Berufsunfähigkeit

„Von meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich gehört, dass es einige preisgünstigere BU Versicherungen gibt……“

….so war die Mail einer Kundin von uns vor wenigen Tagen an uns gerichtet. Die nette Dame hat im Herbst 2017 bei uns eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Nun fragt sie sich, wieso sie denn eigentlich mehr bezahlt, als viele ihrer Freunde oder Bekannte. Da wir uns damals beim Abschluss 2017 sicherlich was dazu gedacht haben, sind wir mal Punkt für Punkt in unserer Email Antwort durchgegangen, welche wir Dir hier vorstellen möchten.

Oh Schreck - Die Berufsunfähigkeitsversicherung meiner Freundin ist günstiger...

Grundsätzlich gilt aber eines, welches wir immer wieder mitbekommen. Es werden Äpfel und Birnen miteinander verglichen. Der eine kauft ein Handy für 70 Euro im Second Hand Laden, der andere benötigt das neueste iPhone für 1.149 Euro unverbindlicher Preisempfehlung. Der Maurer wird wahrscheinlich mehr für seine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen als der Diplom-Mathematiker in seinem Bürosessel. Warum ist das eigentlich so? Es ist doch alles dasselbe „Produkt“? Haben die Freunde oder Bekannten unserer Kundin eine andere oder gar bessere Berufsunfähigkeitsversicherung?

Schauen wir uns schnell die exakte Mail an, welche uns zu dieser Thematik erreichte. Wir zitieren:

„Hallo Stefan,

Ich muss mich heute mal wieder melden, ich habe ein Anliegen wegen meiner aktuellen BU- Versicherung. Ich merke, dass mir der Betrag von 74€ im Monat doch schon zu viel ist. Von meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich gehört, dass es einige andere preisgünstigere Versicherungen gibt. Daher meine Frage, ob Du mir welche im Rahmen von 20 - 30 € empfehlen kannst?

Liebe Grüße,“

Angemerkt sei, dass unsere Kundin im Moment 23 Jahre alt ist und als Erzieherin arbeitet. Nicht unbedingt ein Beruf, der sehr günstig eingestuft wird. Der mtl. Zahlbeitrag beträgt im Moment ca. 75 Euro für 1.000 Euro Absicherung, Endalter 67 Jahre, drei Prozent Beitragsdynamik, zwei Prozent garantierte Rentensteigerung und eine Pflegeklausel.

Aber schauen wir mal Stück für Stück unsere Antwort im Detail an, darunter wird es noch etwas von uns verbessert. Zuerst gab es aber eine allgemeine Aufklärung zu der Thematik mit

„Ich hab mir Deine BU angesehen und jetzt nichts herausgefunden, was hier "teuer" ist. Ich vermute hier eher, dass in Deinem Freundes- & Bekanntenkreis tickende Zeitbomben lauern bzw. die eine Absicherung haben, die sie sich schenken können. Es wird hier wohl ein Äpfel- und Birnenvergleich stattfinden. Es ist eine ähnliche Frage wie "Ich hab mir ein Auto für 8.000 Euro gekauft".

Daraufhin sagt der andere "Meines hat nur 3.000 Euro gekostet, Ha Ha)". Der nächste sagt dann "Meines kostete 19.000 Euro, kann aber viel mehr". Obwohl es jeweils ein Auto ist, gibt es sehr große Unterschiede. Im Gegensatz zur BU sichert ein Auto aber nicht die Existenz ab. Wir bekommen in der Woche ca. 15-20 BU Anfragen, wobei ich viele aber ablehnen muss. Sei es, dass vor kurzem Multiple Sklerose bei einer jungen Frau festgestellt wurde, jemand nun an einem schweren Hirntumor erkannte oder man schwere Depressionen bekam. Die sind leider nicht mehr versicherbar.

Wenn Du der Überzeugung bist, dass Du niemals schwer erkranken wirst, dann benötigst Du natürlich keine BU. Mind. eine zweistellige Anzahl an Personen jede Woche würde aber sehr gerne mit Dir tauschen.“

(Tobias hat hier geantwortet, die BU hat im letzten Jahr aber Stefan vermittelt. Mittlerweile betreut aber Tobias den kompletten BU Bereich im Hause, deshalb hat er sich auch der Thematik angenommen).
Zuerst gab es also eine kleine Einführung, dass BU Versicherung nicht gleich BU Versicherung darstellt. Zugleich wurde nochmal sehr stark verdeutlicht, wie wichtig eine Berufsunfähigkeitsversicherung eigentlich ist. Falls die Dame mit dem Gedanken spielt, diese aufzulösen. Es gibt sicherlich Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen in Deutschland, die sich freuen würden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Ausschlüsse zu bekommen.

„1. Wie hoch ist die "Absicherungshöhe" im Bekanntenkreis? Viele sind auf Hartz4 Niveau unterwegs, dass nenn ich auch gerne "Hartz 4 Verhinderungspolice". Eine BU über 500 Euro monatlich ist völlig sinnfrei und kann man sich auch sparen. Les Dir bitte folgenden Artikel mal durch:
https://www.n-tv.de/ratgeber/Mini-Renten-bringen-nichts-article4359286.html
Auch Du bist jetzt mit ca. 1.000 Euro zu niedrig abgesichert. Hier ist es sehr wichtig, dass Du jedes Jahr die Beitragsdynamik annimmst und wenn es einen Anlass gibt, diese auch zu erhöhen. Wenn Du nicht mehr arbeiten kannst, dann zahlst Du auch nicht mehr in die Gesetzliche Rentenversicherung ein & Deine Altersvorsorge müsste viel weiter nach oben geschraubt werden. Wie es mit BU Renten zwischen 500 -750 Euro aussieht, kannst Du Dir denken. Das kann man sich dann gleich sparen und vielleicht mal vom Pfandflaschen sammeln leben.“

Die Punkte sind sicherlich gut erklärt und nachvollziehbar. Besonders bei unseren regionalen Anfragen, die von einer hiesigen Bank oder einem örtlichen Strukturvertrieb beraten werden, liegt die Absicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherungen bei 500 Euro. Das dies völliger Quatsch mit Soße ist, sieht man am obigen Link zum Artikel von N-TV. Wir können uns gut vorstellen, dass die Bekannten von unserer Kundin auch teilweise eine zu geringe Absicherung besitzen. Angemerkt sei von unserer Seite natürlich, dass eigentlich 1.000 Euro auch zu wenig Absicherung sind. Zumindest federn die Beitragsdynamik & garantierte Rentensteigerungen (kommt später noch etwas dazu) die eher geringe Rente ab. Hier ist es sehr wichtig, dass zumindest jedes Jahr die Beitragsdynamik mitgenommen wird und man auch gerne mal eine Nachversicherungsoption nutzt, auch wenn als Erzieherin leider der Gehaltseingang nicht sooo stark steigen wird (wobei dieser und viele andere soziale Berufe bei uns in Deutschland endlich besser bezahlt gehören). Damals war aber explizit der Wunsch, nicht mehr als 1.000 Euro abzusichern. Wenn die Freunde & Bekannten aber natürlich nur 750 Euro absichern, ist dies günstiger als 1.000 Euro. Im Leistungsfall ist man natürlich auch schlechter dran.

„2. Haben Deine Bekannten eine garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall vereinbart? Macht ca. 12-14 % vom Beitrag aus bei Deinen 2 %. Viele BU Policen haben dies aber nicht vereinbart. 1.000 Euro Absicherung klingt jetzt ganz nett. Aber rechne mal den Kaufkraftverlust / Inflation in 10 Jahren hoch. Da sind 1.000 Euro dann in 10 Jahren schnell mal 800 Euro von der Kaufkraft her. Ich bin mir sicher, dass diesen Zusatzbaustein niemand vereinbart hat. Du hast hier zwei Prozent Steigerung im Leistungsfall vereinbart. 

Die wenigsten dürften so etwas schon mal gehört haben. Eine garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall. Oder auch Leistungsfalldynamik genannt. 1.000 Euro sind jetzt vielleicht eine Menge Geld, aber in 10 Jahren greift der Kaufkraftverlust schleichend und langsam an. Wie ein süßes Gift. Alles wird etwas teurer, aber meine monatliche Absicherung zur Existenz IM Leistungsfall bleibt gleich. Einzig nicht garantierte Überschüsse (im Moment 1,60 Prozent bei dem Versicherer) erhöhen ggf. die Rente. Diese können aber auch auf null fallen. Bei einigen Anbietern ist dies auch schon passiert. Der Crux an der ganzen Sache: Es macht die BU-Absicherung „teurer“. Pro einem Prozent garantierte Rentensteigerung steigt der Zahlbeitrag um ca. 5-7 Prozent an. Wir hatten in diesem Vertrag zwei Prozent vereinbart, so dass wir schon bei 12-14 % an „Mehrbeitrag“ gegenüber der tollen BU-Versicherung der Bekannten sind, welche das Wort garantierte Rentensteigerung noch nie gehört haben. Klar, so macht man es günstiger. Wir haben nun auch schon einige junge BU-Leistungsfälle in unserem Kundenbestand. Diese sind oder wären (!!!!) heilfroh, dass es die garantierte Steigerung im Leistungsfall gibt.

3. Wie lang ist die Laufzeit? Bis 67 Jahre? Deine BU Absicherung geht bis 67 Jahre. Andere Policen enden oft mit 60 oder 63, was sich natürlich sehr am Preis bemerkbar macht. Ich zitiere mal unsere Homepage:

Quelle: Konfiguration Berufsunfähigkeitsversicherung

Das ist eine Stellschraube, woran man am ehesten drehen kann. Aber auf keinen Fall sollte. Noch immer tauchen in den Ordnern von unseren Interessenten teilweise Berufsunfähigkeitsversicherungen auf, welche nur bis zum 60. oder 63. Jahr laufen. Klar, dass macht von den monatlichen Beiträgen dann viel aus. Je älter man wird, desto höher ist die Chance, dass man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Aber denk mal weiter. Nehmen wir an, unsere Erzieherin kann mit 45 Jahren nicht mehr arbeiten und nun bekommt sie 2.000 Euro monatliche Rente (erreicht durch Beitragsdynamiken und / oder durch eine Nachversicherungsgarantie). Nehmen wir zudem an, die Versicherung läuft nun bis 60 Jahre. Was macht sie zwischen 60 und 67 Jahre? Da fällt man dann garantiert auf Grundsicherung oder anders gesagt – Hartz 4 Niveau. Es kann einen direkt die Verzweiflung packen und einem Angst und Bange werden, wenn das 60. Lebensjahr immer näher rückt. Auf was verzichtet der BU Kunde dann eigentlich? Gehen wir sehr (!!) konservativ von den 2.000 Euro aus, ohne Steigerungen. Alleine zwischen dem 60. Und 67 Lebensjahr beträgt die Lücke 168.000 Euro (!!!). Ein Wert, den die wenigstens angespart auf ihrem Konto haben. An der Stellschraube Endalter zu drehen, ist sehr gefährlich….

4. Wie sind die Bedingungen? Haben sich Deine Bekannten die 80 Seiten Vertragswerk angesehen und durchgelesen? Sind die mit allen Punkten einverstanden und können es nachvollziehen? Eine BU Versicherung berechnet sich vor allem durch die Vertragsbedingungen. Klar, wenn kein Leistungsfall eintritt, bekommt man diese nicht mit. Aber wenn der Leistungsfall kommt - dann wird das erst interessant.

Wem erzählen wir hier etwas Neues? Wohl niemandem. Man kauft sich bei einer BU-Versicherung vor allem eines ein: ein sehr langes Bedingungswerk, wo man hofft, dass es nie zur Geltung kommt. Und wenn doch, dass es dann ein gutes ist…. Auch wir erleben es noch sehr häufig, dass bei sehr billigen Verträgen oftmals elementare Punkte fehlen. Zu nennen sei einfach mal die beliebte abstrakte Verweisung, ein Prognosezeitraum von drei Jahren oder eine Arztanordnungsklausel, die eigentlich keine normale Person unterschreiben würde. Wenn man sich damit auseinandersetzt…

5. Haben Deine Bekannten & Freunde das Pflegepaket mit drin? Nein, sicher nicht. Du hast es damals eingebaut. Du hast automatisch das Pflegethema mit abgesichert. Die unten stehende Graphik sagt hier alles aus. Frag mal nach, wer es noch so hat?

Damaliger Kundenwunsch war, dass man auch die Thematik rund um die Pflege auf einmal mit anpacken möchte. So wurde die Pflegerente mit eingebaut. Diese ist in ihrem Alter zwar noch relativ günstig, schlägt aber je nach Anbieter auch gleich mit 10-20 Prozent Mehrpreis auf. Wir würden sehr viel darauf wetten, dass die Vergleichsangebote ihrer Bekannten dies nicht mit eingebaut haben.

6. Welchen Beruf haben Deine Bekannten? In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es ja Berufsgruppeneinstufungen. Wenn Deine Freunde nur im Büro arbeiten, dann ist es eine günstigere Berufsgruppe als für Dich als Erzieherin, da das statische Risiko größer ist, dass Du Deinen Beruf mal nicht mehr ausüben kannst. Von daher ist es wieder ein Äpfel- und Birnenvergleich, wenn man einzelne BU-Versicherungen miteinander vergleicht, wenn es verschiedene Berufe zur Auswahl gibt.

Jetzt der eigentlich wichtigste Punkt. Es dürfte jedem klar sein, dass jeder Beruf nüchtern gesehen ein anderes Risiko besitzt, als ein anderer. Der Arzt wird wahrscheinlich nicht so schnell BU wie der Landschaftsgärtner und der Uni Professor hat ein geringeres Risiko als der Dachdecker. Dies schlägt sich dann selbstverständlich auch auf den Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung nieder. Ob dies jetzt gerecht und sozial ist, steht auf einem anderen Blatt. Wir können es nun mal nicht ändern. Die Berufsgruppe eines Erziehers ist auch nicht wirklich die beste Berufsgruppe laut der Einstufung der einzelnen Gesellschaften. Von daher wird eine normale Kaufmännische Angestellte aus ihrem Freundeskreis einen geringeren Beitrag haben als sie als Erzieherin, selbst wenn die übrigen Eckdaten identisch sind.

Da wir aber selbstverständlich gerne auf den Wunsch eingehen und uns nach Alternativen umsehen, haben wir kurz unseren Vergleichsrechner für eine vage Beitragsbestimmung angeworfen. Raus kam hier folgendes Ergebnis, jeweils aber ohne Pflegerentenbaustein.

Hier wäre eine Übersicht mit 5 sehr guten Anbietern: Es kommen jeweils noch ca. 15 % drauf zwecks Pflege.

So wären wir bei (mit Pflege): 

  • Alte Leipziger : ca. 90 Euro monatlich 
  • Nürnberger: Ca 115 Euro mtl. 
  • HDI: Geht kein Pflegebaustein
  • LV 1871; ca. 120 Euro mtl. 
  • Volkswohl Bund: Ca 125 Euro mtl.

Zu welchem Anbieter möchtest Du von der Continentale wechseln? Ich bereit den Antrag gerne vor...;-)

(Anmerkung – die Beiträge mit der Pflegerentenversicherung sind nur ganz grob geschätzt mit ungefähr 15 % Zuschlag, keine genaue Berechnung). Diese Anbieter sind allesamt renommiert und wir würden sie weiterempfehlen. Ob unsere Kundin dies auch möchte? Wir wagen es zu bezweifeln.

Wie wir gerade merken, gingen wir gar nicht auf ihren Wunsch nach einer Absicherung von 20 oder 30 Euro ein. Aber wir denken, dass können wir uns sparen. Was soll für 20 Euro monatlich herauskommen? Eine BU-Absicherung von 278 Euro im Monat, Endalter 60 Jahre, keine Steigerung im Leistungsfall und Verweisung auf einen anderen BU? So ungefähr wird es wohl aussehen.

Anzumerken sei noch, dass unsere Kundin schon ihre -im gleichen Zeitraum abgeschlossene- Krankentagegeldversicherung ab dem 43. Tag der Krankschreibung gekündigt hat, da 4,20 Euro im Monat zu viel gewesen sind. Das kommentieren wir jetzt mal lieber nicht.

Ebenfalls angemerkt sei, dass bei Vertragsabschluss der Gesundheitszustand sehr gut gewesen war und eine normale Annahme folgte. Ob dies jetzt immer noch so ist? Du kennst als eifriger Leser unseres Blogs sicherlich die Thematik rund um Vorerkrankungen. Jetzt hätte unsere Kundin ein tolles Paket zur Existenzabsicherung gehabt mit einer guten BU + Krankentagegeld, aber es wird nach nur einem Jahr daran gezweifelt. Schade. Aber wir machen uns nichts vor. Jede Person können wir auch nicht erreichen. Oftmals erscheint der Rat der besten Freundin oder Verwandtschaft fachkundiger als die eines versierten Versicherungsmaklers, Versicherungsberaters oder eines Versicherungsvertreters.

PS: Zumindest wurde die Unfallversicherung bei der Interrisk noch nicht angezweifelt. Vielleicht sind wir hier auch beim Phänomen, dass eine „Unfallversicherung ja genüge als Absicherung“…;-).

Nachtrag: Die Berufsunfähigkeitsversicherung wurde nun so beibehalten wie bisher. 


Pressenachklang zum obigen Artikel

21.02.2019 / Das Fachmagazin Pfefferminzia nahm unseren Blogartikel dankenswerter Weise medial auf und berichtete darüber. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Verbraucher, damit dieser schon unterscheiden kann, dass ein Vergleich von Berufsunfähigkeitsversicherungen mit den Policen von Freunden oder Bekannten nur so bedingt gleicht. Es ist und bleibt ein Äpfel- mit Birnenvergleich. 

Den Artikel könnt Ihr unter "Erzieherin bittet Makler um günstigere BU-Police" lesen.