Neues Altersvorsorgedepot ab 2027: Muss ich jetzt schon etwas tun?
|
Vermögen/Geldanlage
Das neue Altersvorsorgedepot ist beschlossen, die Förderung klingt interessant und vielleicht hast du schon einen Riester-Vertrag, bei dem du dich fragst, ob er bald ausgedient hat. Oder du hast bisher noch gar keine geförderte private Altersvorsorge und möchtest beim neuen Depot möglichst früh dabei sein.
Beide Fragen können wir gut verstehen. Bei uns landen sie inzwischen regelmäßig auf dem Tisch. Die wichtigste Antwort vorweg: Du musst wegen des Altersvorsorgedepots aktuell nichts überstürzen. Ein bestehender Riester-Vertrag sollte nicht vorschnell gekündigt werden. Und wenn du dich für ein neues Depot interessierst, musst du nicht schon am 1. Januar 2027 das erstbeste Angebot unterschreiben.
Warum wir trotz aller Chancen erst einmal zur Ruhe raten, erklären wir dir in diesem Artikel.
1. Was ist bereits entschieden – und was fehlt noch?
Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine neue Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ermöglichen. Anders als bei bisherigen Riester-Verträgen kann das Geld dabei ohne verpflichtende Beitragsgarantie am Kapitalmarkt angelegt werden. Daneben wird es weiterhin geförderte Produkte mit Garantien geben. Die Anbieter können neue Produkte ab dem 1. Januar 2027 anbieten.
Auf dem Papier lässt sich die neue Förderung bereits berechnen. Was wir heute aber noch nicht beurteilen können, ist das konkrete Angebot, das später bei dir im Vertrag steht: Welche Anlagen sind möglich? Was kostet das Produkt? Wie flexibel ist es? Und wie schlägt es sich im Vergleich zu anderen Lösungen?
Genau deshalb wäre eine endgültige Empfehlung heute verfrüht. Ein gutes Gesetz macht noch nicht automatisch jedes Produkt gut.
2. Alter Riester und neues Altersvorsorgedepot auf einen Blick
Die Tabelle zeigt die Grundzüge. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt vom bestehenden Vertrag und den konkreten neuen Angeboten ab.
| Bestehender Riester-Vertrag | Neues Altersvorsorgedepot | |
|---|---|---|
| Start | Kann mit bisheriger Förderung weitergeführt werden | Neue Produkte können ab 2027 angeboten werden |
| Anlage | Beitragsgarantie zum Beginn der Auszahlungsphase | Kapitalmarktanlage ohne verpflichtende Beitragsgarantie möglich |
| Grundzulage | Bis zu 175 € jährlich bei vollem Zulagenanspruch | Beitragsabhängig, bis zu 540 € jährlich |
| Kinderzulage | Je nach Geburtsjahr des Kindes 185 € oder 300 € jährlich | Beitragsabhängig, bis zu 300 € je Kind und Jahr |
| Förderung sichern | Erforderlicher Eigenbeitrag richtet sich grundsätzlich nach dem Vorjahreseinkommen | Förderung richtet sich nach den Einzahlungen im jeweiligen Jahr |
| Bestehendes Guthaben | Kann im bisherigen Vertrag bleiben | Eine spätere Übertragung ist grundsätzlich möglich; Kosten können anfallen |
Was am neuen System interessant ist: Mit dem Altersvorsorgedepot wird eine Anlage in Fonds und ETFs ohne verpflichtende Beitragsgarantie möglich. Das eröffnet langfristig höhere Renditechancen, bringt aber auch Kursschwankungen mit sich. Hinzu kommt die Chance auf geringere Kosten – ob ein konkretes Angebot tatsächlich günstiger ist als dein bisheriger Vertrag, müssen wir später vergleichen. Wer eine Garantie möchte, kann stattdessen ein neues Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie wählen.
3. Du hast einen Riester-Vertrag: Was solltest du jetzt tun
Vielleicht ist dein erster Gedanke: „Wenn das neue Depot besser wird, kündige ich meinen Riester eben schon mal.“ Bitte tu genau das nicht auf Verdacht.
Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz. Du kannst deinen Vertrag grundsätzlich mit der bisherigen Förderung weiterführen. Ein späterer Wechsel in einen neuen Altersvorsorgevertrag ist ebenfalls vorgesehen, ohne dass allein durch diese Übertragung die bisherige Förderung zurückgezahlt werden muss. Dabei können allerdings Kosten entstehen.
Eine Kündigung mit Auszahlung ist etwas anderes als eine geregelte Übertragung. Bei einer Kündigung können Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen sein. Auch deine Beiträge solltest du nicht allein wegen der Reform eigenständig aussetzen: Für die volle bisherige Riester-Zulage kommt es weiterhin auf den erforderlichen Eigenbeitrag im jeweiligen Jahr an.
Wenn konkrete neue Produkte verfügbar sind, lässt sich dein Vertrag vernünftig vergleichen. Möglicherweise ist eine Übertragung sinnvoll. Vielleicht ist es aber auch besser, den bisherigen Vertrag weiterzuführen oder die Beiträge anzupassen. Das entscheidet dein Vertrag – nicht die Schlagzeile zur Reform.
4. Du möchtest neu starten: Musst du im Januar 2027 dabei sein?
Vielleicht hast du noch keinen Riester-Vertrag und denkst: „Wenn ich nicht sofort im Januar starte, verliere ich die Förderung für das ganze Jahr.“ Auch hier ist Eile nicht nötig.
Die neue Zulage orientiert sich an deinen Eigenbeiträgen im jeweiligen Jahr. Du musst also nicht zwingend schon ab Januar monatlich in ein neues Altersvorsorgedepot einzahlen, um grundsätzlich eine Förderung für 2027 erhalten zu können. Entscheidend sind die Einzahlungen im Förderjahr sowie die Bedingungen und Fristen des später gewählten Vertrags.
Das gibt uns Zeit, die ersten Angebote anzusehen, statt blind das Produkt zu wählen, das am schnellsten auf dem Markt ist. Ob ein Start im Januar, einige Monate später oder erst nach einem ausführlichen Vergleich für dich am besten passt, hängt auch von deiner übrigen Geldanlage ab.
Wichtig: Abwarten beim neuen geförderten Produkt heißt nicht, dass du deine gesamte Altersvorsorge bis dahin auf Eis legen musst. Wenn du heute Geld für später anlegen möchtest, können wir unabhängig vom Altersvorsorgedepot prüfen, was zu deinem Ziel und deiner Situation passt. Für den langfristigen Vermögensaufbau kommt beispielsweise unsere wissenschaftliche Bierl Invest-Strategie infrage. Du kannst sie über ein Depot bei uns umsetzen; je nach Situation kann auch ein Versicherungsmantel interessant sein. Möchtest du Geld vorerst flexibel halten, findest du bei uns außerdem Informationen zu Geldmarktfonds.
5. Warum wir noch kein konkretes Produkt empfehlen
Auch wir möchten eine Lösung für die neue geförderte Altersvorsorge anbieten. Aber wir möchten vorher wissen, was tatsächlich angeboten wird.
Bei einem Vergleich schauen wir unter anderem auf die Kosten, die möglichen Fonds oder ETFs, die Bedingungen für einen späteren Wechsel und die Gestaltung der Auszahlung. Bei bestehenden Riester-Verträgen kommt noch eine weitere Frage hinzu: Was gibst du durch einen Wechsel auf – und was gewinnst du dafür?
Eine hohe Zulage allein beantwortet das nicht. Ebenso wenig macht eine mögliche höhere Rendite einen bestehenden Vertrag automatisch überflüssig. Gerade wenn dein Geld noch viele Jahre investiert bleibt, lohnt sich ein sauberer Vergleich mehr als ein besonders schneller Abschluss.
Wenn du die Reform und die vorgesehene Förderung schon jetzt genauer verstehen möchtest, findest du auf unserer ausführlichen Seite zum Altersvorsorgedepot die Details und unseren Rechner für verschiedene Szenarien.
Bleibe informiert und melde dich für unseren Newsletter an!
Wenn du über neue Produkte und unsere Einschätzung dazu informiert bleiben möchtest, kannst du dich außerdem für unseren Newsletter anmelden.
6. Unser Fazit zum Altersvorsorgedepot
Wir sehen im neuen Altersvorsorgedepot eine spannende Möglichkeit. Es kann die geförderte private Altersvorsorge für viele Menschen interessanter machen. Ob und in welcher Form es für dich passt, zeigt sich aber erst beim Vergleich der tatsächlichen Produkte.
Du hast bereits einen Riester-Vertrag? Kündige ihn nicht vorschnell und ändere deine Beiträge nicht allein wegen der Reform. Wir prüfen später, ob Weiterführen oder Übertragen sinnvoller ist.
Du möchtest mit einem neuen Altersvorsorgedepot starten? Du musst nicht aus Angst um die Förderung am ersten Tag zugreifen. Wir schauen uns die Angebote an und melden uns, sobald wir eine konkrete Lösung empfehlen können.
Bierl-Merksatz: Beim Altersvorsorgedepot gibt es etwas zu gewinnen – aber keinen Preis für die schnellste Unterschrift.



