Berufsunfähigkeit

„Ich hab die ersten BU Anträge gestellt und wohl einen großen Fehler gemacht“ – danke Finanztest!

Vor wenigen Wochen erreichte uns eine interessante Anfrage aus NRW. Die Person (nennen wir ihn Manfred) sei eifriger Leser der Finanztest gewesen und wollte nun endlich die wichtige Absicherung der Berufsunfähigkeitsversicherung angehen. Soweit, so gut. Der geneigte Kollege unter Euch kann sich jetzt sicherlich vorstellen, wie das enden kann und wird. Uns erreichen auch mehrmals im Jahr diese Art der Anfragen, wo erst einmal selber Hand angelegt wird und man so eine Absicherung auf eigenen Wegen bewerkstelligen möchte. Das dies oft im Fiasko endet, sah man an dieser Anfrage.

Selbstversuch in der BU misslang - aber keine Panik

Grundsätzlich haben wir mittlerweile wenig Lust, das Kind, welches schon in den Brunnen gefallen ist, wieder zu beleben. Ein Anwalt nimmt z.B. auch nicht unbedingt gerne einen Fall an, wo vorher schon extrem viel schief gelaufen ist. Diese Anfrage vor wenigen Wochen sahen wir aber als sportliche Herausforderung und da die Gegenseite auf den ersten Blick auch einen sympathischen Eindruck vermittelte, nahmen wir uns der Aufgabe an. Voraussetzung war nur unsere Bitte, dass wir seinen Fall anonym veröffentlichen dürfen. Dies hat er bejaht und somit konnten wir direkt zur Tat schreiten. Somit hätten wir im günstigsten Fall wieder etwas Stoff zu schreiben ;-). Zuerst aber seine Email an uns:

Uns hat natürlich sofort interessiert, bei welchen Gesellschaften er bisher einen Antrag gestellt hat und weshalb es keine Annahme gab. Hier gab er gleich offen alles preis (was uns sehr wichtig in der Beratung ist – es hilft niemandem, wenn man mit der Wahrheit „mauert“).

Über die einzelnen Gesellschaften möchten wir jetzt nicht urteilen. Eine Gesellschaft vermitteln wir sogar durchaus auch mal. Aber es ist eine typische Auswahl eines „Laien“, welcher sich mit diversen Finanzheften und Portalen beschäftigt. Man sieht vor allem nur auf den Preis, da „BU Versicherungen“ doch irgendwie eh alle gleich sind.
Die bekannte Zeitschrift Finanztest hat Mitte 2018 umfangreich über Berufsunfähigkeitsversicherungen für Studenten geschrieben. Diesen Artikel haben wir aufgenommen und auch einen Blogartikel geschrieben mit „Finanztest zur Berufsunfähigkeitsversicherung – denn sie wissen nicht, was sie tun!“. Unser Hauptkritikpunkt war vor allem die Tatsache, dass die Finanztest empfiehlt, bei mehreren Versicherungsgesellschaften gleichzeitig einfach einen Antrag zu stellen und das beste Angebot anzunehmen. Wir betonen „Antrag“. Keine Risikovoranfrage. Dass dieses dilettantische Vorgehen nicht gut gehen kann, versteht sich von selber. Außer vielleicht bei Komikern, die meinen, alle Gesundheitsfragen einfach mit Nein ankreuzen zu müssen, denn derzeit ist man ja gesund. 

Ausschlussklausel, Fragebogen, keine Antworten – die Folge vom Selbstversuch in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Manfred nahm die Sache aber ernst und gab pflichtbewusst alle Angaben an. Die Cosmos Direkt beschenkte ihn dafür gleich mit einer Ausschlussklausel für das rechte Kniegelenk. Dazu noch einen Fragebogen. Die Hannoversche wollte ebenfalls einen Fragebogen von ihm wegen der Psyche, welche zwischen Jahr 5 und 10 auftrat. Versierte Versicherungsmakler sehen hier aber direkt die Möglichkeit, nur Versicherer mit einem Abfragezeitraum von 5 Jahren für die Psyche einzubeziehen. Somit herrscht hier schon mal keine offene Flanke.

Apropos Fragebögen: Kenner der Szene wissen, dass wir quasi allergisch sind gegen Fragebögen von Versicherungsunternehmen. Man kann hiermit ein ganzes Scheunentor öffnen und viel zu viele Angaben tendenziell machen. Zudem sind Fragebögen in der Berufsunfähigkeitsversicherung auch viel zu grob. Viele Erkrankungen und Diagnosen kann man nicht einfach in ein „Ja / Nein„ Schema drücken.

Unser Interessent Manfred hat seine Gesundheitshistorie innerhalb weniger Tage in unserem Gesundheitsdaten Beiblatt sauber aufbereitet. Dies sah dann bei ihm im ersten Entwurf so aus:

Kleiner, erster Auszug davon:

Nach dem Gesundheitsdaten Beiblatt entscheiden WIR dann, ob es Sinn macht die Risikovoranfrage weiter voran zu treiben. In diesem Fall konnten wir das bejahen. Für einen ersten Entwurf war dies sehr brauchbar.

Aktive Mitarbeit unserer Interessenten ist sehr wichtig in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Nach unserer Einschätzung genügt diese Eigenerklärung aber nicht. Es könnten durchaus einige Fragezeichen beim Risikoprüfer übrigbleiben. Ein Innenmeniskusschaden ist sicherlich sehr kritisch. Vor allem, wenn man dazu nicht den aktuellen Stand kennt. Wir nicht, die Risikoprüfung nicht. Hier ist es also unabdingbar, dass Manfred nochmal zum Orthopäden geht und sich einen aktuellen Befund ausstellen lässt. Die Eigenerklärung zur Allergie ist eigentlich passend, aber unser Interessent sah es selber ein, dass er es kurz untermauern möchte. In unserer Übersichtsseite „Direkt aus der Praxis: Ärztliche Atteste und Stellungnahmen in der Berufsunfähigkeitsversicherung!“ haben wir unzählige Beispiele hinterlegt. An diesen orientierte sich Manfred und wandte sich an zwei Ärzte mit kurzzeitigem Terminwunsch. Dies wurde bejaht und zwei extrem gute Stellungnahmen folgten.

Ärztliche Stellungnahme zwecks Knie / Innenmeniskus für die Berufsunfähigkeitsversicherung:

Ärztliche Stellungnahme zwecks Allergie für die Berufsunfähigkeitsversicherung:

Mit den beiden Stellungnahmen haben wir somit etwas Handfestes für die Risikoprüfung mit dem aktuellsten Stand der „Erkrankung“. Ob man solche Tipps auf Finanztest oder anderen Finanzportalen liest, sei mal angezweifelt. Ein vernünftiger Versicherungsmakler kennt aber die Stellschrauben, an denen man drehen kann und sollte.

Unabdingbar für die Berufsunfähigkeitsversicherung – kurze Wege in die Risikoprüfung!

Einer der wichtigsten Aufgaben für uns als spezialisierter BU-Makler sind die kurzen Wege in die Risikoprüfung. Wir können uns nicht mit einer allgemeinen risikovoranfrage@remove-this.Versicherungsgesellschaft.de Adresse zufrieden geben. Es gibt knapp 47.000 Versicherungsmakler, zehntausende Mehrfachagenten und viele Personen im Strukturvertrieb. Diese sollen dann alle bei einer einzigen Emailadresse anfragen, so dass man quasi nur noch eine Nummer ist? Manche Gesellschaften bekommen am Tag mehrere Hundert Risikovoranfragen. Die Umwandlungsquote von Anfrage zum Antrag liegt oftmals im niedrigen einstelligen Bereich. Von 100 beantworteten Voranfragen führen also z.B. nur vier zu einem Antrag. Deshalb bauen einige Versicherungsgesellschaften die Risikovoranfrageabteilung stark um und geben einfach einem Sachbearbeiter die Aufgabe, die Diagnose in eine Software einzugeben. Dann erscheinen Warnzeichen und das Knie wird gleich mal ausgeschlossen.

Risikoprüfer ist nicht gleich Risikoprüfer!

Zudem ist die Qualität der einzelnen Risikoprüfer sehr unterschiedlich und auch die Tatsache, in welcher Hierarchie man kommt. Unser Bestreben ist natürlich, recht weit oben zu sein. Dafür bekommt die Risikoprüfung von uns qualitativ absolut hochwertiges Geschäft mit einer vernünftigen Umwandlungsquote. Wir haben diese Risikovoranfrage einfach also nicht pauschal an 20 Gesellschaften geschickt, sondern erst einmal geprüft, wer eigentlich von den Bedingungen und dem Preis (Stichwort Berufsgruppe) als 1A Lösung in Frage kommt. Dies haben wir auch ganz klar mit Manfred so kommuniziert. Der Vorteil für uns ist dann, dass unser fester Risikoprüfer enorm viel Zeit für die Anfrage verwendet, da er weiß, dass die von uns kommt und

  • a) die Qualität der Anfrage und
  • b) die Umsetzungsquote

passt!

Wichtig ist auch immer, dass man mit offenen Karten spielt. Wir haben in unserer Voranfrage ganz klar erwähnt, dass Manfred (ok, die Risikovoranfrage war anonym, also streichen wir das Manfred) schon vier weitere Anträge gestellt hat bei anderen Gesellschaften und wir dies jetzt "retten müssen".

Etwas unerwartet kam zwei Tage später das Votum:

(Die Name der Gesellschaft bleibt mal unerwähnt – Kenner der Szene werden aber die „Handschrift“ erkennen).

Wir haben also aus einem sehr schwierigen Fall innerhalb weniger Wochen eine perfekte 1A Lösung in der Berufsunfähigkeitsversicherung gefunden. Wir wissen nicht, ob wir der Finanztest dafür danken sollen oder nicht. Immerhin beschert uns diese einen regen Zulauf an gescheiterten Interessenten, aber andererseits sollte man es auf keinen Fall soweit kommen lassen. Beste Lösung wäre dann, dass Du Dich einfach direkt von uns oder einem anderen versierten Kollegen zur Berufsunfähigkeitsversicherung beraten läßt. Dann müssen wir nicht immer das Kind aus dem Brunnen retten!

Netterweise gab es anschließend auch noch eine Bewertung auf dem größten Portal für Finanzberater "Whofinance" - vielen Dank dafür!