Sind ETF´s das Allheilmittel in der Geldanlage oder sind aktive Fonds doch besser?

Aktive Investmentfonds oder ETF

Bei ETF´s haben wir das ähnliche Gefühl wie beim durchschnittlichen deutschen Bundesbürger, welcher beim Begriff „Steuern sparen“ seinen Kopf ausschaltet. Es wird schlichtweg einfach das Bedürfnis „billig wegkommen“ befriedigt, welches in einer „Geiz ist geil Gesellschaft“ vorhanden ist. Das ist jetzt ebenso bei den vermeintlich so tollen Indexlösungen zu betrachten. Nehmen wir uns kurz ein Beispiel vor: Sie sind krank und werden an einen durchschnittlichen Spezialisten verwiesen. Geben Sie sich auch dort mit dem Mittelmaß zufrieden? Ähnlich ist es bei den ETF Lösungen. Warum begnügen Sie sich mit dem Mittelmaß? Nur weil der Nachbar oder Arbeitskollege noch schlechter ist?

Immer wieder kommt das Argument, dass Indexfonds so kostengünstig sind und somit die ideale Lösung für den Anleger darstellen. Ja, das stimmt. Für den 0815 Anleger passt dies. Aber warum geben Sie sich mit dem Mittelmaß zufrieden? Der Hausarzt kann Sie natürlich auch zu allen medizinischen Themen irgendwie beraten, aber etwas Zufriedenstellendes kommt hierbei nicht heraus.

Ein Großteil der „aktiven“ Investmentfonds sind Mist.

Upps, jetzt haben wir uns verraten. Nein, eigentlich nicht. Aber wieso wird eigentlich immer alles in einen Topf geschmissen? Der FC Bayern verpflichtet doch vor einer Bundesligasaison auch nicht X-beliebige Fußballspieler, sondern wohl nur die besseren?
Jetzt aber mal zum sachlichen Teil: In der Vergangenheit wurden aktive Fondsmanager oft angehalten, sich eng an ihre Benchmark (= Vergleichsindex) zu halten. Als Maß für die Qualität wurde früher nicht immer die absolute Performance gesehen, sondern der „tracking error“ gewählt, also der Grad der Abweichung vom Index. Ist ein Investmentfonds stark von seinem Vergleichsindex abgewichen, wurde dies von den Ratingagenturen als Malus gesehen. Das mag natürlich keiner. Orientiert man sich sehr stark an seinem Vergleichsindex, ist es extrem schwierig seinen Index zu schlagen. Vor allem, wenn die Kostenquote höher ist. Diese Investmentfonds werden glücklicherweise Stück für Stück vom Markt verschwinden. Oder auch nicht – denn herausgegebene Fonds von Banken, Versicherungen und sehr großen Investmentgesellschaften kleben teilweise immer noch sehr am Index. Deshalb schätzen wir kleine, wendige und vor allem unabhängige Fondsboutiquen, die sich einen feuchten Kehricht um den Index scheren. Aber klar, solche Investmentfonds findet man nicht in der Bildzeitung, beim örtlichen Bankberater oder in der Finanztest.

ETF´s verzerren die Märkte und den Marktpreis

Ja, ganz genau. Früher nicht, als noch wenig Geld in den Index ging. Aber jetzt schon. Allein die beiden größten Anbieter mit Blackrock & Vanguard verwalten bald 10 Billionen Dollar (Stand September 2017 laut Euro/Finanzen 10/17) in Indexlösungen angelegt. Diese haben also eine gewisse Marktstellung, welche nicht mehr zu leugnen ist. Kurse von Unternehmen werden verzerrt, nur weil diese in einem Index drin sind.
Der angesehene Börsenkommentator Markus Koch hat das Problem in einem Facebook Beitrag mal gut auf den Punkt gebracht:

ETF´s verzerren die Märkte Markus Koch

Man kauft mit Millionen von anderen Anlegern auf dieser Welt schlichtweg Unternehmen ein, die man zu diesen Kursen nicht mal mit Samthandschuhen anfassen würde. Das obige Beispiel zeigt ganz klar, dass durch Fixierung auf den Index Kurse verzerrt werden. Übrige Unternehmen aus der Ölbranche, welche weniger bis gar nicht in einem ETF vorkommen, haben eine viel schlechtere Kursentwicklung mitgemacht. Aber was ist, wenn mal die Luft raus ist? Ein Standard Indexfonds ist mittlerweile durch seine sehr hohen Anlegergelder selbst ein bestimmender Marktteilnehmer geworden. Dies war früher nicht so. Das viele Geld, das momentan in ETF´s fließt, treibt die Aktien in Indizes immer weiter hoch. In der Geschichte der Börse haben so getriebene Märkte ein böses Ende genommen, wenn der Geldfluss sich verringert oder gar versiebt.

Zitieren wir mal die „Neue Züricher Zeitung“:

„So können selbst die Notierungen minderwertiger oder überbewerteter Wertpapiere zulegen – nur weil sie in diesem Fonds enthalten sind. Große Anlageinstrumente, wie zum Beispiel der SPDR-S&P-500-ETF von State Street oder der iShares-Core-S&P-500-ETF, führen bei kapitalgewichteten Indizes mit einem Anlagevermögen von bis zu 225 Mrd. Fr. zu einer Konzentration auf wenige Einzelwerte wie Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass passive Anlageinstrumente die Märkte ineffizienter machen. „

Quelle: www.nzz.ch/finanzen/fonds/truegerische-gelassenheit-an-den-maerkten-die-etf-koennen-zu-einem-risiko-werden-ld.1307587

In den Vergangenheitsberechnungen gab es noch nicht diese Marktmacht von Indexfonds. So gab es keinen Einfluss auf verzerrte Märkte. Aber nun, wo viele Anleger so investieren, verzerrt man die Kurse und schlechte Unternehmen werden künstlich überbewertet. Links und rechts des Mainstreamweges warten hingegen genügend gute Investitionsmöglichkeiten.

Ein Äpfel- und Birnenvergleich von ETF´s mit aktiven Fonds – achten Sie auf die Art des Investments.

Was wird eigentlich verglichen? Wie sieht eine gute Anlagestrategie aus? Ok, wenn Sie bisher nur aufs Sparbuch gesetzt haben, klassische Lebensversicherungen abgeschlossen hatten oder ein Fan vom Bausparen sind, da ist ein ETF besser als die obigen Anlageformen. Möchten Sie aber vernünftig investieren? Mehrwerte bekommen? Besser sein als der Durchschnitt? Dann legen Sie weder in Standardaktienfonds noch ETF’s Ihr Geld an. Lesen Sie bitte mal unseren Artikel

Small & Mid Caps schlagen Large Caps!

genauer durch. Hier beschreiben wir anschaulich, wieso mittel-bis langfristig eine Anlage in große Unternehmen nicht die beste Lösung darstellt. Viele aktive Investmentfonds setzen aber genau auf solche Werte. Also große Unternehmen wie Apple, Siemens, Deutsche Telekom, Coca Cola und unzählige andere. Diese Unternehmen haben die größten Sprünge schon hinter sich. Ein Umsatzplus von wenigen Prozent zum Vorquartal ist oftmals schon ein herausragendes Ergebnis. Aber wieso nicht in Mittelständler und in kleinere Unternehmen investieren? Diese sind wendiger, flexibler und wachstumsfreudiger. Somit sollte ein Großteil Ihrer mindestens mittelfristigen Anlagestrategie darin bestehen, in Investmentfonds zu investieren, welche sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Die Investition in Nebenwerte bringt langfristig einen Mehrwert zwischen drei bis fünf Prozent. Jahr für Jahr. Warum verzichten Sie darauf und plädieren für einen ETF auf den DAX, MSCI World oder S&P 500?

Kleinere Unternehmen werden bei weitem nicht so intensiv beobachtet wie große Unternehmen. In den USA gibt es 710 Unternehmen mit über zwei Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, durchschnittlich 19 Analysten beobachten hier ein Unternehmen. Mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 100 Millionen Dollar gibt es knapp 6.000 Unternehmen. Im Durchschnitt verfolgt ein Analyst (!!) ein Unternehmen (!!). Die Möglichkeit einer Outperformance gegenüber Standardfonds & ETF´s ist hier somit extrem hoch, da sich nur sehr wenige Leute mit den oft interessantesten Unternehmen beschäftigen.

Achten Sie ebenfalls auf das Volumen des Investments!

Zudem sollten Sie darauf achten, dass die Investmentfonds, in welche Sie investieren, nicht zu groß sind. Hat er erst ein geringes Anlagevolumen, so kann er auch in die kleineren Wert vernünftig investieren. Dies ist bei sehr großen Fonds mit vielen Anlegergeldern (vorzugsweise gerne bei Banken, Versicherungen und großen Fondsgesellschaften) und gutem Marketing so nicht mehr möglich. Jetzt raten Sie mal, in welche kleinen Nebenwerte geht ein ETF? Der Großteil spielt sich bei den Standardindizes ab. Sie berauben sich automatisch phantastischen Kurschancen. Schade….

Jetzt aber Butter bei den Fischen - sehen wir uns einige Beispiele aus der Praxis an!

Bereich Deutschland aktiver vs. passiver Fonds

 

 

 

Vergleich Deutschland ETF vs Aktiver Investmentfonds

Der DB Platinum Platow fordert den IShares Dax (DE0005933931) heraus. Beginn Datum ist Mitte 2007, wir nehmen also die Finanzkrise voll mit. Der DB Platinium (LU1239760025) kann in sämtliche Deutsche Aktien investieren, muss aber nicht. Da die Fondsmanager ganz gewieft sind, legen sie einen großen Wert auf Small & Mid Caps. Erscheinen ihnen aber auch Unternehmen im DAX günstig, dann können sie diese auch erwerben. Eine massive Überrendite ist die Folge. Und das Schöne daran – den Investmentfonds kennt fast kein Mensch, bisher schlummern nur ca. 130 Millionen Euro an Anlegergelder drin. Darunter einiges von unseren Anlegern ;). 

Mehr zu diesem Investmentfonds haben wir unter „Artikel folgt bald“ geschrieben.

Bereich Europa aktiver vs. passiver Fonds

Vergleich Europa ETF vs Aktiver Investmentfonds

Vergleichen wir ein ETF auf den Stoxx Europe 50 (DE0005933956) mit der Fondsperle Squad Growth (LU0241337616) mit Anlageregion Europa. Auf der einen Seite stehen 348 % an Wertentwicklung, auf der anderen Seite 45 %. Aber Hauptsache Gebühren gespart und das Hirn ausgeschaltet ;-). Der Eurostoxx befindet sich als Indizes übrigens auch in sehr vielen Versicherungslösungen. Ob das dem Kunden so ganz bewusst ist?

Bereich Japan aktiver vs. passiver Fonds

Vergleich Japan ETF vs Aktiver Investmentfonds

Jetzt mal ganz was Extremes. Wir nehmen jetzt einfach den Nikkei her, den größten Aktienindex aus Japan (ETF gab es damals noch nicht). Rückblickend seit 1991. Mit dem Index haben Sie grandiose 13 % seit 25 Jahren gewonnen. Nicht pro Jahr, sondern über die gesamte Laufzeit. Mit ETF´s (auch diese haben eine Kostenquote) noch weniger (hätte es Sie gegeben). Herzlichen Glückwünsch. Auf die 388 % des M&G Japan Smaller Companies (GB0030939119) gehen wir jetzt weniger ein, sonst fangen bald manche an zu weinen ;-).

Bereich Emerging Markets aktiv vs. passiv

Vergleich Emerging Markets ETF vs Aktiver Investmentfonds

Auch hier spricht alles ganz klar für eine aktive Variante. Selbst ETF Fans sprechen davon, dass in Schwellenländer (also Emerging Markets) aktive Fonds die bessere Wahl sind. Die obige Graphik zeigt dies dann auch eindeutig, viele Worte müssen wir da nicht mehr verlieren…. Die Wertentwicklung seit dem Jahr 2009 (hier sind beide Varianten auf den Markt gekommen) ist eindeutig, der versierte Fondsmanager des Stewart Investors Global Emer. Markets (GB00B64TSB19) schlägt den Index / ETF (IE00B4L5YC18) um über 100 % bei einer um 4 % niedrigeren Volatilität (Schwankungsbreite)!!!!!

Bereich USA aktiver vs. passiver Fonds

Vergleich USA ETF vs Aktiver Investmentfonds

Hier ist es am schwierigsten, welchen Vergleichsindex man nehmen soll. Einigen wir uns auf den S&P 500 ETF (IE0031442068), welcher die 500 größten US Unternehmen beinhaltet. Im Vergleich dazu der Fonds aus dem Hause Threadneedle (GB00B0H6DT06).

Start ist auch hier das Jahr 2006, somit wurden massive Abschwünge wie Steigerungen mitgenommen. Das Ergebnis mag wieder verblüffend für Sie sein. Wir können es aber auch nicht ändern ;).

Bereich Weltweit aktiver vs. passiver Fonds

Vergleich Weltweit ETF vs Aktiver Investmentfonds

Auch hier ein ähnliches Bild. Zum einen der MSCI World ETF (IE00B4L5Y983), zum anderen ein weltweiter Aktienfonds von der feinen Fondsgesellschaft Invesco (LU0607512778). Die Wertung geht seit dem Jahr 2005, also auch ein sehr langer Zeitraum und die Finanzkrise ist auch schon mit dabei.

Bereich Mischfonds aktiver vs. passiver Fonds

Vergleich Misch ETF vs Aktiver Investmentfonds

Der ARERO (LU0360863863) wird in Deutschland bei manchen als Allheilsmittel präsentiert. Ein findiger Prozessor von der Universität Mannheim brachte 2008 einen gut strukturierten passiven Fonds auf den Markt. Der Fonds investiert (über Derivate) in 60 % Aktien, und zwar regional aufgeteilt nach Wirtschaftskraft. Der Rest geht ganz passiv in Anleihen und Rohstoffe. Einmal im Jahr findet ein Rebalancing statt, wodurch sogar eine antizyklische Komponente eingebaut ist. Der kundige Professor wollte damit den Beweis erbringen, dass eine passive Fondsstruktur einem aktiven Management überlegen ist.

Zufällig wurde 2008 auch der chancenorientierte Vermögensfonds „StarCapital Huber Strategy 1“ (LU0350239504) aufgelegt, der eine ähnliche Vermögensstruktur hat wie der ARERO, aber aktiv gemanagt wird. Auch hier sind durchschnittlich 60 % weltweit in Aktien angelegt, 40 % in Anleihen, Edelmetallen, Rohstoffaktien, Cash und Währungen. Die Ergebnisentwicklung sehen Sie in obiger Graphik. Bisher ist der ARERO den Nachweis schuldig geblieben, dass man mit einer passiven Anlage besser fährt. Trotzdem konnte er dank des Siegeszugs der ETFs fast 650 Mio. an Fondsvolumen einsammeln. Zumindest vom Marketing her also ein voller Erfolg! Hauptsache Gebühren gespart ;).

Kurz noch angemerkt für manche ewigen Nörgler und Besserwisser ;-). Natürlich kann man jetzt sagen, dass man einen normalen Standardindizes nicht mit einem Nebenwertefonds vergleichen kann. Wir tun es trotzdem. Warum? Da es 99,5 % der Anleger egal ist, wo angelegt wird. Solange die Performance passt und das Geld vernünftig angelegt wird. Wenn jemand weltweit oder auch nur in Europa anlegen möchte, dann ist es unsere Aufgabe, die beste Lösung zu finden. Ob dann Investmentfonds verstärkt in Nebenwerte oder Standardwerte investieren, dürfte dem durchschnittlichen Anleger egal sein. 

Auf die Strategie kommt es an....

Idealerweise mischt man seine Anlagestrategie, Vermögensaufbau oder auch Altersvorsorge mit einigen verschiedenen Konzepten und Regionen. Wir wissen selber nicht, was in drei Jahren am besten abschneidet. Wir können aber vermuten, was besser läuft. Nebenwerte in aktiven Fonds, vor schnöden Indexvarianten. Sämtliche Kosten der aktiven Investmentfonds sind übrigens in den obigen Wertentwicklungen schon drin. Keine intransparenten Kosten wie bei Lebensversicherungen, Bausparern, Goldsparplänen oder sonstigen komischen Anlagevehikeln. Sollten wir Ihr Anlagedepot managen dürfen, kommt einzig allein noch das Serviceentgelt hinzu, welches Sie hier unter „Transparente Kosten“ einlesen können. Dafür übernehmen wir die Recherche neuer Anlageideen, beobachten aktiv Ihr Depot und greifen ggf. ein. So justierten wir unser Modellportfolio alleine im Jahr 2017 schon viermal nach.

Seien Sie bitte schlauer als selbsternannte Verbraucherschützer (was haben die eigentlich für eine Ausbildung), Moralaposteln und Massenmedien, die einen Hype um diese vermeintlich günstigen Indexfonds machen. Bewahren Sie einen klaren Kopf und legen für sich eine persönliche Anlagestrategie fest. Gerne auch mit uns ;-).
Hier unterscheiden wir in fünf verschiedene Modellportfolio´s, wobei wir Ihnen das fünfte Modellportfolio mit der vermeintlich höchsten Risikoklasse am wärmsten empfehlen können. Dies ist nach unserem Small & Mid Cap Prinzip ausgerichtet mit insgesamt zehn verschiedenen Werten. Eine jährliche Überwachung folgt ebenfalls. Es kann immer wieder sein, dass der eine oder andere Investmentfonds ausgetauscht wird, da er mittlerweile zu stark gewachsen ist. Oder ein anderer Konkurrent hat die Nase vorn – hier wird dann selbstverständlich gewechselt. Somit haben Sie eine laufende Überwachung bei Ihrem Vermögensaufbau.

Nachtrag:
Der geschätzte Kollege Frank Rindermann nimmt sich ebenfalls der Thematik an und schreibt bei sich über die selbige Thematik mit dem Titel "Aktive oder passive Fonds – Welches sind die besseren ?""