Leistungsdynamik / garantierte Rentensteigerung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Leistungsdynamik oder auch genannt garantierte Rentensteigerung sorgt für eine Steigerung Deiner BU-Rente im Leistungsfall (vor dieser dient die Beitragsdynamik zur Erhöhung). Dies ist eine sinnvolle Komponente, kann aber im Einzelfall hinterfragt werden. Wir schauen uns jetzt gemeinsam die Vor- und Nachteile der Leistungsdynamik in der BU mal genauer an.


1. Was ist eine Leistungsdynamik / garantierte Rentensteigerung in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Salopp gesagt - die Leistungsdynamik sorgt für eine jährliche Erhöhung Deiner BU-Rente im Leistungsfall. Diese kann i.d.R. bis zu drei Prozent betragen. Hast Du eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer monatlichen Absicherungshöhe von 2.000 Euro abgeschlossen und nimmst Leistungen in Anspruch, so bekommst Du den vereinbarten Beitrag. Klingt erst einmal gut. Aber über all die Jahre kommt ein schleichendes Gift zum Vorschein!

Die Leistungsdynamik dient auch zum Inflationsausgleich

Eine Leistungsdynamik dient zum Ausgleich des Kaufkraftverlustes. Die oben erwähnten 2.000 Euro haben in einigen Jahren sicherlich eine geringere Kaufkraft als heute. Wie sich die echte, aber auch die gefühlte Inflation in den letzten Jahren gesteigert hat, sieht man nicht nur an den Mietpreisen. Selbst die Erhöhung einer Halbe Bier von 3,20 Euro auf 3,40 Euro sind eine Erhöhung um knapp sechs Prozent.
Auch beim Arbeitgeber bekommst Du i.d.R. regelmäßige Gehaltserhöhungen, welche zumindest die Inflation ausgleichen. Warum sollte das nicht auch beim Bezug der BU-Rente sein? Die Idee der garantierten Rentensteigerung im Leistungsfall ist auf jeden Fall schon mal eine gute und dürfte auch nachvollziehbar sein. 

Sehen wir uns nochmals grafisch an, wie sich die BU-Rente ohne eine Leistungsdynamik sowie nicht garantierten Überschüssen (darauf kommen wir später nochmal explizit darauf) entwickeln würde:

Mit einer Leistungsdynamik bleibt die Rentenhöhe bzgl. der Kaufkraft gleichbleibend über all die Jahre.
Wir sind uns jetzt also erst einmal einig, dass die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall grundsätzlich eine sinnvolle Komponente bei der technischen Ausgestaltung zur Berufsunfähigkeitsversicherung auf den ersten Blick darstellt.


2. Hat die Beitragsdynamik nicht doch auch etwas damit zu tun?

Zwei Begriffe, welche gerne verwechselt werden. Beitragsdynamik vs. Leistungsdynamik. 

Es ist aber recht einfach zu merken mit: Die Beitragsdynamik in der BU greift aber vor dem Leistungsfall. Die Leistungsdynamik entfaltet seine Wirkung im Leistungsfall.

Während die Beitragsdynamik zu Beginn als Option keinen Mehrpreis kostet, sind die Aufschläge bei der Leistungsdynamik schon erheblicher.
Beide Formen der Dynamik spielen bei der passenden Konfiguration eine erhebliche Rolle, unterscheiden sich aber im Detail sehr. Die Beitragsdynamik solltest Du auch immer so hoch wie möglich ansetzen (idealerweise fünf Prozent). Du kannst dieser bei den meisten Anbietern mittlerweile unbegrenzt oft widersprechen und bist somit relativ flexibel.

Bei der Leistungsdynamik musst Du Dich schon beim Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung auf einen Wert festlegen. Dieser kann - zumindest nach oben - während der Laufzeit nicht mehr geändert werden bzw. nur mit einer erneuten umfangreichen Gesundheitsprüfung. Die Wahl der passenden garantierten Rentensteigerung kann also eine Entscheidung für Jahrzehnte sein, wohingegen Du bei der Beitragsdynamik jedes Jahr die theoretische Möglichkeit einer Nichtannahme besitzt (wovon wir aber dringend abraten).


3. Habe ich nicht doch auch Überschüsse im Leistungsfall in der BU?

Vielleicht hast Du schon mal etwas von Überschüssen gehört in der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Hier gibt es zwei Arten, mit denen Du in Berührung kommen kannst. Zum einen direkt bei Vertragsabschluss und zum anderen während der gesamten Vertragslaufzeit ohne Leistungsfall. Es gibt in der Berufsunfähigkeitsversicherung ja den Netto (Zahlbeitrag) sowie den Bruttobeitrag. Wir favorisieren i.d.R. immer die Überschussbeteiligung, welche Dir sofort zu Gute kommt, durch die Zahlung des Nettobetrages.

Das sieht dann bei der LV 1871 z.B. so aus:

In diesem Beispiel muss unser Kunde einen jährlichen Beitrag von 1.022 Euro als Ingenieur in der BU entrichten. 

Jetzt ist dies aber die Ansicht vor dem Leistungsfall. Man profitiert als versicherter Kunde aber auch von Überschüssen im Leistungsfall.
Bei der LV 1871 würde dies im Jahr 2021 so aussehen:

Übersetzt bedeutet dies, dass es für das Jahr eine Rentenerhöhung im Leistungsfall von der LV 1871 um 1,9 Prozent geben würde. Bist Du Ende 2020 berufsunfähig geworden bei der Gesellschaft und hattest eine Absicherung von 2.000 Euro, so würde sich diese um 1,9 Prozent oder umgerechnet 38 Euro auf 2.038 Euro erhöhen.
Würde die Überschussbeteiligung im Leistungsfall identisch bleiben im Jahr 2022, dann kommt der Wert auch im nächsten Jahr oben drauf. Bisherige Erhebungen im Leistungsfall bleiben auch bestehen und können nicht mehr gestrichen werden. 

Wir haben jetzt ein Beispiel von einer Gesellschaft genannt mit einem sehr hohen Wert. Das dies auch anders geht, sieht man z.B. an der Stuttgarter Versicherung, welche für das Jahr 2021 eine Überschussbeteiligung von 0,8 Prozent deklarierte.

Das ist schon mal erheblich weniger.
Die Betonung, dass die Werte nicht garantiert sind, bleibt aber. Diese befinden sich seit Jahren auch tendenziell eher im Sinkflug.
Der Konkurrenzkampf in der BU ist mittlerweile sehr groß, vor allem bzgl. der Preise. Viele Vermittler vermitteln verkaufen rein nach Listenpreisen. Schöne Risiken werden immer günstiger, der Preisdruck nimmt enorm zu.
Die Senkung der Überschüsse im Leistungsfall ist eines der stillen Parameter, welche eine Gesellschaft relativ geräuschlos ziehen kann und dies auch niemand so recht merkt.
Würde sich hingegen der Zahlbeitrag im Neu- wie Bestandsgeschäft ändern, wäre das Medienecho groß. 

Das die Überschussbeteiligung durchaus auch auf null Prozent fallen kann, sieht man schön im Geschäftsbericht 2019 der Hannoverschen bzw. VHV (deren Muttergesellschaft).

Für Verträge, welche vor dem Jahr 2011 abgeschlossen wurden, gibt es keinerlei (!) Steigerung bzw. Überschüsse. Die Tendenz sieht man auch hier wieder - langjährige Bestandskunden kommen wieder schlechter weg als frische Neukunden.

So sind die aktuellen Entwicklungen der Überschüsse im BU Leistungsfall

GesellschaftÜberschüsse 2020Überschüsse 2021
LV 18711,9 %1,9 %
Volkswohl Bund1,5 %1,35 %
Bayerische1,6 %1,6 %
Basler1,25 %1,1 %
Stuttgarter1,1 %0,8%
Signal Iduna1,26 %1,22 %
AXA2,0 %1,7 %
Allianz1,9 %1,7 %
Barmenia1,6 %1,1 %
Continentale1,4 %1,2 %
Generali (vorher Aachen Münchener)0,6 %0,4 %
HDI1,7 %1,7 %
Alte Leipziger1,53 %1,53 %
Condor1,2 %1,35 %
Canada Life0,0 %0,0 %

Man sieht, dass die Überschüsse heimlich, still und leise auf ein Jahr gesehen größtenteils gefallen sind. Auch eine “Null” davor ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Bei der 0,4 prozentigen Überschussbeteiligung der Generali können wir nur noch mit dem Kopf schütteln. Da scheint einiges im Argen zu sein....

Die Canada Life stellt eine Besonderheit bei den Überschüssen dar

Eifrige Leser werden es gemerkt haben - die Canada Life bietet keine Überschüsse an. Dies bedeutet nicht, dass sich die Gesellschaft extrem verkalkuliert hat, aber beim BU-Konstrukt der Canada Life ist der Nettobeitrag identisch mit dem Bruttobeitrag.
Somit können im Leistungsfall auch keine Überschüsse weitergegeben werden. Es ist in unseren Augen unabdingbar, bei der Canada Life eine Leistungsdynamik in der BU einzubauen. Diese ist aber nur mit drei Prozent oder gar nicht möglich. Auch irgendwie komisch. Ist aber so….

Überschüsse befinden sich seit Jahren eher im Sinkflug

Man sieht aber, dass eine feste und garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall immer wichtiger wird, besonders bei zu niedrig angesetzten Renten (welche zwangsweise bei Schülern / Studenten der Fall ist). Konnte man sich früher noch auf regelmäßige Überschüsse verlassen, sind diese nun bei einigen Gesellschaften die ersten Parameter, die sich im Sinkflug befinden.


4. Was kostet eine Leistungsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall ist keine günstige Sache. Pro einem Prozent Steigerung kann dies einen Mehrpreis (je nach Eintrittsalter und Gesellschaft) von sechs bis zehn Prozent ausmachen - je nach Eintrittsalter. Diesen Mehrpreis musst Du ab dem ersten Tag bezahlen.

Sehen wir uns einen Querschnitt guter Gesellschaften an:

A:  Maschinenbauingenieur (35 Jahre)  mit 2.000 Euro BU Rente und bis 67 Jahre ohne und mit zwei Prozent Leistungsdynamik

Gesellschaftohne Leistungsdynamikmit Leistungsdynamik
Basler65,99 Euro75,35 Euro
Bayerische68,47 Euro78,42 Euro
LV 187171,32 Euro80,67 Euro
Volkswohl Bund76,23 Euro86,34 Euro
HDI76,47 Euro86,18 Euro
Swiss Life (Metallrente)77,23 Euro89,66 Euro
Swiss Life78,89 Euro91,54 Euro
Nürnberger80,94 Euro92,95 Euro
Alte Leipziger81,45 Euro91,90 Euro
Continentale89,06 Euro99,64 Euro
Allianz94,90 Euro110,48 Euro
Condor97,16 Euro112,04 Euro

B: Schüler am Gymnasium (13 Jahre) mit 1.000 mtl. BU-Rente, Endalter 67 Jahre ohne und mit zwei Prozent garantierter Rentensteigerung

Gesellschaftohne Leistungsdynamikmit Leistungsdynamik
LV 187135,44 Euro41,38 Euro
Swiss Life43,91 Euromax. 1 % möglich
Volkswohl Bund44,84 Euro52,07 Euro
HDI45,07 Euro52,32 Euro
Alte Leipziger46,93 Euro57,36 Euro
Condor48,46 Euro57,31 Euro
Basler51,72 Euro60,77 Euro
Allianz51,86 Euro62,30 Euro

Das Verhältnis zueinander mit einer Steigerung von einem oder auch drei Prozent Leistungsdynamik bleibt identisch und kann somit linear nach oben und nach unten gezogen werden.
Wie man in der obigen Tabelle auch sieht, ist die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall in jungen Jahren prozentual auch etwas teurer als wenn man schon fest im Erwerbsleben mit 35 Jahren steht. 

Auswirkung der Leistungsdynamik auf die BU-Rente

Sehen wir uns mal den Verlauf von ein, zwei und drei Prozent - ausgehend von 1.500 Euro monatlich (=18.000 Euro p.a.) an über 41 Jahre. Da ein Vertragsabschluss in jungen Jahren absolut sinnvoll ist, zeigen wir Dir einen Verlauf über diesen langen Zeitraum.

1 % Leistungsdynamik2 % Leistungsdynamik3 % Leistungsdynamik
1. Jahr18.000,00 €18.000,00 €18.000,00 €
2. Jahr18.180,00 €18.360,00 €18.540,00 €
3. Jahr18.361,80 €18.727,20 €19.096,20 €
4. Jahr18.545,42 €19.101,74 €19.669,09 €
5. Jahr18.730,87 €19.483,78 €20.259,16 €
6. Jahr18.918,18 €19.873,45 €20.866,93 €
7. Jahr19.107,36 €20.270,92 €21.492,94 €
............
18. Jahr21.317,48 €25.204,35 €29.751,26 €
19. Jahr21.530,65 €25.708,43 €30.643,80 €
20. Jahr21.745,96 €26.222,60 €31.563,11 €
21. Jahr21.963,42 €26.747,05 €32.510,00 €
22. Jahr22.183,05 €27.281,99 €33.485,30 €
23. Jahr22.404,89 €27.827,63 €34.489,86 €
24. Jahr22.628,93 €28.384,19 €35.524,56 €
............
35. Jahr25.246,39 €35.292,17 €49.174,30 €
36. Jahr25.498,85 €35.998,01 €50.649,52 €
37. Jahr25.753,84 €36.717,97 €52.169,01 €
38. Jahr26.011,38 €37.452,33 €53.734,08 €
39. Jahr26.271,49 €38.201,38 €55.346,10 €
40. Jahr26.534,21 €38.965,41 €57.006,49 €
41. Jahr26.799,55 €39.744,71 €58.716,68 €

Hier kommt wieder das achte “Weltwunder” zur Geltung - der Zinseszins Effekt. Ein Prozent Unterschied klingt nicht viel, kann aber über die Laufzeit einen gehörigen Unterschied ausmachen. Der Unterschied zwischen ein Prozent und drei Prozent jähriger Steigerung in der Leistungsphase ist schon extrem heftig. Je länger die Berufsunfähigkeit anhält, desto sinnvoller eine hohe Leistungsdynamik.


5. Warum eine Leistungsdynamik eine zu geringe Rentenhöhe nicht ersetzt!

Zu gering angesetzte BU-Renten sind ein Problem. Manche Interessenten und Verbraucher meinen dann, dass eine BU von 1.000 Euro genügt. Warum das nicht zutreffend ist, kannst Du im Artikel “Welche Höhe sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben?” nachlesen.
Die Idee, dass eine Leistungsdynamik zu niedrig angesetzte BU-Rentenhöhen ersetzt, ist eine Mär. Wirst Du berufsunfähig, benötigst Du jetzt und die kommenden Jahre das Geld. Wir wissen aus verschiedenen Leistungsfällen eines - man möchte sich mit einer Thematik definitiv nicht rumschlagen, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, nämlich mit seinen Finanzen und Einnahmen. Vor allem, wenn man eine Familie hat oder auch eine Immobilienfinanzierung am Laufen ist.

Eine Leistungsdynamik beginnt erst nach einigen Jahren seine Wirkung zu entfalten entgegen einer höheren BU-Rente

Die meisten BU-Leistungsfälle dauern sechs bis acht Jahre. Das ist der Durchschnitt. Es hilft aber wenig, wenn Du aus dem Durchschnitt fällst.
Wenn der Jäger einen Bock erlegen möchte und drei Meter links daneben schießt und beim zweiten Schuß drei Meter zu weit rechts zielt, wäre der Durchschnitt auch genau der Bock gewesen.
Auch erinnern wir uns an unseren ersten Leistungsfall in unserer Firmengeschichte. Die Person wird bis 67 Jahre nicht mehr arbeiten können (damals war er 21 Jahre alt). Beim Vertragsabschluss wollte er partout keine Leistungsdynamik aufgrund des erhöhten Beitrages. Bis heute wird uns das Übel genommen (auf freundschaftlicher Basis)....Mindestens einmal im Jahr werden wir daran erinnert, weshalb wir ihm die Auswahlmöglichkeit überhaupt gelassen haben und einfach nicht pauschal die zwei Prozent nahmen. 

Eine höhere BU-Rente sollte immer einer Leistungsdynamik vorgezogen worden!

An folgendem Beispiel sieht man, dass die BU-Rentenhöhe zu Beginn auf Anschlag gestellt werden sollte.
Nehmen wir an, ein Controller möchte sich in der BU für 2.000 Euro versichern ohne Leistungsdynamik. Zum Vergleich nehmen wir fast den identischen Zahlbeitrag mit 82,06 Euro (+-1 Cent), wie er mit zwei Prozent Leistungsdynamik wäre. Überschüsse nehmen wir jetzt von einem Prozent an. 
Erst im achten Jahr gibt es die Überschneidung.

2 % Leistungsdynamik
+ 1% Überschussbeteiligung
1 % Überschussbeteiligung
1. Jahr1.755,00 €2.000,00 €
2. Jahr1.807,65 €2.020,00 €
3. Jahr1.861,88 €2.040,20 €
4. Jahr1.917,74 €2.060,60 €
5. Jahr1.975,27 €2.081,21 €
6. Jahr2.034,53 €2.102,02 €
7. Jahr2.095,56 €2.123,04 €
8. Jahr2.158,43 €2.144,27 €
9. Jahr2.223,18 €2.165,71 €
10. Jahr2.289,88 €2.187,37 €

Von daher plädieren wir dazu, zuerst eine nüchterne Analyse zu machen. Du solltest zu Beginn so viel BU-Rente wie möglich absichern, welche Dich in die glückliche Lage versetzt, ein sorgenfreies Leben zu führen, auch nach Abzug der Beiträge für die Krankenversicherung (egal ob GKV oder PKV) und der privaten Altersvorsorge (nachdem Du im BU-Leistungsfall keinen Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt).


6. Ab wann ist eine Leistungsdynamik sinnvoll in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Für praktisch alternativlos halten wir eine Leistungsdynamik in den Fällen, wo zu Beginn keine auskömmliche BU-Rente vereinbart werden kann. Dies ist insbesondere in folgenden vier Konstellationen gegeben:

  • Als Schüler mit einer Absicherung von maximal 1.100-1.500 Euro
  • Im Studium (maximal 1.500-2.000 Euro)
  • Während der Ausbildung sind oftmals nur 1.000-1.500 Euro möglich
  • Bei der BU-Absicherung eines normalen Berufes mit einem normalen Gehalt (salopp gesagt - bis zu 2.000 Euro BU-Absicherung)

In all diesen Konstellationen kannst Du zu Beginn nicht eine so hohe BU-Rente vereinbaren, welche ein sorgenfreies Leben (aus finanzieller Sicht) bescheren würde und Deinen künftigen Status absichert.
Idealerweise kommen später mal massive Nachversicherungsgarantien und natürlich auch teilweise die Beitragsdynamik ins Spiel, aber bis dahin ist ein langer Weg und leider kann man bis zu dieser Etappe auch schwerer erkranken. 

Hast Du hingegen schon eine gewisse Karriere hinter Dir und möchtest eine BU-Rente in Höhe von 4.000 Euro vereinbaren (aufgeteilt auf zwei Versicherer, siehe “Fälle aus der Praxis – so sichern wir hohe Renten in der Berufsunfähigkeitsversicherung ab!”), so sind Deine grundlegenden Lebensunterhaltungskosten gedeckt. Hier entscheidet die Leistungsdynamik später mal darüber, wie hoch Deine ETF-Sparpläne ausfallen, ob Du zweimal oder dreimal im Jahr in den Urlaub fährst und ob Du bei Deinem Lieblingsitaliener ohne schlechtem finanziellen Gewissen noch eine Nachspeise orderst. 

Bei einer BU-Rente von 1.500 Euro wird bei Dir aber die nackte Panik herrschen, wenn diese über all die Jahre nicht mehr erhöht werden kann, aber z.B. die Mieten regelmäßig nur einen Weg kennen und dieser ist nicht nach unten. Hier finden wir eine Leistungsdynamik unabdingbar in der Berufsunfähigkeitsversicherung.


7. Wie hoch kann eine Leistungsdynamik eingeschlossen werden in der BU?

Hier hat sich ein Marktstandard bisher eingependelt, nämlich eine Leistungsdynamik von bis zu drei Prozent. Bei den meisten Anbietern einer BU sind nur feste Prozentsätze mit ein, zwei und drei Prozent möglich. Bei wenigen auch 0,5er Schritte oder gar 0,1er Schritte (z.B. bei der Alten Leipziger Berufsunfähigkeitsversicherung). 

Bei der Condor-Versicherung ist sogar eine garantierte Rentensteigerung von bis zu fünf Prozent möglich, wobei die Bayerische seinen versicherten Kunden maximal zwei Prozent anbietet. Es kann sein, dass in unseren Augen unbedeutende Versicherer noch aus dem “drei Prozent” Raster fallen, aber unsere Recherchezeit möchten wir jetzt mit dieser Frage nicht besetzen.


Fazit zur Leistungsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wir sind jetzt keine Verfechter wie manche Kollegen, welche die Leistungsdynamik zum einen als unbedingt notwendig ansehen oder auch zum anderen verteufeln. Zuerst sollten in unseren Augen immer erst die Hausaufgaben erledigt werden bzgl. der technischen Ausgestaltung. Das gilt insbesondere bei der Entscheidung, die maximale finanzielle Angemessenheit zu wählen sowie dem Endalter 67 Jahre. Sollten diese beiden Punkte passen, kann eine garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall auf jeden Fall Ihren Platz finden im Persönlichen BU-Vertrag. Danach kann über die Arbeitsunfähigkeitsklausel / Gelbe Schein Regelung nachgedacht werden. 
Für manche Berufsgruppen ist aufgrund mangelnder möglicher Absicherungshöhe in unseren Augen eine Leistungsdynamik aber unbedingt notwendig.