Altersvorsorgereformgesetz - was kann der neue Riester?
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Das Warten hat ein Ende - die neue Riesterrente kommt. Oder doch nicht? Das Versprechen der Regierung ist klar: die 2002 eingeführte Riesterrente muss für mehr Sparer attraktiv gemacht werden.
Unsere bisherige Meinung zum Riester sollte Dir klar sein: Wenn Du ein hohes Einkommen und/oder wenig Kinder hast ist der Riester für Dich nicht geeignet, weil er Dir aufgrund der hohen Garantie nicht den gewünschten Puffer für die Altersvorsorge bieten kann.
Genau da setzt die Regierung an. Bereits für die Ampel-Koalition hatte das Reformprojekt auf der Agenda und die aktuelle Regierung konnte den Entwurf finalisiern und verabschieden.
Uns ist heute wichtig, dass Du weißt, was im Entwurf steht und ob die Riester 2.0 das alte System in den Schatten stellt.
1. Rückblick: Woran ist der Riester bisher gescheitert?
Jeder mit aktuellem Riestervertrag fragt sich zu Recht: Warum ist denn das Produkt nichts, wieso kommt für meine Altersvorsorge in 15, 25 oder 35 Jahren einfach nicht genügend raus?
Der Riester, so wie er bisher läuft, hat einige Hürden, die ihm Rendite kosten.
Der Gesetzgeber garantiert allen Sparern ihre eingezahlten Beiträge und die erhaltenen Zulagen IMMER zum Rentenbeginn. Um diese Garantien bewerkstelligen zu können muss der Riesteranbieter das Geld defensiv anlegen, fest verzinst mit längeren Laufzeiten und da kommen wir zum zweiten Faktor, warum vielleicht auch Dein Riester in den letzten Jahren nicht die gewünschten Summen erwirtschaften hat - die Niedrigzinsphase. Gestartet 2008 schaffte sie für die Finanzwelt bisher noch nie dagewesene Szenen, teilweise unter einem Prozent für Baukredite und Negativzinsen für Spareinlagen. Jeder war davon getroffen auch der Riester, weil für das Geld dass sicher verwahrt werden musste, gab es keine Guthabenszinsen, gleichzeitig war eine Umschichtung auf kapitalmarktnahe Anlagen nicht erlaubt, weil das Risiko eines Totalausfalls gegeben war. Hinzukommt das für den Abschluss und die Verwahrung der Beiträge und Zulagen auch Kosten anfallen, die aber aufgrund fehlender Zinsen nicht amortisiert werden konnten.
2. Die "Revolution": Das neue Altersvorsorgedepot im Detail
Das Altersvorsorgedepot schließt die Lücken die der Riester hat.
Erstens gibt es nicht mehr diesen Garantiezwang, ob eine Garantie hinterlegt wird entscheidet nicht mehr der Gesetzgeber sondern der Kunde. Damit kann während der Laufzeit auch eine höhere Aktienquote avisiert werden, was über die lange Laufzeit, die ein Produkt für die Altersvorsorge nun mal hat, auch mehr Rendite bedeutet.
Ob Du zum Rentenbeginn, Dir das Geld lebenslang als Rente auszahlen lässt oder ob Du Dich für einen Auszahlplan bis zum Tag X entscheidest, liegt auch wieder ganz bei Dir. Die Option dass Du Dir 30 % des Guthabens auszahlen lässt, bleibt bestehen.
Und was ändert sich an den Zulagen? Die Gutschrift und Berechnung soll einfacher werden. Im Riester ist die Höhe der Zulagen abhängig vom Vorjahresbrutto, denn daraus wird berechnet wie viel Dein Eigenbeitrag ist.
Der neue Plan soll die Sache einfacher machen. Denn pro eingezahlten Euro fließen 30 Cent vom Staat in den Vertrag. Die Grenze liegt hier bei 1.200 €. Anschließende Beiträge (bis 1.800 €) werden mit 20 Cent gefördert. Für die Kinderzulage gibt es bis 1.200 € eingezahlten Beiträgen pro Kind 0,25 € obendrauf, macht in Summe 300 € Kinderzulage je Kind. Der Berufseinsteigerbonus, der bis zum 25. Lebensjahr gewährt wird, bleibt bei den bekannten 200 €.
3. Der direkte Vergleich alt gegen neu
| Altes Riestersystem | Neues Altersvorsorgedepot | |
|---|---|---|
| Mindestbeitrag für Förderung = Sockelbeitrag | 60 € | 120 € |
| Eigenbeträge für volle Zulagen | mind. 4 % Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens | kein Mindesteigenbeitrag mehr |
| Grundzulage | 175 € | 30 % des Eigenbetrag (bis 1.200 €) 20 % für weitere 600 € Gesamte mögliche Förderung: 480 € |
| Kinderzulage | 185 € für vor 2008 Geborene 300 € für nach 2008 Geborene | 25 % des Eigenbetrags von max. 1.200 € = 300 € |
| Berufseinsteigerbonus bis 25. Lebensjahr | einmalig 200 € | einmalig 200 € |
| Sonderausgabenabzug | insgesamt 2.100 € (Beitrag inkl. Zulagen) | max. 1.800 € Beitrag + Zulagen = insgesamt 2.280 € |
4. Von der Idee zum Gesetz: Warum wir uns noch gedulden müssen
Viele fragen uns schon: "Das klingt super mit dem ETF-Depot - kann ich das schon bei Euch abschließen? Um es kurz und schmerzlos zu machen: Nein. Die lange Antwort ist ein spannender Ausflug in die deutsche Gesetzgebung, der erklärt, warum wir noch einige Monate die Füße stillhalten müssen.
Ein Gesetzentwurf ist nämlich noch lange kein fertiges Produkt. Damit aus dem Plan der Bundesregierung (das sog. "Altersvorsorgereformgesetz") wirklich ein abschließbarer Vertrag wird, muss das Gesetz einen Hürdenlauf durch die Instanzen nehmen. Aktuell (Februar 2026) sieht der Fahrplan so aus:
1. Bundestag: Hier wird der Entwurf gerade in den Ausschüssen zerpflückt. Details zu Kosten und Zulagen können sich hier noch massiv ändern.
2. Bundesrat: Da das Gesetz Steuerfragen berührt, müssen die Bundesländer zustimmen. Die haben bereits Kritik geäußert, u.a. an den verhältnismäßig hohen Kosten. Einigen sich Bund und Länder nicht, droht der Vermittlungsausschluss - und das kostet Zeit.
3. Finale Unterschrift: Erst wenn der Bundespräsident unterzeichnet und das Gesetz veröffentlicht ist, können Anbieter ihre IT-Systeme erst programmieren.
Solange die Tinte noch nicht trocken ist, gibt es keine verlässlichen Produkte. Wir sieben den Markt für Dich, sobald die Regeln stehen. Bis dahin heißt es die beste Strategie: Füße Stillhalten.
5. Was passiert mit den Altverträgen?
Ob der geplante Start zum 01.01.2027 eingehalten werden kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen - eins ist klar: Dein bestehender Riestervertrag bleibt erst mal so wie er ist.
Der bisherige Plan sieht bislang vor, dass Du das Guthaben in das neue System umziehen kannst, ohne die bisher gezahlten Zulagen zu verlieren.
Du kannst aber auch weiterhin den alten Riester besparen und die bisherigen Zulagen erhalten.
6. Unser Fazit zum neuen Riester
Der Riester war in den letzten Jahren für viele keine geeignete Möglichkeit mehr, um effizient für das Alter vorzusorgen. Umso mehr freuen wir uns, dass mit dem Reformgesetz nun der erste Schritt zu einer verbesserten Version getan wurde, die mehr Sparer ansprechen wird.
In der nächsten Zeit werden Produktvorschläge für das Altersvorsorgedepot wie Pilze aus dem Boden schießen. Wir behalten alle im Blick und schauen uns das Kleingedruckte für Dich genau an.
Aber Vorsicht: Totgesagte leben länger. Denn auch der Riester hat seine Daseinsberechtigung, gerade bei Familien mit vielen Kindern kann der "alte" Riester durch die hohen Zulagen immer noch unschlagbar sein.
Ob neu oder alt - es muss zu Dir passen. Wir helfen Dir, den Durchblick zu behalten. Nutze jetzt das Jahr zur Vorbereitung - unsere Investment-Abteilung unterstützt Dich dabei.



