Welche Höhe sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben?

Es hält sich leider von manchen Verbraucherzentralen und “Fachzeitschriften” immer noch der Mythos, dass eine Absicherung von 75 Prozent des Nettogehaltes in der Berufsunfähigkeitsversicherung genügt. Das ist aber ehrlich gesagt Quatsch. Warum? Das erklären wir Dir anschaulich in diesem Artikel.

1. Folgende Abgaben erwarten Dich im BU Leistungsfall = die passende Rentenhöhe!

Leider begegnen uns in zweierlei Hinsicht zu geringe Rentenhöhen in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Zum einen in uralt Policen. Meistens schlossen die Eltern (gut gemeint!) bei der hiesigen Bank oder ihrem Versicherungsvermittler vor Ort eine Berufsunfähigkeitsversicherung für unter 1.000 Euro ab. Oftmals begegnen uns aber auch noch Versicherungsscheine mit einer Absicherungssumme von um die 500 Euro.

Aber auch heutzutage sehen wir immer noch Angebote und abgeschlossene Policen mit 1.000 Euro. Haben unsere Vermittlerkollegen “Angst”, sonst nicht zum Zug beim Kunden zu kommen? Die BU-Versicherung ist nämlich keine günstige Versicherung. Die Statusabsicherung kostet Geld und viele Vermittler denken wohl “Bevor mein Kunde jetzt keine Versicherung abschließt, mache ich lieber das Geschäft mit einer geringen Absicherung”. Das ist leider viel zu kurz gedacht.

Das sind die Abzüge im Leistungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Kommen wir direkt zum Tenor, welche Abzüge Dich im Leistungsfall erwarten würden. Nehmen wir an, Du verdienst 60.000 Euro Brutto im Jahr in folgender Konstellation:

Quelle der jeweiligen Berechnungen: https://www.brutto-netto-rechner.info/ 

Das würde ein monatliches Nettogehalt von ca. 3.000 Euro ergeben.

Hoffentlich sind wir uns jetzt einig, dass eine Absicherung von 1.200 Euro Deinen Lebensstandard nicht darstellen kann. Wie sieht es aber aus, wenn man die Empfehlungen von diversen Internetseiten, Verbraucherzentralen oder weiteren Vermittlern am Markt beherzigt und eine Höhe von 75 Prozent des Nettogehaltes absichert? Das wären dann 2.250 Euro. Klingt schon besser. 

Aber welche Abzüge sind im Leistungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu erwarten?

1.A.: Du musst weiterhin Krankenkassenbeiträge entrichten trotz Berufsunfähigkeit!

Gehen wir vom wahrscheinlichsten Fall aus, dass Du berufsunfähig wirst, aber keine Erwerbsminderungsrente vom Staat bekommst.
Kurzer Exkurs = Leistungen von staatlicher Seite zu bekommen sind extrem schwer und langweilig - man muss quasi schon tot sein, um eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen.

Wirst Du berufsunfähig, wirst Du freiwillig gesetzlich krankenversichert. Sämtliche Einnahmen werden Dir hier angerechnet (auch Zinsen und Mieteinnahmen).
Es fällt der komplette Kranken- und Pflegebeitrag mit vollem Beitragssatz an, dieser kann sogar bis zu 20 % ausmachen.

Aufgeteilt ist der Beitrag in den Krankenkassenbeitrag (ca. 14,6 %), den Zusatzbeitrag der Krankenkasse (durchschnittlich 1,3 %) und den Pflegeversicherungsanteil (mit Kindern = 3,05 % / ohne Kinder = 3,3 %). (Sämtliche Werte Stand 2021)

Die Beitragssätze steigen übrigens (auch dank Corona) in der gesetzlichen Krankenversicherung noch eher an, als dass sie fallen. Den Beitrag zur Krankenversicherung musst Du nun selber entrichten auf Deine Einnahmen. Die einfache Faustformel wäre hier jetzt:

Faustformel BU Rente * 0,81

Wir gehen also von einem Abzug von 19 Prozent aus. In manchen Konstellationen ist dies schon der Fall, in einigen Jahren könnte es für alle GKV-Versicherte so sein.
Von Deinen abgesicherten 2.250 Euro bleiben also nur noch ca. 1.818 Euro übrig, wie man auch an folgender Grafik sieht:

Berufsunfähigkeitsrente2.250 €
- 14,6 % Krankenkassenbeitrag- 328,50 €
- 1,3 % Zusatzbeitrag der Krankenkasse- 29,25 €
- 3,3 % Pflegeversicherungsbeitrag- 74,25 €
- Steuerabgaben- 0 €
= Netto Berufsunfähigkeitsrente= 1.818 €

Bist Du privat krankenversichert? 

Dann musst Du den vollen Beitrag nun selbstständig bezahlen im Falle der Berufsunfähigkeit. Wie auch schon im normalen Arbeitsleben muss man sich eine Private Krankenversicherung auch im Leistungsfall leisten können. Hier gibt es keine prozentuale Anrechnung auf Deine BU-Rente, sondern Du musst den kompletten Beitrag für die PKV und Pflegepflichtversicherung aus eigener Tasche zahlen.

Wir sind im Bezug der PKV auch immer ehrlich - diese muss man sich leisten können. Im Arbeitsverhältnis, aber auch erst recht im Falle der Berufsunfähigkeit. Wir halten generell nix von leistungsschwachen Tarifen, sondern plädieren für Top-Leistungen. Immerhin geht es um Dein wichtiges Gut - Deine Gesundheit. So sind Monatsbeiträge von 600-700 Euro in der PKV keine Seltenheit.
PS: Natürlich gibt es Beitragserhöhungen in der PKV, diese fallen aber im Vergleich zur GKV geringer aus (siehe “Beitragssteigerungen in der PKV – ein Mythos oder ein wahrer Schrecken?”). Wirst Du berufsunfähig, kann eine zu geringe BU-Rentenhöhe aber stark nach hinten losgehen. Du musst nun den vollen Beitrag selber entrichten. Beträgt dieser 700 Euro, werden von Deinen 2.250 Euro also noch 700 Euro (1.550 Euro BU Rente) abgezogen und die Beiträge werden noch weiter steigen aufgrund des medizinischen Fortschritts und der allgemeinen Inflation.
Bist Du also privat krankenversichert, so ist eine hohe, ja maximal ausgereizte Rentenhöhe extrem wichtig in der BU.
Zum einen, um die Beiträge weiterhin sauber entrichten zu können, zum anderen möchtest Du sicherlich Deinen gewohnten Lebensstandard aufrecht erhalten können. 

Auch später im wohlverdienten Ruhestand, denn hier lauert die größte tickende Zeitbombe…

 

1.B.: Du zahlst keinen Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung im Leistungsfall!

Das ist in unseren Beratungsgesprächen zur Berufsunfähigkeitsversicherung immer der Punkt, welcher faktisch nicht bekannt ist. Der Grund ist aber so banal wie einfach

Arbeitest Du nicht mehr, zahlst Du auch keinen Cent mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein

Auch wenn Dir jetzt vielleicht die 1.800 Euro mtl. BU-Rente nach Abzug aller Kosten gerade noch genügen, verschiebst Du die Thematik der Altersarmut nur nach hinten und Du fällst beim Eintreten in den wohlverdienten Ruhestand bzw. Ende der Laufzeit extrem hart. 

Schauen wir uns das am obigen Beispiel wieder an mit den 60.000 Euro Bruttogehalt pro Jahr:

Vielleicht hast Du bisher nur angenommen, dass nur Du die knapp 500 Euro in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auch der Arbeitgeber (das merken wir übrigens auch Monat für Monat ;-) ). zahlt den identischen Teil in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Insgesamt werden in dieser echten Rechnung also knapp 1.000 Euro (970 Euro um es genau zu nehmen) von dir / für dich in die Gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Wirst Du berufsunfähig, entfällt dieser Anteil. Das merkst Du zwar nicht im Moment, aber später entfalten die entgangenen Entgeltpunkte ihre Wirkung = die Altersarmut rückt sehr, sehr nahe.

Möchtest Du der Altersarmut entfliehen, musst Du eine hohe BU-Rentenhöhe besitzen!

Damit Dir später nicht die leidige Thematik vor die Füße fällt, musst Du Deine Altersvorsorge in eigene Hände nehmen. Das klappt aber nur, wenn Du ausreichend finanzielle Mittel besitzt. Der schönste Fondssparplan, Immobilienerwerb oder sonstiges Absparen klappt bekanntlich nur, wenn Du finanziell gut ausgestattet bist. Dein ETF-Sparplan hilft Dir später vielleicht mal, aber wenn Du Dir diesen jetzt nicht leisten kannst im BU-Fall, dann ist die schönste Hochrechnung passe.
In unserem Beispiel eines GKV-Versicherten bleiben bei 2.250 Euro mtl. also noch ca. 1.250 Euro effektiv, da wir 1.000 Euro für die Altersvorsorge einplanen. Dies ist übrigens auch nur der absolute Mindestsatz. Die Einzahlung der obigen 970 Euro wären später mal “Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel”. Wir vergessen auch immer die große Wirkung der Inflation und des damit verbundenen Kaufkraftverlustes. 

Von den 1.250 Euro musst Du nun also Deinen Lebensunterhalt bestreiten. Miete bezahlen. Urlaub ist somit wohl gestrichen. Familie zu ernähren ist auch nicht mehr so einfach.

 

Je jünger Du berufsunfähig werden solltest, desto größer ist das Risiko der späteren Altersarmut. 

Mit 59 Jahren, einem schönen Aktiendepot, einer abbezahlten Immobilie und erwachsenen Kindern ist die Thematik nicht mehr so dramatisch. Aber mit 39 Jahren und noch theoretischen 28 Jahren zum Einzahlen in die gesetzliche Rentenversicherung und somit keinem Sammeln von Entgeltpunkten winkt Dir später die Grundsicherung bei einer zu niedrig angesetzten BU-Rente.

Ich hab eine hohe Absicherung über das Versorgungswerk, dass passt dann doch?

Als Mediziner, Rechtsanwälte, Steuerberater und Co. meint man eine umfangreiche Absicherung über das Versorgungswerk zu besitzen. Dem ist aber nicht so. Eine Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es nämlich auch nur, wenn Du zu 100 % (statt 50 % wie in einer privaten BU) berufsunfähig bist. Das ist nur sehr schwer zu erreichen. 

Das haben auch die Versicherer erkannt und erheben teilweise erst ab 50.000 Euro privater BU-Rente eine Anrechnung der Leistungen des Versorgungswerkes. Eigentlich logisch, denn die minimale Absicherung der Erwerbsminderungsrente wird ja auch nicht angerechnet.

 

Welche steuerlichen Abzüge gibt es im Leistungsfall?

Diese sind insbesondere bei der selbstständigen & eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung mehr als zu vernachlässigen. Die Auszahlungen bei der selbstständigen BU werden steuerlich als abgekürzte Leibrente behandelt. Das heißt, es muss nur der Ertragsanteil besteuert werden. Die Thematik ist umfangreich durch den Paragraphen §55 der Einkommenssteuer-Durchführungsverordnung kurz EStDV geregelt.

Der Ertragsanteil setzt sich aus dem Alter beim Leistungseintritt und der voraussichtlichen Leistungs-Bezugsdauer zusammen. Je älter Du also bist, wenn der Leistungsfall eintritt, desto geringer ist auch der zu versteuernde Betrag. Also zu diesem Punkt sei gesagt, die Steuern bei einer SBU sind bei den Abgaben das geringste Übel.

Schauen wir es uns jetzt aber schnell mal graphisch an:

Restlaufzeit
Ertragsanteil
Restlaufzeit
Ertragsanteil
1 Jahr0 %25 Jahre26 %
2 Jahre1 %26 Jahre27 %
3 Jahre2 %27 Jahre28 %
4 Jahre4 %28 Jahre29 %
5 Jahre5 %29 Jahre30 %
6 Jahre7 %30 Jahre30 %
7 Jahre8 %31 Jahre31 %
8 Jahre9 %32 Jahre32 %
9 Jahre10 %33 Jahre33 %
10 Jahre12 %34 Jahre34 %
11 Jahr13 %35 Jahre35 %
12 Jahre14 %36 Jahre35 %
13 Jahre15 %37 Jahre36 %
14 Jahre16 %38 Jahre37 %
15 Jahre16 %39 Jahre38 %
16 Jahre18 %40 Jahre39 %
17 Jahre18 %41 Jahre39 %
18 Jahre19 %42 Jahre40 %
19 Jahre20 %43 Jahre41 %
20 Jahre21 %44 Jahre41 %
21 Jahre22 %45 Jahre42 %
22 Jahre23 %46 Jahre43 %
23 Jahre24 %47 Jahre43 %
24 Jahre25 %48 Jahre44 %

Sagen wir mal, Du schließt die BU mit 30 Jahren ab und wirst mit 37 Jahren berufsunfähig und bist bei einer Absicherungshöhe von 3.500 Euro angekommen. Das sind jährlich 42.000 Euro an Einnahmen. Davon werden 30 % angerechnet bzw. sind steuerpflichtig, was wiederum 12.600 Euro sind.

Der aktuelle steuerliche Grundfreibetrag nach § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) liegt im Jahre 2022 für Einzelpersonen bei 9.984 Euro. In 7 Jahren dürfte dieser erheblich höher sein - siehe auch folgende Graphik:

JahrGrundfreibetragErhöhung absolutErhöhung prozentual
20229.984 €240 €2,5 %
20219.744 €336 €3,6 %
20209.408 €240 € 2,6 %
20199.168 €168 €1,9 %
20189.000 €180 €2,0 %
20178.820 €168 €1,9 %
20168.652 €180 €2,1 %
20158.472 €118 €1,4 %

Ziehen wir diesen Grundfreibetrag ab, so verbleiben noch ca. 2.500 Euro jährlich, welche Du dann schlussendlich versteuern musst.
Von Deinen 3.500 Euro abgesicherte BU-Rentenhöhe werden dann maximal 50 Euro monatlich abgezogen in dieser Hochrechnung. Die Werte sind also sehr überschaubar und deshalb gehen wir weniger darauf ein.

Ganz anders sieht es hingegen bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung über Schicht 1 (Basisrente) bzw. über die betriebliche Altersvorsorge aus. Hier wird (bald) ab dem ersten Euro die Steuerlast fällig. Auch aus diesem Grund sind wir keine großen Freunde von einer Kombination, wie Du auch unter “Kombination aus Berufsunfähigkeit mit Altersvorsorge sinnvoll?” nachlesen kannst. Es gibt aber eine Gesellschaft, welche vereinfachte Gesundheitsfragen in Zuge einer Rüruprente bis zu 2.000 Euro anbietet - dies kann evtl. eine sinnvolle Lösung sein. Mehr Infos dazu unter "Vereinfachte Gesundheitsfragen der HDI für alle Berufsgruppen in der BU, aber mit Kopplung der Basisrente". 
Eine Basis / Rürup Rente finden wir in bestimmten Konstellationen sehr sinnvoll, wie wir es auch im Artikel “Was ist die beste Basisrente & welche empfehlen wir?” beschrieben haben. Dann aber bitte getrennt. 

Wie hoch sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung also bei 5.000 Euro Brutto im Monat sein?

Bei den meisten Anbietern können 60 Prozent vom Bruttogehalt abgesichert werden. Das sollte auch immer das Ziel sein. Im obigen Beispiel wäre dies eine Rentenhöhe von 3.000 Euro mtl. BU-Rente gewesen. Zudem empfehlen wir auch eine garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall von mindestens zwei Prozent. Warum man sich nicht nur auf die Überschüsse verlassen sollte, kannst Du unter “Fallende Überschüsse im Leistungsfall Berufsunfähigkeitsversicherung 2021” nachlesen.
Somit hätte unser Musterkunde viel mehr Luft zum Atmen. Zum einen besitzt man schon zu Beginn eine ausreichende Höhe der BU, zum anderen steigt diese über all die Jahre im Leistungsfall auch an um den Kaufkraftverlust auszugleichen sowie stärker steigende Kosten bei der Miete oder auch bei PKV-Versicherten. Bitte denke immer daran, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung in unseren Augen eine Statusabsicherung darstellt. Dir soll es im Fall der Fälle zumindest finanziell so gut gehen wie vorher - Dein Status soll gesichert werden. Wenn Dir dieser egal ist, benötigst Du keine BU. Das sagen wir jetzt mal so direkt… Wir wissen selber, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht unerheblich ist von den Kosten her, aber diese sichert eben Dein Leben bei einer längerfristigen Krankheit so ab, als wie es vorher war - zumindest werden Dir Deine finanziellen Sorgen idealerweise abgenommen.  

Ebenso sollte auch die Beitragsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung zumindest in den ersten Jahren immer angenommen werden. Die BU wird hier nicht nur jedes Jahr teurer, sondern auch die Leistungen steigen. Bitte setz die Beitragsdynamik zum einen nicht zu gering an, zum anderen widerspreche dieser vor allem zu Beginn nicht (je später Du diese annimmst, desto teurer wird es auch für dich). 

Für Selbstständige gelten dieselben Parameter. Wenn keine Einnahmen vorhanden sind, dann sieht es zappenduster mit dem Lebensstandard, seiner Statusabsicherung sowie dem wohlverdienten Ruhestand aus.


2. Wie viel kann und darf ich eigentlich absichern in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Problem hoffentlich erkannt. Jetzt wirst Du Dir eventuell sagen “Ja, dann sichere ich doch einfach 5.000 Euro mtl. BU Rente ab, dann bin ich auf der sicheren Seite”. Idee ist gut, scheitert aber wahrscheinlich an der Umsetzung.
Es gibt nämlich die finanzielle Angemessenheit in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Salopp gesagt sagt diese aus, dass Du Dich nicht überversichern darfst, da es sonst attraktiver wäre nicht zu arbeiten (=berufsunfähig zu sein), anstatt am Erwerbsleben teilzunehmen. 

Sehen wir uns bei drei Anbietern die maximale Rentenhöhe in der BU an:

Die LV 1871 bietet 60 Prozent Absicherungshöhe an:

 

Pauschal gehen erstmals 60 Prozent, sichert man aber über 40.000 Euro BU-Rente ab (weitere Absicherungen anderer Anbieter werden angerechnet) kommt die sogenannte 80 / 50 Regelung zur Geltung.
Möchte man also direkt 3.500 Euro oder mehr absichern an maximaler Angemessenheit, so müsste man etwas taktieren und vielleicht erst die LV 1871 abschließen und im zweiten Schritt dann einen zweiten Vertrag.

Beim Volkswohl Bund gibt es folgende, eher seltsame Regelung:

Die Anrechnung des Nettogehaltes ist eher sehr selten, beim Volkswohl Bund ist es im Moment aber noch so. Für verheiratete BU Interessenten mit Kindern kann dies eine vorteilhafte Regelung sein, als kinderloser Single gerät man hier eher an eine gedämpfte BU-Rentenhöhe.

Die Alte Leipziger bietet sogar ⅔ des Bruttogehaltes an als Rentenhöhe

Somit wäre man jetzt hier der Spitzenreiter. Der Markttrend geht jetzt aber eindeutig in Richtung 60 % bzw. ⅔ des Bruttogehaltes - auch die BU-Versicherer entdecken langsam das Dilemma mit den Abzügen im Leistungsfall. 

Du kannst zwar die Höhe Deiner Berufsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich frei bestimmen, nach oben gibt es aber gewisse Grenzen.
Interessant wird die Betrachtungsweise der Beitragsdynamik. Bei gewissen Anbietern folgt ab einer Absicherungshöhe von 2.500 Euro wiederum eine Prüfung der finanziellen Angemessenheit, bei wiederum weiteren Anbietern gibt es ein Endalter der Dynamik mit vielleicht 55 Jahren. Das ist ganz unterschiedlich im Detail. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsversicherung aufgrund einer Beitragsdynamik obliegt also auch immer einer gewissen Grenze und fließt nicht automatisch durch.

Wie hoch Deine Berufsunfähigkeitsversicherung sein soll, beeinflusst somit auch die jeweilige finanzielle Angemessenheit der Gesellschaft.


3. Möchtest Du eine hohe BU-Rente absichern, musst Du auf gewisse Spielregeln achten!

Bei uns fragen sehr viele (angehende) Akademiker wie Ärzte, Ingenieure, Physiker, Informatiker und Co. an - hier gibt es immer schon eine realistische Vorstellung, wie hoch eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein sollte (man liest wohl löblicherweise unsere Artikel….). 

So sind Absicherungssummen von 3-4.000 Euro an monatlicher BU-Rentenhöhe keine Seltenheit, sondern eher für uns Alltag. Möchte man so hoch absichern, muss man aber auf gewisse Spielregeln achten, welche wir ganz kurz anschneiden.

3.A.: Die Gesundheitsfragen werden umfangreicher & eine ärztliche Untersuchung folgt

Möchtest Du (i.d.R.) über 2.500 Euro bei einem Anbieter absichern, so gibt es einerseits einen Extra-Fragebogen mit einem zum Teil unbegrenzten Abfragezeitraum statt wie üblich fünf Jahren. Beispiel der Nürnberger Versicherung:

Kannst Du die Frage nach “jemals” wirklich korrekt beantworten? Wenn ja, dann gratulieren wir Dir zu einem phänomenalen Gedächtnis. 

Teilweise wird sogar nach Erkrankungen von Verwandten (!) gefragt

Andererseits folgt eine (unnötige) ärztliche Untersuchung, wie man am Beispiel der Alten Leipziger sieht:

Du gehst also völlig unnötige Risiken ein, wenn Du eine hohe Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Anbieter abschließen möchtest. 

3.B.: Bei einer jetzt schon hohen BU-Rente entfallen alle Nachversicherungsmöglichkeiten

Für viele unserer Interessenten ist beim Gehalt noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Beitragsdynamiken federn zwar normale Gehaltserhöhungen ab, aber keine Sprünge.
Dafür eignen sich Nachversicherungsgarantien. Diese enden aber oft bei 2.500 Euro. Sicherst Du direkt 2.500 Euro ab, so hast Du bei den meisten Anbietern keine Chance mehr, zu erhöhen. Würdest Du in diesem Fall 2*1.250 Euro absichern, so hättest Du noch wunderbare Nachversicherungsgarantien für die Zukunft. 

Hierbei muss anschließend auch wieder unterschieden werden zwischen der ereignisabhängigen sowie der ereignisunabhängigen Nachversicherungsgarantie. Je nach geplantem Karriereverlauf sollten wir gemeinsam mit Dir verschiedene Konstellationen schon durchspielen, wenn eine gewisse Karriere geplant wird. Mit einer Ein-Vertragslösung machst Du Dir diese schöne Konstellation zu Nichte (wenngleich einige Anbieter mittlerweile flexibler werden - Stichwort Karrieregarantie der LV 1871, wo im Angestelltenverhältnis je nach Beruf bis zu 5.000 respektive 6.000 Euro BU-Rentenhöhe möglich sind). 

3.C.: Ab i.d.R. 2.500 Euro spricht der Rückversicherer ein Wörtchen mit

Bis zu dieser Höhe der BU entscheidet der Erstversicherer und somit die dort sitzende Risikoprüfung allein über die Annahme Deines Vertrages. Durch unsere guten Kontakte und kurzen Wege zu Entscheidern bei den Gesellschaften erreichen wir sehr oft herausragende Voten. Möchte man jetzt direkt 3.000 Euro absichern, ist zum einen keine anonyme Risikovoranfrage in der Berufsunfähigkeitsversicherung möglich (der Versicherer würde sagen “sorry, können wir nicht alleine prüfen”) zum anderen entscheidet der Rückversicherer mit. Dieser entscheidet immer härter und kennt auch nicht so etwas wie Kulanz oder ein gewisses Vertrauensverhältnis zum Versicherungsmakler.

Die 1A Lösung ist somit eine Aufteilung auf zwei Gesellschaften. Es gibt quasi keinen Grund, weshalb man sich insbesondere als (angehender) Akademiker dagegen entscheiden sollte.
Unter "Fälle aus der Praxis – so sichern wir hohe Renten in der Berufsunfähigkeitsversicherung ab!"  findest Du wieder viel Know-How, statt 0815 Phrasen.


4. Die passende Rentenhöhe für Studenten in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Antwort ist sehr einfach = so hoch wie möglich bzw. der Geldbeutel sollte es natürlich auch hergeben. Zum einen kann Dir auch schon während des Studiums etwas passieren und zum anderen sicherst Du Dir das günstige Eintrittsalter für die jetzt schon abgesicherte Rentenhöhe (=die Beiträge sind niedriger).

Aber auch im Studium gibt es eine finanzielle Angemessenheit. Diese lag bei den meisten Anbietern über all die Jahre bei 1.500 Euro, wurde aber in den letzten Jahren etwas aufgeweicht auf 2.000 Euro. 

Folgende Anbieter sichern Dich jetzt schon mit 2.000 Euro ab:

  • Allianz
  • Alte Leipziger
  • Basler
  • LV 1871 (die meisten Studiengänge)
  • Volkswohl Bund

Vernünftige Anbieter, welche Dir maximal 1.500 Euro anbieten in der BU als Student:

  • Die Bayerische
  • HDI
  • Nürnberger

Möchte man unbedingt z.B. die Bayerische und jetzt schon 2.000 Euro absichern, kann man Trick 17 anwenden. Zuerst schließt man 1.000 Euro bei der Bayerischen ab, wartet auf den Versicherungsschein (i.d.R. innerhalb weniger Tage) und anschließend schließt man nochmals 1.000 Euro bei einem Anbieter ab, welcher 2.000 Euro zulässt wie z.B. die LV 1871 oder dem Volkswohl Bund. 

Es spricht nichts dagegen, schon als Student eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit maximaler Rentenhöhe abzuschließen.


5. So hoch sollte die Rentenhöhe als Schüler sein in der Berufsunfähigkeitsversicherung!

Auch hier gilt unser Tenor - so hoch wie möglich. Die Argumente sind dieselben wie beim Abschluss während des Studiums. Ob man eine Zwei-Vertragslösung schon jetzt möchte, sollte und muss individuell beachtet werden. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler das wohl beste Geschenk für sein Kind darstellt, was man machen kann. 

Die maximale Absicherungssumme beträgt aber etwas weniger, hat sich in den letzten Jahren aber pauschal in Richtung 1.500 Euro bewegt. Einzig die LV 1871 als Top-Gesellschaft bzgl. Schüler BU lässt für nicht Gymnasiasten an der Oberstufe maximal 1.100 Euro zu. Ebenso ist dies bei der Swiss Life und der Condor etwas beschränkt. 
Anbieter wie die Allianz, Basler, HDI, Alte Leipziger oder der Volkswohl Bund bieten für sämtliche Schulformen 1.500 Euro an. 

Manche Vermittler sagen, dass 500 Euro Rentenhöhe als Schüler genügen?

Die Argumentation mit “Wichtig ist, dass man erst einmal aus gesundheitlichen Gründen eine Tür im Füße der BU hat” können wir nachvollziehen, aber aus unserer Praxiserfahrung  nicht für gut heißen. Zum einen gibt es das theoretische Risiko auch in jungen Jahren schwer zu Erkranken.
Zum anderen verpennt man später die diversen Möglichkeiten der Nachversicherungsgarantien, welche oftmals nur 6 bis 12 Monate vorherrschen. Wir fragen jetzt auch nicht jedes halbe Jahr bei Dir nach, ob sich die Lebensumstände geändert haben - wir möchten zwar für Dich als Ansprechpartner da sein, aber nicht penetrant wirken. 

Klar ist aber - lieber während der Schulzeit eine zu geringe Rentenhöhe in der BU abzuschließen, als gar keine. Man muss aber anschließend viel stärker am Ball bleiben. Achte aber dann bitte noch stärker darauf, wir die Ausgestaltung der Nachversicherungsgarantie vonstatten geht. 

Es gibt auch Einsteigertarife für Schüler / Studenten - was halten wir davon?

Eher Abstand, da diese über die Laufzeit immer etwas teurer sind, als wenn man jetzt schon die normalen Prämien bezahlen würde. Tiefgründig gehen wir unter “Ist eine Starter / Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?” an die Frage heran. 

Jungakademiker / Schüler / Studenten haben eines gemeinsam bei der Suche nach der passenden BU!

Wenn irgendwie möglich, achte bitte darauf, dass der Versicherer in der Nachversicherungsgarantie nicht nur auf eine erneute Gesundheitsprüfung, sondern auch auf eine Risikoprüfung verzichtet. 

Dies bedeutet im Detail, dass der Versicherer auf folgende Aspekte verzichtet:

Glücklicherweise achten immer mehr Anbieter darauf, auch auf Druck von uns Versicherungsmaklern, weshalb der Verzicht auf die Risikoprüfung immer wichtiger wird. 


6. Wie hoch darf die Berufsunfähigkeitsversicherung während der Elternzeit sein?

I.d.R. darf man maximal 1.500 Euro während der Elternzeit abschließen in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Achte aber bitte darauf, dass Dich der jeweilige Anbieter auch in Deinem vorherigen Beruf einstuft und nicht z.B. als Hausfrau / Hausmann (das ist leider noch der Standard), was exorbitant hohe Prämien nach sich ziehen würde. 

In gewissen Konstellationen können aber auch mehr abgesichert werden. Nehmen wir das Beispiel einer Ärztin, welche nach der Geburt ihres Kindes und einer 14-monatigen Elternzeit wieder Vollzeit in ihrem Beruf tätig sein wird. Hier sind 1.500 Euro natürlich nicht bedarfsgerecht, auch eine Zwei-Vertragslösung schafft hier keine Abhilfe, da insgesamt nur 1.500 Euro abgesichert werden können.
Steht es jetzt schon fest, dass man nach dieser Zeit wieder in voller Stundenzahl in den Beruf zurückkehrt, ist es eine Individuelle Absprache mit dem Versicherer / Risikoprüfung. So können z.B. jetzt schon 2.500 Euro abgesichert werden, wenn der Arbeitsvertrag und die Absichtserklärung vorliegen.
Solche Sonderabsprachen machen aber nicht alle Versicherer und kurze Wege in die Risikoprüfung zu Entscheidern sind unerlässlich. 

Mehr Infos gibt es auch unter “Abschluss Berufsunfähigkeitsversicherung während Elternzeit?”. 


7. Fazit zu “Wie hoch soll eine Berufsunfähigkeitsrente sein”:

Die Antwort wird Dich jetzt nicht überraschen = hör nicht auf den Quatsch mit den 75 Prozent des Nettogehaltes, denn dass ist der schnellstmögliche Weg in eine enorme Lücke - spätestens zum Rentenbeginn. Sichere so viel ab, wie Dich der Versicherer lässt. Besonders in jungen Jahren ist dies unabdingbar. Nimm auch jedesmal brav Deine Beitragsdynamik an und setze Dich aktiv mit den Nachversicherungsgarantien auseinander. Hast Du es finanziell, beruflich und privat "geschafft", dann kannst Du die BU mit 60, 62, 63 Jahren immer noch kündigen. Schlimm wäre es, wenn Du mitten aus dem Leben gerissen wirst. 

Die Technische Ausgestaltung in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Thematik, welche schnell auf fünf Minuten geklärt werden soll, sondern beschäftige Dich bitte intensiv damit. Grundsätzlich ist unser Tenor aber ganz klar = maximale Absicherungshöhe, Endalter 67 mit Verlängerungsoption, Beitragsdynamik von idealerweise fünf Prozent sowie einer Leistungsdynamik von zwei Prozent. Einzig die AU-Klausel könnte diskutiert werden, ob nicht ein Krankentagegeld sinnvoller scheint.