1. Einführung einer Karrieregarantie von bis zu 6.000 Euro mtl. BU-Rente

Ein großer Kritikpunkt von uns war bisher, dass die Nachversicherung bei 3.000 Euro endete. Sprich, ein Schüler, Student oder generell junge Person konnte später bei der AXA eigentlich nie das versichern, was eigentlich den Bedarf darstellen würde. 3.000 Euro klingen zwar viel, aber….

  • Faktisch jeder Jungabsolvent kann beim Berufseinstieg sich schön höher versichern, sprich, der Bedarf wäre höher.
  • Zudem wird langfristig noch das süße Gift der Inflation vergessen, welche insbesondere ja 2022 und 2023 stark einschlug. Es gibt zwar noch die Beitragsdynamik, aber diese kann die Thematik maximal etwas abmildern. 

Insofern war es verwunderlich, warum die AXA hier bisher so dezent unterwegs gewesen ist. Haben wir für eine junge Person eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei der AXA abgeschlossen (z.B. aufgrund der sehr guten Fragestellung, die in dem Fall die AXA als passende Lösung angesehen hat), dann war eine Aufteilung auf zwei Versicherer nahezu eine Pflicht. 

Die Karrieregarantie hält Einzug bei der AXA

Die sehr beliebte Karrieregarantie findet man nun auch bei der AXA. Sind die normalen Nachversicherungsgarantien erschöpft (sprich, im Moment die 3.000 Euro), kann bei steigendem Gehalt die BU-Rente trotzdem erhöht werden.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Die Karrieregarantie kann bis zu 72.000 Euro p.a. (also 6.000 Euro im Monat betragen).
  • Die Gehaltserhöhung muss mind. fünf Prozent betragen und somit kann die BU-Rente im selben prozentualen Verhältnis erhöht. 
  • Angestellte müssen in einem festen Arbeitsverhältnis sein, sprich, befristete Angestellte können die neue Möglichkeit der AXA nicht nutzen. 
  • Selbstständige können auch die Karrieregarantie nutzen, wenngleich hier die Auflagen viel strenger sind. Die versicherte Person muss seit mind. sechs Jahren (!) die freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit aus. Der Gewinn muss sich zudem um mindestens 30 Prozent in den letzten drei Kalenderjahren erhöht haben.

Grundsätzlich halten wir es erstmals für sehr positiv, dass die Karrieregarantie bei der AXA Einzug nehmen wird. Man merkt aber, dass man übervorsichtig agiert, fast schon konzernmäßig. Irgendwie hätte man 2026 an der Höhe von 6.000 Euro schrauben können, aber das ist die kleinste Kritik. Personen in einer befristeten Anstellung (oftmals bei Ärzten im Krankenhaus der Fall) sind außen vor und die Regelung für Selbstständige ist auch nicht mehr zeitgemäß. Wollen wir aber positiv denken und freuen uns auf den ersten Aufschlag. Die AXA sollte zeitnah die Karrieregarantie aber nochmals anfassen, denn die Konkurrenz schläft nicht….

Negativ finden wir auch, dass die DÄV (Deutsche Ärzteversicherung) eine Sonderregelung bekommt, wo schon ein Jahr nach Eröffnung einer Niederlassung die Karrieregarantie genutzt werden kann (wenngleich nur einmalig). Schade, das es für die unterschiedlichen Vertriebswege unterschiedliche Lösungen gibt.
Zudem findet

Unschön finden wir zudem, dass jede Nachversicherung sowie auch Karrieregarantie in einem neuen Vertrag stattfindet, siehe Auszug aus den Bedingungen:

Jede Erhöhung erfolgt nach den von uns zu diesem Zeitpunkt angebotenen Tarifen, Versicherungsbedingungen und Annahmerichtlinien. Sie wird als rechtlich selbstständiger Versicherungsvertrag mit gesonderten Beiträgen und Leistungen abgeschlossen.

Quelle: Vertragsbedingungen AXA Berufsunfähigkeitsversicherung 04 / 2026

Dies hat ja dann die Folge, dass man unzählige Kleinstverträge besitzt, wenn man die Nachversicherung sowie die Karrieregarantie nutzen möchte. Das treibt die Kosten nach oben (Kleinstverträge sind teurer als wenn man die Erhöhung im bestehenden Vertrag einbaut) und zudem bleibt es aber unübersichtlich, wenn man dann sieben BU Verträge der AXA in seinem Versicherungsportfolio besitzt.

Hinweis

Der Deckel der Beitragsdynamik bleibt weiterhin

  • Die Beitragsdynamik geht auch nach dem Update nicht über 5.000 Euro mtl. BU-Rente darüber.
  • Das ist uns durchaus schon ein Dorn im Auge.
  • 5.000 Euro mtl. BU-Rente klingt viel, aber durch die Inflation und den damit verbundenen Kaufkraftverlust erscheint diese Zahl in einigen Jahren & Jahrzehnten viel geringer.

2. Erweitertes Fragenclustersystem

Für die meisten nicht relevant, eher für die Nerds unter uns. Aber die AXA stuft nun detaillierter und passgenauer jede berufliche Tätigkeit ein. Das kann für manche sinkende Prämien zur Folge haben, für manche Personen aber auch steigende. 

Zwei große Veränderungen gab es.

Unterschied bei der Bürotätigkeit

FrageBisherige AntwortmöglichkeitenNeue Antwortmöglichkeiten
Bisheriger Büroanteil 
  • Mindestens 75 Prozent
  • Unter 75 Prozent
 
 
  • 80-100 Prozent
  • 60-79 Prozent
  • 40-59 Prozent
  • 20-39 Prozent
  • 0-19 Prozent
 

Sowie den Unterschied beim höchsten Abschluss, der bisher erreicht wurde (die Änderungen sind in Grün geschrieben).

FrageBisherige AntwortmöglichkeitenNeue Antwortmöglichkeiten
Höchster beruflicher Abschluss 
  • Abgeschlossenes Studium (außer Bachelor oder Master)
  • Abgeschlossenes Master-Studium
  • Abgeschlossenes Bachelor-Studium
  • Abgeschlossene Weiterbildung (z. B. Meister, Techniker, Abschlüsse an Berufsakademien, jeweils mit öffentlich anerkanntem Abschluss)
  • Abgeschlossene Berufsausbildung (mit öffentlich anerkanntem Abschluss)
  • keinen, derzeit in beruflicher Erstausbildung
  • Nichts vom Vorgenannten
 
 
  • Abgeschlossenes Studium (außer Bachelor oder Master)
  • Abgeschlossenes Master-Studium
  • Abgeschlossenes Bachelor-Studium
  • Abgeschlossene Weiterbildung kaufmännisch (z. B. Betriebswirt, Fachwirt, jeweils mit öffentlich anerkanntem Abschluss)
  • Abgeschlossene Weiterbildung technisch (z. B. Meister, Techniker, jeweils mit öffentlich anerkanntem Abschluss)
  • Abgeschlossene Berufsausbildung (kaufmännisch)
  • Abgeschlossene Berufsausbildung (technisch, handwerklich)
  • Abgeschlossene Berufsausbildung (sonstige)
  • keinen bzw. abgeschlossene Berufsausbildung, derzeit im dualen Studium 
  • keinen, derzeit in beruflicher Erstausbildung
  • Nichts vom Vorgenannten
 

Es gibt also ein kleines Feintuning, ohne, dass es wohl jemand bemerkt hat. Die Prämien werden dadurch passgenauer.

Und wenn wir schon bei den Prämien sind…..

Tipp

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3. Neue Berufsgruppensystematik - die Beiträge in der BU verändern sich bei der AXA stärker

Für uns alle sicherlich eher eine kleine Randnotiz, für die AXA intern sicherlich etwas Großes. Gab es bisher 2*11 Hauptgruppen (für die Berufsunfähigkeitsversicherung wie auch für die Dienstunfähigkeitsversicherung).

gibt es nun eine neue Systematik ab April 2026. Es gibt nun 20 Hauptberufsgruppen, womit eigene Berufsgruppen für die Dienstunfähigkeitsversicherung beendet wurden.

Im Einzelnen sieht es dann so aus:

Berufsgruppe Beispiel Berufe
BG01Ingenieure (Maschinenbau & Elektro), Physiker
BG02Internist
BG03Dipl. Informatiker, Ingenieure (Bau-, Produktion-)
BG04Chirurg, Wirtschaftsprüfer
BG05Juristen, Dipl. Betriebswirt, Allgemeinmediziner
BG06Apotheker, Entwicklungstechniker
BG07Elektroniker, Softwareentwickler
BG08Unternehmensberater, Immobilienkaufmann
BG09Beamte (geh. Dienst), Betriebswirt, Techniker, Zahnarzt
BG10Lehrer, Polizist (geh. Dienst), G/A-Kaufmann
BG11Kaufleute (Bank- & Büro), Bautechniker, Tierarzt
BG12Mechaniker (diverse), Landwirt, Speditionskaufmann
BG13Beamte (mittl. Dienst), Schneider
BG14Kaufleute (Einzelhandel & Versicherung), KFZ-Mechaniker, Polizist (mittl. Dienst), Erzieher
BG15Lackierer, Schreiner, Schweißer
BG16Feuerwehrleute, Koch, Krankenpfleger
BG17Maler, Betonbauer, Versicherungsvertreter
BG18Bäcker
BG19Metzger, Fliesenleger, Mauer
BG20Altenpfleger, Dachdecker

Irgendwie amüsant, dass der Lackierer, Schreiner oder Schweißer besser eingestuft wird als der Versicherungsvertreter (wo auch der Versicherungsmakler, also der Schreiber des Artikel gemeint wird).

 

Was hat die neue Berufsgruppensystematik zur Folge?

Noch passgenauere Prämien. Für die “guten” Berufe wird es günstigere Prämien zur Folge haben, manch körperliche, handwerkliche und soziale Berufe werden dadurch teurer eingestuft werden (aber nicht immer, da die AXA generell im Zuge des Updates neu ansah).

Bei den sehr beliebten Berufen, welche natürlich auch vermehrt bei uns anfragen (wie Ingenieure, MINTlerSteuerberater und Architekten) gab es folgende Veränderungen (es wurde sogar mal teurer).

BerufBisherige Prämie bei der AXANeue Prämie bei der AXA
Maschinenbauingenieur22,15 Euro18,79 Euro
Architekt25,76 Euro25,61 Euro
Wirtschaftsinformatiker23,87 Euro20,47 Euro
Projektmanager25,69 Euro26,93 Euro
Steuerberater29,77 Euro23,79 Euro
Wirtschaftsprüfer28,64 Euro22,75 Euro

Es bleibt also weiterhin ein Hauen und Stechen um die schönen Risiken. Der gesamte BU-Markt (ohne jetzt speziell die AXA zu meinen), sollte den Bogen hier nach unserer Meinung aber nicht überspannen. Langfristig muss die Berufsunfähigkeitsversicherung auskömmlich kalkuliert werden, denn sonst gibt es Beitragserhöhungen oder eine Leistungsfallbearbeitung, welcher der Sau graust. 

Es gab aber auch Berufe, welche um über 15 Prozent teurer geworden sind. Das sind z.B.:

AltenpflegerEinzelhandelskauffrau
DisponentSachbearbeiter
VerkäuferVorstandsmitglied
Mechatroniker für KältetechnikTrockenbauer
MetzgerZimmermann
VersicherungskaufmannPsychotherapeut (nicht Arzt)
Speditionskaufmann 

4. Schüler können nun endlich fünf Prozent Beitragsdynamik auswählen

Bei Schülern hatten wir bisher den Schwachpunkt, dass maximal drei Prozent möglich gewesen sind. Dieser Deckel wurde nun endlich angehoben auf fünf Prozent. Wie man im Artikel “Kundenfrage: Warum sollte ich mehr als drei Prozent Beitragsdynamik nehmen?” entnehmen kann, gibt es für uns eigentlich keine Gründe (vor allem für junge Kunden), nicht die vollen fünf Prozent Beitragsdynamik zu benutzen. 

Der negative Passus, dass die Beitragsdynamik aber dann bei 5.000 Euro endet, bleibt weiterhin so. Das ist schade, denn grundsätzlich bietet die AXA bei Schülern ja fast ein Alleinstellungsmerkmal. Man bietet die Schüler Berufsunfähigkeitsversicherung ja schon ab acht Jahren an. Absoluter Marktstandard sind ja zehn Jahre, nur die LV 1871 bietet bekanntlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab sechs Jahren (mind. aber Einschulung) an.


5. Weitere, kosmetische Änderungen:

  • Die bisher schlechteste Berufsgruppe (4) hatte diverse Nachteile in der Praxis (Nachversicherung und Co.), diese sind nun gefallen, die Bedingungen gelten nun für alle normalen Berufsgruppen.
  • Rehaleistungen sind nun mehrmals für bis zu 12.000 Euro möglich.
  • Klarstellung bei Anlass „Einkommens-Erhöhung bei Arbeitnehmern: Dies gilt auch bei Aufstockung der Teilzeittätigkeit oder Wechsel auf Vollzeitstelle
  • Möglichkeit, Verträge mit gebrochener Dauer zu verlängern – selbst dann wenn diese vorher nicht mit einem Rumpfjahr endeten. Spatzen pfeifen es ja schon von den Dächern - wir werden mal länger arbeiten müssen. 
  • Im Leistungsfall kann nicht nur der ehemalige Arbeitgeber um Auskunft gebeten werden, sondern auch "sonst auskunftsfähige Personen,", welche "über die Ausgestaltung der konkreten Tätigkeit und das Gehalt" Bescheid wissen. Das ist eher nachteilig. 

Wie man sieht, sind es wirklich eher kleine Veränderungen. An Themen wie den Verzicht auf die konkrete Verweisung hat man sich also noch nicht gewagt, weder für alle Berufe (bietet ja die HDI so an), noch für Kammerberufe (wie z.B. die Nürnberger oder Baloise). 

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6. Fazit zum Update der AXA im Frühjahr 2026

Der große Anschluss an die sehr gehobene Spitzenklasse am Markt wurde hier nach unserem Empfinden nicht geschafft. Zu großen Teilen handelt es sich um eine Feinjustierung der Beiträge, um insbesondere bei den attraktiven Berufen (welche ja am häufigsten die BU nachfragen, zumindest bei uns) einen größeren Teil des Kuchens zu bekommen. Denn noch immer vermitteln viele Versicherungsvermittler vor allem nach dem Preis und einem Vergleichsrechner. 

Positiv finden wir auf den ersten Blick natürlich die Einführung der Karrieregarantie, für uns ist die Nachversicherung in der BU ja extrem wichtig, wie man auch an unserem Rückblick 2025 zu den Erhöhungen nachlesen kann. In der Praxis finden sich im Marktvergleich aber noch einige Schwächen. Sehen wir es als ersten Aufschlag an, an dem noch optimiert werden sollte. Wir denken ja immer positiv.

Die AXA Berufsunfähigkeitsversicherung wird im Einzelfall bei uns sicherlich weiterhin eingesetzt, der Kuchen wird aber wohl nicht größer. Dazu fehlt uns beim Update das gewisse Extra, auch gegenüber anderen Versicherern in der Spitzenklasse in der großen, weiten BU-Welt, welche ja auch nicht stehen bleibt. Aber jegliche Verbesserung ist natürlich begrüßenswert, und wenn der Kunde nach der Beratung eines Ausschließlichkeitsvertreters der AXA nun ein etwas flexibleres Produkt als 2025 bekommt, ist es ja für die Allgemeinheit ja auch besser.

PS: Explizit auf Beamte sind wir in diesem Update nicht eingegangen. Hier stellt die AXA mit der DBV in vielen Konstellationen eine gute Lösung dar. Da wir aber auf Beamte nicht unbedingt spezialisiert sind (wir können es schon, aber wir möchten nicht unbedingt Anfragen anziehen, aufgrund unserer geringen Kapazitäten), gehen wir in diesem Artikel auch nicht darauf an. Die DBV spielt für Beamte sicherlich eine viel, viel wichtigere Rolle (auch bei uns)  aufgrund der Dienstunfähigkeittsversicherung, als die AXA bei der Berufsunfähigkeitsversicherung bei normalen Angestellten.