Prozessquote & Leistungsquote in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ist das wirklich so wichtig bei der BU? Nein!!!

Manche Vertriebe, unbedarfte Vermittler, reißerische Überschriften mancher Zeitschriften und nichtssagende 0815 Portale gehen mit zwei Kennzahlen hausieren – der Prozessquote sowie der Leistungsquote. Da werden Versicherer in den Himmel gelobt, die derzeit (!) eine gute Quote haben und Gesellschaften verteufelt, die eine niedrige haben. Warum wir diese Kennzahl für faktisch sehr sinnbefreit halten, erklären wir in diesem Beitrag. Dann müssen wir dies nicht alle zwei Wochen einem neuen Interessenten erklären ;-). Manchmal nervt es uns auch etwas, wenn man sich auf diese Kennzahl permanent einschießt und viel wichtigere Punkte außen vor gelassen werden.

Grundsätzlich ist die Frage „zahlt denn die Versicherung im Leistungsfall“ für den „Laien“ natürlich extrem wichtig. Aber nicht nur für ihn, sondern auch für uns ist außerordentlich wichtig, dass die Regulierung eines Leistungsfalles sauber von statten geht. Deshalb machen wir viel. Mehr als manch anderer.

Für uns sind die wichtigsten drei Parameter rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung folgende Punkte:

  1. Saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie, damit wir dem Versicherer kein Schlupfloch bieten, nicht leisten zu müssen. Wenn Du Dich ein bisschen auf unserer Homepage einliest, dann wirst Du sehen, dass wir sicherlich etwas genauer nachfragen als der durchschnittliche Vermittler. Wir geben dem Versicherer praktisch keine Chance, sich hier aus der Verantwortung zu ziehen.
     
  2. Gute und vernünftige Vertragsbedingungen. Nach diesen Punkten wird reguliert. Du kaufst Dir mit Deinem monatlichen Beitrag vor allem eines ein – nämlich um die 60-90 Seiten an Kleingedrucktem. Diese müssen passen. Keine Angst, wenn Du über uns abschließt, dann sorgt unsere Vorauswahl schon für sehr gute Vertragsbedingungen ohne Schlupflöcher.
     
  3. Im Leistungsfall werkeln wir definitiv (!) nicht am Leistungsantrag rum. Wir geben dies in professionelle Hände. Hier haben sich eine Handvoll von Versicherungsberatern einen sehr guten Namen deutschlandweit gemacht. Zu nennen ist hier z.B. Angela Baumeister (www.versicherungsberaterin.net). Wenn Du auf ihre Homepage klickst, dann bekommst Du ein Gefühl dafür, dass es sichtlich besser ist, den Schadensfall bei der Versicherung nicht selber zu melden. Es ist zudem natürlich ebenfalls besser, wenn Du keinen unbedarften Versicherungsmakler & Vertreter ranlässt. Da schließen wir uns gar nicht aus. Wir haben keine Erfahrung mit Schadensfällen und möchten auch keine machen.

Wenn Du Dich an diese drei Punkte hältst, dann fehlt uns ehrlich gesagt die Phantasie, wieso eine BU-Versicherung nicht leistet. Früher oder später.


Warum halten wir eine hohe Leistungsquote bzw. niedrige Prozessquote trotzdem für unsinnig?

Erste Frage an Dich: Weißt Du, wie sich der Bestand der Versicherungsgesellschaft zusammensetzt?

Wir geben Dir mal folgende Stichpunkte mit auf den Weg:

Bei Mini BU Renten wird eher geleistet

Über diverse Vertriebe (vor allem Banken und Strukturvertriebe) wurden jahrelang Lebensversicherungen mit BUZ Minirenten vermittelt verkauft. Wenn die Lebensversicherung einen monatlichen Beitrag von 40 Euro besitzt und noch 13 Jahre läuft, wie sinnig ist es dann für den Versicherer, hier diesen Leistungsfall genauer anzusehen, wenn es rein um die Übernahme des Hauptvertrages geht (sprich, Beitragsbefreiung)? Es ist für das Unternehmen günstiger, diesen Leistungsfall einfach durchzuwinken.
Das wirkt sich natürlich positiv auf die Leistungsquote bzw. Prozessquote in der Berufsunfähigkeitsversicherung aus.

Aussichtslose Fälle kommen gar nicht in die Wertung

Sind die Bedingungen extrem schlecht (besonders bei früheren Verträgen), dann wird sehr selten bei einer falschen Entscheidung geklagt. Verzichtet der Versicherer nicht auf eine abstrakte Verweisung, hat es wenig Sinn, hier vor ein Gericht zu gehen. Die Vertragsbedingungen sind klar. Zudem gibt es auch heutzutage noch verschiedene Tarife in der aktuellen BU-Welt. Ab und zu wird aus Kostengründen eine minderwertige Auswahl getroffen.

Gesellschaften ohne Neugeschäft sind besser gestellt

Ein Versicherer, welcher seit praktisch 10 Jahren keine Rolle mehr am BU Markt spielt, hat natürlich eine höhere Leistungsquote bzw. geringere Prozessquote. Nach 10 Jahren ist ein Großteil der gemachten Gesundheitsangaben passé (aber nicht alle, wie unser Kollege Torsten Breitag genüsslich in seinem Blogartikel „BGH IV ZR 277/14 – BU mit 10 Jahren Wartezeit?“) sezierte.

Hat aber eine Gesellschaft ihre Hausaufgaben gemacht & bekommt viele Neuanträge, steigert dies auch die potentielle Quote an Falschangaben

Es liegt in der Natur der Sache, dass „junges“ BU Geschäft viel anfälliger ist für abgelehnte Anträge als Verträge, die schon länger laufen (es sei denn, die Bedingungen sind schlecht, siehe oben). Wenn wir uns so manche Vertriebe und Verkäufer am Markt so ansehen und wie die Gesundheitsfragen im Antrag gestellt sind, finden wir es sogar extrem gut, wenn eine Versicherungsgesellschaft den Finger in die Wunde legt. Niemand möchte in einem Kollektiv daheim sein, wo Personen versichert sind, die dort eigentlich nichts verloren haben. Es ist daher nur folgerichtig, dass hier nicht geleistet wird, auch wenn es für den einzelnen natürlich tragisch ist. Aber jeder kann die Antragsfragen sauber lesen und unterschreibt diese dann auch. Man selber haftet dafür, nicht der nette Verkäufer von nebenan.

Versicherer, mit einer AU Klausel stehen sehr weit oben!

Bei einem Versicherer fällt es extrem stark auf, dass dieser sehr weit oben steht in der Leistungsquote: Die Condor Versicherung (diese ist ein guter Versicherer, nicht falsch verstehen). Sie hat schon vor etlichen Jahren eine AU (Arbeitsunfähigkeit) Klausel / Gelbe Schein Regelung eingebaut. Das bedeutet, dass schon bei einer sechsmonatigen Arbeitsunfähigkeit geleistet wird. Diese Leistungsfälle fließen auch in solche Bewertungen, obwohl es hierbei nur um ein kurzfristiges Anerkenntnis der Arbeitsunfähigkeit geht. Zudem ist bei der Condor das Neugeschäft in den letzten Jahren sicherlich nicht so angestiegen wie bei anderen Gesellschaften (vermittelte BU-Verträge von uns in den letzten fünf Jahren = null. Nach unserem Kenntnisstand wird die Gesellschaft auch von anderen versierten Versicherungsmaklern derzeit eher sehr selten vermittelt aufgrund der nicht wirklich ausgeprägten Fähigkeit in der Risikoprüfung).
Deshalb dürften in den nächsten Jahren Anbieter vorne stehen, welche eine starke AU-Klausel haben & besitzen. Achte also auch bitte darauf…


Der wichtigste Punkt ist aber = Was hilft Dir eine Kennzahl aus dem Jahr 2019, wenn der Leistungsfall im Jahr XY Eintritt?

Nehmen wir an, Deine BU Versicherung weigert sich im Jahr 2033 zu zahlen. Du gehst zum Richter, kramst eine graumelierte Folie aus dem Jahr 2019 hervor und sagst „Lieber Herr Richter, aber die Versicherung hatte im Jahr 2019 doch so eine tolle Leistungsquote und eine niedrige Prozesskostenquote. Was habe ich nur falsch gemacht?
Es dürfte das Gericht herzlich wenig interessieren.

Die Leistungsabteilung wandelt sich. Vor ca. 10 Jahren hatte die Nürnberger Versicherung einen nicht wirklich guten Ruf bei der Leistungsfallbearbeitung in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Jetzt sind die unter den Top 3, wenn man die Spezialisten so hört. Dafür hapert es derzeit bei einer Gesellschaft sehr stark, die sehr gerne von einem Dreibuchstabenvertrieb vermittelt wurde, vor allem an Akademiker und Studenten. Da läuft derzeit alles drunter und drüber, da viele Mitarbeiter die Abteilung gewechselt haben. Aber wir sind zuversichtlich, dass diese Probleme auch wieder alle behoben werden.

Wir sind keine Wahrsager, sondern Versicherungsmakler!

Was wir aber damit sagen möchten: Wir betätigen uns nicht als Hellseher. Wir haben keinerlei Ahnung darüber, welche Gesellschaft in 20 Jahren sauber reguliert. Darauf haben wir keinen Einfluss. Was wir aber tun können: Deine Gesundheitshistorie sauber aufbereiten, gute Vertragsbedingungen auswählen und Dich im Leistungsfall einem Spezialisten zuweisen. Was soll dann noch schief gehen? Wir wissen es selber nicht…

Der häufigste Grund für eine Nichtanerkennung:

Auf Platz 1 steht schlichtweg = der Kunde hat sich nicht mehr gemeldet. Aber die Versicherungsgesellschaft hat dies als abgelehnter Leistungsantrag in ihren Büchern (irgendwann) stehen…. Aber auch der zweite Grund ist klar und eindeutig. Nicht wenige versicherte Kunden möchten schon eine Leistung, obwohl die Voraussetzungen noch gar nicht erfüllt sind.


Fazit zur Prozessquote & Leistungsquote in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Wir hoffen, Du kannst nun verstehen, warum diese beiden Punkte bei uns in der Beratung eine sehr untergeordnete bis gar keine Rolle spielen. Wir sind keine Hellseher, sondern orientieren uns an den Sachen, die wir beeinflußen können. Saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie, gute Vertragsbedingungen, Weiterleitung an einen Spezialisten im Leistungsfall. Alles weitere liegt nicht in unserer Hand, was in 10, 20 oder 30 Jahren passiert. Aber wie schon erwähnt – es fehlt die Phantasie, warum dann nicht geleistet werden soll. Auch die Erfahrung von uns und unseren zahlreichen Kollegen ist eindeutig = es laufen alle richtigen (!) Leistungsfälle sauber ab. Mal etwas länger, mal etwas kürzer.

Einen sehr interessanten Beitrag zu dem Thema gab es auch von Stephan Kaiser im Versicherungsboten mit „Berufsunfähigkeitsversicherung - Leistungsquoten sind kein Kaufkriterium" 

Warum die Annahmequote ebenfalls absoluter Dünnpfiff zur Bewertung einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist, kannst Du auf unserem Blog nachlesen im Artikel „Die Annahmequote in der Berufsunfähigkeitsversicherung – eine völlig irrelevante Kennziffer!

Ganz zum Schluss: Gebt es doch zu = Ihr habt doch insgeheim auch Favoriten in der Leistungsfallabwicklung?

Jein. Wir sind bekanntlich keine Hellseher, aber zwei Gesellschaften stechen in unseren unzähligen Gesprächen und Recherchen sehr hervor. Bei beiden wird wohl extrem lösungsorientiert gearbeitet, und es menschelt sehr in der Leistungsfallprüfung. Zum einen die LV 1871, zum anderen der Volkswohl Bund. Beides übrigens Versicherungsunternehmen, welche keine besonderen Kennzahlen aufweisen bei der Prozessquote wie auch der Leistungsquote.