

B: Die Antragsfragen des ärztlichen Zeugnisses ändern sich & werden umfangreicher

Bei einer Absicherung von über 2.500 Euro werden nicht nur die normalen Risikovoranfragen fällig im BU-Antrag, sondern auch die Fragen des ärztlichen Zeugnisses. Ein Beispiel von der Nürnberger Versicherung:

Lies Dir bitte die Frage zu Beginn genau durch: „Bestanden jemals oder bestehen bei Ihnen Krankheiten Störungen oder Beschwerden“.
Bitte lass dir das Wort „jemals“ auf der Zunge zergehen. Ich denke, es gibt keinen Menschen auf diesem Planeten, der diese Frage ernsthaft korrekt beantworten kann. Wieso solltest Du Dich aufs Glatteis begeben und genau dieser eine Mensch sein?

Mit den beiden Punkten A+B gehst Du völlig unnötige Risiken ein, die absolut nicht sein müssen. Möchtest Du aber trotzdem eine hohe Absicherung bei EINEM Anbieter, dann empfehlen wir Dir folgenden Weg (gerne über uns … ;-)). Schließe bei Deiner anvisierten Gesellschaft erst einen BU-Vertrag über 2.500 Euro ab (natürlich erst nach gemachter Risikovoranfrage). Warte auf die Policierung und stelle anschließend einen neuen Antrag bzw. Bitte um Erhöhung. Das wäre aus unserer Sicht die einzig saubere Lösung. Grundsätzlich raten wir aber davon ab, was auch an Punkt 3 liegt…


3. Ab einer Absicherung von 2.500 Euro redet der Rückversicherer ein Wörtchen mit…

Bis auf die Allianz (nach unserem Wissen) sichert jede Versicherungsgesellschaft Großschäden über einen sogenannten Rückversicherer ab. Kann man auch ganz gut erklären: Denk Dir einfach mal, dass eine kleine Versicherungsgesellschaft innerhalb kurzer Zeit sehr viele Private Haftpflichtschäden von über 50 Millionen Euro hat. So etwas könnte diese niemals stemmen, deshalb sichert man Großschäden über einen Rückversicherer ab. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist dies ebenso - theoretisch könnten innerhalb von sehr kurzer Zeit viele versicherte Kunden berufsunfähig werden. Damit die Gesellschaft nicht hops geht, sichert man diese kollektiven Großrisiken ab. 

Der Rückversicherer prüft strenger als die jeweilige Versicherungsgesellschaft

Soweit, so gut. Aber was hat das mit dem BU-Antrag zu tun? Ganz einfach, ab einer Absicherungshöhe von 2.500 Euro möchte der Rückversicherer bei den Risikoangaben (einschließlich Gesundheitsangaben) ein Wörtchen mitreden (Ausnahme Nürnberger, hier spricht diese erst ab 4.000 Euro mit aufgrund des großen BU-Bestandes). Bis zu dieser Summe entscheidet allein die Risikoprüfung der Versicherungsgesellschaft, mit denen wir z.B. über Jahre ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben. Der Prüfer des Rückversicherers votet i.d.R. IMMER härter. Da machen die einmaligen Wirbelsäulenbeschwerden von vor drei Jahren plötzlich ungeahnt Ärger. Oder auch, wenn Du einmal im Jahr im Urlaub auf einen 3.000er in den Bergen steigst. Ebenso, wenn Du den Tauchschein in Thailand gemacht hast.

Auch hier fragen wir uns: Wieso sollten wir unseren Interessenten ins offene Messer laufen lassen, wenn man es ganz locker und fröhlich anders beheben kann? Die Aufteilung auf zwei Gesellschaften spielt vom Beitrag her keine nennenswerte Rolle (vielleicht 1-3 Prozent teurer).


Gibt es Situationen, wo wir für Akademiker die Aufteilung NICHT IMMER empfehlen?

Ja, die gibt es auch.

A: Es gibt nur einen BU Versicherer mit passablem Ergebnis nach einer Risikovoranfrage

Es kommt nicht oft vor, aber bei schweren Fällen und umfangreichen Anfragen kann dies schon mal sein. Hier müssen wir, aber vor allem Du dann abwägen. Ist mir die Flexibilität wichtiger oder z.B. eine normale Annahme? Klar, muss man auch drauf schauen, um welche erschwerten Annahmen es sich genau handelt. Den Ausschluss des linken kleinen Zehs wird man verzeihen können, die Psyche oder die Wirbelsäule wäre sehr schade.

Ein Beispiel konnten wir im März 2019 für einen Interessenten sehen:

Hier entschieden wir uns anschließend für einen BU-Vertrag beim Volkswohl Bund, welcher als einziger eine normale Annahme in Aussicht stellte & auch den Versicherungsschein gleichlautend versandte.

Dies wäre also ein Grund, weshalb wir die 1-Vertragslösung bevorzugen. Dies ist aber natürlich auch nur bis zu einer Absicherung von 2.500 Euro ein gangbarer Weg. Darüber hinaus müsste man in diesem Fall eine nicht normale Annahme in Kauf nehmen.

B: Du rechnest jetzt schon nicht mit stark steigendem Gehalt / einer unterbrochenen Erwerbstätigkeit

Bei vielen jungen Menschen steht früher oder später auch die Familienplanung auf dem Plan. I.d.R. (aber es wandelt sich natürlich auch etwas) bleibt ein Elternteil vielleicht auch mal länger dem Berufsleben fern (Kindererziehung) bzw. steigt danach nur wieder Teilzeit in den Beruf ein. Hier wird es wahrscheinlich keine großen Gehaltssprünge mehr geben, weshalb eine ordentliche Absicherung + Beitragsdynamik (welche man ja auch immer wieder aussetzen kann) in der Berufsunfähigkeitsversicherung genügt.
Wenn es aber etwas unklar ist, wie sich Deine berufliche Laufbahn entwickelt, dann entscheide Dich im Zweifel für die Aufteilung auf zwei Gesellschaften.

Was spricht sonst noch gegen die Aufteilung auf zwei oder mehr Berufsunfähigkeitsversicherungen?

Ein Punkt muss noch angesprochen werden – die Arbeit im Leistungsfall wird etwas umfangreicher:

Im Leistungsfall musst Du Dich mit zwei Versicherungsgesellschaften auseinandersetzen. Jeder hat bekanntlich seine eigenen Vertragsbedingungen, seine eigene Leistungsfallprüfung und ggf. Unterschiede in der Wahrnehmung von manchen Punkten. Diese Arbeit verdoppelt sich.
Sollte es aber zu einer Berufsunfähigkeit von Dir kommen, dann empfehlen wir eh jemanden, der sich darauf spezialisiert hat. Das sind i.d.R. keine Anwälte, sondern Versicherungsberater mit dem Schwerpunkt auf die Leistungsfallregulierung in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese übernehmen auch für Dich die Korrespondenz mit der Gesellschaft. Da für den Versicherungsberater aber auch der zeitliche Aufwand etwas steigt, werden die Kosten etwas höher liegen im Leistungsfall, als wenn Du die Beauftragung im Leistungsfall nur bei einer Gesellschaft in Auftrag gibst.

Wie Du Dir die Arbeit einer professionellen Begleitung vorstellen kannst, siehst Du an der geschätzten Versicherungsberaterin Angela Baumeister unter www.versicherungsberaterin.net.

Sonst noch Punkte?

Jein…Du bekommst eben etwas mehr Post, zwei Abbuchungen und mehr Papierkram. Wobei… Dank Deines Digitalen Versicherungsordners simplr bekommst Du sämtliche Dokumente eh in Echtzeit reingespielt in Deinen persönlichen Zugang & simplr App. Das spricht in der heutigen Zeit also nicht mehr dagegen ;-).


Fazit zur Aufteilung auf zwei Berufsunfähigkeitsversicherungen statt auf eine Gesellschaft zu setzen:

Es gibt nüchtern gesehen wenig Gründe, die bei Akademikern dagegensprechen. Von daher – bitte beherzigt unseren Rat. Aus der Praxis können wir sagen, dass es viele Interessenten ab 40 Jahre gibt, die mit ihrer alten BU-Versicherung am Limit angekommen sind und wo sich der Absicherungsbedarf sehr stark erhöht hat. Glaubt uns, es ist nicht wirklich immer sehr einfach, mit 40 Jahren oder später eine sehr saubere Gesundheitshistorie zu haben. Mal zwickt es hier, mal zwickt es da. Hier kannst Du schon frühzeitig saubere Parameter setzen, damit Du auch später ohne Probleme Deine BU-Versicherung bei bestimmten Ereignissen erhöhen kannst (angemerkt sei natürlich, dass viele Nachversicherungsoptionen mit 50 Jahren enden).
Aber klar – jede Lebenssituation ist unterschiedlich und grundsätzlich kann natürlich nicht pauschalisiert werden.
 


Pressenachklang

24.06.2019 / Das Fachmagazin Pfefferminzia nahm unseren Blogartikel "Fortsetzung: Die große und kleine Welt der Berufsunfähigkeitsversicherung. Anekdoten aus unserem Hause." zum Anlass, ebenfalls über unsere "Zwei Vertragslösung" zu sprechen. Den Bericht findest Du unter "Die Vorteile einer Zwei-Vertragslösung". Vielen Dank für die Erwähnung ;-).