Die Verhaltenslücke (Behavior Gap): Warum der Fonds gewinnt – und der Anleger verliert
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Vermögen/Geldanlage
Stell Dir vor, Du findest den besten Aktienfonds eines ganzen Jahrzehnts. Zehn Jahre lang macht er im Schnitt satte 18 Prozent Gewinn – pro Jahr. Und jetzt die Preisfrage: Wie viel hast Du als typischer Anleger in genau diesem Fonds verdient?
Die ehrliche Antwort tut weh. Du hättest im Schnitt 11 Prozent pro Jahr verloren. Das ist kein Tippfehler.
Genau das ist echten Menschen passiert. Der CGM Focus Fund war laut Wall Street Journal der beste US-Aktienfonds des Jahrzehnts von 2000 bis 2009. Der Fonds selbst legte fast 18 Prozent pro Jahr zu. Der durchschnittliche Anleger, der dort investiert war, verlor trotzdem rund 11 Prozent jährlich. Wie kann so etwas sein?
Die Antwort ist so simpel wie schmerzhaft. Die Leute kauften den Fonds erst, als er längst durch die Decke gegangen war. 2007 legte er 80 Prozent zu, und plötzlich wollten alle dabei sein. Kurz darauf stürzte der Fonds um fast die Hälfte ab, und dieselben Leute warfen ihre Anteile panisch wieder auf den Markt. Sie kauften teuer und verkauften billig. Der Fonds war grandios. Das Verhalten war es nicht.
1. Ein Name aus der Londoner U-Bahn
Für diese Lücke zwischen dem, was ein Investment abwirft, und dem, was beim Anleger am Ende wirklich ankommt, gibt es einen Begriff. Man nennt sie die Behavior Gap, die Verhaltenslücke. Der Name ist an die Londoner U-Bahn angelehnt, wo eine Stimme die Fahrgäste vor dem Spalt zwischen Bahnsteig und Zug warnt – „Mind the gap". Beim Geld ist dieser Spalt genauso real, nur leider deutlich teurer.
Und jetzt kommt der Teil, der wirklich jeden angeht. Das ist kein Einzelfall eines verrückten Zockerfonds, sondern etwas, das uns allen passiert, ganz leise, im völlig normalen Depot.
Die Analysehäuser von Morningstar untersuchen dieses Phänomen seit fast 20 Jahren in ihrer Studie „Mind the Gap". Das jüngste Ergebnis fällt eindeutig aus. Über die vergangenen zehn Jahre erzielten die Fonds im Schnitt rund 8,2 Prozent pro Jahr, die Anleger in genau diesen Fonds aber nur etwa 7,0 Prozent. Gut ein Prozentpunkt pro Jahr bleibt auf der Strecke, und das ziemlich konstant, Jahr für Jahr. Klingt nach wenig. Ist es aber nicht.
2. Warum unser Bauchgefühl an der Börse versagt
Der Grund liegt tief in uns. Unser Gehirn wurde über Jahrtausende darauf getrimmt, uns am Leben zu halten, und nicht darauf, ein Aktiendepot in Ruhe liegen zu lassen. Wenn alle euphorisch sind und die Kurse steigen, wollen wir unbedingt dabei sein. Wenn es kracht und alles rot blinkt, schreit jede Faser in uns: nichts wie raus, rette, was zu retten ist. Dazu kommt ein fieser Trick unseres Kopfes. Ein Verlust schmerzt uns ungefähr doppelt so stark, wie uns ein gleich großer Gewinn Freude macht. Also handeln wir – und meistens genau zum falschen Zeitpunkt.
Ganz oben, wenn die Stimmung am besten ist, ist das Risiko am größten. Trotzdem steigen die meisten genau dort ein. Ganz unten, wenn alle den Kopf verlieren, liegt die größte Chance. Und genau dort werfen die meisten hin. Wir tun instinktiv das Gegenteil von dem, was klug wäre. Das ist keine Dummheit, das ist einfach menschlich. Aber es kostet richtig Geld.
3. Was Dich die Lücke wirklich kostet
Ein Prozentpunkt im Jahr, wen juckt das schon? Genau hier steckt der Denkfehler. Über lange Zeiträume wird aus diesem kleinen Unterschied ein gewaltiger Betrag, weil der Zinseszins ihn immer weiter aufbläht.
Rechnen wir es durch. Du legst einmalig 50.000 Euro an und lässt sie 30 Jahre liegen. Mit der vollen Marktrendite von 8,2 Prozent werden daraus rund 532.000 Euro. Mit den 7,0 Prozent des typischen Anlegers sind es nur noch etwa 381.000 Euro. Dieselbe Summe, dieselbe Zeit, derselbe Markt – und am Ende fehlen rund 150.000 Euro. Allein, weil das Timing nicht gestimmt hat.
Damit ist die Behavior Gap oft teurer als sämtliche Fondsgebühren zusammen. Und das eigentlich Verrückte daran: Du musst nichts Zusätzliches können, um sie zu vermeiden. Du musst sogar weniger tun.
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4. So schließt Du die Lücke
Die gute Nachricht ist, dass die Behavior Gap kein Naturgesetz ist. Du kannst sie zum allergrößten Teil einfach zumachen, und zwar nicht mit mehr Aktivität, sondern mit weniger.
Der wichtigste Hebel ist ein klarer Plan, an den Du Dich auch dann hältst, wenn es an den Märkten mal ungemütlich wird. Ein automatischer Sparplan nimmt Dir die Grübelei ab, ob heute ein guter Tag zum Investieren ist. Er läuft einfach weiter, in guten wie in schlechten Phasen, und kauft in Krisen sogar besonders günstig ein. Ein breit gestreutes Depot sorgt dafür, dass Dich einzelne Ausreißer gar nicht erst in Panik versetzen. Und der wohl unterschätzteste Tipp von allen: Schau nicht ständig ins Depot. Wer täglich auf die Kurse starrt, hält es kaum aus, nichts zu tun – und tut dann meistens das Falsche.
Die Morningstar-Zahlen zeigen übrigens genau das. Am kleinsten ist die Lücke bei den langweiligen, breit gestreuten Anlagen, die die Leute einfach in Ruhe liegen lassen. Nicht das aufregende Investment gewinnt, sondern der geduldige Anleger.
Bierl-Merksatz: An der Börse gewinnt selten der mit dem heißesten Tipp. Es gewinnt fast immer der, der ruhig bleibt und dabeibleibt.
5. Genau hier kommen wir als Berater ins Spiel
Der ehrlichste Teil unserer Arbeit als Berater hat wenig mit dem heißesten Fondstipp zu tun. Unser entscheidender Mehrwert entsteht lange bevor die Märkte ungemütlich werden: Wir stellen Dein Portfolio von Tag eins an exakt so auf, dass es zu Deiner persönlichen Risikotragfähigkeit und Deinen Lebenszielen passt. Wer ein strategisch sauberes, individuell abgestimmtes Fundament hat, gerät gar nicht erst in die Situation, aus Angst oder Gier handeln zu müssen. Wir nehmen Dir die emotionale Last ab, strukturieren Dein Vermögen wetterfest und sorgen durch diszipliniertes Rebalancing dafür, dass alles auf Kurs bleibt.
Natürlich stehen wir Dir auch in stürmischen Phasen als Sparringspartner zur Seite und bewahren Dich vor dem teuren Fehler, aus dem Bauch heraus zu handeln. Warum sich diese Kombination aus präziser Vorarbeit und Verhaltens-Coaching für Dich auszahlt, zeigen wir Dir in unserem Advisor’s Alpha. Und dass strategisches Nichtstun an der Börse oft die klügste Entscheidung ist, haben wir im Artikel zum Action Bias beleuchtet.
6. Unser Fazit zur Behavior Gap
Die Behavior Gap ist einer der teuersten Fehler beim Investieren – und gleichzeitig einer der leisesten. Nicht der falsche Fonds kostet die meiste Rendite, sondern das Handeln aus dem Bauch im falschen Moment. Wer einen klaren Plan hat, breit streut und auch in stürmischen Phasen ruhig dabeibleibt, macht aus seinem größten Gegner – sich selbst – den größten Verbündeten.
Genau dafür ist unsere wissenschaftliche Bierl Invest-Strategie gemacht: ein klares, regelbasiertes Vorgehen, das nicht auf Bauchgefühl setzt, sondern Dich ruhig und breit gestreut durch alle Wetterlagen bringt. Wie wir dabei vorgehen, siehst Du in der Übersicht zur Bierl Invest-Strategie. Und weil langfristig vor allem eines zählt – dabeizubleiben – sei Dir auf diesem Wege auch nochmal unser Plädoyer für Aktien ans Herz gelegt. Wir finden nämlich, dass jeder es verdient hat, mehr von seinem hart verdienten Geld zu






