Anrechnung Versorgungswerkes Berufsunfähigkeitsversicherung

Durch unseren Webauftritt ziehen wir vermehrt immer mehr Ärzte & Studenten der Humanmedizin an, welche sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung interessieren. Dies freut uns natürlich sehr. Zum einen, da diese Berufsgruppe die unheimlich wichtigen Gesundheitsfragen i.d.R. sehr kompetent beantworten können, zum anderen aber freuen wir uns, wenn man sich aus den „Klauen“ von diversen Strukturvertrieben mit drei oder vier Buchstaben befreien konnte. Viele Versicherungsmaklerkollegen machen eine tolle Arbeit, bei manchen Vertrieben sieht´s aber leider anders aus.

So sind (angehende) Ärzte oftmals ein leichtes „Opfer“ für überteuerte und unflexible Verträge. Man verdient ja gutes Geld, irgendwie tut der Beitrag für die (Kombi) Berufsunfähigkeitsversicherung nicht weh und außerdem macht die Gegenseite einen rhetorisch guten Eindruck. Aber wir möchten jetzt nicht zu weit ausholen, mancher Mediziner dürfte sich im Beitrag „Mein "Berater" (an der Uni...) empfiehlt mir die Kombination aus Berufsunfähigkeit mit der Altersvorsorge?! wiedererkennen. Mit diesem Beitrag möchten wir auf das Thema der verschiedenen Anrechnung des Versorgungswerk eingehen. Hier gibt es (leider) keine pauschale Regelung. Besonders, wenn Du eine sehr hohe Absicherung möchtest, musst Du die verschiedenen Anrechnungen der finanziellen Angemessenheit beachten. Mit der richtigen Strategie kannst Du locker 1.000-1.500 Euro mehr absichern.

Wirklich? Ist die finanzielle Angemessenheit & Anrechnung des Versorgungswerk soooo unterschiedlich in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ja, dass ist sie. Schauen wir uns verschiedene Anbieter an, welche in unserer persönlichen Beratung für Ärzte zur Berufsunfähigkeitsversicherung nach dem heutigen Stand in Frage kommen würden.

Die LV 1871 (derzeit fast gesetzt für Ärzte bei uns) rechnet die BU-Rente des Versorgungswerk erst ab einer privaten monatlichen Berufsunfähigkeitsversicherungsrente von 3.000 Euro an.

Das heißt, dass bis zu einer monatlichen privaten BU-Absicherung von monatlich bis zu 3.000 Euro keinerlei Anrechnung gemacht wird. Hier folgt nur die normale finanzielle Angemessenheitsprüfung der LV 1871, welche wie folgt aussieht:

Möchtest Du direkt 3.100 Euro absichern, so würde eine Anrechnung der Absicherungshöhe des Versorgungswerkes erfolgen.

Kurzer Exkurs: Wir empfehlen im Moment generell aber keine Absicherung bei einem Anbieter von über 2.500 Euro, da dies zu einigen Nachteiligen führt. Wir präferieren bei Medizinern und generell Akademikern die sogenannte Zwei-Vertragslösung in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Der eigentlich sehr geschätzte Volkswohl Bund hat es ähnlich gelöst, hier erfolgt die Anrechnung aber schon ab 500 Euro früher

Nein, diese Aussage stimmt von uns nicht mehr. Im Februar 2021 hat man unser Wehklagen in Dortmund (Sitz des Versicherer) endlich erhört hat und hat die Obergrenze zur Anrechnung massiv (!) nach oben gesetzt. Nun erfolgt eine Anrechnung erst ab 50.001 Euro p.a.. Löblich. Aufgrund der sehr guten und individuellen Risikoprüfung bei einer anonymen Risikovoranfrage macht der Volkswohl Bund nochmals einen Schritt zur Attraktivität für Ärzte und Co. 


Weiterer Exkurs: Das Versorgungswerk schützt Dich nur in extremen Fällen

Die Absicherung über das Versorgungswerk ist bei Dir automatisch mit dabei – quasi als „Kostenfreier“ Teil des Pflichtbeitrages. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Soviel zum positiven Teil.

Das Versorgungswerk ist aber nur eine absolute Existenzabsicherung. Die Leistung erfolgt erst bei 100 %tiger Berufsunfähigkeit. Bei der Privaten Berufsunfähigkeitsversicherung muss nur ein Grad von 50 % erreicht werden.
Das schlimme: Bei der Beurteilung der 100 % wird nicht die konkrete bisherige Tätigkeit als Maßstab angenommen, sondern es wird vielmehr abstrakt / theoretisch geprüft, ob das Versorgungswerksmitglied seine beruflichen Fähigkeiten noch anderweitig irgendwie wirtschaftlich nutzen kann.

Zitieren wir mal das Versorgungswerk aus NRW (zwar für Architekten, ist für Ärzte aber ähnlich geregelt):

Solange ein Mitglied des Versorgungswerks noch in der Lage ist, irgendeine der berufsspezifischen Aufgaben auszuüben, muss es sich darauf verweisen lassen, wobei eine Teilzeitbeschäftigung ausreicht. Auf die Situation des Arbeitsmarktes bzw. eine Vermittelbarkeit kommt es nicht an. Mit anderen Worten: Es wird vollständige Berufsunfähigkeit vorausgesetzt.

Quelle:  https://www.vw-aknrw.de/mitglieder/angestellte/informationen-zur-berufsunfaehigkeitsrente/

Wir denken, es versteht sich von selber, weshalb eine Private Berufsunfähigkeitsversicherung für (angehende) Ärzte und Mediziner unabdingbar ist. Nur schade irgendwie, dass trotzdem eine (sehr unterschiedliche) Anrechnung der verschiedenen Anbieter erfolgt.


Die Basler Versicherung als relativer Newcomer in der hochwertigen Absicherung der Arbeitskraft geht einen ganz anderen Weg und rechnet ab dem ersten Euro das Versorgungswerk an – hier aber erst nur zu 25 Prozent.

Schon sehr seltsam. Möchte man z.B. bei einer 2-Vertragslösung die Basler Berufsunfähigkeitsversicherung mit einbauen, so macht es durchaus Sinn, erst bei der anderen Gesellschaft die gewünschte Absicherungshöhe von z.B. 2.500 Euro abzusichern, da hier keinerlei finanzielle Anrechnung erfolgt. Möchte man nun erhöhen, so ist die Anrechnung von 25 % geringer als die 50 %.

Die Alte Leipziger ist so etwas wie ein Dauerbrenner unter Medizinern. Vor 10 Jahren völlig nachvollziehbar, aktuell gibt es jetzt keine wirklich besonderen Gründe, wieso der Versicherer das Non-Plus Ultra darstellen soll. Wahrscheinlich erfolgt ein großer Pusch durch diverse Vertriebe, die angeblich auf Mediziner spezialisiert sind. Lassen wir das mal so stehen…
Bei der Alten Leipziger wird das Versorgungswerk aber ab 36.000 Euro Jahresrente angerechnet.

Die exakt selbe Anrechnung des Versorgungswerk bietet auch die Nürnberger Versicherung an.

Die beiden Versicherer mit der höchsten Anrechnung kommen aus München & Hannover

Meint man gar nicht, aber die Bayerische hat sich extrem gemausert in den letzten Jahren und ist wirklich ein ernstzunehmender Player geworden, spätestens mit dem Tarifupdate im September 2020, siehe „Die Bayerische hört auf Versicherungsmakler und verbessert mächtig ihre Berufsunfähigkeitsversicherung!“. Die Münchener rechnen das Versorgungswerkerst ab einer privaten BU-Rente von über 50.000 Euro an

Das ist schon mal eine gehörige Messlatte. Da denkt auf jeden Fall jemand mit – Daumen nach oben. Sehr praxisorientiert.

Einen ähnlichen Weg geht ein typischer BU-Versicherer für Mediziner mit dem HDI. Hier erfolgt auch erst eine Anrechnung ab einer Gesamtjahresrente von 48.000 Euro, was immerhin 4.000 Euro im Monat entspricht.

Wir würden es somit sehr begrüßen, wenn weitere Gesellschaften den Weg der Bayerischen sowie von der HDI gehen würden. Die Absicherung über das Versorgungswerk ist für Ärzte leider eine minimale Existenzabsicherung.

Fassen wir also die unterschiedliche Anrechnung beim Versorgungswerk zusammen:

  • Basler rechnet ab dem ersten Euro 25 Prozent an
  • Die HDI BU nimmt das Versorgungswerk erst ab 4.000 Euro monatlicher Rente zur Kenntnis, dann aber zu 50 Prozent
  • Bei der Bayerischen ab einer privaten BU Rente ab 50.000 Euro p.a.
  • Der Volkswohl Bund macht dies schon ab einer monatliche Rente von 2.501 Euro zu 50 %
  • Die Alte Leipziger rechnet 50 % des Versorgungswerk ab 3.000 Euro privater BU-Rente an
  • Ebenso ist dies bei der LV 1871 und bei der Nürnberger so geregelt

Wie wichtig ist jetzt die Anrechnung des Versorgungswerk in der Praxis für mich?

Zuallererst muss natürlich gesagt werden, dass die saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie das A und O darstellt. Dies wird leider nicht überall so genau genommen, wir rücken von unserem Standpunkt aber definitiv nicht ab. Wie unsere Beratung zur Arbeitskraftabsicherung generell aussieht, findest Du im Artikel „Unabhängige Beratung in der Berufsunfähigkeitsversicherung“ vor. Oftmals wird durch Deine Gesundheitshistorie und somit verbundenen Vorerkrankungen oder auch durch etwaige Hobbys das Feld eh schon recht dezimiert, nachdem die anonyme Risikovoranfragegestellt wurde. Anschließend folgt ein Vergleich der Versicherungsbedingungen – wobei wir diese (da unser täglich Brot) eh schon relativ auswendig kennen. Die Empfehlung für einen Allgemeinarzt wird sich nicht wöchentlich bei uns ändern. Festzuhalten gilt, dass Gesellschaften wie die Allianz und die Alte Leipziger nicht die Vorreiterrolle spielen, wie mancher Vertrieb es zu erscheinen vermag. Alles in allem sind beide OK, aber derzeit nicht unsere erste Wahl.

Neben der Anrechnung des Versorgungswerk ist natürlich auch die allgemeine finanzielle Angemessenheit wichtig!

Diese sollte auch nicht außer Acht gelassen werden. Positives Beispiel ist hierbei wiederum die Bayerische mit:

Bei der Bayerischen kann in der Berufsunfähigkeitsversicherung bis zu 60 % des Bruttojahreseinkommen abgesichert werden – bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Der Volkswohl Bund aus Dortmund ist hier leider nicht so offen und hat eine sehr komplizierte Berechnung mit:

Wie Du siehst, ist alles nicht so ganz einfach und es sollte unter keinen Umständen einfach ein Antrag abgeschlossen werden. Ggf. musst die richtige Reihenfolge beachtet werden. Komm bitte auch weg von dem Gedanken, dass generell 70 % vom Nettogehalt reichen, wie es z.B. die Finanztest oft empfiehlt. Die richtige Absicherungshöhe spielt im Artikel „Berufsunfähigkeitsversicherung Konfiguration – welche Parameter sind für mich wichtig?“ eine große Rolle.

Trick 17 – es gibt einen Anbieter, wo bis zu 2.205 Euro BU-Rente keine Anrechnung erfolgt!

Mit einem Versicherer gibt es ein Sonderkonzept, wo bis 2.205 Euro keine Anrechnung erfolgt & die Gesundheitsfragen zudem überschaubar sind. Dies ist exklusiv aber nur für Mediziner gedacht. Somit könntest Du also immer diesen „Schnaps“ obendrauf versichern, da es bei diesem Konzept die finanzielle Angemessenheit keine Rolle spielt. Ideal auch für Ärzte, die eine Praxisfinanzierung absichern möchten in der Berufsunfähigkeitsversicherung oder einfach erhöhten Bedarf haben aufgrund des beruflichen Aufstieges.
Sprich uns bitte darauf explizit an, einen weiterführenden Link können wir Dir leider nicht geben.


Fazit zur Anrechnung des Versorgungswerkes in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Wie Du siehst, unterscheiden sich die Anbieter teilweise eklatant. Kläre diese Frage bitte vorher mit Deinem versierten Versicherungsmakler ab, ansonsten wird Dir die angedachte BU-Rente vielleicht sogar gekürzt. Ab und zu muss wirklich erst der eine Antrag gestellt und die Policierung abgewartet werden, bevor mit dem zweiten Antrag begonnen werden kann. Dieser Blogbeitrag betrifft natürlich nicht nur Mediziner im Versorgungswerk, sondern auch alle anderen Berufsgruppen, welche durch ihre Mitgliedschaft im Versorgungswerk einzahlen.

Aber auch hier gilt = über allem steht natürlich erst einmal die saubere Aufbereitung der etwaigen Stolpersteine. Die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein 100-Meter Lauf, sondern eher mit einem Halbmarathon zu vergleichen. Du möchtest es ja auch, dass es zu 100 % passt.