Vermögen/Geldanlage

Verzerren ETF´s massiv die Aktienmärkte?

Markus Koch, in Börsenfachkreisen als absoluter Kenner verschrien, hat vor kurzem auf seiner sehr unterhaltsamen Facebookseite einen Post von sich gelassen, der zum Nachdenken über ETF´s anregt. Diese verzerren nämlich massiv den Kurs von einigen Aktien, welche teilweise stark über dem wahren Wert liegen.

Hier hat er das Beispiel mit Exxon Mobil genommen, eines der größten Unternehmen der Welt. Durch die passive Anlagestrategie von ETF´s kauft man automatisch Firmen ein, welche man eigentlich nicht möchte bzw. wo der wahre Wert weit darunterliegt. In den letzten Jahrzehnten spielten ETF Lösungen noch eine geringe bis faktisch gar keine Rolle am Markt, weshalb diese auch nicht das Gesamtbild verzerrten. Jetzt fließen aber jeden Monat etliche Milliarden Euro & Dollar in diese Produkte und es findet eine enorme Verzerrung der Märkte statt. Diese Thematik hat Markus Koch in einem Facebookpost aufgenommen, den wir ganz interessant und nachdenkenswert finden.

Lest Euch den Post kurz selber durch:

Verzerrung der Aktienmärkte durch ETF´s?

Quelle: Facebookbeitrag von Markus Koch am 22.08.2017

„Kleinere“ Unternehmen aus dem Sektor, welche nicht in den großen ETF Lösungen wie dem MSCI World enthalten sind, haben massive Kursverluste in den letzten Jahren von sich getragen. Aber nur aufgrund der Größe soll Exxon Mobil nicht gefallen sein? Liegt es an dem Zwangsverhalten von ETF Lösungen, dass man auch überteuerte Werte kaufen muss?

Schauen wir uns mal die aktuelle Zusammensetzung des „Ishares MSCI World“ (IE00B0M62Q58) an:

Größten Werte MSCI World

Quelle: Homepage Ishares.com, Screenshot der größten Werte

Dieser ist im Moment über 5 Milliarden Euro schwer. Aber auch andere Anbieter neben Ishares setzen sehr stark auf den MSCI World. Das Anlagevolumen dürfte hier erheblich sein. Es wird somit der Aktienkurs von Firmen künstlich oben gehalten, welche eigentlich aufgrund der Umstände (in diesem Fall von Exxon Mobil wegen massiver Gewinneinbrüche sowie Umsatzrückgängen wg. gefallener Öl & Rohstoffpreise) sinken müssten. Der Trend dürfte sich massiv fortsetzen. Das würde aber für versierte Fondsmanager mal ein Eldorado werden, um evtl. auch auf fallende Kurse oder Kapriolen an den Finanzmärkten zu setzen. Sollte es mal zu einem massiven Abverkauf von ETF´s kommen, dann würden ebenfalls Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen werden, welche eigentlich sehr gesund sind und erhebliches Kurspotential haben.

Ebenfalls hat die „Neue Zürcher Zeitung“ aus der Schweiz sich der Thematik angenommen.

Wir zitieren daraus:

„So können selbst die Notierungen minderwertiger oder überbewerteter Wertpapiere zulegen – nur weil sie in diesem Fonds enthalten sind. Große Anlageinstrumente, wie zum Beispiel der SPDR-S&P-500-ETF von State Street oder der iShares-Core-S&P-500-ETF, führen bei kapitalgewichteten Indizes mit einem Anlagevermögen von bis zu 225 Mrd. Fr. zu einer Konzentration auf wenige Einzelwerte wie Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass passive Anlageinstrumente die Märkte ineffizienter machen. „

Quelle: https://www.nzz.ch/finanzen/fonds/truegerische-gelassenheit-an-den-maerkten-die-etf-koennen-zu-einem-risiko-werden-ld.1307587

Wie schon beschrieben: Solange nur eine kleine Minderheit in passive Instrumente auf laufende Indizes investiert, solange sieht der Chartverlauf gut aus. Aber durch die etlichen Milliarden Euro, welche nun bewegt werden, findet eine Konzentration auf wenige Werte statt, die so eigentlich gar nicht gewollt ist. Erleben die Anleger in Deutschland den nächsten Nackenschlag für ihre Investmentaffinität?

Dies ist natürlich jetzt kein pauschaler Rat für aktive Fonds, denn hier muss auch ganz klar unterschieden werden. Viele aktive Investmentfonds sind ihr Geld nicht wert. Sie kleben am Index, haben wenig Innovation oder sind beschränkt auf gängige hochkapitalisierte Aktien. Da kann man sich gleich einen ETF erwerben. Deshalb gilt es einige wichtige Punkte zu beachten! So ist es enorm wichtig, dass man nicht an den Indizes klebt, das Hauptaugenmerk auf Small & Mid Caps legt und natürlich darf das Fondsvolumen noch nicht zu groß sein. Nur so kann man in interessante kleinere Werte gehen, die ein massives Kurspotential haben und welche von der breiten Masse noch nicht entdeckt sind.

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang finden wir unseren Artikel "Sind ETF´s das Allheilmittel in der Geldanlage oder sind aktive Fonds doch besser?"

Wir sind gespannt, was die Zukunft so bringt. Das ETF Thema werden wir aber interessant von der Seite beobachten. In wenigen Fällen mag es Sinn machen und wir benutzen es dann auch für unsere Kunden in ihren individuellen Depots oder ihrer Fondspolice. Aber grundsätzlich gibt es weit bessere Möglichkeiten, wenn man sich intensiv mit der Materie beschäftigt.