Berufsunfähigkeit

Die Allianz, Basler und HDI Versicherung verbessern ihre Berufsunfähigkeitsversicherung – was hat es damit auf sich?

„Der Teufel steckt im Detail“, so denken einige BU-Versicherer und verbessern in den letzten Monaten immer wieder ihre eigene Berufsunfähigkeitsversicherung. Für uns ist dies natürlich immer recht interessant zu lesen, immerhin haben wir in unserem Leben schon die eine oder andere BU vermittelt und haben dies auch künftig vor. Ok, die Ironie kommt jetzt sicherlich so durch. Aber generell ist es für uns natürlich sehr wichtig, dass wir den Markt laufend beobachten.

Verbesserung Berufsunfähigkeitsversicherung bei der Allianz, Basler und HDI

Grundsätzlich ist für uns sowie auch für andere spezialisierte Kollegen der Markt der fähigen Gesellschaften zur Berufsunfähigkeitsversicherungsversicherung relativ stark eingeschränkt. Zum einen sind es die nicht soooo guten BU-Bedingungen, aber vielmehr schlägt eine relativ geringe Kompetenz in der Risikoprüfung zur Berufsunfähigkeitsversicherung viel stärker durch. Wenn eine Gesellschaft schon bei einem Heuschnupfen oder einem einmaligen Arztbesuch wegen Rückenverspannung in Schnappatmung gerät, dann können wir mit so einem Unternehmen leider nicht zusammenarbeiten. Eine gewisse Qualität fordern wir definitiv ein. Also geht unser Blick dann umso mehr in die Verbesserung der Vertragsbedingungen bei vernünftigen Anbietern. Davon gab es in den letzten Monaten drei Stück. Fangen wir mit der Allianz an (Reihenfolge ist ohne Wertung von unserer Seite). Falls detailbesessene Kollegen unseren Blog lesen – es ist jeweils natürlich nur ein Ausschnitt der wichtigsten Verbesserungen. Wir schreiben zudem für den Endverbraucher, nicht für Paragraphenreiter.

1. Verbesserungen der Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung

Bei der Allianz hat sich in den letzten Jahren in der BU einiges zum Positiven verändert. Man hat sicherlich gemerkt, dass man bei freien und neutralen Versicherungsmaklern nicht unbedingt einen Blumentopf mit ihrer alten BU gewinnen konnte. Weder von den Versicherungsbedingungen, noch vom Preisniveau im Vergleich zu anderen Gesellschaften.

Studenten können sich nun bis zu 2.000 Euro absichern

Wichtiger Punkt auch für uns, da doch sehr viele Studenten bei uns anfragen. Bisher sind uns nur zwei sehr gute Gesellschaften bekannt, wo man ebenfalls 2.000 Euro als Student absichern kann. Zum einen der Volkswohl Bund und zum anderen die Alte Leipziger (aber nicht jeder Studiengang). Dies ist insofern für uns auch sehr wichtig, da wir relativ häufig die BU-Absicherung auf zwei Anbieter aufteilen um später völlig flexibel zu sein bei den Nachversicherungsgarantien. So sind statt 1*2.500 Euro (i.d.R) nun 2*2.500 Euro möglich. Besonders für junge Studenten, welche ggf. eine Karriere und einen hohen Verdienst anstreben, ist dies sehr wichtig. Leider regelt die Allianz die Nachversicherungsgarantie nicht soooo ideal, da maximal 100 % möglich sind. Sichert man zu Beginn 1.000 Euro ab, liegt man also bei 2.000 Euro schon beim Maximum. Sollte die Allianz also in Betracht gezogen werden heißt es somit „tüfteln“. Bei der Allianz vielleicht 1.500 Euro und 500 Euro bei der Alten Leipziger, da man bei dieser die ersten 5 Jahre (maximales Alter 35) nach dem Studium direkt auf 2.500 Euro gehen kann, solang die finanzielle Angemessenheit stimmt.
Aber da ist jeder Fall anders und individuell zu sehen. Wir haben es unter Punkt 7 des Artikels „Berufsunfähigkeitsversicherung Konfiguration – welche Parameter sind für mich wichtig?“ näher beschrieben, warum eine Aufteilung Sinn machen kann. Gern mal reinschmöckern.
Angemerkt sei noch, dass die Allianz ganz klar nicht der Benchmark für Studenten darstellt. Die technische Ausgestaltung hat sich verbessert.

Der Beitragsdynamik kann unbegrenzt widersprochen werden

Für uns eigentlich selber ein nicht soooo wichtiger Punkt, für viele Interessenten komischerweise aber schon. Bei vielen Gesellschaften kann man zweimal in Folge die Beitragsdynamik ablehnen. Möchtest Du das dritte Mal ablehnen, erlischt diese mehr als wichtige Option für immer. Die Allianz schließt sich jetzt aber der Benchmark Regelung der Alten Leipziger an und bietet nun ein unbegrenztes Widerspruchsrecht. Du könntest also theoretisch zehnmal in Folge ablehnen und hast im elften Jahr immer noch das Recht auf die Beitragsdynamik. Hört sich flexibel und wichtig an, aber wir sehen das eher nüchtern. Selbst bei einer Beitragsdynamik von fünf Prozent und einem zweimaligen Widerspruch, liegt die Erhöhung bei maximal knapp 1,7 Prozent pro Jahr. Grundsätzlich also nicht viel. Aber selbstverständlich ist jegliche flexible Lösung zu begrüßen und von daher Daumen hoch für die Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung.

Du kannst ohne Grund einfach 24 Monate aussetzen bei vollem Versicherungsschutz

Dies ist jetzt wirklich eine kleine Verbesserung, die es so am Markt wohl noch nicht gibt. Wenngleich in unseren Augen hier vielleicht falsche Signale gesetzt werden. Du könntest bei der Allianz Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Angaben von Gründen einfach bis zu zwei Jahre aussetzen und hast trotzdem den vollumfassenden Schutz. Bei vielen anderen Gesellschaften ist dies auf sechs Monate begrenzt und auch oft an ein bestimmtes Ereignis gebunden.
Grundsätzlich ist dies für uns aber auch kein so bedeutender Punkt. Wir trichtern unseren Interessenten nämlich immer wieder ein, dass neben der Privaten Haftpflichtversicherung die Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste Versicherung ist. Lieber stellt man die Altersvorsorge oder Fondssparpläne mal beitragsfrei oder das Auto wird von Vollkasko auf Teilkasko geändert. Spitzfindigen unter Euch sei aber gesagt, dass man die Prämien nach den 24 Monaten natürlich rückwirkend entrichten muss. Alternativ sinkt die Absicherung, wenn Du die Prämien nicht bezahlen möchtest & kannst. Es ist eine Stundungsoption, keine Beitragsfreistellung. Diese kann übrigens auch mehrmals während der Laufzeit eingesetzt werden.
Marketing gut – wirkliche Relevanz naja.

Erhöht der Gesetzgeber das Renteneintrittsalter, dann kannst Du Deine BU ebenso verlängern

Sinnvoller und wichtiger Punkt, wo sich die Allianz nun den Marktführern anschließt (wie z.B. dem Volkswohl Bund, LV 1871, Basler, Bayerische, etc.). Du darfst aber noch keine 50 Jahre alt und das Endalter für die BU muss mindestens 63 Jahre sein. Kleiner Wermutstropfen: Es erfolgt „Nur“ keine neue Gesundheitsprüfung, besser wäre es, wenn auf eine neue Risikoprüfung verzichtet wird. Den Unterschied haben wir im Artikel „Der Teufel steckt im Detail – Risikoprüfung vs. Gesundheitsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung“ etwas näher beschrieben.  Es gilt zudem das neue Eintrittsalter für die Verlängerungsoption = die dann gültigen Rechnungsgrundlagen. Aber auch diese Option ist sicherlich nicht falsch.

Verbesserte Leistung bei Arbeitsunfähigkeit                  

Es kann durchaus mal vorkommen, dass Du 8 Monate krankgeschrieben bist. Dann bist Du nicht automatisch berufsunfähig, sondern vielleicht erst arbeitsunfähig. Aus der Berufsunfähigkeitsversicherung würdest Du dann keine Leistung bekommen. Als Beispiel dient hier ein ganz normaler Kreuzbandriss, der vielleicht nicht ganz so toll verheilt und Du auch noch auf Reha musst. Bei der Allianz würdest Du somit rückwirkend für diese 8 Monate Leistung bekommen. Über die gesamte Laufzeit war die Leistung bei Krankschreibung auf 18 Monate beschränkt, nun wurde diese auf 24 Monate erhöht.
Es gibt aber einen sehr großen Wermutstropfen. Du müsstest zeitgleich einen Antrag auf Berufsunfähigkeit stellen mit allen umfangreichen Unterlagen. Die Allianz entscheidet dann, ob Du AU oder schon BU bist. Dies haben andere Gesellschaften wie die LV 1871, Basler, Bayerische und viele weitere klar besser gelöst. Hier genügt – sehr salopp gesagt – die sechsmonatige Krankschreibung eines Facharztes.
Sollte ein Leistungsfall eintreten, würden wir Dich eh an einen Experten „überweisen“, der sich auf die professionelle Begleitung von BU Leistungsfällen spezialisiert hat. Bei einer reinen Arbeitsunfähigkeit über vielleicht 7 Monate ist dies aber etwas über das Ziel hinausgeschossen. Anders wie bei nahezu allen anderen Gesellschaften ist die AU-Klausel aber festes Vertragsbestandwerk bei der Allianz und kann nicht abgewählt werden. Der Baustein ist kostenfrei mit dabei. Von daher hat sich eine nicht optimale Regelung minimal verbessert. 

Es gibt noch einige weitere Punkte, kommen wir zum nächsten Anbieter mit der Basler Versicherung:

2. Verbesserungen der Basler Berufsunfähigkeitsversicherung im April 2019

Es ist schon interessant zu sehen, wie die Basler in der Berufsunfähigkeitsversicherung seit 2016 Gas gibt. Bis dahin spielte die Schweizer Gesellschaft in Deutschland keine nennenswerte Rolle in diesem Bereich. Durch Umstrukturierungen (Bestand des Deutschen Ring wurde übernommen) möchte man sich jetzt aber ganz klar auf Biometrische Risiken konzentrieren. Die BU ist mittlerweile recht gut geworden, was auch daran liegt, dass gefühlt jedes Quartal neue Verbesserungen in den Bedingungen manifestiert werden. Hier orientiert man sich gerne an dem Benchmark und kopiert sinnvolle Ansätze einfach. So kann man es natürlich auch machen, aber solange die Lösung den Kunden hilft, passt es. Auch im April 2019 gab es wieder einige leichte Verbesserungen.

Der (vermeintlich) wichtigste Punkt: Ein Berufswechsel kann sich positiv auswirken auf den Beitrag!

Dies ist ein echter Mehrwert. Versicherst Du Dich bei der Basler z.B. während Deiner Ausbildung zum Bürokaufmann / Frau, dann bleibt Dir ein Leben lang diese Berufsgruppe erhalten. So war es bisher. Man konnte nicht schlechter gestellt werden, auch wenn man plötzlich den Beruf des Dachdeckers für sich entdeckte. Aber was ist, wenn man nach der Ausbildung studieren möchten und somit in eine bessere Berufsgruppe rutschen würde? Hier hätte man bei der Basler dann einen neuen Antrag stellen müssen mit neuem Risiko & Gesundheitsfragen. Jetzt erfolgt eine Günstigerprüfung für den Kunden. Besonders auch für Schüler, Studenten und Azubis sehr interessant. Hier schließt man nun zur Marktspitze auf. Gilt leider aber nur für Personen bis zum 51. Lebensjahr. Für spät Berufene kommt es daher nicht in Frage.
Update nach wenigen Tagen: Auch wir sollten die Vertragsbedingungen explizit lesen. So gut die Regelung im Werbeflyer erscheint, so nüchtern müssen wir diese in den Vertragsbedingungen wiederlegen. Hier steht nämlich: "Wir können die Gesundheit der versicherten Person erneut prüfen. Davon kann es abhängen, ob wir ihren Beitrag senken können". Es würde somit eine neue Gesundheitsprüfung erforderlich werden. Das ist keine tolle Lösung und dies haben andere Marktteilnehmer besser gelöst (z.B. die Alte Leipziger). 

Neue Einstufungen für die Schüler Berufsunfähigkeitsversicherung:

Bisher gab es bei der Basler zwei Einstufungen mit:

  • Schüler bis zu 10. Klasse
  • Schüler ab der 10. Klasse

Hier unterschied man praktisch bis zur 10. Klasse nicht, ob man schon am Gymnasium verweilt oder noch in der Hauptschule. Man hat sich somit wieder dem Markt angepasst. Das ist für die einen positiv (ein Schüler, der schon in der 7. Klasse im Gymnasium ist), für die anderen wiederum negativ (Hauptschüler). Nun geht man also auch bei Schülern den Weg der immer weiter spreizenden Einstufungen. Irgendwie verständlich, aber auch schade. So ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Hauptschüler später studiert, sondern ggf. auch eher einen körperlichen Beruf erlernt. Der Gymnasiast wird ggf. später eher einen „gefahrenarmen“ Beruf anstreben. Eine Übersicht, wie es andere Gesellschaften machen, bekommst Du übrigens unter „Schüler Berufsunfähigkeitsversicherung - sinnvoll oder nur ein Marketing Gag?“. Leider wurde aber nicht der Verzicht auf erneute Risikoprüfung eingebaut, es wird weiterhin „nur“ auf eine erneute Gesundheitsprüfung verzichtet. Somit wäre noch etwas Luft zum Benchmark (LV 1871 und der Alten Leipziger).

Ansonsten sind viele kleine Punkte verbessert worden und teilweise auch die AVB´s etwas verbraucherfreundlicher geschrieben worden. Hier ein kleiner Auszug:

Der vorläufige Versicherungsschutz (Zeit bis zur Antragsstellung) wurde auf 2.000 Euro erhöht, was gleich eine Verdoppelung zur Folge hatte:

Die Absicherung für Azubis wurde minimal verbessert / klargestellt:

Die Basler bietet ja insgesamt vier Bausteine an mit der AU Klausel, garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall (leider aber nur maximal 1 %), Pflegeschutz und den Krankheitenschutz. Vorher war es etwas unklar, ob man während der Vertragslaufzeit die einzelnen Punkte wieder entfernen konnte. Dies wurde jetzt sauber erläutert.

Dies nun als kleiner Auszug von den Verbesserungen der Basler.

3. Auch die HDI verbessert in 2019 ihre Berufsunfähigkeitsversicherung

Der dritte im Bunde ist der Konzern aus Hannover, welche sich ja rühmt, jetzt schon eine der besten Berufsunfähigkeitsversicherungen zu besitzen.

Besserstellung für Studenten, was vor allem für angehende Ärzte interessant ist.

Kenner der Szene stufen dies insbesondere bei Studenten der Humanmedizin als große Verbesserungen ein. Diese waren bis zu den ersten drei Vierteln des Studiums immer in der nicht so optimalen Berufsgruppe A. Diese sind nun von Beginn an in A1.

Extrem starke Erhöhungsmöglichkeit für Studenten nach Aufnahme einer Beruflichen Tätigkeit

Ne sehr coole Sache. Nach dem Studium kann der Berufsanfänger bis zu 2.500 Euro absichern. Theoretisch kann der Student zu Beginn 500 Euro versichern und mit Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit sofort auf 2.500 Euro erhöhen, solange dies in der finanziellen Angemessenheit liegt (ca. 60 % des Bruttogehaltes). Man muss nicht den mühsamen Weg der Beitragsdynamik & vereinzelten Nachversicherungsgarantien gehen, um sofort eine angemessene Absicherung zu bekommen. Bitte aber beachten: Wir bevorzugen für angehende Akademiker & Jungverdiener eher die Lösung, dass man seinen BU Schutz auf zwei Gesellschaften aufteilt. Hier bist Du langfristig etwas flexibler. Steigst Du sofort sehr hoch ein in Punkto Gehalt, dann ist die HDI natürlich trotzdem eine gute Option. Ähnliches (sogar noch etwas flexibler) bietet nach unserem Wissen nur noch die Berufsunfähigkeitsversicherung der Alten Leipziger mit der sogenannten Ausbaugarantie an.

Dies sind die beiden großen Punkte, wenngleich es wahrscheinlich nur für einen geringen Teil an Interessenten von Bedeutung sein dürfte. Für insgesamt 21 Berufe gab es aber auch eine Bessergruppierung = günstigere Beiträge. Viele kleine Verbesserungen in den Vertragsbedingungen gab es aber ebenfalls, wie man an folgender Graphik sieht:

Grundsätzlich somit sehr erfreulich, wie einzelne Gesellschaften ihre Bedingungen immer verbessern und auch Klarstellungen in den Vertragsbedingungen vornehmen. Wir sind gespannt auf die nächsten Verbesserungen, welche es geben wird!  Liebe Gesellschaften, spart aber bitte auch nicht an einer qualifizierten Risikoprüfung. Für vernünftig arbeitende Versicherungsmakler ist dies wie die Luft zum Atmen. Hier gibt es bekanntlich extreme Unterschiede!