Die panische und irrationale Angst der Anleger vor Kursschwankungen

Börsenschwankung irrationale Angst

Zahlreiche Studien für den US-Aktienmarkt belegen, dass es über die letzten 200 Jahre eine inflationsbereinigte Rendite von ca. 7 % gab. Die Betonung liegt hier nochmal auf „Nach Inflation“. Die durchschnittlichen Bundesbürger geben sich aber real über all die Jahre mit 0,8 % auf dem Sparkonto oder Festgeld (bitte beachten – auch wenn Sie früher vielleicht 2 % aufs Tagesgeld bekommen haben, hilft es Ihnen wenig, wenn die Inflation auch um 2,5 % steigt – der reelle Wertverlust ist vorhanden) zufrieden. Das große Rätsel lautet auch für uns immer wieder – wieso geben sich vor allem die deutschen Anleger diesen Magerrenditen hin? Prinzipiell ist die Antwort aber ganz einfach: Die Angst vor Kursschwankungen (oder auch Volatilität) ist immens und kann nicht rational erklärt werden.

Bis zum heutigen Tage hat sich sowohl bei privaten, als auch bei vielen institutionellen Anlegern wenig geändert. Festgeld und Sparguthaben gelten als sicher, Aktien und somit die Teilnahme an der Wertschöpfung zeigen etwas Anderes auf. Auch viele Ratingagenturen spielen dieses Spiel mit. Bei der Beurteilung von Investmentfonds werden daher die Ergebnisse „risikobereinigt“. Im Zweifel schneidet der Fonds mit einer höheren Schwankungsbreite ungünstiger ab als ein Fonds mit deutlich schlechterer Wertentwicklung. Letzterer verzeichnet aber geringere Kursschwankungen und somit kommt er im Rating weiter vorne vor. Die Volatilität wird als Risiko gleichgesetzt.

Chart seit dem Jahr 1801 mit knapp 7 % Wertentwicklung p.a.

Aktien sind langfristig die sicherste Anlage

Quelle: Starcapital 31.12.2016

Wir sehen das Risiko langfristig aber wo anders. Nämlich die Gefahr von dauerhaften und substanziellen Vermögensverlusten. Schleichend, langsam und oft unbemerkt. Betrachtet man das Thema Aktien aus dieser Richtung, so sind diese die sicherste Anlageform überhaupt, da man direkt ein Teil der Wertschöpfung ist. Wenn Sie daran glauben, dass wir in 10 Jahren noch etwas essen und dies nicht im eigenen Gemüsegarten abgebaut wird, wir noch von A nach B fahren, wir (leider) auch weiterhin krank werden oder miteinander kommunizieren, so gibt es keine rationale Erklärung, warum wir uns nicht an diesem Wirtschaftsgut beteiligen. Aktien und somit Unternehmensanteile sind nicht nur die rentabelste, sondern langfristig auch die mit Abstand sicherste Anlageform. Denn es ist bei einem Crash noch nie vorgekommen, dass man mit einem international gut diversifizierten Aktienportfolio nicht über kurz oder lang wieder in die Gewinnzone gekommen ist.

Anleger haben generell ein gutes Gedächtnis. Hier kommt etwas die Psychologie ins Spiel. Die beiden Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky fanden in Studien heraus, das Verluste Anleger stärken „schmerzen“ als sie Gewinne „erfreuen“. Ein Verlust von 100 Euro hat demnach eine höhere „Wertveränderung“ als ein Gewinn in gleicher Höhe. Dieses Phänomen sorgt dafür, das Anleger Gewinne zu früh und Verluste in der Baisse (=schwachen Märkten) realisieren.

Negativerlebnisse bleiben psychologisch eher im Kopf – auch in der Aktienanlage

Dies zeigt auch das derzeitige Jahrtausend. Bei vielen ehemaligen Anlegern ist vor allem die Internetblase 2000 und die Finanzkrise 2008 im Kopf geblieben, währenddessen die jetzt schon über 8-jährige Hausse (=steigende Märkte) weniger in den Köpfen präsent ist. Derzeit erleben wir aber einen positiven Kursverlauf historischen Ausmaßes, welcher nun schon knapp ein Jahrzehnt dauert. Es scheint ein gewisser Mechanismus im Gehirn zu sein, der dafür sorgt, dass ein Vermögenszuwachs schnell vergessen wird, währenddessen eine kurzzeitige Korrektur auf ewig im Gedächtnis bleibt.

Es ist somit ein Dilemma mit der eigenen Psyche. Deshalb plädieren wir für Rationalität. Für Sie als Anleger müssen Kursbewegungen an den Börsen nicht ein Risiko darstellen. Wenn Sie Ihr Vermögen kurzfristig benötigen, so ist eine Anlage in Investmentfonds natürlich keine passende Möglichkeit. Haben Sie einen längerfristigen Horizont, so ist das Risiko eines Vermögensverlustes auf dem Sparkonto, dem Festgeld oder klassischen Lebensversicherungen bei weitem höher als die direkte Anlage in Aktien und Investmentfonds. Anleger, welche eine Immobilie erwerben, sehen sich auch nicht jeden Tag den Kursverlauf an. Dies ist quasi gar nicht möglich, da es diese Transparenz gar nicht gibt. Bei einer Immobilie wird auch ein langfristiger Horizont angesetzt. 

Bleiben Sie investiert – sonst verpassen Sie die besten Börsentage!

Privatanleger neigen dazu, sich den Markt „zurechtzureden“. Man meint, dass man die Kursverläufe voraussagen kann und somit Markttiming betreibt. Eine interessante Studie der Sutor Bank, welche vor kurzem vorgestellt wurde, kommt zu einem interessanten Ergebnis. Hier wurde der Deutsche Aktien Index (Dax = die 30 größten Unternehmen in Deutschland) seit seiner Gründung 1987 untersucht. Ab diesem Zeitpunkt gab es eine jährliche Rendite von 8,3 %. Wäre sie aber an den 15 besten Börsentagen nicht investiert gewesen, so schmilzt die Rendite auf nur noch 4,09 %. Immer noch besser als das Sparbuch, aber trotzdem ärgerlich. Das alles nur, weil Sie an 15 Börsentagen innerhalb von 20 Jahren (!!) nicht investiert gewesen sind. Wer statt auf die besten 15 Börsentage auf die besten 6 verzichtet hätte, hätte immerhin noch eine jährliche Rendite von 6,30 %.

Sehen Sie dies im graphischen Verlauf: Die besten 15 Börsentage verpasst!

Kursverlauf ohne und mit den besten Börsentagen DAX


Wir wissen nicht was morgen sein wird, wir wissen aber, was langfristig die beste Anlage darstellt!

Wir sind ehrlich zu Ihnen – wir wissen nicht, ob die Börsen morgen steigen oder fallen. Vielleicht ist morgen ein guter Tag? Oder ein schlechter? Wichtig ist, dass man einfach mittel- bis langfristig investiert ist. In Investmentfonds, die einen klaren Mehrwert gegenüber dem Benchmark schaffen. Idealerweise langfristig in Small & Mid Caps (kleine und mittlere Unternehmen), da diese eine höhere Rendite versprechen als Large Caps (Große Unternehmen). Die Kursschwankungen dürfen Sie dabei nicht tangieren. Breit gestreut über viele Regionen in dieser Welt. Keinen Fokus auf Deutschland, denn sonst entsteht das sogenannte Klumpenrisiko. Oder besser gesagt „lege nie alle Eier in einen Korb“.
Dazu gehört auch die Teilnahme an der Wertschöpfung an Unternehmen in den USA, Nordeuropa, Asien und sämtlichen weiteren Schwellenländern. Damit senken Sie das sogenannte Risiko nochmal erheblich, da die einzelnen Märkte nicht linear zueinander laufen. Aber lassen Sie sich durch kurzzeitig heftige Kursturbulenzen nicht verschrecken. Sehen Sie dies eher als interessante Einstiegschance. Wenn Sie morgen in den Supermarkt gehen und alle Produkte sind plötzlich 20 % günstiger für kurze Zeit, würden Sie dann nicht zuschlagen?

Haben Sie monatliche Sparpläne am Laufen, so können Sie sich noch entspannter zurücklehnen. Hier kaufen Sie automatisch in schwächeren Marktphasen günstige Anteile von den fantastischsten Unternehmen dieser Welt ein. Dies ist psychologisch gesehen ein nicht kleiner Punkt, der Sie bei Kapriolen am Finanzmarkt positiv in die Zukunft blicken lässt!

Fazit zur irrationalen Angst der (deutschen) Anleger beim Thema Aktien:

Es ist quasi so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Sie über einen längerfristigen Zeitraum mit Investmentfonds Gewinne machen. Lassen Sie sich nicht von der Volatilität ins Boxhorn jagen, sondern nutzen Sie die Schwankungen des Kapitalmarktes noch eher für sich (z.B. durch einen monatlichen Sparplan oder Neuinvestitionen bei fallenden Kursen). Nur weil Ihr Nachbar oder Arbeitskollege im Jahr 2000 im Investmentbereich so gut wie alles falsch gemacht hat, müssen Sie diese Fehler nicht wiederholen. 
Sollten Sie sich näher mit der Thematik beschäftigen wollen, so überlegen Sie sich aber die passende Strategie, um Überrenditen zu bekommen. Dies ist vor allem mit Small & Mid Caps möglich.