Berufsunfähigkeit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird 2022 ca. 8-13 Prozent teurer

Wir möchten jetzt nicht mit Schreckensnachrichten kommen und auch nicht den “Jahresendverkauf” damit anschubsen, aber man kann darüber durchaus mal informieren. Die normale und konventionelle Berufsunfähigkeitsversicherung wird 2022 im Durchschnitt um 10 Prozent teurer. Bitte gerate aber nicht in Panik, denn Sorgfalt sollte definitiv weiterhin vor Schnelligkeit erfolgen. Aber wenn Du eh mit dem Gedanken einer BU liebäugelst…

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird 2022 teurer

Der Grund darin liegt in der Senkung des Höchstrechnungszins von gigantischen 0,9 Prozent auf überschaubare 0,25 Prozent. Da eine Berufsunfähigkeitsversicherung klassisch kalkuliert ist (zumindestens bei 98 Prozent der Anbieter), muss sich diese Senkung in Beitragserhöhungen niederschlagen. 

Panik ist aber ein schlechter Ratgeber. Wie man an folgender Grafik sieht, ist der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung seit Jahren auf dem absteigenden Ast.

Auf die Berufsunfähigkeitsversicherung war dies jetzt nicht sooo ausschlaggebend, da über all die Jahre ein extrem starker Preiskampf (insbesondere um die schönen Risiken) entbrannte. So haben ein Ingenieur, ein Student oder auch ein Mediziner dies gar nicht so richtig mitbekommen. Jetzt ist aber in unseren Augen mittlerweile ein Preisniveau erreicht bei vielen Anbietern, wo nicht mehr viel Luft nach unten bleibt und man auch anfälliger sein könnte für steigende Nettobeiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Erste Umfrage zeigt - fast sämtliche Versicherer werden an der Preisschraube drehen

In einer Umfrage des Versicherungsjournal zeigte sich ein klarer Trend ab: Man wird die Rechnungszinssenkung (teilweise) an seine Neukunden weitergeben. An der Umfrage nahmen folgende Gesellschaften teil: AXA, Basler, Bayerische, Cosmos, Credit Life, Debeka, Dialog, Direkte Leben, Ergo, Generali, Gothaer, Hannoversche, Hanse Merkur, HDI, HUK-Coburg, Ideal, Interrisk, Itzehoer, LV 1871, LVM, Mecklenburgische, Neue Leben, Stuttgarter, Sparkassen Versicherung, Targo, Versicherer im Raum der Kirchen, VPV, WGB, Zurich.

Also schon ein paar….

An der Senkung des Rechnungszinses hat jeder Versicherer zu knabbern, dass kann man nicht so einfach wegstecken.


Hat die Senkung des Rechnungszinses auch auf andere Sparten wie die Altersvorsorge Auswirkungen?

Ja, wir sind aber weit davon entfernt, den Marktschreier zu spielen und zu sagen “Unbedingt noch im Jahr 2021 abschließen”.
Bei der Altersvorsorge muss man unterscheiden zwischen:

  • Produkte mit Garantie wie z.B. einer Riesterrente oder konventionelle Rentenversicherungen
  • Produkte ohne Garantie wie eine fondsgebundene Rentenversicherung oder Basisrente

Eines haben beide aber gemeinsam = der garantierte Rentenfaktor sinkt. Sprich, wie viel Euro Rente bekommst Du bei 10.000 Euro Guthaben.
Wir setzen Versicherungslösungen ohne Garantien wie eine Basisrente oder eine fondsgebundene Rentenversicherungen sehr gerne als Baustein in der Altersvorsorge ein. An der Ablaufänderung hat die Senkung keinerlei Auswirkungen. Aber auf die monatliche Rente. Bei der Basisrente muss es sogar eine monatliche Rente geben, somit ist der garantierte Rentenfaktor schon wichtig. Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung hast Du ein Kapitalwahlrecht (entweder Auszahlung oder Rente).

Überlegst Du also etwas für die Altersvorsorge zu tun und möchtest eine lebenslange Rente garantiert haben, dann wäre 2021 besser als 2022. Aber wenn der Vertrag generell nicht zu Dir passt, dann solltest Du Dich nicht von einem Vermittler Verkäufer überrumpeln lassen.

Bei der Riesterrente gibt es gravierende Änderungen

Bei einer Riesterrente hat die Senkung des Höchstrechnungszinses gravierende Auswirkungen, welche man jetzt schon spüren kann. Viele Gesellschaften (u.a. auch geschätzte Versicherer wie die Condor oder Stuttgarter, aber auch wenig geschätzte Fondsanbieter wie von der DWS, Grund sieh “Warum Du dies jetzt lesen solltest, wenn Du einen Riesterfondssparplan der Deka, DWS oder Union Investment besitzt!) ziehen sich nach dem aktuellen Stand aus dem Riestermarkt zurück. Der Grund ist so banal wie einfach = aufgrund des niedrigen Höchstrechnungszinses kann die Beitragsgarantie nicht mehr dargestellt werden. 

Wie es mit Riester weitergeht, steht eh in den Sternen - nach der Bundestagswahl gibt es hier wohl nähere Infos. Leider hat die Politik die eigentlich sinnvolle Riesterrente aufgrund der Regularien kaputt gemacht (Beibehaltung der Beitragsgarantie, kompliziertes Zulageverfahren, nicht für alle Berufsgruppen offen). Schauen wir mal, ob es hier noch Verbesserungen gibt. Jetzt aber zurück zum Thema…


Ab 01.01.2022 wirst Du versicherungstechnisch zumeist ein Jahr älter = BU steigt um ca. 2,5-4 % an

Zudem spielen die meisten Versicherungsgesellschaften in der Lebensparte die Karte aus “Ab 01.01.XX wirst Du Versicherungstechnisch ein Jahr älter”.
Das merken bei uns insbesondere Kunden, welche bei der LV 1871 eine BU abschließen:

In diesem Beispiel schloss unser Kunde im Juli 2021 eine BU mit Beginn 01.08.2021 ab, am 05.09.2021 wird er aber erst 26 Jahre alt. Im Versicherungsantrag steht aber jetzt schon das Eintrittsalter von 26 Jahren. Das gibt immer wieder Rückfragen (Liebe LV 1871, diesen Workflow könnt Ihr gerne mal überdenken), lässt sich aber sehr einfach erklären. Bei der LV 1871 liegt die Differenz aufgrund des Eintrittsalters bei überschaubaren drei Prozent, beim Volkswohl Bund lag diese 2020 auf 2021 sogar bei bis zu neun Prozent. 

Die meisten Gesellschaften agieren so, wenige Versicherer nehmen aber das Geburtsdatum oder auch eine unterjährige Anpassung der Beiträge aufgrund des Eintrittsalters vor. Grundsätzlich hat sich das “Versicherungsjahr ab 01.01.XX” aber durchgesetzt.


Fazit zur Verteuerung der Berufsunfähigkeitsversicherung & Senkung des Rechnungszinses:

Es gilt wie immer = bitte nichts überstürzen. Die saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie steht über allem. Du sollst einen sauberen und rechtssicheren Vertrag bekommen, keinen Schnellschuss. Lieber zahlst Du ein paar Euro mehr, bevor Du eine Wischi-Waschi Lösung bekommst. Lass Dich nicht unter Druck setzen.
Spielst Du aber eh mit dem Gedanken, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, so dürftest Du aber langsam in die Puschen kommen. Die saubere Aufbereitung, Einholung ärztlicher Atteste, anschließende anonyme Risikovoranfrage und letztendlich auch die Beratung zur Technischen Ausgestaltung in der BU kann sich über mehrere Monate ziehen.
Besonders zum Jahresende sind die Kapazitäten in der Risikoprüfung sehr begrenzt und wenige Tage vor Weihnachten bis Silvester sind die Kapazitäten dann oftmals erschöpft - auch wir gönnen unseren geschätzten Risikoprüfern den wohlverdienten Urlaub.