Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung im Vergleich mit einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung

Versicherungsunternehmen werben oft damit, dass eine sogenannte Einsteiger Police (wahlweise auch "Starter" oder "Young genannt) die passende Absicherung für den Kunden in der Berufsunfähigkeitsversicherung darstellt, die sich dann auch schon junge Kunden leisten können. Schauen wir uns aber eine Starterpolice mal im Detail an und wägen die Vor- wie Nachteile neutral gegeneinander ab. 

Niedrigere Anfangsbeiträge in der Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung

Einsteiger Berufsunfähigketsversicherung Vergleich klassiche Berufsunfähigkeitsversicherung

Der größte Vorteil liegt sicherlich darin, dass der monatliche Beitrag für die Starter Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus etwas geringer ist als bei einem normalen Abschluss. Besonders in jungen Jahren sitzt der Geldbeutel oftmals nicht zu locker und als Azubi, Student oder Geringverdiener hat man sicherlich auch andere Flausen im Kopf, als dass man monatlich einen gehörigen Beitrag für ein Thema ausgibt, dass gedanklich noch sehr weit entfernt ist. Somit kann der geringere Betrag vielleicht sogar der ausschlaggebende Punkt sein, wieso sich die junge Person für eine frühzeitige Absicherung entscheidet. Wenn das so ist, dann ist es eine passende Lösung. Denn eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Sie so früh wie möglich abschließen, wo der Gesundheitszustand i.d.R. noch erheblicher besser ist als im Laufe der Jahre.

Aber die Versicherung lässt sich dieses „erhöhte“ Risiko natürlich bezahlen. Wer bezahlt dies? Genau, Sie als Versicherungsnehmer. Oftmals erhöht sich der Beitrag nach einer Startphase von fünf oder zehn Jahren erheblich stärker, als wenn es eine normale Kalkulation gewesen wäre. Das, was Sie vorher eingespart haben, zahlen Sie nachher um ein größeres Stück drauf. Es kann aber durchaus sein, dass Sie nach Ihrer Ausbildung & Studium einen gut bezahlten Job gefunden haben und nun sich die finanzielle Mehrbelastung leisten können? Dann ist alles in Ordnung und es war für Sie vielleicht doch eine passende Lösung.

Zudem besteht (das haben wir leider in unserer Alltagspraxis schon oft genug erlebt) die Problematik, dass viele Versicherungsvermittler oder Bankmitarbeiter den Kunden gar nicht aufklären, dass die Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung ab einem gewissen Alter steigen. Hier war wohl vor allem der Verkauf vordergründig im Blickfeld und nicht die bedarfsgerechte Beratung.

Schauen wir uns aber mal den Beitragsunterschied für einen 18-Jährigen KFZ Mechaniker an, welcher 1.000 Euro bis 67 Jahre absichern möchte (2 % Beitragsdynamik und Nichtraucher):

Beitrag Starter Police eines namhaften und bekannten Anbieters (welcher die Startphase auf zwei Bereiche aufteilt):

Einsteiger Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich

Über die Laufzeit kommen wir auf eine gesamte Einzahlung an Beiträgen von 47.832,84 Euro (der Einfachheit haben wir die Beitragsdynamik sowie ggf. anfallende Überschüsse rausgelassen).

Sehen wir uns die Beiträge in einer Klassischen Variante an

Klassische Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich

Hier sind über die Laufzeit Beträge von insgesamt 42.912,24 Euro netto zu entrichten und somit liegt ein Unterschied von über 10 % vor. Die Einsteigerberufsunfähigkeitsversicherung lässt sich aufgrund des geringen Beitrags also besser „verkaufen“. Letztendlich zahlt der Kunde über die gesamte Laufzeit jedoch um einiges mehr. Sollte der jeweilige Interessent aber wirklich auf jeden Euro angewiesen sein, so ist eine Starter Berufsunfähigkeitsversicherung sicherlich eine passende Lösung.

Aufpassen - langfristig bleiben der Versicherte mit schlechten Risiken im Bestand

Kommen wir aber auf einen Punkt zu sprechen, welcher Ihnen sicherlich nicht ganz geläufig ist, welcher aber zur Sprache kommen muss:

Eine Starterpolice wird naturgemäß vor allem in jungen Jahren abgeschlossen. Deshalb ist es umso wahrscheinlicher, dass die versicherte Person aufgrund seines höheren Ausbildungsgrades, einer leitenden Funktion oder eines Berufswechsels (siehe oben – vom KFZ Mechaniker zum Leitenden Angestellten) eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung anstrebt, da er durch sein neues Berufsfeld erhebliche Beiträge sparen wird. Vorausgesetzt ist natürlich, dass der Gesundheitszustand immer noch einen Neuabschluss zulässt. Wird der KFZ Mechaniker aber vielleicht Maurer, Dachdecker oder nimmt einen anderen, im Auge des BU Versicherer gefährlichen Job an, so bleibt die bisher versicherte Person natürlich in seiner Versicherung, da er hier günstiger eingestuft wird. Ebenso bleibe ich in meiner Einsteiger Police bzw. später klassischen Tarif, wenn bis dahin bsw. psychische Probleme oder ein Bandscheibenvorfall eingetreten sind.

Das ist insgesamt die größte Gefahr, welche Ihnen zu Beginn vielleicht Ihnen gar nicht so bewusst ist. Die gesünderen Personen werden das Versichertenkollektiv verlassen und es bleiben nur noch Personen mit kleinen Zipperlein oder „gefährlicheren“ Berufen. Die erhöhten Beiträge sollten dies eigentlich später ausgleichen, aber unter diesen Voraussetzungen kann massiv der Schuss durchaus nach hinten losgehen und es kann an der Preisschraube gedreht werden. Sie müssen im Moment ja nur den Nettopreis zahlen, welcher aber bis zum Bruttopreis steigen kann – z.B. wenn die Leistungsfälle zunehmen (natürlich sei gesagt, das theoretisch auch der Bruttopreis steigen könnte, wenn nicht auf Paragraph 163 verzichtet wird).

Als Fazit gilt, dass im Einzelfall eine Starter BU eventuell Sinn machen kann, aber als heilsbringende Lösung ist dies auf keinen Fall zu sehen. Grundsätzlich ist die herkömmliche Variante vorzuziehen, wenn es die finanziellen Möglichkeiten zulassen.