Funfact am Rande: Die Nürnberger dürfte im Jahr 2025 der Versicherer sein, mit den meisten Blogbeiträgen rund um der BU-Versicherung. Das hätten wir zu Beginn des Jahres auch nicht gedacht. Aber nun ist es schon der vierte Beitrag, davor gab es:

Mächtig was los bei den Franken.


1. Vorgeschichte - die Nürnberger macht sich hübsch & dreht viele Steine um

Die folgenden Zeilen sind jetzt keine wissenschaftliche Ausarbeitung, eher eine Marktbeobachtung. Bei der Nürnberger gibt es seit Jahren eine riesige Transformation in die “Neuwelt”. Es werden erhebliche Investitionen getätigt in IT und Prozesse, traditionell haben sich im Hause aber sehr viele “Wasserköpfe” und Ebenen gebildet, die heutzutage vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind. Die Nürnberger ist einfach ein riesiger Laden mit vielen Ebenen. Vor einigen Jahren gab es einen neuen CEO / Cheffe mit Harald Rosenberger, welcher eigentlich kein Stein auf den andere ließ. So beendete man so gut wie fast jedes Sportsponsoring. Es wird nicht mehr der bekannte und ruhmreiche 1.FC Nürnberg (wäre naheliegend) unterstützt, selbst das kleine Tennisturnier in Nürnberg wird nicht mehr als Hauptsponsor getragen. 

Zudem läuft es in der sehr großen und wichtigen Sparte der Sachversicherung nicht wirklich so, wie man im Artikel “Nürnberger macht Verlust” nachlesen kann. So machte man 2024 einen Verlust von um die 150 Millionen Euro, wobei das negative Ergebnis vor allem von der Schaden- und Unfallversicherung kam. Eine Sparte, die extrem umkämpft ist  und wo die Marge (ok, bei der Nürnberger gab es keine mehr) immer mehr dahinschmilzt. So wurde auch die Dividende von 3,50 auf 0,14 Cent gekürzt. In einer Welt, wo Versicherungen als beständiger Dividendenzahler eigentlich bekannt sind. Die Lebenssparte (wozu die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört) macht zwar eigentlich schon regelmäßig Gewinne (was für einen Versicherer wichtig ist), aber man kann die erheblichen Verluste in der Sachsparte nicht aufholen.


2. Extrem viel Bewegung am Markt der Versicherer

Diese ganzen Umstrukturierungen kommen in einer Zeit, wo der Markt extrem dynamisch ist. Zum einen natürlich von der gesamten Technik. KI, Digitalisierung, Regulatorik. Müssen wir dir nicht erzählen. Aus diesem Grunde suchen viele Versicherer zueinander Synergien, Zusammenschlüsse oder gar Übernahmen. Man möchte einfach die kommenden Aufgaben miteinander machen. So gab es ja in der letzten Zeit folgende “Deals”:

Wir müssen hier keine Propheten des Abendlandes sein, dass sich diese Welt weiter entwickeln wird. Es wird nicht die letzte Übernahme oder Fusion sein. Etwas sehr überraschend ist aber für uns sie Tatsache, dass die Interrisk bzw. Vienna Insurance Group die Fühler ausstreckt. In der (deutschen) Wahrnehmung ist der Versicherer ja bei weitem kleiner. Gerüchte besagten eher, dass ein sehr großer Versicherer die Fühler nach der Nürnberger ausstrecken würden. Immerhin ist der Rückversicherer Munich Re mit knapp 20 Prozent beteiligt (Munich Re ist wiederum die Muttergesellschaft der Ergo, würde also irgendwie sinnig sein). Aber auch vonseiten der Zurich hörte man immer Nachrichten, dass diese die Fühler ausstreckt….Und wahrscheinlich wurden noch 20 weitere Versicherer ausgelotet. Die Vienna Insurance Group hatten wir aber eigentlich gar nicht auf dem Bildschirm, aber mag irgendwie Sinn machen. Die Interrisk in Deutschland ist eher ein kleiner Versicherer, der bis auf zwei bis drei Sparten in der Sachversicherung eher eine kleinere Rolle spielt (wir vermitteln gerne mal die Unfallversicherung, teilweise auch Wohngebäude, aber dann wars das auch schon mit unseren Gemeinsamkeiten), trotz allen Anstrengungen. Jetzt geht man aber direkt an das eingemachte und übernimmt wohl in einer Mehrheitsbeteiligung einen der größten, deutschen Versicherer. Eigentlich wahnsinnig, aber Chapeau nach Österreich! Schade aber für den Standort Deutschland.


3. Welche Auswirkungen wird es auf die Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung haben?

Wir haben hier zwar keine Glaskugel, aber zum einen steht eine Sache natürlich fest und weitere Punkte könnte man aus der Erfahrung der bisherigen Fusionen ableiten. 

An bisherigen & künftigen Verträgen ändert sich nichts

Du hast einen Vertrag bei der Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, welcher natürlich mit aller Rechte und Pflichten auf einen möglichen, neuen Anbieter übergehen wird. Wer im Endeffekt dann auf dem Briefbogen oben steht, dürfte egal sein. Vertragsinhalte verändern sich nicht. Sämtliche Rechte und Pflichten würden natürlich weitergehen. Wenn die Nürnberger BU damals und auch heute die beste Lösung für dich darstellt, würde die Übernahme uns jetzt nicht daran hindern, die Nürnberger zu empfehlen. 

Laut gedacht - es wird eine Aufteilung der Sparten geben

Blick man auf die aktuellen Fusionen wie bei der BarmeniaGothaer, Stuttgarter mit der Süddeutschen und wohl auch bei der Baloise & Helveta, wird sich auch bei der Nürnberger zusammen mit der Interrisk wohl das Modell durchsetzen, dass es eine Art Spartenaufteilung gibt. So wurde ja aus der Barmenia BU-Versicherung die Gothaer (Bestand übernommen), ebenso hat die recht kleine BU-Abtteilung der SDK Ihre Bestände auf die Stuttgarter übertragen. Wir könnten uns also folgendes, sehr gut vorstellen:

  • Die Interrisk betreibt künftig die Sachsparten der Nürnberger, welche ja derzeit defizitär sind. 
  • Dafür wird das Lebengeschäft auf die Nürnberger übertragen, was die Berufsunfähigkeitsversicherung automatisch einschließt. Hier ist die Interrisk ja bei weitem kleiner und würde vom Know-How der Nürnberger profitieren.
  • Da die Interrisk in Deutschland bisher kein Krankengeschäft macht, wird das wohl auch bei der Nürnberger bleiben.

Kann sein, dass es so kommt, muss aber nicht. Würde die Interrisk Ihr Lebensgeschäft auf die Nürnberger übertragen, könnte dies sogar die Berufsunfähigkeitsversicherung noch weiter stärken. Man wird noch stärker, noch größer und ein Marktteilnehmer verschwindet. 

Zweiter Funfact am Rande: Bisher haben wir ja für über 30 Gesellschaften einen umfangreichen BU-Vergleich & Gesellschaftsartikel geschrieben. Trotz dieser Vielzahl gibt es natürlich noch fehlende Puzzlestücke in der Gesamtbetrachtung. Der Schreiber von diesem Artikel wollte in den nächsten Monaten aus dem Grund einen detaillierten Bereich über die Interrisk Berufsunfähigkeitsversicherung verfassen, aber diese Idee wurde erstmals wieder auf Eis geschoben. Nicht, dass jetzt ein 85-seitiger Testbericht erfolgt und ein Jahr später wird die BU eingestampft.

Über 7.000 BU-Risikovoranfragen – unsere Erfahrung ist Dein Vorteil!

✅ Über 2.000 echte Kundenbewertungen
✅ Profitiere von unserer Expertise für Dein optimales Angebot zur Nürnberger
✅ Unabhängig, persönlich & kostenlos

Jetzt kostenlos beraten lassen

4. Fazit zur Übernahme der Nürnberger durch die Vienna Insurance Group

Es muss zudem natürlich erstmal gesagt werden, dass die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern ist, sondern erstmal unter Vorbehalt steht. Wie steht es in einer Pressemitteilung:

“Die NÜRNBERGER und VIENNA INSURANCE GROUP AG Wiener Versicherung Gruppe (VIG) haben heute vor dem Hintergrund eines möglichen Erwerbs einer kontrollierenden Mehrheitsbeteiligung die Durchführung einer Due Diligence Prüfung vereinbart und eine Absichtserklärung abgeschlossen. Der Vorstand der NÜRNBERGER hat entschieden, zunächst die Gespräche mit einem der Unternehmen, der VIG, zu vertiefen. Maßgeblich dafür waren insbesondere die strategischen Optionen, die finanziellen Investmentindikatoren und die Zusagen zur Standortsicherung sowie zum Erhalt der Marke und Identität der NÜRNBERGER.”

Pressemeldung

Es sieht sehr stark nach einer Mehrheitsbeteiligung der Vienna Insurance Group aus, in trockenen Tüchern ist es aber noch nicht. Aber wir gehen jetzt davon aus, die Gespräche sind wohl sehr weiter fortgeschritten.
Einen direkten Einfluss in die Beratung wird es jetzt nicht haben, wir geben aber den freundlichen Hinweis. Die Nürnberger überzeugt uns in der letzten Zeit durchaus durch eine gute Bearbeitung unserer echten Leistungsfälle und spielt rein von den Bedingungen und der technischen Ausgestaltung hin und wieder schon eine Rolle. Inwiefern die Vienna Insurance Group mal die Zügel mehr anziehen wird, zeigt sich dann - ist halt ein börsennotiertes Unternehmen, aber dies ist die Nürnberger auch schon. Beide sind also keine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, welche ja oftmals die liebste Gesellschaftsform von uns ist (auch wenn diese auch Nachteile haben kann).  

  • Eines steht aber auf jeden Fall fest - es bleibt sehr spannend.