Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Das ist eine Frage, welche uns natürlich immer wieder gestellt wird und wo Interessenten gerne Vergleichsportale anwerfen, um ihren Preis für eine Berufsunfähigkeitsversicherung herauszufinden. Die Frage ist aber nicht so einfach zu beantworten und ähnelt eher einem „Ich kauf mir jetzt ein Auto, wie viel kostet denn so ein Gefährt eigentlich?“. Die Preise sind von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Letztendlich muss auch definitiv gesagt sein, dass wir nie über billige Beiträge verkaufen & vermitteln, sondern über die Qualität. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist nichts anderes wie eine Statusabsicherung. Wenn Dir Dein Status nichts wert ist, kannst Du natürlich die Beiträge drücken… Andere Internetseiten zeigen Dir, wir es immer billiger geht. Wir klären Dich auf, wie sich die Qualität (welche sich spätestens im Leistungsfall zeigt) zusammensetzt.


1. Kostenfaktor ist das Eintrittsalter in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist mathematisch aufgebaut. Viele zahlen in einen Topf ein, um eine Leistung zu erhalten, welche sie selber nicht stemmen könnten. Oder kannst Du von einen neuen ETF / Fondssparplan, dem Sparbuch oder der evtl. ersten selbstvermieteten Immobilie monatlich vielleicht 3.000 Euro an Rente bekommen?
Je älter Du bist, desto höher ist statistisch das Risiko, berufsunfähig zu werden. Ab einem gewissen Alter bist Du kein junger Hüpfer mehr, sondern kleinere und größere Zipperlein beginnen zu schmerzen. Aus diesem Grunde ist das Eintrittsalter ein großer Kostenfaktor in der BUV.

Sehen wir uns dies aber mal an zwei Beispielen an. Zum einem beim Volkswohl Bund für einen Controller mit 25 Jahren und 2.000 Euro Absicherung mit Endalter 67 Jahre (Nichtraucher, Akademiker, ohne Zusatzbausteine).

In diesem Beispiel würde der Zahl- / Nettobeitrag bei 64,30 Euro liegen.

Nehmen wir aber mal das Beispiel eines 45-jährigen Controllers an. Wie belaufen sich dann die Kosten?

Der Beitrag würde massiv ansteigen auf 104,90 Euro im Monat. Zudem wird in diesem Fall sogar ein ärztlicher Befundbericht angefordert.

Sehen wir uns das Beispiel eines 30-jährigen Allgemeinarztes an mit 2.000 Euro bei der HDI Versicherung, sonstige Eckdaten wie immer:

Der monatliche Zahlbeitrag würde bei 83,32 Euro liegen.

Jetzt machen wir den Arzt 10 Jahre älter, nämlich 45 Jahre. Wie verändern sich dann die Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung?

10 Jahre älter, schon steigt die Nettoprämie auf etwas über 107 Euro.

Das Eintrittsalter hat in dieser Hinsicht also einen enormen Einfluss auf die Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Es ist also nicht von Vorteil, wenn Du einfach abwartest und Dich später absichern möchtest.

Ein jüngeres Eintrittsalter hat zudem zwei riesengroße Vorteile:

  • Du hast sofortigen Schutz für den Fall der Fälle
  • In jungen Jahren bist Du meistens noch sehr gesund

Wir erleben es immer wieder, dass kleinere und größere Krankheitsbilder über all die Jahre kommen. Bist Du jung (idealerweise noch während der Schulzeit oder im Studium) kannst Du eine Berufsunfähigkeitsversicherung oftmals zu regulären Bedingungen abschließen. Der Gesundheitszustand ist noch meistens sehr gut.

Wir haben auch viele Mitzwanziger, welche bei uns anfragen, welche aber vor kurzem eine schlimme Diagnose wie Multiple Sklerose, Verdacht auf einen Tumor oder psychische Erkrankungen bekamen. Dann ist der Zug abgefahren. Leider.
Es kann also viel teurer kommen, wenn Du Deine Berufsunfähigkeitsversicherung viel später abschließt. Da meinen wir jetzt nicht mal die Prämien auf Euro und Cent.
Letztendlich gilt für den Artikel aber definitiv festzuhalten, dass das Eintrittsalter einen großen Einfluss auf die Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung hat.


2. Die Auswahl des Berufes beeinflusst natürlich die Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Das dürfte logisch klingen. Auch hier sind wir wieder in der Statistik. Es gibt Berufe und Berufsgruppen, welche statistisch gesehen ein geringeres Risiko haben vorzeitig ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben zu können. Das sind zumeist Büroberufe, oft mit akademischem Hintergrund.
Auf der anderen Seite stehen körperliche Berufe. Da sagt oft schon der gesunde Menschenverstand, dass ein Dachdecker, Zimmerer, Maurer oder vielleicht sogar eine Krankenschwester den Beruf nicht bis zum Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand ausüben kann. Irgendwann macht der Körper nicht mehr mit. Das lassen die Versicherer in ihre Kalkulation einfließen.

Früher war alles besser bei der Berufsgruppeneinstufung?

Jein. Für die einen schon, für die anderen nicht.
Jetzt folgt ein Blick in die Vergangenheit. Nämlich gab es vor einigen Jahrzehnten in der Berufsunfähigkeitsversicherung teilweise nur eine, zwei oder im schlimmsten Fall drei Berufsgruppen. Grob gesagt, gab es das Versichertenkollektiv von Bürojobs ohne körperliche Tätigkeit und auf der anderen Seite das Kollektiv mit der körperlichen Tätigkeit. Die einen zahlten statistisch gesehen etwas mehr für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung, die anderen hatten weniger Kosten. Alles in allem gab es ein gesundes Kollektiv.

Der Softwareingenieur (gab es das damals eigentlich schon?) war in derselben Berufsgruppe wie die Dame im Büro, welche die Buchhaltung macht. Die Krankenschwester bildete zusammen mit dem Dachdecker oder einem Zerspanungsmechaniker ein umfangreiches Kollektiv.

Dann kamen aber einige Versicherer auf den Trichter, dass manche Berufe wie Ärzte, Ingenieure oder generell „MINTler“ eigentlich ein geringeres Risiko haben, vorzeitig den Beruf nicht mehr ausüben zu können. Das Kollektiv wurde entzerrt. Für die einen zum Negativen, für die anderen zum Positiven.
Während einige Berufsgruppen „fast“ gar nichts mehr an Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung haben, ist diese für andere Berufsgruppen mittlerweile unbezahlbar geworden.

Die Anzahl der verschiedenen Berufsgruppen nahmen massiv zu in der BU!

Statt zwei Berufsgruppen gibt es nun eine Litanei an möglichen Kollektiven. Als Beispiel wird jetzt einfach mal die HDI-Versicherung genannt, welche mittlerweile 14 (!) verschiedene Berufsgruppen besitzt.

Bei der Alten Leipziger gibt es nun insgesamt 10 Berufsgruppen, welche aber wiederum durch ein sogenanntes "Scoring" in der Tiefe noch mehr differenziert werden. 

Das ist jetzt aber keine Seltenheit. Es dürfte keine namhaften Versicherer mehr geben, welche wohl unter 10 verschiedene Berufsgruppen haben. Das treibt natürlich die Kosten vor allem für die vermeintlich gefährlichen Berufe. 

Sehen wir uns als Beispiel einfach mal die Berufsunfähigkeitsversicherung der Basler an mit drei verschiedenen Berufen für eine 25-jährige Person und der Absicherung von 2.000 Euro bis 67 Jahre an.

Machen wir eine Krankenschwester / Krankenpfleger daraus, steigt der Beitrag auf eigentlich nicht mehr bezahlbare 189 Euro

Bei einem Zerspanungsmechaniker mit Absicherungswunsch von 2.000 Euro (wobei natürlich die Frage bleibt, ob dies der finanziellen Angemessenheit entspricht) beträgt der monatliche Beitrag immer noch 150,07 Euro.

Diese Schwere zwischen „schönen“ und vermeintlich „gefährlichen“ Risiken nahm immer mehr zu und ist dafür für körperliche Berufe der größte Kostentreiber in der BUV.
Es gibt zwar immer noch Unterschiede im Detail, aber der Trend dürfte sich so fortsetzten. Jeder ist auf die schönen Berufsgruppen aus und ein wahrer Preiskampf ist entstanden. Jede Gesellschaft möchte ganz oben erscheinen in diversen Vergleichen…Das dies evtl. nur eine Momentaufnahme ist, steht auf einem anderen Blatt.
Ein aggressiver Preiskampf kann auch nach hinten losgehen, wie man sehr stark am Beispiel der WWK Versicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherung gesehen hat.

Das aber natürlich ein Vergleich mit einem versierten Versicherungsmakler sehr großen Sinn macht, steht außer Frage. Trotz einer Tendenz zu immer mehr verschiedenen Berufsgruppen, gibt es je nach Gesellschaft verschiedene Zielgruppen. Die einen mögen Erzieher, Lehrer und Pädagogen relativ gern (= günstige Einstufung im Vergleich sind somit geringere Kosten für Dich), andere wiederum haben wiederum einen Fokus auf Metallberufe gesetzt.
Auch wenn wir persönlich schon unsere Favoriten aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Berufsunfähigkeitsversicherung haben, so blicken wir natürlich immer den gesamten Markt an. So kann es durchaus mal vorkommen, dass eine Swiss Life, Continentale, Universa oder eine andere, eher selten ausgewählte Gesellschaft genau in Deinem Fall die passende Wahl ist aufgrund der Tatsache eines extrem attraktiven Preis- & Leistungsverhältnisses. Insbesondere bei körperlichen und pädagogischen Berufen gibt es immer noch extreme Unterschiede, wenngleich sich Ingenieursberufe in der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr angeglichen haben.

Wie kann man einer „teuren“ Einstufung in der Berufsunfähigkeitsversicherung entgegenwirken?

Bist Du schon im Berufsleben, dann ist das praktisch nicht mehr möglich (von solchen dämlichen Empfehlungen wie einem Berufswechsel mal abgesehen).
Die beste Möglichkeit, die Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung aber niedrig zu halten, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung schon in der Schulzeit.

Man kann in der BU nie schlechter gestuft werden (zumindest bei den guten Anbieter), auch wenn sich der berufliche Werdegang ändert. So beschreibt es auch der Volkswohl Bund:

Auch die Allianz beschreibt es eindeutig und sehr ausführlich (achte bitte auf den letzten Satz ganz unten):

Ein Schüler wird diese Zeilen wohl eher weniger lesen. Von daher richtet sich diese Info vor allem an die Eltern. Ab dem zehnten Lebensjahr kann eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Ohne Sparvertrag, komischen Klauseln (zumindest bei den guten Anbietern) oder sonstige Fallstricke.

Mehr Informationen findest Du unter Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler. Ein frühzeitiger Abschluss während der Schulzeit kann die Kosten für eine BU langfristig sehr niedrig halten. Im besten Fall spart man mehrere Zehntausend Euro an Kosten während der gesamten Laufzeit.

Macht ein Abschluss im Studium schon Sinn & spare ich dadurch Geld?

Zum einen sei erst einmal natürlich gesagt, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten selbstverständlich Sinn macht. Alleine schon aus den Beweggründen der Sicherung des Gesundheitszustands und des günstigen Eintrittsalters.

Es kommt aber immer wieder die Frage bei uns auf „Soll ich schon als Student eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, da dies angeblich günstiger sein soll?“.
Die Frage müssen wir zweiteilen. Ob es im Moment günstiger ist als in Deinem künftigen Beruf, wissen wir nicht. Es kommt schlichtweg darauf an, welchen späteren Beruf Du mal ausüben wirst. Das wissen weder wir, noch evtl. Du (zumindest die Einstufung im Detail). Warten ist aber keine Lösung, denn….

Bei gutem Anbieter kannst Du Deinen Beruf überprüfen lassen bei Beginn einer beruflichen Tätigkeit

So beschreibt es z.B. die LV 1871 in ihren Vertragsbedingungen:

Besonders für Schüler bietet die LV 1871 somit eine gute Lösung in der BU an. 

Beim Volkswohl Bund ist es so ebenso definiert:

Es gilt natürlich immer der Tenor = teurer wird die Berufsunfähigkeitsversicherung nie, maximal günstiger. Sollte es Dein finanzieller Rahmen zulassen, musst Du unbedingt schon während des Studiums eine BU abschließen. Aber bitte ohne Kombination mit einer Altersvorsorge, wie sie von einigen Versicherungsvermittlern und Vertrieben am Markt gerne platziert werden. Davon halte bitte Abstand, weiten Abstand.

Dein akademischer Abschluss ist auch beitragsrelevant

Auch das ist etwas, was in den letzten paaren Jahren vermehrt Einzug gehalten hat. Es ist ein großer Kostenunterschied, ob Du Deine Berufsunfähigkeitsversicherung mit oder ohne akademischen Abschluss abschließt. Finden wir zwar nicht gut (die beiden Gebrüder Bierl haben auch keinen akademischen Abschluss, aber aus uns ist doch was geworden…), aber ist halt so.

Schauen wir uns wieder unseren 25-jährigen Controller bei der Basler an. Mit akademischem Abschluss und dem Wunsch von 2.000 Euro. Der monatliche Beitrag liegt wie oben beschrieben bei 57 Euro.

Wir nahmen hier aber einen akademischen Hintergrund (Diplom, Master, Magister, Staatsexamten, Bachelor o.Ä. an). Wenn dies nicht so gewesen ist, erhöht sich der Beitrag auf 73,23 Euro.

Schon krass. Der junge Kerl / das junge Mädel macht die identische Tätigkeit, soll aber ca. 30 Prozent mehr in der Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen. Die Kalkulation der Versicherer und das mathematische Geheimnis dahinter ist nicht immer nachvollziehbar.
Dieser enorme Kostenunterschied ist aber nicht nur bei der Basler so. Schauen wir uns mal den Volkswohl Bund an:

Links ist der Beitrag mit Uniabschluss, Rechts „nur“ mit einer regulären Ausbildung. Der Unterschied zwischen Berufsgruppe A1 und A2 beträgt schlappe 14 Euro. Kosten, welche sich im Laufe der Jahre auf mehrere Tausend Euro niederschlagen.

Teilweise noch krasser stuft die LV 1871 ein. Hier gibt es sogar einen beitragsrelevanten Unterschied zwischen einem akademischen Abschluss als Bachelor und als Master.

Jetzt sind wir in einem Bereich angekommen, wo uns selber die Worte fehlen und wir es auch nicht erklären können, weshalb die monatlichen Beiträge so unterschiedlich sind in der Berufsunfähigkeitsversicherung bei der LV 1871. Ab und zu bleibt auch bei uns nur das Kopfschütteln übrig. Vor allem, wenn sich die monatlichen Kosten um über 20 Prozent unterscheiden.

Unterschied körperlich / Büro / Reisetätigkeit spielt auch eine große Rolle

Auch hier sind wir an einem Punkt angekommen, wo wir teilweise nur den Kopf schütteln. Aber es ist eben schwierig, hier Grenzen zu setzen bei den verschiedenen Versicherern.
Nehmen wir wieder den Volkswohl Bund mit obigem Beispiel her. Der Dortmunder Versicherer hat genau eine Abfragegrenze dabei. Entweder man hat über 80 % Bürotätigkeit oder weniger. Das macht gleich einen Riesensprung von ca. 50 Prozent der Beiträge aus.

Die Auswahl zwischen

  • Bürotätigkeit
  • Körperliche Tätigkeit
  • Reisetätigkeit

kann einen gehörigen Unterschied im Beitrag ausmachen. Das schöne ist ja, dass die Gesellschaften dies wieder extrem unterschiedlich sehen. Die Basler hat erst unter 70 Prozent Bürotätigkeit ein Problem und die Kosten explodieren anschließend. Bei anderen Gesellschaften gibt es schon ab 90 Prozent feine Einstufungen, wie bei der HDI Versicherung. Die Allianz unterscheidet wiederum bei vielen Berufen in vier großen Blöcken am Beispiel eines Maschinenbauingenieurs (beim Controller gibt es die Frage gar nicht...).

Wie bestimme ich aber die Bürotätigkeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Das macht wiederum jede Gesellschaft etwas anders. Wir zitieren mal die Alte Leipziger und ihre genaue Definition:

Bei einer Bürotätigkeit handelt es sich um die üblicherweise anfallenden Tätigkeiten im Innendienst – auch im Büro eines anderen Unternehmens (für Kunden mit Reiseanteil). Hierzu gehören Tätigkeiten, die größtenteils durch Handhabung von Informationen (Erzeugung, Bearbeitung, Übermittlung, etc.) und Kommunikationsvorgängen gekennzeichnet sind.

Zur Bürotätigkeit zählen folgende Tätigkeiten:
• Planung & Entwicklung (kreativ)
• Projekte & Leitung
• Verwaltung & Kommunikation
• Nicht medizinische Tätigkeiten
in einer Praxis
• Arbeiten, die von unterwegs
erledigt werden (Bahn, Flugzeug)
• Behandlung von Patienten bei
Psychologen oder Logopäden
• Gerichtsverhandlungen/-anhörungen

Folgende Tätigkeiten fallen nicht
unter die Bürotätigkeit:
• Körperliche Tätigkeit
• Reisetätigkeit (auch als Fahrer
oder Beifahrer im PKW)
• Künstlerische Tätigkeit
• Verkauf / Beratung außerhalb
von Büroräumen
• Medizinische / pflegerische Tätigkeit
• Therapeutische Tätigkeit außerhalb
von Büroräumen

Besonderheit bei Auszubildenden: Der schulische Teil der Ausbildung wird nicht berücksichtigt.
Hierbei wird lediglich die Zeit im Betrieb betrachtet.

Wichtig zu wissen: Es muss keine Nachmeldung erfolgen bei einer Veränderung der beruflichen Tätigkeit. Arbeitest Du plötzlich bzw. nach einigen Jahren wieder mehr körperlich oder bist reisetechnisch stärker unterwegs, musst Du dies nicht nachmelden. Es gilt immer die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, welche im Leistungsfall herangezogen wird.

Zu guter Letzt kann das Thema Mitarbeiterverantwortung noch ein Kostenfaktor in der Berufsunfähigkeitsversicherung sein. I.d.R. spielt diese aber eine sehr geringe Rolle und deshalb gehen wir jetzt auch nicht näher darauf ein und kommen zum nächsten Punkt.


3. Das Rauchverhalten spielt mittlerweile eine sehr große Rolle

In der Risikolebensversicherung ist dies schon seit etlichen Jahren Marktstandard. Ein gehöriger Beitragsunterschied zwischen Nichtraucher und Raucher. Bei Letzteren können die Kosten gefühlt explodieren.
In der Berufsunfähigkeitsversicherung hat sich die Differenz zwischen Freunden des Glimmstängels erst vor einigen Jahren eingebürgert, manche (große) Gesellschaften unterscheiden aber immer noch nicht. Wir gehen sehr stark davon aus, dass sich das in den nächsten Jahren angleichen dürfte. Sprich, jeder Anbieter einer BU dürfte auch nach dem Rauchverhalten fragen.

Wer wird aber als Raucher eingestuft in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die genaue Definition dürfte wie folgt bei den meisten Anbieter lauten:

Ein Nichtraucher ist derjenige, der in den letzten 12 Monaten nicht aktiv
• Zigaretten
• Zigarren
• Zigarillos oder
• Pfeife (auch Wasserpfeife / Shisha)
geraucht hat. Gemeint ist sowohl das
Konsumieren von Tabak unter Feuer, als
auch von Nikotin mittels Verwendung
elektrischer Verdampfer wie
E-Zigaretten, E-Zigarren oder E-Pfeifen

Wie hoch sind die Kosten für Raucher in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Das gute vorab = nicht so krass wie in der Todesfallabsicherung. Hier gibt es ja teilweise Aufschläge von über 200 Prozent und mehr. In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist dies noch nicht so ausgeprägt. Im Detail gibt es aber trotzdem krasse Unterschiede. Die „Spitzenreiter“ stellen hierbei die Bayerische und die Basler Versicherung da, welche ca. 20 Prozent Aufschlag machen für Raucher. Die Nürnberger stuft je nach Beruf ein. Bei manchen macht es keinen Unterschied (Ärzte), für wenige Berufsgruppen sind es bis zu 30 Prozent Zuschlag. 

Folgende Mehrkosten gibt es für Raucher in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Das Balkendiagramm spiegelt jeweils nur die durchschnittlichen Werte wieder.
Abweichungen im Einzelfall können teilweise enorm sein.
(Die Preisspanne des Mehrbeitrags geht beim Volkswohl Bund z.B. von ca. 10 % bis 20 %)

Hach, wenn das kein Grund ist, zum Nichtraucher zu werden.

PS: Anders wie bei einigen Anbietern in der Risikolebensversicherung gibt es (noch) keine Unterscheidung zwischen 12 Monate vs. 10 Jahre Nichtraucher.

Noch tiefergehende Informationen zu dieser Thematik findest Du unter "Nichtraucher vs. Raucher Berufsunfähigkeitsversicherung". 


4. Dein Gesundheitszustand ist ein wichtiger Faktor beim Beitrag zur BU!

Du hast den Entschluss gefasst, eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer möglichst guten Technischen Ausgestaltung abzuschließen? Also ca. 60 Prozent an Absicherung von Deinem Bruttogehalt, Endalter 67 Jahre, einer hohen Beitragsdynamik, Einbau einer garantierten Rentensteigerung im Leistungsfall und womöglich auch einer AU-Klausel? An die sinnvolle Aufteilung auf zwei Versicherer hast Du auch gedacht? Herzlichen Glückwunsch, dann hast Du schon mal einen theoretisch sehr guten Plan.
Dieser muss nur noch in die Praxis umgesetzt werden, aber da kann es noch ein kleines, aber gewichtiges Problem geben = die Gesundheitsprüfung.

Ein Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht so einfach wie eine Private Haftpflicht. Die Aufbereitung der Gesundheitshistorie kann mehrere Wochen, wenn nicht Monate dauern. Du musst praktisch jeden einzelnen Arztbesuch sauber aufbereiten. Davor folgt dann auch noch immer eine anonyme Risikovoranfrage, um in kein Fettnäpfchen zu treten.

Die Versicherung entscheidet, ob Sie Dich (!) versichern, nicht umgekehrt

Die Versicherungsgesellschaft soll Dich ja über mehrere Hunderttausend Euro, wenn nicht sogar im Millionenbereich absichern (einschließlich zu erwartender Überschüsse + Leistungsfalldynamik). Da schaut man also den Antrag schon mal genauer an und wenn Du aus der Reihe eines „Modellkunden“ fällst, kannst Du schnell mit Risikozuschlägen rechnen.
Alternativ kann es zudem auch Ausschlussklauseln geben. Nehmen wir einfach an, Du hast vor einem Jahr eine Psychotherapie oder einen Bandscheibenvorfall gehabt. Du dürftest bei einigen Versicherungsunternehmen zwar Versicherungsschutz finden, aber mit einer sogenannten Ausschlussklausel. Welche bei einem Bandscheibenvorfall so aussehen kann am Beispiel der LV 1871:

Du musst jetzt nicht mehr für Deine BU bezahlen, aber ein Versicherungsschutz bei einer möglichen Berufsunfähigkeit aufgrund einer Wirbelsäulenerkrankung ist ausgeschlossen. Dies kannst Du auch nicht „eintauschen“ gegenüber einem höheren Betrag im Vertrag.

Zuschläge & Mehrbeiträge sind aber trotzdem nicht selten

Zumeist betrifft dies aber Erkrankungen von inneren Organen, Atemwegserkrankungen oder allgemein einer großen Häufigkeit von Arztbesuchen und Beschwerden. Ist jetzt alles sehr einfach ausgedrückt, aber wenn wir jetzt ins Detail gehen würden, wäre dies der nächste Roman...;).

Nehmen wir aber für einige Beispiele das coole Risikoprüfungstool Quickrisk von der LV 1871 / Delta Direkt. Damit kannst Du sehr einfach und spielerisch herausfinden, wie eine Vorerkrankung eingestuft wird. Das Votum ist anschließend auch bindend.
Für diesen Artikel eignet sich das Tool zudem hervorragend, um Dir verschiedene Zuschläge aufzuzeigen.

Nehmen wir mal das gesundheitliche Risiko von Asthma bronchiale an:

Die Fragen siehst Du selber = bei diesen gesundheitlichen Problemen gibt es 10 Prozent Risikozuschlag und somit kostet die BU jetzt etwas mehr als bei einer Normalen Annahme. Kurz sei noch angemerkt, dass Du die 10 Prozent Risikozuschlag nicht einfach draufschlagen darfst auf den Nettobeitrag. Es ist im Detail etwas komplizierter und von Gesellschaft zu Gesellschaft wiederum etwas unterschiedlich.

Eine Cholesterinerhöhung kann mit 25 Prozent Zuschlag die BU Kosten erhöhen:

Ist jetzt natürlich sehr stark vereinfacht und das Tool Quickrisk kennt natürlich auch nicht die gesamten Umstände (Beruf, Alter, BMI, Rauchverhalten, weitere gesundheitliche Aspekte), aber eine erste Grundtendenz siehst Du.

Gewisse Vorerkrankungen können also zu einem kleinen, aber auch großen Zuschlag führen und somit die Kosten für die BU nach oben schnellen lassen. Ein Risikozuschlag ist aber sicherlich immer noch besser als eine Ablehnung oder eine Ausschlussklausel. Immerhin wäre Dein gesamter Körper einschließlich sämtlicher bekannter und unbekannter Krankheitsbilder abgesichert.

Auch hier gibt es wieder den obligatorischen Hinweis = je früher Du eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Dich oder Deine Kinder (Stichwort Schüler & Studenten) abschließt, desto weniger wirst Du mit der Thematik in Berührung kommen. Gesundheitsfragen müssen zwar natürlich weiterhin beantwortet werden, aber diese Hürde lässt sich im jungen Alter einfacher meistern.


5. Deine Körpergröße & Gewicht sind auch ein Indikator für den Beitrag in der BU

Bist Du etwas zu klein für Dein Gewicht (oder alternativ auch zu groß = Untergewicht) kann es Zuschläge geben in der Berufsunfähigkeitsversicherung und somit die Kosten in die Höhe treiben. Hier sind die Unterschiede teilweise auch wieder massiv. Wir geben jetzt den Controller mit 25 Jahren in unseren Vergleichstool ein. Auf 1,75 cm kommen 93 Kilogramm. Welche Auswirkungen hat dieser BMI von etwas über 30 auf die BU?

Mit dem Tool versdiagnose bekommen wir eine direkte Übersicht, welche wie folgt aussieht:

Klicken wir auf den Button „Berufsunfähigkeit“, kommt direkt das Votum her. Bei der AXA sieht es z.B. so aus:

Anbei die gesamten Ergebnisse für eine 25-jährige Person mit einem BMI von 30,4:

GesellschaftRisikobewertung
AllianzNormale Annahme
AXA / DBV25 % Risikozuschlag
Barmenia25 % Risikozuschlag
Basler25 % Risikozuschlag
Canada LifeNormale Annahme
ContinentaleNormale Annahme
DialogNormale Annahme
Die Bayerische25 % Risikozuschlag
Ergo25 % Risikozuschlag
GothaerNormale Annahme
HDI25 % Risikozuschlag
LV 187125 % Risikozuschlag
NürnbergerNormale Annahme
Signal Iduna25 % Risikozuschlag
Stuttgarter25 % Risikozuschlag
Swiss Life25 % Risikozuschlag
Volkswohl Bund25 % Risikozuschlag
WürttemberigscheÄrztlicher Bericht erforderlich
Zurich25 % Risikozuschlag

Man sieht, es gibt keine einheitliche Linie. Wenige Gesellschaften geben keinen Zuschlag, die meisten sind bei 25 Prozent angekommen.
Angemerkt sei natürlich wieder, dass dies ein Votum ohne Vorabinfos ist. Es kann durchaus Fälle geben, dass ein leicht erhöhter BMI einfach durch ein Krafttraining und generell einen kompakten Körperbau zustande kommt und nicht durch „leichte“ Fettleibigkeit. Hier sagen uns dann manche Risikoprüfer „Die Person soll eine kurze Eigenerklärung verfassen und ggf. auch ein Foto machen“.  Bist Du also fünfmal in der Woche im Fitnessstudio an der Hantelbank, sollst Du nicht auch noch durch einen Risikozuschlag bestraft werden.

Sehen wir uns aber mal an, was ein BMI von 37 (175 cm und 113 kg) für Zuschläge nach sich ziehen würde in der BU mit demselben Eintrittsalter & Beruf.

GesellschaftRisikobewertung
Allianz75 % Zuschlag
AXA / DBV100 % Risikozuschlag
Barmenia100 % Risikozuschlag
BaslerZusatzerklärung erforderlich
Canada Life50 % Zuschlag
ContinentaleÄrztlicher Bericht erforderlich
DialogÄrztlicher Bericht erforderlich
Die BayerischeÄrztlicher Bericht erforderlich
ErgoÄrztlicher Bericht erforderlich
GothaerFragebogen Körpergewicht erforderlich
HDIManuelle Risikoprüfung erforderlich
LV 1871100 % Risikozuschlag
Nürnberger75 % Risikozuschlag
Signal Iduna100 % Risikozuschlag
Stuttgarter100 % Risikozuschlag
Swiss LifeÄrztlicher Bericht erforderlich
Volkswohl Bund90 % Risikozuschlag
WürttemberigscheÄrztlicher Bericht erforderlich
Zurich100 % Risikozuschlag

Hier fallen die Voten auch sehr unterschiedlich aus. Wir können es auch total verstehen, dass manche Versicherer lieber den gesamten Umstand nebst weiteren Arztberichten ansehen möchten. In unserem Beispiel haben wir angegeben, dass es keine weiteren Arztbesuche / Erkrankungen in den letzten fünf Jahren gab. Das ist oftmals nur schwerlich vorstellbar. Das Körpergewicht dürfte schon auf gewisse Organe drücken.

Wie Du aber siehst, kann das Körpergewicht durchaus einen direkten Einfluss auf die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Bei Untergewicht (da sprechen wir von einem BMI von ca. unter 18) kann dies ebenso zu einem Problem führen. Hier wäre eine Eigenerklärung und ggf. sogar ein Ärztliches Attest sehr sinnvoll. Einfach aus dem Grund, dass wir der Risikoprüfung aufzeigen, dass das geringe Körpergewicht keine psychischen Hintergründe (Finger in den Hals) hat, sondern man einfach einen schlanken oder gar zarten Körperbau besitzt. Gut erklärt hat es hier ein promovierter Ingenieur mit einem BMI von 17,5:

Das Ganze haben wir mit einer kurzen Stellungnahme des Hausarztes untermalt:

So gab es keine Probleme beim Antrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung (in diesem Fall schloss unser Interessent sogar drei BU-Versicherungen über jeweils 2.500 Euro = insgesamt 7.500 Euro ab. Falls Du Dich fragst, wie man so hohe Summen absichert = „Fälle aus der Praxis – so sichern wir hohe Renten in der Berufsunfähigkeitsversicherung ab!).

Ein nicht passender BMI kann also durchaus zu höheren Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung führen.

Grundsätzlich wird aber bei qualifizierten Risikoprüfern (also die, welche sich zum einem etwas trauen und zum anderen die Diagnosen / Begleitumstände nicht einfach in eine Software eingeben) der gesamte Umstand gesehen.
Wie sagte uns ein Risikoprüfer mal: „Dem 45-jährigen lassen wir einen kleinen Bierbauch lieber mal durchgehen als dem 21-jährigen. Bei letzterem wissen wir nicht, wie sich die Thematik in den nächsten Jahrzehnten entwickelt. Beim Mittevierziger schauen wir galant auch mal hinweg, wenn die sonstige Gesundheitsakte relativ sauber und nachvollziehbar daherkommt“.


6. Auch Deine Hobbys / Freizeitaktivitäten können den Preis einer BU beeinflussen

Selbiges Schema wie bei den Gesundheitsangaben und dem BMI. Fällst Du aus dem Raster eines durchschnittlichen Interessenten, kann es aufgrund von vermeintlich gefährlichen Hobbys zu höheren Beiträgen in der Berufsunfähigkeitsversicherung führen. Das Bergwandern in den Münchener Voralpen wird jetzt wenig ausmachen, aber wenn Du gerne kletterst, tief tauchst oder gewisse Reitvorgänge absolvierst, kann es zu einem Risikozuschlag führen.

Vor wenigen Wochen hatten wir das Beispiel beim Reiten einer Interessentin:

Dies führte bei der Bayerischen (so die favorisierte Gesellschaft aufgrund einer Dienstunfähigkeitsklausel) zu einem erhöhten Kostenfaktor von 25 Prozent.

Vermeintlich gefahrenerhöhende Freizeitaktivitätensind also auch ein Preisfaktor in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine erste Voreinschätzung bekommst Du entweder auf unserer Übersichtsseite „Gefährliche Hobbys & Freizeit Berufsunfähigkeitsversicherung“ oder wiederum über Quickrisk (welches natürlich etwas schärfer Geschalten wurde, da die übrigen Umstände nicht bekannt sind).

Hier sehen wir uns direkt mal zwei Beispiele an und wie diese die Kosten treiben in der BU:

Nehmen wir mal jemanden, welcher intensiver klettert in den Bergen mit folgenden Punkten:

In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es aufgrund von

  • Bergsteigen / Hochtouren (Trekking über 4.000 Meter)
  • Klettern Alpin / Alpin Grad 7
  • Klettersteig –D
  • Ski / Snowboard – Langlauf

einen Mehrbeitrag von 50 Prozent auf die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Aber auch beim Kampfsport gibt es Risikozuschläge. Betreibst Du den Kampfsport Judo und nimmst an Wettbewerben teil, erhöht sich die Prämie in der BU um 25 Prozent.

Gut zu wissen = wenn Du mit einem Risikozuschlag nicht einverstanden bist oder Dein Hobby in absehbarer Zeit an den Nagel hängst, kannst Du bei wenigen (!) BU-Versicherern auch eine Ausschlussklausel vereinbaren lassen. Somit würdest Du dem treibenden Kostenfaktor aus dem Weg gehen. Das geht aber leider nicht bei allen Gesellschaften und zudem sollten kurze Wege in die Risikoprüfung vorhanden sein. Ja, die könnten wir haben…


7. Für gewisse Auslandsaufenthalte kann ein Risikozuschlag vereinbart werden

Auch geplante Auslandsaufenthalte können zu einer Verteuerung und somit höherer Kosten in der BU führen. Das Auslandsstudium in Palermo oder Wien gehört jetzt sicherlich nicht dazu, aber vielleicht möchtest Du ja in Bogota oder Marokko studieren, dann wird´s schon teurer. Im folgenden Fall wurde unsere Kundin nach Marokko vom hiesigen Arbeitgeber (dem deutschen Staat) entsendet:

Kommt immer wieder mal vor, dass es (temporäre) Risikozuschläge geben kann, die man so gar nicht in einer globalisierten Welt auf dem Schirm hat. Corona macht die Sache sicherlich auch nicht einfacher….


8. Sind die Beiträge für Männlich / Weiblich unterschiedlich in der BU?

Bis zum 21.12.2012 ja. Danach kommen die sogenannten Unisextarife auf den Markt. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) darf ein Geschlecht nicht mehr die Tarifkalkulation beeinflussen.
Bis dahin gab es leichte Unterschiede, welche aber selten den Bereich von fünf Prozent überstiegen. In der Berufsunfähigkeitsversicherung spielte das Geschlecht also selten eine Rolle. Anders wie z.B. bei einer Pflegeversicherung. In dieser mussten Frauen erheblich mehr Beiträge entrichten als Männer. Zum einen lebten die weiblichen Geschöpfe länger als ihr männlicher Part, zum anderen waren Frauen statistisch viel länger in der Pflegebetreuung. Hier gab es gerne mal Beitragsunterschiede von 30 Prozent und mehr. Das ist aber jetzt seit dem 21.12.2012 Geschichte.

Inwiefern sich die Form „Divers“ noch um ein eigenes Gerichtsurteil kämpft, entzieht sich unserer Kenntnis, wir halten Dich aber auf dem Laufenden.


9. Die Absicherungshöhe beeinflusst natürlich die Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ok, das müssen wir wohl nicht wirklich erklären. Sicherst Du 2.000 Euro in der BU ab ist dies teurer als 1.000 Euro. Je mehr Du absicherst, desto teurer wird die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Steigen die Beiträge linear an zur Absicherungssumme in der BU?

Jein. Im Großen und Ganzen ja. Jede Gesellschaft hat in ihrem Tarif aber feste Stückkosten die so zwischen 15-35 Euro im Jahr liegen. Diese fallen immer an, egal ob Du 500 oder 2.500 Euro absicherst. Bei einer sehr geringen Absicherung fallen diese prozentual stärker ins Gewicht als bei einer höheren Absicherung.
Grundsätzlich sagen wir unseren Interessenten nach der Übergabe der ersten Berechnung schon „Möchtest Du mehr oder weniger als diese 1.500 Euro absichern, dann geh einfach Linear nach oben oder unten“.
Es gibt definitiv keine außergewöhnliche Beitragssprünge, solltest Du gewisse Absicherungssummen wünschen.

"Ich sichere zu Beginn erst einmal weniger ab und erhöhe dann!"

Keine gute Idee. Zum einen hast Du für den Fall der Fälle (= einer schweren Erkrankung) keine ausreichende Absicherung.
Zudem hast Du beim Ziehen einer Nachversicherungsgarantie auch die Thematik des aktuellen Eintrittsalters. Möchtest Du die Option einer Ausbaugarantie wählen, kommt immer das aktuelle Alter von Dir zur Geltung. Wie wir unter Punkt 1 feststellen durften, wird dann die Berufsunfähigkeitsversicherung teurer. Zwar nur für den Teil, den Du mehr absicherst, aber dieser kann sich bei einem späteren Ziehen einer Ausbaugarantie durchaus bemerkbar machen. Bist Du natürlich erst im Studium (wobei Du in vielen Konstellationen dort auch schon 2.000 Euro absichern kannst) oder am Beginn Deiner beruflichen Karriere, so musst Du später praktisch eine Nachversicherungsgarantie nutzen. Da kommst Du jetzt nicht aus. Aber für alle anderen Fälle kommt jetzt eine höhere Absicherung billiger zu stehen als später.

„Ich kann auch mit 1.000 Euro von meiner Berufsunfähigkeitsversicherung leben“

Das ist jetzt der größte Blödsinn. Im Falle der Berufsunfähigkeit hast Du nämlich zwei große Kostenblöcke, welche Dir wohl noch gar nicht bewusst sind.

  1. Du musst die vollen Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung & Pflege bezahlen
  2. Du zahlst keinen Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein

Anteil gesetzliche Krankenversicherung & Pflegeversicherung

Bist Du vorher im Angestelltenverhältnis gewesen, so gab es eine Teilung mit Deinem Arbeitgeber. Du zahlst die Hälfte, Dein Arbeitgeber ebenso (merken wir übrigens im Monat immer sehr stark mit unseren Angestellten...). Im BU Leistungsfall musst Du diese komplett selber entrichten. Diese betragen derzeit ca. knapp 20 Prozent. Von 1.200 Euro bleiben Dir also unter 950-1.000 Euro netto übrig. Bist Du in der Privaten Krankenversicherung, dann musst Du die Beiträge ganz normal weiterbezahlen. 

Anteil Nichteinzahlen in die gesetzliche Rentenversicherung

Das ist jetzt sogar das größere Pfund, welches aber nur den wenigsten bewusst ist. Im Leistungsfall wird nämlich kein Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt. Sehen wir uns mal ein Beispiel einer Person mit einem Bruttogehalt von 4.000 Euro im Monat an:

Es fließen einmal 372 Euro vom Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung und noch einmal 372 Euro vom Arbeitgeber, welche Du praktisch gar nicht mitbekommst. Das sind fast 750 Euro, womit Du Rentenansprüche sammelst um Dich später vor der Altersarmut schützen.

Würdest Du berufsunfähig werden, entfallen diese Einzahlungen. Du müsstest massiv (!) privat vorsorgen. Wie, das ist Dir überlassen. Aber Du musst von Deinem übrig gebliebenen ca. 950-1.000 Euro also knapp 800 Euro auf die Seite legen, um nicht in die Grundsicherung zu fallen. Wie viel bleibt Dir dann noch übrig zum Leben? Miete? Lebensmittel (ok, Wasser und Brot dürfte immer drin sein)

Erfreuliche Nachricht inmitten des Desasters: Versteuern wirst Du praktisch nichts müssen von Deiner Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. erst ab einer hohen Absicherungshöhe wird dies ggf. etwas relevant. 

Verstehst Du jetzt, dass wir eine Absicherung über 75 Prozent vom Nettobeitrag für Quatsch halten, obwohl „Verbraucherschützer“, diverse Internetportale und unwissende Vermittler damit hausieren gehen?
So wenig kannst Du absichern, wenn Dir egal ist, was später mal passiert. Alternativ kannst Du aber auch reich heiraten, auf ein Erbe oder den Lottogewinn warten.

Wir haben lieber den Ansatz, dass Du jetzt viel absicherst. Neben den obigen Punkten wird es evtl. weitere wichtige Punkte geben, welche Dein Leben nachhaltig beeinflussen. Immobilienfinanzierung & Gründung einer Familie. Oftmals beginnt das Fiasko, wenn Dein großes Gehalt wegbricht. Die Pläne zerplatzen wie eine Seifenblase.
Bist Du mit 55 oder 60 Jahren aus dem gröbsten raus, dann reduziere doch einfach Deine Berufsunfähigkeitsversicherung. Deine Kinder sind aus dem Haus, die Immobilie wurde abbezahlt und Dein Aktiendepot hat einen mittleren sechsstelligen Wert. Dann ist die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr so wichtig, wie wenn Du noch am Anfang Deiner Pläne stehst.


10. Das Endalter beeinflusst natürlich massiv die Beiträge zur BU

Auch das ist kein offenes Geheimnis. Über manche Punkte kann man mit uns sicherlich immer reden, aber beim Endalter 67 Jahre bleiben wir standhaft. Auch hier fehlt einigen wieder der Blick auf das Ganze.
Nehmen wir an, Du hast in der Zwischenzeit 3.500 Euro in der Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert und wirst nun BU. Hast Du statt dem Endalter 67 Jahre die Sparvariante mit 60 Jahre gerechnet, fehlen Dir mindestens 294.000 Euro (3.500 Euro * 12 Monate * 7 Jahre). Garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall und nicht garantierte Überschüsse noch gar nicht eingerechnet, da können wir schon an den 400.000 Euro kratzen).
Zudem zahlst Du zwischen 60 und 67 Jahre auch nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Von den 3.500 Euro musst Du also auch weiterhin Private Altersvorsorge betreiben. Das „Vorverschieben“ des Rentenbeginns ist zudem gefährlicher Irrglaube. Dafür benötigt man 35 Beitragsjahre, die man nicht haben wird, wenn man 10 Jahre berufsunfähig war.

Reduzieren / Kündigen kannst Du Deine Berufsunfähigkeitsversicherung immer. Wie Dein Lebensumstand mit 60 Jahren aussieht, weißt Du aber nicht. Vielleicht hast Du ein Million im Aktiendepot, vier vermietete Immobilien oder eine eigene Firma? Dann benötigst Du die BU nicht mehr unbedingt.
Aber ein Pechvogel hat vielleicht zwei Scheidungen, eine schwere Herz OP oder vier unterhaltungspflichtige Kinder. Lebenswege laufen oft anders, wie man denkt. Planbar ist vieles, aber der Wunsch sieht in der Realität oft anders aus. Die Vermögensbildungskurve ist eben leider unbekannt und hängt von vielen Faktoren ab.
Eine Reduzierung / Kündigung der Berufsunfähigkeitsversicherung mit 60 oder 63 Jahren kommt Dir flexibler und günstiger, als wenn Du zu Beginn schon die falschen Parameter anlegst.

Sehen wir uns trotzdem die Beitragsunterschiede für einen 25-jährigen Controller bis 67 vs. 65 Jahre an mit dem Wunsch von 2.000 Euro Absicherung (LV 1871 Versicherung)

Zudem für einen Assistenzarzt mit 32 Jahren an,  2.500 Euro mtl. Absicherung.

Der Trend geht zudem in Richtung längerer Arbeitszeit

Wir müssen keine Propheten sein, dass das Renteneintrittsalter noch massiv angehoben wird. Die demographische Entwicklung spricht einfach zu sehr dagegen. Die allermeisten BU-Versicherer sorgen hierfür auch schon vor und bieten Dir eine Option zur Laufzeitverlängerung an, sollte der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen ändern und das Renteneintrittsalter verlängern.

Bei der LV 1871 ist es wie folgt beschrieben:

Die Bayerische Versicherung beschreibt es so in ihren Bedingungen:


11. Zusatzbausteine wie eine Leistungsdynamik, AU-Klausel oder ein Pflegebaustein sind auch nicht kostenfrei…

In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es verschiedene Bausteine, welche die Absicherung verbessern, aber auch die Beiträge steigen lassen. Ob diese Punkte im Zweifelsfall für jemanden relevant sind, muss jeder für sich selber entscheiden bzw. alternativ eine Beratung mit uns anfordern. Was für den einen sinnvoll ist, kann für die andere Person weniger attraktiv erscheinen.

A: Die Leistungsdynamik / garantierte Rentensteigerung ist wichtig, aber nicht ganz günstig

Nehmen wir an, Du schließt jetzt 2.000 Euro ab in der BU. Es kommt leider zu einem tragischen Unfall und Du wirst drei Monate später im zarten Alter von 31 Jahre berufsunfähig. Mit 2.000 Euro kommst Du jetzt (trotz der Problematik mit der Krankenversicherung & fehlender Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung) um die Runden.
Aber das schleichende Gift der Inflation / Kaufkraftverlust kommt langsam aber sicher. 2.000 Euro sind in 15 Jahren in Sachen Kaufkraft vielleicht nur noch 1.400 Euro wert.

Das solltest Du absichern. Zum einen gibt es zwar nicht garantierte Überschüsse, aber diese sind massiv im Sinkflug, wie wir im Artikel „Fallende Überschüsse im Leistungsfall Berufsunfähigkeitsversicherung 2021“ näher erläuterten. Manche Anbieter bieten für 2021 nur noch 0,4 Prozent (!) an, manche ältere Tarife sind auf null gefallen (z.B. Hannoversche).

So ist es absolut sinnvoll und wichtig, dass Du eine Leistungsdynamik einbaust. Diese ist aber nicht immer sehr günstig. Grob gesagt verteuert ein Prozent garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall die BU Rente um sieben bis neun Prozent.
In folgender Graphik zeigen wir Dir einen 30-jährigen Maschinenbauingenieur mit 2.500 Euro Absicherung. Einmal ohne Leistungsdynamik und einmal mit zwei Prozent.

Zudem auch zum Vergleich einen Realschüler mit 12 Jahren und 1.000 Euro Absicherung

Die Beiträge sind jeweils die Nettobetrachtung, somit die Zahlbeiträge.

Die meisten Anbieter lassen auch bis zu drei Prozent zu. Nur wenige scheren hierbei aus und lassen entweder nur zwei Prozent zu oder gar fünf Prozent.

Die Absicherung ist nicht günstig, aber wichtig. Klar, die meisten Fälle der Berufsunfähigkeit beziehen sich auf durchschnittlich sechs bis acht Jahre. Nur blöd, wenn man nicht zum Durchschnitt gehört. Unser erster Leistungsfall im Unternehmen (mit 23 Jahren eingetreten) wird bis 67 Jahren definitiv nicht mehr arbeiten können.
Die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall sollte unbedingt eingebaut werden, wenn Du die maximale Absicherungshöhe von zumeist 60 Prozent erreichst hast (Ausnahmen gelten für Schüler, Studenten und Azubis, welche eine natürliche Obergrenze besitzen).

B: Die Gelbe Schein Lösung / Arbeitsunfähigkeitsklausel verteuert die BU um 4-14 Prozent

Du bekommst Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn Du Deinen Beruf nicht mehr zur Hälfte Deiner Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen ausüben kannst.
Das wirft immer oft Fragen auf: Wie wird die Grenze von 50 Prozent bestimmt? Welche Faktoren gibt es?
Baust Du den Gelben Schein ein, genügt bei den meisten Gesellschaften das Vorzeigen der andauernden Krankschreibung (leider gibt es aber auch schlechte Formen. Hier musst Du erst einen BU-Leistungsantrag stellen, danach wird entschieden, ob Du berufsunfähig oder arbeitsunfähig bist. Die Leistung fließt trotzdem, aber es wird umständlicher).

In folgender Graphik geben wir Dir einen umfangreichen Überblick über die maximale Leistungsdauer, den Mehrpreis und die Antwort, ob es der Versicherer gut oder schlecht gelöst hast am Markt.

GesellschaftLeistungsdauerMehrpreis ca.Gute/Schlechte
AU-Form
Allianz24 Monateinklusive😕
Alte Leipziger24 Monate3,3 %😃
AXA24 Monate4,4 %😕
Barmenia18 Monate5,7 %😃
Basler36 Monate6,2 %😃
Bayerische18 Monate11 %😃
Canada Life24 Monateinklusive😕
Condor36 Monateinklusive😕
Continentale18 Monate13 %*😃
Dialog24 Monate3,2 %😃
Gothaer18 Monate10,6 %*😕
HDI36 Monate5-12 %😕
LV 187124 Monate8,5 %😃
Nürnberger24 Monate7 %😃
Stuttgarter18 Monate9,3 %😃
Swiss Life24 Monate5,8 %😃
Universa24 Monate13,3 %*😃
Volkswohl Bund36 Monate10,2 %😕
Württemberigsche24 Monate6,7 %😃
Zurich24 Monate2,8 %😃

*Nur wählbar als Optionspaket mit mehreren Leistungen neben dem AU-Baustein

Man sieht schon die großen Unterschiede im Detail. Währenddessen z.B. bei der Alten Leipziger die AU-Klausel aufgrund der geringen Mehrprämie von ca. vier Prozent fast schon zum Pflichtprogramm gehört, kann man die Mehrkosten von bis zu 14 Prozent und einer schlechten AU-Klausel beim HDI nicht wirklich verstehen.

Bei wenigen Gesellschaften wie der Allianz und der Condor (übrigens der Erfinder dieser Gelben-Schein Regelung) ist die Leistung automatisch inkludiert. Du kannst diesen Baustein weder abwählen noch separat dazu buchen. Die AU-Klausel ist fester Bestandteil der Vertragsbedingungen.

Die AU Klausel klingt recht nett, sollte in unseren Augen aber klar nach dem passenden Endalter, der maximalen Absicherungshöhe und einer Leistungsdynamik kommen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte in unseren Augen zuerst das Worst-Case Szenario absichern. Bleibt dann noch etwas Geld übrig, kann eine Gelbe-Schein Regelung sinnvoll sein.

Bist Du in der Privaten Krankenversicherung und besitzt eine Private Krankentagegeldversicherung kann es aber ggf. zu Problemen führen, wie z.B. die HDI direkt darauf hinweist:

Es gibt noch keine richterliche Rechtsprechung, ob Du Leistung aus der Privaten Krankentagegeldversicherung sowie der AU-Klausel eines BU-Versicherers bekommen darfst.

Festzuhalten gilt aber, dass auch die Arbeitsunfähigkeitsklausel Einfluss auf die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung hat.#

Mehr Informationen gibt es unter "Arbeitsunfähigkeitsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung", da holen wir über die Thematik dann aber auch gewaltig aus...:-). 

C: Der Pflegebaustein….

hat in unseren Augen in der BU eher weniger verloren, kann im Einzelfall aber Sinn machen. Möchte man das Pflegerisiko absichern, so empfehlen wir i.d.R. ein separates Pflegetagegeld über einen Krankenversicherer.
Der Pflegebaustein in der BU klingt zwar recht gut. Immerhin hast Du später das Anrecht darauf, ohne erneute Gesundheitsprüfung eine separate Pflegerentenversicherung abzuschließen. Aber zu dann gültigen Rechnungsgrundlagen und somit wird Dein aktuelles Eintrittsalter herangezogen. Die Kosten schießen sprichwörtlich in die Höhe.

Kleiner Vorteil bleibt aber: Wirst Du während der Vertragslaufzeit der Berufsunfähigkeit pflegebedürftig, gibt es die Leistung ein ganzes Leben. Am Beispiel des Controllers verteuert es aber die Absicherung um geschlagene 50 Prozent, wie folgender Auszug uns dies mitteilt:

Wir stellen Dir gerne verschiedene Musterberechnungen an, können aber sagen, dass die Durchdringungsquote sehr gering ist (wohingegen das Pflegetagegeld öfters nachgefragt wird).

Es gibt aber sicherlich Konstellationen, welche eine Absicherung über den Pflegebaustein in der Berufsunfähigkeitsversicherung als sinnvoll betrachten und auch die teilweise massiven Mehrkosten nicht stören.


12. Die Zahlweise beeinflusst die Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Kennst Du sicherlich auch aus anderem Gebieten. Auch Softwarelösungen kannst Du jährlich wie monatlich bezahlen. Bei einer jährlichen Zahlweise bekommst Du oft einen Monatsbeitrag geschenkt.
Das ist leider in der BU nicht so. Hier sieht die Ersparnis so aus:

  • Allianz 2,2 Prozent
  • Alte Leipziger 1,4 Prozent
  • Barmenia 1,2 Prozent
  • Basler 1,2 Prozent
  • Condor 1,7 Prozent
  • Continentale 2,5 Prozent
  • Die Bayerische 4,7 Prozent (!)
  • HDI 2,4 Prozent
  • LV 1871 2,5 Prozent
  • Nürnberger 2,9 Prozent
  • Swiss Life 2,6 Prozent
  • Volkswohl Bund 0,4 Prozent

Einfache Frage an Dich: Bei welcher Bank gibt es noch sichere zwei bis drei Prozent an Zinsen im Jahr? Richtig erraten, bei keiner. Somit kann eine jährliche Zahlweise die BU-Kosten schon etwas nach unten treiben.
Natürlich kann die Zahlweise während der Laufzeit wieder geändert werden. Das ist selbstverständlich nicht in Stein gemeißelt.


13. Haben BU-Sonderaktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen höhere Kosten / Beiträge?

Eine häufig gestellte Frage an uns. Berufsunfähigkeitsversicherungen mit wenigen Gesundheitsfragen erfreuen sich großer Beliebtheit und mehrmals in der Woche bekommen wir Anfragen aus dieser Richtung.

Viele suchen die Tücken in folgenden sehr guten Aktionen:

A: HDI für Ärzte, Ingenieure und ähnliche Berufe:

Mehr Informationen dazu:

Die LV 1871 ebenso für dieselben Berufe & technische Berufe mit akademischem Hintergrund:

Mehr Infos unter „Top-Vereinfachte Gesundheitsfragen der LV 1871 für Ingenieure / Technische Berufe / Absolventen / Ärzte und Co.“.

C: In Zuge einer Immobilienfinanzierung bei der Allianz

Weitere Informationen gibt es unter „Vereinfachte Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung der Allianz bei einer Immobilienfinanzierung bis 1.500 Euro mtl. Absicherung“.

Wir haben hierbei eine frohe Kunde für Dich. Auf den Beitrag haben diese teilweise genialen Aktionen mit rechtssicheren Gesundheitsfragen keinerlei Einfluss. Es sind dieselben Netto- wie Bruttobeiträge wie bei einem Normalen Antrag hinterlegt, ebenso sind die Vertragsbedingungen 1:1 identisch.

Einziger Nachteil:
Die technische Ausgestaltung ist oft etwas eingeschränkt. Dies betrifft insbesondere die maximale Absicherungshöhe oder die begrenzte Beitrags- wie Leistungsdynamik. Auf die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung haben die vereinfachten Gesundheitsfragen aber keinerlei Einfluss.


14. Kosten sparen durch Einsteigertarife in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Nein, das geht leider nicht. Prinzipiell wirst Du damit sogar über die gesamte Laufzeit draufzahlen. Lass uns kurz die Nachteile aufzeigen:

  • Nach einer gewissen Laufzeit kommt eine große Erhöhung
  • Während der Starterphase ist oft keine Beitragsdynamik erlaubt
  • Bei einigen Anbietern läuft die Berufsunfähigkeitsversicherung nur z.B. 10 Jahre und muss von Dir aktiv verlängert werden

Es gibt einige Fallstricke, auf die Du achten solltest, falls Du Einsteigertarife haben möchtest in der BU. Bei uns kam dies die letzten sieben Jahren nach ausführlicher Beratung noch nicht vor & wir haben eine vierstellige Anzahl an BU-Verträgen vermittelt in dieser Zeit.

Falls Du Dich mit der Thematik näher auseinandersetzen möchtest, empfehlen wir Dir unseren Artikel „Ist eine Starter- / Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?“.  Nach dem Lesen der Lektüre wirst Du hoffentlich auch zum Nenner kommen, dass ein Einsteigertarif eigentlich nie (eine Ausnahme bestätigt die Regel) sinnvoll ist für Dich oder Dein Kind. Auch wenn die Marketingunterlagen des Versicherers etwas anderes verlautbaren lassen. Kosten einsparen kann man durch die Einsteigertarife definitiv nicht. Das geht leider nach hinten los.


15. Verwaltungs- wie Abschlusskosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Diese Antwort wird Dich jetzt überraschen. Anders wie z.B. in der Privaten Altersvorsorge spielen die Verwaltungskosten sowie auch die Abschlusskosten keine gesonderte Rolle für Dich in der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Es gibt in der eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung kein Einsparen, wo Kapital gebildet werden kann. Somit drücken Abschlusskosten oder Beiträge für die Verwaltung der Verträge keine gesonderte Rolle. Die Kosten sind alle in dem Dir vorliegen Netto- bzw. Bruttobeitrag vorhanden.

Es ist somit völlig egal, ob die Jährlichen Verwaltungskosten bei 150 oder 250 Euro liegen. Für Dich ist der Zahlbeitrag entscheidend.

Keine gesonderte Rechnungsstellung von uns durch die Abschlusskosten

Manche Interessenten stolpern über die Abschlusskosten in den von uns in simplr hinterlegten Vorvertraglichen Vertragsbedingungen. Hier taucht dann selten die Frage auf, ob man das jetzt noch Extra bezahlen muss. Nein, dass ist nicht der Fall. Alle Kosten sind in den Beiträgen in der Berufsunfähigkeitsversicherung enthalten.

Beispiel: Nehmen wir mal einen Controller mit 2.000 Euro bis 67 Jahre an. Eingaben sind identisch wie Nichtraucher, keine Leistungsdynamik und drei Prozent Beitragsdynamik.

Beginnen wir mit der Hannoverschen als Direktversicherer, welcher angeblich immer sehr günstig ist. In unserem Beispiel beträgt der Zahlbeitrag im Basistarif 76,50 Euro und der Tarifbeitrag knapp 99 Euro.

Die Verwaltungskosten liegen im ersten Tarif bei 1.030 Euro sowie die jährlichen Verwaltungskosten bei 172 Euro im einfachen Tarif.

Bei der LV 1871 betragen die Abschlusskosten 1.106 Euro und die jährlichen Verwaltungskosten sind bei 202,80 Euro festgesetzt worden.

Der Monatlichen Zahlbeitrag liegt bei 68,83 Euro und der Bruttobeitrag bei 103,97 Euro.

Jetzt sehen wir uns im Vergleich den Volkswohl Bund an, welcher einen monatlichen Zahlbeitrag von 74,50 Euro aufweist für 2.000 Euro BU-Rente.

Die einmaligen Abschlusskosten betragen beim Volkswohl Bund 1.189 Euro, dazu kommen jährliche Verwaltungskosten von 124 Euro, was von allein drei Gesellschaften den absolut günstigsten Wert darstellt.

Trotz diesem günstigen Wert sind die Beiträge genau in dieser Konstellation beim Volkswohl Bund aber höher als bei der Hannoverschen oder bei der LV 1871 Versicherung.

Abschluss- und Verwaltungskosten sollen keine Entscheidungsgrundlage sein in der BU!

Was wir damit sagen möchten: Die Abschluss- wie Verwaltungskosten spielen für Dich in der selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung keine Rolle bei der Entscheidungsfindung. Indirekt bezahlst Du diese dann natürlich schon mit (und natürlich auch uns für die Vermittlung & Betreuung des Vertrages), in der Praxis gibt es aber keine Relevanz für Dich. Würden die BU-Verwaltungskosten und auch die Abschlussgebühr exorbitant hoch sein, würde die Gesellschaft und der Tarif wohl eh keinerlei Rolle spielen am Markt und wäre somit nicht vermittelbar. Klar, wir sind weit davon entfernt, nur rein auf den Preis zu schauen. Wenn sich aber jemand komplett aus dem Feld katapultiert, so bekommt man auch kein Geschäft mehr. Auch nicht von uns. Ein ausgewogenes Preis & Leistungsverhältnis ist uns hierbei schon sehr wichtig.
 


16. Welche Steuern / Kosten kommen eigentlich im BU-Leistungsfall auf mich zu?

Bisher haben wir uns nur die Seite bis zum Leistungsfall angesehen. Was tritt aber auf, wenn Du berufsunfähig wirst?
Die wichtigste Nachricht = es entfällt die Beitragszahlung und Du bekommst die vereinbarte BU-Rente auf Dein Konto ausbezahlt.

Aber welche Steuern / Kosten könnten anschließend auftreten?

Wir gehen jetzt von einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung in der dritten Schicht aus, was die mit Abstand häufigste Absicherungsform darstellt. 

Die Thematik mit den entgangenen Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung haben wir schon unter Punkt 9 aufgegriffen, ebenso die Tatsache, dass Du weiterhin Beiträge an die Krankenversicherung entrichten musst (egal ob GKV oder PKV). Das sind beides absolut negative Nachrichten, deshalb ist eine ausreichende Absicherungshöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig. 

Erfreulich - die steuerliche Komponente ist als sehr gering einzustufen

Die Versteuerung erfolgt nach Paragraph 55 der Einkommenssteuer-Durchführungsverordnung. Folgende Tabelle ergibt hier eine sehr informative Darstellung: 

Restlaufzeit
Ertragsanteil
Restlaufzeit
Ertragsanteil
1 Jahr0 %25 Jahre26 %
2 Jahre1 %26 Jahre27 %
3 Jahre2 %27 Jahre28 %
4 Jahre4 %28 Jahre29 %
5 Jahre5 %29 Jahre30 %
6 Jahre7 %30 Jahre30 %
7 Jahre8 %31 Jahre31 %
8 Jahre9 %32 Jahre32 %
9 Jahre10 %33 Jahre33 %
10 Jahre12 %34 Jahre34 %
11 Jahr13 %35 Jahre35 %
12 Jahre14 %36 Jahre35 %
13 Jahre15 %37 Jahre36 %
14 Jahre16 %38 Jahre37 %
15 Jahre16 %39 Jahre38 %
16 Jahre18 %40 Jahre39 %
17 Jahre18 %41 Jahre39 %
18 Jahre19 %42 Jahre40 %
19 Jahre20 %43 Jahre41 %
20 Jahre21 %44 Jahre41 %
21 Jahre22 %45 Jahre42 %
22 Jahre23 %46 Jahre43 %
23 Jahre24 %47 Jahre43 %
24 Jahre25 %48 Jahre44 %

Pauschale Aussagen nach der steuerlichen Komponente im BU-Leistungsfall sind also Fehl am Platz, es kommt vor allem auch auf das Eintrittsjahr drauf an. 

Anschaulicher wird es, wenn wir jetzt einfach eine Absicherung von monatlich 2.000 Euro annehmen:

Alter im
Leistungsfall
Ertragsanteiljährliche
Absicherungssumme
Steuerlich
relevanter Anteil
20 Jahre43 %24.000 €10.320 €
25 Jahre40 %24.000 €9.600 €
30 Jahre36 %24.000 €8.640 €
35 Jahre32 %24.000 €7.680 €
40 Jahre28 %24.000 €6.720 €
45 Jahre23 %24.000 €5.520 €
50 Jahre18 %24.000 €4.320 €

Angenommen wurde hier der Grundfreibetrag aus dem Jahr 2021, welcher bei 9.744 für Einzelpersonen liegt.
Nur bei einem Leistungsfall in sehr jungen Jahren gibt es einen steuerlichen Anteil. Bei 25 Jahren entfällt dieser schon.
Weitere Einkünfte wie Mieteinnahmen werden aber angerechnet.

Mehr Informationen auch über die weiteren “Schichten” der Versteuerung im BU-Leistungsfall findest Du im Artikel “Abgaben im Leistungsfall Berufsunfähigkeitsversicherung”. 


Fazit zu den Kosten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wichtigste Frage vorab = Unsere Beratung zur BU ist übrigens kostenfrei, wenn wir Deine Anfrage annehmen (hier müssen wir vorher leider stark ausfiltern, da unsere Zeit begrenzt ist). Unsere transparenten Spielregeln findest Du aber unter „Was kostet eigentlich eine BU – Beratung bei uns & beratet Ihr auch, wenn ich nicht aus Eurer Region bin?“.

Nun zum Fazit des eigentlichen Themas: Die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung setzen sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen. Wir hoffen, dass wir Dir mit diesem kleinen Artikel einen praxisorientierten Einblick gegeben haben.  Wenn wir die erste Seite auf Google so betrachten, dann dürfte das Thema Kosten in der BU niemand so ausführlich betrachtet haben wie wir ;-).  Du kannst uns gerne kontaktieren für eine Beratung zur BU. Wir sagen es aber gleich = wir fordern viel aktive Mitarbeit von Dir. Wir schwatzen Dir nichts auf, sondern helfen zu einem sauberen und rechtsgültigen Vertrag, der dann auch im theoretischen Leistungsfall hilft. Bei uns sprichst Du noch mit echten Menschen und Deine Adresse / Kontakt wird nicht an irgendwelche Versicherungsvermittler verkauft, welche sich dem Portal angeschlossen haben.


Pressenachklang rund um das Thema Kosten & Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung

13.04.2021 / Manche Preisentwicklung für schöne Risiken in der Berufsunfähigkeitsversicherung macht uns nachdenklich. Das Fachmagazin Pro & Contra wollte genau zu dieser Thematik ein Statement von Tobias haben, welches unter "Preiskampf der BU-Versicherer: Was Makler kritisieren" nachzulesen ist. Mit uns durften auch viele geschätzte Kollegen Kritik üben, somit wird dieser Artikel noch lesenswerter ;-).